Das unglaubliche Potential des Menschen

 

Chapter 1: Das Evangelium Christi unterdrückt – vom ersten Jahrhundert bis heute nicht gehört!

Machen Sie sich auf die erstaunlichste Offenbarung Ihres Lebens gefasst. Stößt es Ihr Weltbild um, wenn Sie erfahren, dass die wichtigste Dimension aller Erkenntnis zwar von Christus klar ausgesprochen wurde, dass man seine Lehre aber schon im ersten Jahrhundert unterdrückt hat? Dass Christus getötet wurde, eben weil er sie verkündete? Dass die Apostel, von einer möglichen Ausnahme abgesehen, das Martyrium erlitten, eben weil sie ebenfalls diese Lehre verbreiteten?

Hätte die Menschheit diese Botschaft des lebendigen Gottes aufgenommen und beherzigt, so wären ihr nahezu alle Übel und Schrecknisse, unter denen sie heute leidet, erspart geblieben.

„Evangelium”, aus dem Griechischen, bedeutet „gute Nachricht”. Die gute Nachricht, die Christus verbreitete, ist eine Botschaft, die – richtig und voll verstanden – eine Bestimmung des Menschen offenbart, so verblüffend und ungeheuerlich, dass sie auf den ersten Blick allen Begriff übersteigt.

Sie deutet menschliches Sein: was der Mensch ist, welchen Sinn die menschliche Existenz auf Erden hat, wohin wir gehen, worin der Weg zum Weltfrieden, zu Glück und allgemeinem Wohlergehen besteht, was die wahren Werte sind, worin die ungeheure Bestimmung des Menschen liegt und wie sie erfüllt werden kann.

Hier gibt es Antworten, Offenbarungen, die wichtigsten Erkenntnisse, die dem Menschen je zugänglich gemacht worden sind! Und der Mensch hat sie zurückgewiesen, mit Füßen getreten.

Voll erfasst, gibt Christi Evangelium Aufschluss über Dinge, die die Wissenschaft niemals entdeckt hat, nie entdecken kann. Dinge, an denen alle Religionen versagt haben. Dinge, die nie auf den Lehrplänen der Schulen gestanden haben.

Es offenbart die herrlichste Wahrheit, die sich je dem Menschen eröffnete! Es offenbart die fehlende Wissensdimension – Grunderkenntnisse, die unumgänglich notwendig sind.

Es war die beste, die froheste Nachricht, die der Schöpfer seinen Geschöpfen je zukommen ließ! Warum hat der Mensch sie nur zurückgewiesen, ja gehasst, und den Boten, der sie brachte, umgebracht?

Die Antwort lautet: Der Mensch ist dazu verführt worden! Die ganze Welt ist heute verführt!

Dieses Buch soll zeigen, wie der Mensch verführt wurde, und klarlegen, worin die „gute Nachricht” in Wirklichkeit bestand. Und noch besteht.

Auch heute ist sie der großen Mehrheit der Weltbevölkerung noch unbekannt. Und auch jene Millionen, die sie hören, sind noch derart in falschen Religionen und „Evangelien” befangen, dass die Wahrheit sie nur verwirrt. Dabei ist die Wahrheit in der Tat phantastischer als jede Dichtung!

Der ERZVERFÜHRER

Einen leibhaftigen Teufel für existent zu halten, ist heute unmodern geworden – eine Haltung, die die Bibel selbst schon voraussagt.

In den Prophezeiungen heißt es ganz deutlich, heute, in unserer Zeit, werde die ganze Welt verführt sein: Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt …” (Offenbarung 12, 9).

Satan wird als der Erzverführer bezeichnet, der die ganze Welt verblendet hat. Aber wie hat er das fertig gebracht?

In 1. Mose 3 tritt er als Verführer Evas auf. Durch sie brachte er Adam, den Ur‑Menschen, dazu, die erste Sünde der Geschichte zu begehen.

Als Jesus in Bethlehem geboren wurde, herrschte Satan nach wie vor auf Erden, als Gott dieser Welt (2. Korinther 4, 4). Auch wird er genannt der „Mächtige, der in der Luft herrscht” (Epheser 2, 2) und die ganze Menschheit in seinem Bann hält.

Christi Botschaft offenbarte auch, dass Satan dereinst gestürzt und seiner Herrschaft über die Menschen ein Ende gemacht wird. Sie offenbarte, dass Christus seine Nachfolge antreten wird als Regent über alle Völker. Nun wollte Satan mit allen Mitteln verhindern, dass die Welt von dieser Nachricht erführe.

Aber wie konnte er das verwirklichen?

Zunächst trachtete er Jesus als Kind selbst nach dem Leben, damit er nicht aufwachsen und die Botschaft verkünden konnte. Er bewog König Herodes, den römischen Statthalter in Israel, alle Knaben unter zwei Jahren in Bethlehem und Umgebung umbringen zu lassen. Gott aber warnte Joseph und Maria und ließ sie mit Jesus nach Ägypten fliehen, wo sie bis zum Tode des Herodes blieben.

Als Jesus dreißig Jahre alt war, versuchte Satan – bevor Jesus sich qualifiziert hatte, seine Botschaft zu verkündigen –, ihn geistig zu vernichten. Die große Versuchung freilich, in deren Maschen sich Jesus nach Satans Plan verfangen sollte, erwies sich gerade erst als die Bewährungsprobe, durch die sich Jesus das Recht erwarb, Satan abzusetzen und die Herrschaft über die Völker anzutreten. Dass Jesus die Prüfung bestand, qualifizierte ihn, das Reich Gottes auf Erden zu errichten. Doch das lag noch in weiter Ferne: Es soll nach Gottes Plan erst nach Ablauf der sechstausendjährigen Frist, die der Menschheit zugemessen ist, geschehen.

Damals hatte Jesus einen anderen Auftrag, und den erfüllte er: Er verkündete seine Botschaft und unterrichtete seine Jünger.

Die Macht Satans, die Welt zu beeinflussen, war damit jedoch nicht aufgehoben. Viele der Juden, denen Jesus predigte, glaubten zwar an ihn als den verheißenen Messias, aber seine Botschaft stieß auf taube, verführte Ohren.

Wie ging – und geht – Satan bei seinem großen Täuschungswerk vor? Davon soll später die Rede sein.

Evangelium verworfen

Wie kam es dazu und warum wurde die Botschaft Christi abgelehnt?

Die Wirkung ist in Johannes 8, 30‑46 geschildert: „Da er solches redete, glaubten viele an ihn. Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede [seine Botschaft], so seid ihr in Wahrheit meine Jünger … aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort [das Evangelium] findet bei euch keinen Raum … Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe … ich bin ausgegangen und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber gekommen, sondern er hat mich gesandt … weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht … Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht?”

Als die Zeit gekommen war, kreuzigten die Römer Jesus. Er aber wurde von den Toten auferweckt und fuhr zum Himmel auf. Von dort sandte er seinen Jüngern Gottes Heiligen Geist.

Seinem Auftrag folgend, trugen Christi Apostel seine Botschaft in die Welt. Gottes Kirche wurde errichtet (31 n. Chr.), um das Verkündigungswerk zu stützen. Die Gemeinde begann zu wachsen, die Lehre Christi griff schließlich wie ein „Lauffeuer” um sich.

Da ließ Satan einen mächtigen heidnischen Religionsführer erstehen, der die alte babylonische Mysterienreligion neu belebte. Er predigte ein verfälschtes „Evangelium”. Christi Namen missbrauchend, nannte er seine Religion „Christentum”.

Ich weiß, dies ist eine kühne Behauptung, heute, 1900 Jahre später, schwer zu verstehen. Dennoch: Sie ist wahr!

Das Schein‑„Evangelium”

Nördlich von Jerusalem in Samaria lebte ein Heidenvolk, das von den Juden zur Zeit Jesu verachtet und sogar als „Hunde” bezeichnet wurde. Um 700 v. Chr. waren sie vom Assyrerkönig Salmanasser aus Teilen des Babylonischen Reiches dorthin vertrieben worden (2. Köninge 17, 18 und 21‑24); ihre babylonische Mysterienreligion hatten sie nach Samaria mitgebracht. Im achten Kapitel der Apostelgeschichte lernt man ihren religiösen Wortführer zur Zeit Christi kennen: Simon den Zauberer.

Christus begründete, wie gesagt, 31 n. Chr. die Kirche Gottes als Trägerin seines Verkündigungswerkes. Nach starkem Anfangswachstum setzten dann um das Jahr 33 heftige Verfolgungen ein (Apostelgeschichte 8, 1). Zu dieser Zeit war es, dass sich neben vielen anderen auch Simon der Zauberer taufen ließ. Er versuchte, sich von Petrus und Johannes mit Geld die Apostelwürde in der Gemeinde Gottes zu „erkaufen”, wurde natürlich schärfstens zurückgewiesen.

Daraufhin hängte sich Simon ein christliches Deckmäntelchen um und versah seine babylonische Mysterienreligion mit dem Etikett „christlich”. Satan lenkte diesen Mann und gebrauchte ihn als Werkzeug, die wahre Gemeinde Gottes zu verfolgen und nahezu auszurotten. Bis Ende des Jahrhunderts – wahrscheinlich schon um 70 n. Chr. – hatte er es geschafft: Die Botschaft, die Christus von Gott gebracht hatte, war unterdrückt.

Die nachfolgende Zeit bezeichnet man auch als das „verlorene Jahrhundert” der Kirche. Eine gutorganisierte Verschwörung bemühte sich, alle kirchengeschichtlichen Unterlagen aus dieser Periode verschwinden zu lassen. Hundert Jahre später zeigt die Geschichte ein „Christentum”, das kaum noch Ähnlichkeit aufweist mit der von Christus vertretenen Lehre.

Es hatte sich Christi Namen angemaßt und diesen Namen der babylonischen Mysterienreligion umgehängt. Die von Christus gepredigte Lehre hatte es durch ein „Evangelium” über Christus ersetzt, über ihn als Person – es verkündete den Boten, aber nicht die entscheidende Dimension seiner Botschaft.

Und mindestens achtzehneinhalb Jahrhunderte lang ist das wahre Evangelium der Welt nicht mehr verkündet worden.

Das falsche Evangelium fasst Fuss

Um das Jahr 58, als Paulus seinen Brief an die Galater schrieb, hatten sich schon viele diesem neuen Schein‑„Evangelium” zugewandt.

Paulus schrieb: „Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasset von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem anderen Evangelium, obwohl es doch kein andres gibt [es war keine gute Nachricht], nur dass etliche da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren” (Galater 1, 6‑7).

Den Thessalonichern schrieb Paulus um 54: „Denn es regt sich bereits das Geheimnis des Frevels …” (2. Thessalonicher 2, 7). Gemeint ist die neue Form der babylonischen Mysterienreligion unter Simon dem Zauberer (Apostelgeschichte 8), eine Religion des „Frevels” – der Gesetzlosigkeit – eine Religion, die das Gesetz Gottes verwarf. Davon später mehr.

Die wahre und die falsche Kirche

Das Buch der Offenbarung schildert zwei Kirchen, die beide mit christlichem Anspruch auftreten. Die eine (Kapitel zwölf) stellt die wahre Kirche Gottes dar, klein an Zahl, durch Verfolgung und Blutopfer dezimiert, aber getreu Gottes Gesetz befolgend, gehasst von Satan. Die andere (Kapitel siebzehn) wird bezeichnet als ein Geheimnis: „das große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Gräuel auf Erden” (Vers 5). Mit anderen Worten: die babylonische Mysterienreligion, behaftet mit „Frevel” – Abfall vom Gesetz Gottes.

Schon zur Zeit des paulinischen Wirkens verfälschten die Diener eben jenes Simon Magus das Evangelium auch unter den Korinthern. Paulus schrieb an die Gemeinde: „Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt einem einzigen Manne, dass ich Christus eine reine Jungfrau zuführte [die wahre Kirche soll bei der Auferstehung geistlich eine Ehe mit Christus eingehen]. Ich fürchte aber, dass, wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, so auch eure Gedanken verkehrt werden hinweg von der Einfalt und Lauterkeit gegenüber Christus. Denn wenn einer [ein Anhänger des Simon Magus] zu euch kommt und einen andern Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen andern Geist [den der Gesetzlosigkeit, des Ungehorsams gegenüber Gott] empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium … ” (2. Korinther 11, 2‑4). Über den Zusammenhang mit der Verführung der ersten Frau, Eva, später mehr.

Festzuhalten ist: Man verkündete bereits einen anderen Jesusein anderes Evangelium – und folgte einem anderen Geist – dem Geist der Auflehnung, nicht des Gehorsams. Dieser Betrug hat sich durch die Jahrhunderte fortgesetzt und dauert auch heute an. Man übernahm Christi Namen, versah die babylonische Religion mit „christlichem” Etikett. Nicht nur, dass man ein Schein‑Evangelium predigte, man propagierte auch einen Schein‑Geist und einen Schein-Jesus.

Von diesen falschen Priestern schrieb Paulus den Korinthern weiter: „Denn solche falschen Apostel und arglistigen Arbeiter verstellen sich zu Christi Aposteln. Und das ist auch kein Wunder, denn er selbst, der Satan, verstellt sich zum Engel des Lichtes. Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit” (2. Korinther 11, 13‑15).

Petrus, Johannes und Judas Im Kampf gegen die Irrlehrer

Petrus warnte ebenfalls vor diesen Verführern: „Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer, die verderbliche Irrlehren einführen … Und viele werden ihnen folgen in ihren Ausschweifungen; um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit verlästert werden. Und aus Habsucht werden sie euch mit erdichteten Worten zu gewinnen suchen … “(2. Petrus 2, 1‑3).

Johannes schrieb von denselben Evangeliumsverfälschern, die den Wegen Gottes nicht folgen wollen. „Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht” (1. Johannes 2, 4). „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns. Denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben …” (Vers 19).

Judas mahnte die Christen, dass ihr für den Glauben kämpft, der ein für alle Mal den Heiligen überliefert ist. Denn es haben sich einige Menschen eingeschlichen, über die schon längst das Urteil geschrieben ist; Gottlose sind sie, missbrauchen die Gnade unseres Gottes für ihre Ausschweifung [zügellosen Ungehorsam] … Ebenso sind auch diese Träumer, die ihr Fleisch beflecken, jede Herrschaft verachten und die himmlischen Mächte lästern … Wehe ihnen! Denn sie gehen den Weg Kains und fallen in den Irrtum des Bileam um Gewinnes willen und kommen um in dem Aufruhr Korachs. Sie sind Schandflecken bei euren Liebesmahlen, prassen ohne Scheu … sie sind Wolken ohne Wasser, vom Wind umhergetrieben … zweimal abgestorben und entwurzelt, wilde Wellen des Meeres, die ihre eigene Schande ausschäumen, umherirrende Sterne, deren Los ist die dunkelste Finsternis in Ewigkeit” (Judas 3‑13).

„Evangelium” – heute ein irreführendes Wort

„Evangelium” ist heute direkt ein irreführendes Wort, zumal es von den zahlreichen „Evangelisten” protestantischer Prägung, von „Volksmissionaren” und in „Traktätchen” so oft falsch gebraucht wird. Besonders in der angelsächsischen Welt findet man „evangelistische” Bemühungen zuhauf. im Fernsehen, im Radio, durch Gedrucktes, durch persönliche Missionskampagnen und „Feldzüge für Christus”.

Sagt man jemandem: „Achtzehneinhalb Jahrhunderte lang hat die Welt das Evangelium nicht mehr gehört”, dann wird er einen wahrscheinlich für verrückt erklären. Sicher, ein „Evangelium” ist die ganze Zeit lautstark verkündet worden, aber es ist ein Schein‑Evangelium über die Person des Boten, unter Vernachlässigung seiner Botschaft.

Sie geht von der Annahme aus, Gott versuche jetzt und nur jetzt, „die ganze Welt zu retten”. Aber sie wissen nicht einmal, was das Heil ist, geschweige denn, wie man es erlangt.

Wie ist es möglich, dass die ganze Welt verführt werden konnte? Was beinhaltete die Evangeliums-Botschaft Christi, dass ein mächtiger, unsichtbarer Teufel so entschlossen war, sie zu unterdrücken und zu verfälschen?

Machen Sie sich auf Erstaunliches gefasst!

Chapter 2: Was war das Evangelium Christi? Eine überraschende Offenbarung

Das erste Kapitel zeigt, dass die wichtigste Dimension aller Erkenntnis, vom Menschheitsschöpfer ausgesandt, hier auf Erden unterdrückt und einer betrogenen Welt ein „Ersatzevangelium” unterschoben wurde. Man predigte den Boten, nicht aber die Botschaft, die er brachte. Heute ist die Zeit gekommen, der Welt diese Botschaft von ungeheurer Bedeutung wieder zu Gehör zu bringen.

Das wahre Evangelium: Was beinhaltet es?

Das wahre Evangelium ist die gute Nachricht, die Gott durch Jesus Christus vom Himmel sandte. Voll erfasst, gibt es Aufschluss über eine Bestimmung des Menschen, so ungeheuerlich, dass sie auf den ersten Blick in der Tat kaum glaubhaft scheint – eine unfassbar gute Nachricht, vom Schöpfer offenbart.

Sie offenbart die herrlichste Wahrheit, die sich je dem Menschen bot.

Sie offenbart, was ich die fehlende Wissensdimension nenne – Grunderkenntnisse, die elementar und lebenswichtig sind.

Es handelt sich hierbei um eine Botschaft, die Aufschluss darüber gibt, warum der Mensch auf diese Erde gesetzt wurde: seine große Seinsbestimmung, von der Wissenschaft unentdeckbar, von den Kirchen nicht verkündet, von den Schulen nicht gelehrt.

Sind wir zu einem bestimmten Zweck auf der Welt? Wenn ja, worin besteht dieser Zweck?

Die fehlende Wissensdimension

Wenn es eine Bestimmung gibt: Worin besteht sie? Wozu sind wir geboren?

Wohin gehen wir? Was ist das große, transzendente Potential des Menschen? Welcher Weg führt dorthin? Wie können wir dieses Ziel erreichen?

Worin besteht der Weg zum Frieden – politisch, sozial, zwischenmenschlich?

Warum all die Missstände auf der Welt? Warum bekommt der Mensch seine eigenen Probleme nicht in den Griff. Es gibt einen Weg, und das wahre Evangelium offenbart ihn. Eine elementare Gesetzmäßigkeit wirkt da, so unerbittlich und zwangsläufig wie ein Naturgesetz.

Menschliche Natur: was ist das? Ein „Störfaktor” nur, dem Menschen von Gott eingeschaffen? Ist sie erblich? Wie wirkt sie? Weder die moderne Wissenschaft noch Religion noch das Bildungswesen können uns das sagen.

Was ist der menschliche Verstand, was unterscheidet den Menschen grundsätzlich vom Tier? Warum dieser Widerspruch: dass der Mensch, fähig, Computer zu bauen und Mondflüge zu unternehmen, seine eigenen Probleme hier auf Erden nicht lösen und mit seinen Mitmenschen nicht in Frieden leben kann?

Was ist der Mensch denn? Was sind wir überhaupt? Von der Wissenschaft unerforschbar, von der Religion nie richtig erklärt: die Antwort ist im Licht des wahren Evangeliums klar zu sehen.

Worin bestehen die wahren Werte? Was ist bedeutsam, was nebensächlich oder ganz wertlos? Nur zu oft zeigt sich der Mensch da fehlorientiert – er verschwendet seine Kräfte und Gedanken auf Ziele, die buchstäblich „wertlos” sind und sich am Ende immer als trügerisch und unbefriedigend erweisen.

Voll verstanden, erklärt das wahre Evangelium auch den Ursprung des Teufels. Hat Gott einen Teufel ins Leben gerufen, um die Menschheit bewusst zu plagen und irrezuführen? Das Evangelium gibt Aufschluss, wie es zu jener Macht des Bösen kam, zu jener Täuschung und Irreführung, die die Welt in ihren Bann geschlagen hat, ja in der Tat beherrscht. Es gibt Aufschluss darüber, wie Satan mit aller List und Tücke – durch Menschen, die seiner Einflüsterung unterlagen – jene Evangeliumsbotschaft unterdrückt, die Gott durch Jesus Christus auf die Welt sandte.

Hätte die Menschheit die Botschaft des wahren Evangeliums beherzigt, so wären ihr nahezu alle Übel, Schrecknisse und Missstände, unter denen sie leidet, erspart geblieben.

Es ist für mich unmöglich, in wenigen Worten die Sache so zu verdeutlichen und mit der richtigen Betonung auszulegen, dass Sie, der Leser, die ungeheuere Bedeutung und Wichtigkeit des wahren Evangeliums begreifen.

Selbst jene, die die Botschaft heute hören, verstehen sie nur schwer in ihrer ganzen Tragweite, denn falsche Ersatzreligionen, ‑evangelien und ‑lehren haben einen derartigen „Rauchvorhang” gezogen, dass der Hörer oder Leser nur in Verwirrung gerät, zweifelnd, was er denn nun glauben soll, oder vollends das Interesse an den wichtigsten Fragen des Lebens verliert.

Dennoch: Jetzt, heute, kurz vor Ende dieses Zeitalters, soll laut göttlichem Auftrag gepredigt werden „dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen” (Matthäus 24, 14). Das ist die Botschaft, die der ewige Gott heute durch seinen Apostel den Regierungschefs in aller Welt verkünden lässt.

Das wahre Evangelium, gesamtinhaltlich gesehen – mit allem, was es offenbart: seinem Daseinsgrund; der Wahrheit über die ersten Erdbewohner; dem Grund, weshalb der Mensch geschaffen und auf die Erde gesetzt wurde; der Ursache aller Übel und Leiden auf der Welt; dem Wesen des menschlichen Geistes; dem Heilsbedürfnis des Menschen und der Definition dieses Heils; der kommenden Friedenswelt von morgen; dem, was in der Zukunft liegt, und der hohen, unglaublichen Bestimmung des Menschen –, dieses Evangelium wird zum allumfassendsten Thema, mit dem man sich überhaupt beschäftigen kann. Alles andere verblasst dagegen zur Bedeutungslosigkeit. Nichts von Menschen Geschriebenes kommt ihm auch nur nahe.

Worin bestand Christi Evangelium?

Vor langer Zeit hatte Gott der Vater verheißen, er werde einen Boten in die Welt senden mit einer Botschaft an alle Menschen. Maleachi 3, 1: „Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll [mit dem Boten ist, wie aus Markus 1, 2 ersichtlich, Johannes der Täufer gemeint]. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt!” Das „Herr” bezieht sich auf Jesus Christus.

Soweit die Prophezeiung. Wie sie in Erfüllung ging, berichtet das erste Kapitel im Markusevangelium: „Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes” (Vers 1). Es kommt dann die Schilderung, wie Johannes der Täufer als Wegbereiter Jesu wirkte. Vers 12 und 13 berichtet von der Versuchung Jesu durch Satan; Satan wollte Jesus, noch bevor er ein Wort der vom Vater gesandten Botschaft verkünden konnte, geistig vernichten. Über diese Versuchung und höchste Bewährungsprobe später mehr. Vers 14 und 15 dann: „Nachdem aber Johannes gefangengesetzt war, kam Jesus nach Galiäa und predigte das Evangelium” … Welches Evangelium? „… das Evangelium Gottes.” Genauer, wie im nächsten Vers erklärt: das Evangelium vom Reich Gottes. Das ist das Evangelium, das Christus verkündete.

Hier haben wir die Botschaft, die Gott zum Zeugnis für alle Völker gepredigt sehen will! Doch seit dem ersten Jahrhundert weiß die Welt nichts mehr vom Reich Gottes; jene Botschaft ist nämlich seither nicht mehr verkündet worden.

Erklärt und voll verstanden, umfasst sie ein breites Spektrum offenbarter Erkenntnisse – Dinge, die zu entdecken die Wissenschaft sich außerstande gezeigt hat, die die Kirchen nie gepredigt, die Akademien nie erkannt oder gelehrt haben.

Ein paar Erläuterungen

Einige wichtige Punkte wären hier herauszuheben.

Einmal: In Maleachis Prophezeiung wird Christus als Bote bezeichnet, der eine Botschaft bringt, sowie als „Engel [Bote] des Bundes” – eine bedeutsame Aussage, auf die ich später noch eingehen will.

Zum anderen: In Markus 1, 14‑15 heißt es, Jesus kam nach Galiläa und „predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße [bereut] und glaubt an das Evangelium!”

Was meinte er damit, dass „die Zeit erfüllt” sei? Wieso war das Reich Gottes gerade damals „herbeigekommen” und nicht früher oder später?

Das sind Punkte von ganz besonderer Tragweite.

Bevor ich nun ausführlicher darauf eingehe, was das Reich Gottes eigentlich ist, noch ein Wort dazu, dass es sich hierbei tatsächlich um genau dasselbe Evangelium handelt, das Christus von Gott dem Vater brachte: das Urevangelium, wie es die Apostel predigten und wie Paulus es den Heiden verkündete.

Christus brachte kein anderes Evangelium

Jesus sagte: „Ich muss auch den andern Städten das Evangelium predigen vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt” (Lukas 4, 43).

Auch seine Jünger beauftragte er, das Evangelium vom Reich Gottes zu lehren. „Er rief aber die Zwölf zusammen … und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes …” (Lukas 9, 1‑2).

„Da sie aber den Predigten des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi glaubten, ließen sich taufen Männer und Frauen” (Apostelgeschichte 8, 12).

„Und Jesus zog umher in ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich …” (Matthäus 4, 23).

In Jesu Gleichnissen ging es oft um das Reich Gottes.

Das Gleichnis vom Sämann auslegend, sagte er seinen Jüngern: „Euch ist’s gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes.” Dann folgte die Erklärung des Gleichnisses.

Und: „Er [Jesus] aber sprach: Wem gleicht das Reich Gottes, und womit soll ich’s vergleichen?” (Lukas 13, 18) – was wiederum ein Gleichnis einleitete.

„Und wiederum sprach er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es gleicht einem Sauerteig …” – erneut ein Gleichnis (Verse 20-21).

Eins seiner bedeutsamsten Gleichnisse steht im 19. Kapitel von Lukas: „Als sie nun zuhörten, sagte er ein weiteres Gleichnis; denn er war nahe bei Jerusalem und sie meinten, das Reich Gottes werde sogleich offenbar werden” (Vers 11). Es folgt das Gleichnis vom Edelmann, der in ein fernes Land zog, um ein Königtum zu erlangen und dann wiederzukehren – symbolisch für Christi Auffahrt in den Himmel, wo die Krönungszeremonie stattfinden wird, und seine Rückkehr zur Erde als Herrscher über alle Völker, als König der Könige und Herr der Herren, in aller Macht und Herrlichkeit des großen Gottes.

Welches Evangelium verkündeten Paulus und seine Mitapostel?

Predigten Paulus und die Apostel ein anderes Evangelium?

Nach Christi Auferstehung waren seine Jünger noch vierzig Tage mit ihm. Sprachen sie während dieser Zeit unter sich über irgendein anderes Evangelium als das vom Reich Gottes? In seinem ersten Bericht hatte Lukas wiedergegeben, was Jesus gesagt und getan hatte bis „an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln, welche er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte. Ihnen hat er sich auch als der Lebendige erzeigt nach seinem Leiden in mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes” (Apostelgeschichte 1, 2‑3).

Halten wir fest: Das, worüber Christus nach der Auferstehung mit seinen Jüngern sprach, war das „Reich Gottes”.

Kurz vor seiner Himmelfahrt fragten sie ihn dann: „Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?” (Apostelgeschichte 1, 6). Irgendwie schienen die Apostel nie begriffen zu haben, dass das Reich Gottes nicht zu ihren Lebzeiten, sondern später errichtet werden sollte; dabei hätten sie das doch aus Jesu Lehren – besonders dem Gleichnis von den Pfunden (Lukas 18, oben zitiert) – ersehen können.

Zwei Jahre nach der Gründung der Kirche Gottes an jenem Pfingsttag, 31 n. Chr., setzte die Gegenbewegung ein, geführt von Simon dem Zauberer. Das Buch der Apostelgeschichte berichtet: „Es erhob sich aber an diesem Tag eine große Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem; da zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samarien, außer den Aposteln … Die nun zerstreut worden waren, zogen umher und predigten das Wort.” Welches Wort?

„Philippus aber kam hinab in die Hauptstadt Samariens … Als sie aber den Predigten des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi glaubten, ließen sich taufen Männer und Frauen (Apostelgeschichte 8, 1‑12).

Drei Monate lang sprach Paulus öffentlich in Ephesus, „lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes” (Apostelgeschichte 19, 8). Auf einer späteren Reise, in Milet, rief Paulus die Ältesten der Gemeinde von Ephesus zusammen. Beim Abschied von ihnen sagte er: „Und nun siehe, ich weiß, dass ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, ihr alle, zu denen ich hingekommen bin und das Reich gepredigt habe (Apostelgeschichte 20, 25).

In Rom „… kamen viele zu ihm [Paulusl in die Herberge. Da erklärte und bezeugte er ihnen das Reich Gottes …” (Apostelgeschichte 28, 23).

„Paulus aber blieb [in Rom] zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm auf alle, die zu ihm kamen, [und] predigte das Reich Gottes (Apostelgeschichte 28, 30).

Predigte Paulus irgendein anderes Evangelium? Den Galatern schrieb er: „Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht” (Galater 1, 8‑9).

Vers 6‑7 zeigt, dass seine Adressaten, die Galater, sich bereits einem anderen Evangelium zugewandt hatten.

Jesus sprach von seiner Botschaft – dem Reich Gottes – als dem „Wort”, das von ihm ausging. Wie überall in der Apostelgeschichte nachzulesen, folgten die Apostel seinem Auftrag und predigten ebenfalls „das Wort” – sprich: das Reich Gottes.

Ein allumfassendes Verständnis

An diesem Punkt muss ich dem Leser noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass zum vollen Verständnis des Evangeliums mehr notwendig ist als bloßes „Verstehen” des Textes: Es erfordert klare Einsicht und Verständnis des Planes Gottes, der prähistorischen, historischen, gegenwärtigen und zukünftigen Ereignisse.

Man könnte sagen, es erfordert ein Gesamtverständnis aller Wirklichkeit. Einmal in seiner vollen Tragweite erfasst, scheint daneben die gesamte akademische Schulweisheit des Menschen, auf die er so stolz ist, völlig nichtig und belanglos. Es mangelt ihr am tragenden Fundament: Ausgerechnet die wesentlichste Wissensdimension, die Grundlage aller Erkenntnis, fehlt.

So darf der Leser mit Recht erwarten, dass in diesem und kommenden Kapiteln große Dinge enthüllt werden.

Die heute gepredigten „Evangelien”

Im ersten Kapitel erwähnte ich schon die vielen evangelischen Missionsfeldzüge, die es – besonders in der angelsächsischen Welt – heute gibt. Einer davon benutzt den Slogan: „Christus den Nationen predigen”. Nun könnte man einwenden: „Was soll falsch daran sein, über Christi Person zu predigen?” Oder: „Warum nicht ein Evangelium der Gnade verkünden?” Oder: „Warum nicht eine Botschaft vom Heil verbreiten?”

Anhand der Bibel habe ich Ihnen nachgewiesen, dass man bereits im ersten Jahrhundert das Evangelium verfälschte und begann, einen anderen Jesus zu predigen – einen Jesus, der die Gebote seines Vaters für abgeschafft erklärte, der „Gnade” in einen Freibrief zu ungehemmtem Drauflosleben verwandelte (2. Korinther 11, 4 u. 13‑15; Judas 4). Auch heute predigt man alles andere als den wahren Jesus, der sagte: „Ich habe meines Vaters Gebote gehalten” und uns ein Vorbild gab, ihm darin nachzueifern.

Wenn jene, die ein „Heilsevangelium” zu predigen behaupten, einen klaren Begriff davon hätten, was das „Heil” denn eigentlich ist – ob es bedeutet, an einen bestimmten Ort zu kommen, ob es bedeutet, durch Verwandlung in einen anderen Zustand zu gelangen, wie man es überhaupt erlangt usw. –, dann könnte man das, was sie predigen, vielleicht dem wahren Evangelium zurechnen. Aber die „Evangeliumsverkünder” von heute lehren eben nicht, was das Heil in Wahrheit bedeutet und wie man es erlangt. Wenn Blinde Blindenführer spielen, dann fallen alle zusammen in die Grube.

Was Ist das Reich Gottes?

Nun zu der Frage, was unter „Reich Gottes” denn konkret zu verstehen sei.

Was ist ein Reich? Die Bibel spricht von mehreren Reichen. So zählt dazu z. B. das erste Weltreich der Geschichte – das Chaldäer‑Imperium, auch „Babylon” genannt. Sein Haupt, der König Nebukadnezar, wurde vom Propheten Daniel als „König aller Könige, dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat”, bezeichnet (Daniel 2, 37).

Dann gab es das Reich Israel, ein Reich, ein Staatsgebilde, herangewachsen aus den Nachkommen des Patriarchen Jakob, der den Beinamen Israel trug.

Das Reich Israel war ein Vorläufer des Reiches Gottes. Dieses wird sich zusammensetzen aus den geistgeborenen Kindern Gottes – der Familie Gottes, einem herrschenden Reich.

Somit umfasst „Reich Gottes” inhaltlich zweierlei:

1. Ein Staatsgebilde. Ein Staatswesen – oder Reich besteht aus vier Dingen: a) einem König bzw. Regierungsoberhaupt, b) Untertanen bzw. Bürgern, c) einem Staatsgebiet mit fest umrissenen Grenzen sowie d) Gesetzen und einer ausführenden Körperschaft.

2. Eine Familie (wie das Reich Israel die Familie der Kinder Israels war); in diesem Fall wird es die Familie Gottes sein – eine Familie, in die Menschen hineingeboren werden können, eine Herrscherfamilie mit Regierungsgewalt über alle Völker, das heißt über die ganze Erde – und später über das gesamte Universum.

Das Reich: ein Staatsgebilde

Christus wird im Reich Gottes der König sein. Er ist Sohn Gottes, den er mit „Vater” anspricht. Wenn die Gemeinde durch eine Auferstehung, durch eine unmittelbare Verwandlung von Sterblichkeit zu Unsterblichkeit (von physischer Beschaffenheit zu Geist-Beschaffenheit) zu geistgeborenen Kindern Gottes geworden sein wird, dann wird Christus eine geistige Ehe mit der Gemeinde als seiner Braut eingehen. So haben wir Vater, Sohn, Ehefrau und Kinder des Vaters mit anderen Worten: eine Familien-Beziehung – die Gottfamilie!

Dazu einige Prophezeiungen:

„Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel [das bedeutet: ‚Gott mit uns’]” (Jesaja 7, 14).

„Denn uns [Israel] ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder‑Rat, Gott‑Held, Ewig‑Vater, Friede‑Fürst, auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth” (Jesaja 9, 5‑6).

Der Engel Gabriel ist ein hoher Erzengel – ein Cherub – einer von dreien, die in der Bibel erwähnt sind. Es steht geschrieben: „Und im sechsten Monat [der Schwangerschaft der Elisabeth] wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut [verlobt] war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! … Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben” (Lukas 1, 26‑33).

Als Jesus auf Leben und Tod vor Pilatus angeklagt war, fragte ihn Pilatus: „So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll …” (Johannes 18, 37).

Allerdings stellte Jesus dem Pilatus klar, sein Reich – seine Herrschaft – sei „nicht von dieser Welt” – dieser Zeit – der gegenwärtigen Ära. Er erklärte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt … nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt (Johannes 18, 36).

Worum es in Christi Evangelium geht

Ich sage: Christi Evangelium – die Botschaft, welche er von Gott brachte – war die gute Nachricht vom kommenden Gottesreich.

Was aber schließt das alles ein?

Warum ist die Errichtung eines Gottesreiches überhaupt notwendig?

Und inwiefern betrifft es Sie konkret: Sie persönlich, Ihr Leben?

Nun, in Christi Botschaft geht es um etwas, das für jeden Menschen höchst bedeutsam ist: um die gegenwärtigen Zustände in der Welt – um die menschliche Natur und ihren Ursprung – um die Missstände und Probleme des Lebens um Weltfrieden. Es geht darin auch ums Regieren – um den Grund zum Beispiel, warum menschliche Regierungen bis heute so kläglich an ihrer Aufgabe versagt haben, dem Volk zu dienen.

Seine Botschaft verweist direkt auf die Wurzeln individuellen, persönlichen Glücks wie auch auf die ungeheure, transzendente Bestimmung eines jeden Menschen. Es geht in ihr um die Ursachen der heutigen Verhältnisse, die ja jeden einzelnen betreffen, und den Weg, auf dem schließlich alle Probleme ihre Lösung finden werden.

Aber es geht darin noch um weit mehr.

Es geht darin um Gottes großen, überwältigenden Plan als Schöpfer des Kosmos. Es geht darin um den Kosmos selbst, seine unermesslichen Weiten, seine zahllosen Galaxien, Nebel, Sonnen, Sterne, Planeten, und um Gottes Zweckbestimmung für sie alle. Es geht darin um das Heer der Engel – um die Tatsache, dass ein Drittel der von Gott geschaffenen Engel sich vom rechten Weg abwandte und in Sünde verfiel, die nicht vergeben werden kann; und um Gottes Absicht, die restlichen zwei Drittel ein für allemal vor einer solchen Katastrophe zu bewahren.

Das sind Dinge, die man in den theologischen Lehrgebäuden dieser Welt zumeist vergeblich sucht. In Gottes Botschaft geht es aber um die ganze Wahrheit.

Das bisher Gesagte möge der Leser bitte lediglich als Einführung betrachten, als Vorwort zur Gesamtdarstellung des wahren Evangeliums Christi.

Chapter 3: Das unglaubliche Potential des Menschen endlich offenbart!

Wie erklärt sich der Widerspruch: Hier menschliche Intelligenz mit all ihren Großtaten, da mehr als die Hälfte der Erbevölkerung in schreiender Armut und Not, in Hunger und Dreck: der Widerspruch, dass trotz aller Wissenschaft in einem Land mit sechsundzwanzig Millionen Einwohnern nur drei Prozent lesen und schreiben können und das Pro-Kopf-Einkommen unter 100 Euro im Jahr liegt?

Wie erklärt sich der Widerspruch, dass alle Errungenschaften menschlicher Kultu – Wissenschaft, akademisches Bildungswesen, Religionen, Staaten – darin versagen, einen grundsätzlichen Weg zum Weltfrieden aufzuzeigen? Dass sie keinen Aufschluss darüber geben, was der Mensch ist, ob er zu einem bestimmten Zweck auf den Planeten Erde gesetzt wurde, worin dieser Zweck besteht, wohin der Mensch geht und wie er ans Ziel gelangt?

Wie erklärt sich der Widerspruch, dass ungeachtet aller sagenhaften Fähigkeiten des Menschen die Welt vor Missständen, Leid und Übeln nur so strotzt?

Hat Gott der Allmächtige, unser Schöpfer, das alles so gewollt?

Man mag es der menschlichen Natur zur Last legen: aber geht dieser „Störfaktor”, uns angeblich innewohnend, ebenfalls auf Gott zurück?

Es ist an der Zeit, dieses Geheimnis aufzuklären. Es ist an der Zeit, dass wir verstehen. Es ist an der Zeit, auf diese scheinbar unlösbaren Seinsfragen, die ewigen Rätsel, endlich klare Antwort zu bekommen.

Grunderkenntnis zurückgewiesen

Worin besteht die wichtigste Dimension aller Erkenntnis?

Sie besteht in der Erkenntnis dessen, was der Mensch ist; der Erkenntnis, warum er ist – der Bestimmung seines Daseins hier auf Erden, der Erkenntnis des Weges, auf dem er dieser seiner Bestimmung gerecht werden kann; der Erkenntnis des Weges zum Weltfrieden, zum Frieden zwischen Menschen, zwischen Gruppen, zwischen Völkern; der Erkenntnis der Ursache aller Übel und Missstände auf der Welt; der Erkenntnis der Lösung all dieser Probleme; der Erkenntnis der wahren Werte – der Scheidung zwischen wichtig und unwichtig.

Das ist die fehlende Wissensdimension.

Betrachten wir die Situation heute – in unserem turbulenten einundzwanzigsten Jahrhundert. Angeblich leben wir ja in einer aufgeklärten Zeit, die neue Erkenntnisse wie am Fließband produziert. Doch Wissenschaft wie Bildungswesen haben die einzige Quelle oben zitierter Grunderkenntnis – die göttliche Offenbarung nämlich – verworfen; auch alle Religionen haben uns diese Erkenntnisdimension nicht liefern können, obschon sie genau in jenem Buch enthalten ist, auf das sich zumindest drei große Weltreligionen in ihrem Glauben berufen.

Betrachten wir die Situation vor rund 1900 Jahren. Jesus Christus kam vom Himmel mit einer Botschaft von Gott, die jene Erkenntnisse enthielt. Die meisten aber, die an ihn glaubten, wollten diese seine Botschaft nicht glauben; eben weil er sie verkündete, forderten sie sogar seinen Kreuzestod. Seine Apostel gingen in die Welt und predigten; auch sie erlitten, von einer möglichen Ausnahme abgesehen, das Martyrium dafür. Noch vor Ende des ersten Jahrhunderts war Christi Evangelium unterdrückt und ein „Ersatzevangelium” an seine Stelle getreten.

Und geht man ganz an den Anfang der Menschheit zurück: Schon unsere Ureltern verwarfen die Offenbarung, das ihnen vom Schöpfer in eigener Person vermittelte Grundwissen. Sie glaubten nicht, was er sagte. Jedoch glaubten sie den Lügen Satans. Sie übertraten Gottes Gebot, indem sie von der verbotenen Frucht aßen. Sie maßten sich selbst die Entscheidung über gut und böse an. Und die Menschheit hat es ihnen seither getreulich nachgetan.

Dennoch: Allen, die willens sind, zu glauben, was er sagt, hat Gott seine offenbarte Erkenntnis und Wahrheit zugänglich gemacht – in seinem inspirierten Buch, dem Buch der Bücher, der Heiligen Schrift. Sie ist zum meistgedruckten, aber auch zum meistmissdeuteten, meistmissverstandenen und meistverleumdeten Buch der Welt geworden.

Ungezählte Millionen von Büchern hat der Mensch geschrieben. Diese Bücher nimmt man gewöhnlich ernst, obschon sie auch zum größten Teil voller Irrtümer stecken mögen, dürr an Wahrheit.

Man nimmt sie, gewissermaßen, beim Wort. Und ausgerechnet bei der Bibel fragt man: „Was, Sie nehmen die Bibel doch nicht etwa wörtlich?” Ausgerechnet dieses Buch nimmt man nicht ernst. Es ist das Wort des lebendigen Gottes selbst, nur weigert man sich zu glauben, was er darin sagt.

Und so stolpert eine ungläubige Menschheit weiter auf ihrem Weg dahin, Berge an Leid, Unglück, Not und Problemen aufhäufend wie nie zuvor.

Doch auch heute – in der Endzeit der gegenwärtigen, bösen Welt – macht der ewige Gott der Wahrheit und Barmherzigkeit jenes fehlende, lebenswichtige Wissen denen zugänglich, die seinem Wort zu glauben und es zu befolgen bereit sind.

Vor mehr als fünfzig Jahren – nachdem Beweise mich überzeugt hatten – kam ich zum Glauben und zum Gehorsam.

In seinem Wort hat mir der lebendige Gott die Augen geöffnet über das ungeheure Potential des Menschen – über die fehlende Wissensdimension; über die Wurzel aller Probleme, die die Menschheit plagen; über den Weg zum Weltfrieden und die Art und Weise, wie der Frieden schließlich kommen wird. Und derselbe Schöpfergott öffnet jetzt überall in der Welt Türen für mich, auf meinen Reisen als Friedensbotschafter in überpolitischer Mission, als Brückenbauer zwischen Nationen.

Mensch und Kosmos

Im Buch der Bücher offenbart sich Gott als Schöpfer aller Dinge: nicht nur der Erde und des Menschen, sondern des ganzen unermesslichen Universums. In klaren, wolkenlosen Nächten sieht man den Himmel mit Sternen übersät. Sie alle zählen mit zum Schöpfungswerk des Menschheitserschaffers. Ist es möglich, dass ein weithin unbekannter Zusammenhang besteht zwischen den Galaxien mit ihren mächtigen Sonnen, ihren Planeten – und dem Menschen?

In dieser meiner Darstellung der fehlenden Wissensdimension und der unglaublichen Bestimmung des Menschen möchte ich zunächst den großen Plan des Schöpfers beleuchten, der hinter allem steht; er ist der zum Verständnis notwendige „Rahmen”. Es handelt sich hier um spannende neue Erkenntnis – um das ungeheure Potential des Menschen, den Grund, warum wir Menschen auf Erden sind.

Winston Churchill hat einmal gesagt, hier auf Erden werde ein großer Plan verwirklicht. Kaum jemand kennt diesen Plan, und dabei offenbart ihn die Schrift ganz deutlich.

Es ist die herrlichste, wunderbarste, hoffnungsfrohste Wahrheit, die sich dem Menschen je erschloss.

Gott – Schöpfer des Universums

Haben Sie je über die ungezählten Millionen funkelnder Sterne nachgedacht, die man am nachtschwarzen, wolkenlosen Himmel sieht? Das Gewimmel von Lichtpunkten, die zuweilen den Eindruck machen, als habe die Explosion eines gigantischen Feuerwerkskörpers sie ans Firmament gestreut? Viele davon sind riesige Sonnen, ungleich größer als unsere eigene Sonne. Und die meisten von ihnen werden wahrscheinlich von Trabanten umkreist, so wie unsere Sonne ihre Trabanten hat: Erde, Mars, Jupiter, Saturn und die anderen Planeten unseres Sonnensystems.

Ob es auf ihnen wohl Leben gibt? Haben sie sich aus einer Urmaterie heraus entwickelt, wie die meisten Wissenschaftler – Astronomen, Biologen, Geologen – annehmen? Oder sind sie von einem allwissenden, allmächtigen Schöpferwesen geschaffen worden? Geschaffen und in den Raum gesetzt zu einem bestimmten Zweck? Gibt es noch andere Planeten, die Leben in irgendeiner Form tragen, oder sind sie alle wie unser Mond – tot, öde, leblos, eine erstarrte, unbewohnbare Wüste? Und wenn tot und unbewohnbar: Warum hat ein allweiser Schöpfer sie dann so geschaffen?

Hat er sie so geschaffen?

Kosmische Rätsel, so alt wie die Menschheit selbst. Die moderne Naturwissenschaft sucht ihnen mit neuzeitlichem Instrumentarium beizukommen. Über die Beschaffenheit der Himmelskörper hat man schon eine Menge in Erfahrung gebracht, doch ihr Ursprung bleibt der Wissenschaft nebelhaft. Zahlreiche Entstehungstheorien kursieren, doch keine basiert auf den von Gott offenbarten Tatsachen.

Offenbarung als Erkenntnisquelle wird von der modernen Wissenschaft nur noch mitleidig belächelt. Und dennoch: Jahrhundertelange, immer genauere Beobachtung des Kosmos, all die mühsame Kleinarbeit der Männer hinter den Fernrohren hat nicht aufdecken können, ob ein „Sinn” dahinter steckt und wenn ja, welcher Sinn.

Nicht weit vom Ambassador College in Pasadena (Kalifornien) entfernt liegt das vom Kalifornischen Institut für Technologie betriebene weltbekannte Raumfahrtinstitut JPL, eine vorwiegend im Staatsauftrag arbeitende Forschungsstätte, wo man jene unbemannten Sonden baut, die in den Raum geschossen werden, von anderen Planeten Bilder aufnehmen und diese dann zur Erde zurückfunken. Eine solche Sonde kam im Dezember 1974 auf etwa vierzigtausend Kilometer an den Jupiter heran und schickte Fotos zur Erde, die neue Erkenntnisse über diesen größten unserer Planeten brachten. Hinweise auf Leben oder auf Bedingungen, unter denen Leben möglich wäre, fand man freilich nicht.

Am 9. Februar 1975 wollen Astronomen der Universität von Arizona durch das Teleskop Wasserspuren auf dem Jupiter entdeckt haben.

Ein Planet erregt seit jeher besonders die Phantasie: der Mars. Wer kennt nicht die alten Spekulationen über die Marskanäle, die utopischen Filme mit Invasionen von Mars-Monstern oder die „kleinen grünen Männchen vom Mars”.

Gibt es nun menschliches oder sonst wie geartetes Leben – dem Menschen entweder weit über‑ oder unterlegen – auf dem Mars oder auf anderen Planeten? Die Wissenschaft weiß es nicht. Raumsonden‑Fotos vom Mars, der ja Venus, Jupiter und Saturn viel näher ist als die Erde, lassen jetzt – zumindest vermuten, dass es auf keinem dieser Planeten Leben gibt oder Bedingungen, unter denen Leben möglich wäre.

Man hatte geplant, die unbemannte Raumkapsel „Viking” zum zweihundertsten Jahrestag der amerikanischen Staatsgründung auf dem Mars landen zu lassen. Diese Raumsonde, die aussieht wie ein skurriles Bastlerspielzeug, war konstruiert worden vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, Kalifornien. Sie besaß Bildfunk, so dass sie Fotos direkt von der Marsoberfläche zur Erde übertragen konnte.

Sie landete mit ein paar Tagen Verspätung am 20. Juli 1976. Das Jet Propulsion Laboratory, staatlich finanziert, jedoch dem California Institute of Technology zugehörig, liegt nicht weit entfernt von unserem Ambassador Auditorium in Pasadena. Die JPL‑Wissenschaftler hatten eine Bildleitung zum Auditorium geschaltet, damit die ersten von der Marsoberfläche eintreffenden Fotos direkt in den Saal übertragen und von einem größeren Publikum beobachtet werden konnten.

Naturgemäß fanden die ersten Detailaufnahmen eines Planeten, ferner als unser Mond, mein besonderes Interesse – nicht nur wegen der Bedeutung der Bilder selbst, sondern auch weil das Auditorium unter meiner persönlichen Leitung geplant und gebaut worden war.

Mehrere Leute hatten die ganze Nacht im Auditorium Wache gehalten. Ich selbst, informiert von JPL‑Wissenschaftlern, traf gegen 4.50 Uhr morgens im Auditorium ein. Gegen 5.10 Uhr erschienen die ersten Bilder auf der großen Kinoleinwand.

Sie gaben eine klare Bestätigung, dass das Universum wüst und leer und dem Zahn der Zeit und des Verfalls unterworfen ist. Kein Lebenszeichen, kein Hinweis auf Bedingungen, unter denen Leben möglich wäre.

Alles weist darauf hin, dass unter den Planeten einzig unsere Erde Leben trägt. Andere Planeten machen den Eindruck einer Mondlandschaft – tot, verfallen, wüst und leer. Unsere Erde gehört zum Sonnensystem, das seinerseits Teil einer Galaxis ist, Milchstraße genannt. Neben unserem Milchstraßensystem gibt es noch ungezählte weitere Galaxien. Sie füllen kosmische Räume, deren Ausmaß der Mensch nicht mehr in Meilen, Kilometern oder anderen herkömmlichen Längeneinheiten, sondern nur noch in Lichtjahren angeben kann.

Ein grenzenloses Universum, über das die Wissenschaft vergleichsweise wenig weiß, die Schrift aber etwas Gewaltiges offenbart.

Der erste Vers der Schöpfungsgeschichte lautet: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. „Himmel” müsste hier eigentlich in der Mehrzahl stehen (die Himmel), denn auch das hebräische Ursprungswort steht im Plural.

Schon König David von Israel stellte sich Fragen über die Gestirne, und er wurde inspiriert, uns zu sagen: Gott hat sie geschaffen.

Geschaffen – aber warum?

David schrieb: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel! … Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst …” (Psalm 8, 2 und 4‑5).

Möglich, dass David der wahre Zusammenhang zwischen Mensch und Kosmos noch verborgen war, denn er fährt fort: „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott [andere Lesart: als die Engel], mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!” (Vers 6‑10).

David schränkt den Herrschaftsbereich des Menschen ausdrücklich auf die Erde ein: das, was Gott dem Menschen zuwies, als er ihn schuf, das Festland der Erde, die Erdatmosphäre, die Wasser der Erde (wie in 1. Mose 1, 26‑28).

Das ist der Herrschaftsbereich des Menschen jetzt.

Weit mehr offenbart sich nämlich, daran anknüpfend, im später geschriebenen Neuen Testament.

Das unglaubliche Potential des Menschen offenbart

So lesen wir im Hebräerbrief: „Denn nicht den Engeln hat er [Gott] untertan gemacht die zukünftige Welt, von der wir reden” (2, 5). Im Kontext geht es um eine „zukünftige Welt”.

Kein neuer Planet ist hier gemeint, sondern „Welt” im Sinne von Weltzeit, Äon, Zeitalter. Drei solche „Welten” kennt die Bibel – die „Welt, die vormals war” (die vorsintflutliche Welt von Adam bis Noah), die „gegenwärtige arge Welt” (von der Sintflut bis zum noch in der Zukunft liegenden zweiten Kommen Christi) und die „zukünftige Welt” (die mit Christi Wiederkehr und der Errichtung des Gottesreiches beginnt).

Der zitierte Vers Hebräer 2, 5 spricht von den Engeln, als sei im Augenblick die Welt ihnen untertan; ganz am Anfang, im ersten Kapitel, spricht der Hebräerbrief auch von Christus und Engeln und der Beziehung Engel‑Mensch. Darauf werde ich später noch zurückkommen.

Festzuhalten ist zunächst das Leitmotiv hier, der allgemeine Bezug: die „zukünftige Welt, von der wir reden” – nicht die gegenwärtige Welt, die jetzt rasch ihrem Ende entgegengeht. Vers 6 fährt fort: „Es bezeugt aber einer an einer Stelle der Schrift und spricht …”, dann kommt ein Zitat aus dem achten Psalm, und zwar nur aus den ersten sieben Versen.

Im Rest des Psalms hatte David ja, wie erinnerlich, den Herrschaftsbereich des Menschen auf Land, Wasser und Lufthülle unseres Planeten eingegrenzt. Nun aber lässt der Autor des Hebräerbriefes etwas radikal anderes folgen – etwas, das sich in der zukünftigen Welt vollziehen soll.

Diese Offenbarung von Gottes großem Menschheitsplan – der ungeheuren Bestimmung des Menschen – sprengt alle Vorstellungskraft. Die Wissenschaft besitzt keine Kenntnis davon, keine Religion verkündet es, soweit ich weiß, und keine Akademie lehrt es.

Gleichwohl: Es ist zugängliches Wissen, Gott hat es, in biblischer Formulierung, bereitet denen, die ihn lieben (1. Korinther 2, 9).

Wie schon erklärt, vermittelte Gott unseren Ureltern notwendige Grunderkenntnisse, aber sie glaubten nicht, was er sagte. Viertausend Jahre später trat Christus in Erscheinung mit einer Botschaft direkt von Gottvater im Himmel, die dieselben Offenbarungen enthielt – doch nur eine Handvoll Menschen glaubte, was er sagte, obschon sich viele zum Glauben an seine Person bekannten (siehe Johannes 8, 30‑31. 37‑38. 40. 45‑46).

Wissenschaft, Religion und Bildungswesen glauben heute nach wie vor nicht, was er sagte.

Dieser Sachverhalt – und das „Warum” – sollen später zur Sprache kommen.

Zurück zu der inhaltsschweren Stelle im Hebräerbrief, von dem Punkt an, wo sie das Zitat aus dem achten Psalm abbricht: „… alles hast du unter seine [des Menschen] Füße getan. Wenn er [Gott] ihm alles unter die Füße getan hat, so hat er nichts ausgenommen, was ihm [dem Menschen] nicht untertan wäre” (Hebräer 2, 8).

Wie ist das zu verstehen: alles? Wirklich nichts, das ausgenommen wäre?

Beim ersten Kapitel des Hebräerbriefes findet man in der Menge‑Bibel in einer Fußnote eine aufschlussreiche Anmerkung: „alles”, so liest man dort, heiße „gesamt” oder „All” im Sinne von Weltall, Kosmos – alles, was es gibt.

Daraus folgt: Jenen, die ihn beim Wort zu nehmen bereit sind, erklärt Gott hier, er habe dem Menschen alles, was es gibt, unterworfen, den ganzen Kosmos mit seinen Galaxien, seinen zahllosen Sonnen und Planeten.

Bevor man nun aber ungläubig den Kopf schüttelt – welcher Mensch fühlt sich schon als kosmischer Herrscher? –, möge man Vers acht zu Ende lesen: „Jetzt aber sehen wir noch nicht, dass ihm [dem Menschen] alles [im obigen Sinne] untertan ist.” Wie erinnerlich, ist ja hier von der „zukünftigen Welt” die Rede – nicht der Welt von heute. Was sehen wir jetzt? „Den aber, der ‚eine kleine Zeit niedriger gewesen ist als die Engel’, Jesus, sehen wir durch das Leiden des Todes ,gekrönt mit Preis und Ehre’ …” (Vers 9). Im Gegensatz zu Christus ist der Mensch noch nicht „gekrönt mit Preis und Ehre”.

Christus aber sehen wir jetzt schon mit Preis und Ehre gekrönt. Weiter: „Denn es ziemte sich für den, um dessentwillen alle Dinge sind [das gesamte Universum] und durch den alle Dinge sind, dass er den, der viele Söhne zur Herrlichkeit geführt hat, den Anfänger ihres Heils, durch Leiden vollendete … darum schämt er [Christus] sich auch nicht, sie Brüder zu nennen” (Vers 10‑11).

Mit anderen Worten: Menschen, in denen Gottes Geist wohnt, sind Miterben Christi, Erbanwärter auf all das, was Christus bereits geerbt hat. Er lebt schon jetzt in Herrlichkeit! Er hat das Erbe über das gesamte Universum angetreten. Er trägt es durch sein Allmachtswort. Der bekehrte Mensch, dem Gottes Heiliger Geist innewohnt (Römer 8, 9), ist jetzt lediglich Erbanwärternoch nicht im Besitz des Erbes.

Der Beleg dafür, dass und wie Christus das Erbe bereits angetreten hat, findet sich im ersten Kapitel von Hebräer: „Gott … hat … in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben aber alles [den Kosmos], durch er auch die Welt gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort …” (Vers 1‑3).

Der lebendige Christus trägt bereits das gesamte Universum durch seine unermessliche, göttliche Macht. Die Stelle zeigt dann weiter seine Überordnung über die Engel – er gezeugter und geborener Sohn Gottes, die Engel nur geschaffene Wesen einer bestimmten Klasse, dienstbare Geister (uns unsichtbar), dem Menschen dienend, der jetzt noch niedriger steht als sie, aber Heilserbe ist und dereinst, wie Christus, zum geborenen Sohn Gottes werden kann (Hebräer 1, 4‑14).

Erstorbene Planeten

Setzen wir das nun in Bezug zu dem, was im achten Kapitel von Römer offenbart ist.

Christus wird dort angesprochen als Gottes Sohn: „… damit dieser der Erstgeborne sei unter vielen Brüdern” (Vers 29). Menschen, die Gottes Geist in sich tragen, sind Erben Gottes und Miterben Christi – welcher als einziger von allen Menschen durch eine Auferstehung von den Toten bereits als Sohn Gottes geboren worden ist (Römer 1, 4). Er ist der erste, der aus dem Menschengeschlecht in die Gottfamilie – das Reich Gottes – hineingeboren wurde; wie die Bibel es ausdrückt, ist er der „Herzog”, der Wegbereiter, der voranging. Wir werden ihm folgen, und zwar durch eine Auferstehung der Gerechten zu dem Zeitpunkt, wenn Christus in göttlicher Macht und Herrlichkeit auf die Erde zurückkehrt.

Römer 8, 9 gibt eine Definition der Gotteskindschaft: Wem Gottes Geist innewohnt, der ist Gottes Kind, wer diesen Geist nicht hat, der ist „nicht sein” – ist überhaupt kein Christ. Und Vers 11 verheißt, dass wir, wenn Gottes Heiliger Geist in uns wohnt und uns leitet, durch eben diesen Geist von den Toten auferweckt werden – oder, sofern wir bei Christi Rückkehr noch leben, unmittelbar verwandelt werden von Sterblichkeit zu Unsterblichkeit.

Die Passage, die nun kommt, sei ihrer Bedeutung halber in voller Länge zitiert: „Denn welche der Geist Gottes treibt [besser: leitet], sind Kinder Gottes … Der Geist selbst gibt Zeugnis unsrem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir [in diesem Leben] denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur [gemeint ist: alles Geschaffene, die ganze Schöpfung; so übersetzt es z. B. auch die Menge‑Bibel] wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung [das geschaffene Universum: Sonnen, Planeten, Monde] ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung [laut Menge: die ganze Schöpfung: Sterne, Sonnen und Monde, jetzt dem Verfall der Vergänglichkeit ausgesetzt] bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst [wir geistgezeugten Menschen], die wir den Geist als Erstlingsgabe [d.h. die Gabe für die wenigen jetzt schon zum Heil Berufenen, die „Vorläufer”] haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft [nach der Neugeburt als Söhne Gottes] …” (Römer 8, 14‑23).

Eine Verheißung wird da ausgesprochen, so unfassbar und bewusstseinssprengend, dass man sie beim ersten, flüchtigen Überlesen kaum in voller Tragweite ermessen kann.

Zuerst hatte ich Vers 29 aus Römer 8 zitiert, wo es heißt, Christus sei der „Erstgeborne unter vielen Brüdern”.

In Hebräer 1 haben wir gesehen, dass Christus, der erste durch eine Auferstehung von den Toten neugeborene Mensch, jetzt verherrlicht ist und das gesamte Universum trägt: der „Herzog unserer Seligkeit”, unser Wegbereiter für das Heil. Wenn er in Macht und Herrlichkeit zur Erde zurückkehrt, werden jene, die bekehrt worden sind und Gottes Heiligen Geist empfangen haben, durch eine Auferstehung hineingeboren werden in die Familie Gottes. Das ganze Universum wird ihnen dann „unter die Füße getan”, d.h. unterstellt werden!

Wenn der Heilige Geist Gottes in uns wohnt und uns leitet (Römer 8), dann werden wir in der Gottfamilie zu Geist-Beschaffenheit und Unsterblichkeit erhoben genau wie Christus durch seine Auferstehung im Jahre 31.

Noch einmal Vers 19: „Denn das ängstliche Harren der Kreatur [Schöpfung] wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.” Gemeint ist das Sichtbarwerden, die Erfüllung der Kindschaft, das tatsächliche Geborenwerden zu Söhnen Gottes – entweder durch Auferstehung von den Toten oder durch unmittelbare Verwandlung von sterblichem Fleisch zu unsterblichem Geist.

Eine Frage taucht auf: Warum sollte das ganze Universum – die Schöpfung – auf dieses Ereignis „ängstlich harren”, „warten”, es geradezu herbeisehnen? Die folgenden Verse zeigen einen Kosmos, dessen Planeten zwar Verfall und Vergänglichkeit ausgesetzt sind, aber gewissermaßen nur „auf Zeit”, auf die Hoffnung hin, dass sich das einmal ändert „… denn auch die Schöpfung [das Universum, jetzt unbewohnbar, tot] wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes” (Vers 21).

Wie sind die Planeten in die „Knechtschaft der Vergänglichkeit geraten? Gott hat sie doch gewiss nicht von Anfang so geschaffen!

Dass die Himmelskörper „wüst und leer” sind, setzt voraus, dass sie sich zu Beginn in makellosem Zustand befanden. Gott hat die Planeten also nicht in einem Zustand des Verfalls geschaffen.

Es kann kaum ihr Urzustand gewesen sein. Alles, was wir in Gottes Wort über seine Schöpfung lesen, lässt erkennen, dass es eine vollkommene Schöpfung war – eine Erde in Schönheit, Makellosigkeit, Vollendung. Näheres dazu soll das vierte Kapitel bringen; dort werden wir sehen, dass vor der Erschaffung des Menschen Engel die Erde bewohnten. Gefallene Engel – vollkommene Wesen zunächst, bis „Gesetzlosigkeit in ihnen gefunden” wurde – waren auch dafür verantwortlich, dass die Erde in einen Zustand chaotischer Wirrnis und Leere verfiel, wie wir noch sehen werden. Könnte es sein, dass das ganze Universum ursprünglich so beschaffen war, dass es Leben hätte tragen können?

Nun, Gottes Wort sagt das nicht ausdrücklich, aber das, was gesagt wird, wirft zusätzliches Licht auf den Grund, warum Gott den Menschen erschaffen hat.

Römer 8, 22: „Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung [das Universum] bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet.” Stellen wir uns die Schöpfung vor als Mutter, die ein Kind erwartet. Die Schöpfung wird dargestellt als gewissermaßen in den Wehen liegend, in „Hoffnung” (Vers 20) auf die Geburt der Kinder Gottes. Es ist, als sei die Schöpfung die Mutter, Gott der Vater. Jedenfalls zielt die ganze Stelle hin auf den Schluss, dass wir, sofern wir bekehrt sind, einmal von Gott geboren und mit göttlicher Macht und Herrlichkeit ausgestattet werden und dann genau das tun werden, was Gott tat, als die Erde „wüst und leer” (hebr. tohu und bohu, 1. Mose 1, 2) geworden war, genau das, was Christus tat, als er die „Gestalt der Erde” neu machte (Psalm 104, 30) als er erneuerte, was der Aufruhr der sündigen Engel zerstört hatte.

Was sich an diesen Stellen andeutet und abzeichnet, geht weit über das ausdrücklich darin Gesagte hinaus.

Die Botschaft vom Reich Gottes in voller Tragweite zu umreißen, erfordert viele Kapitel wie dieses. Es ist der umfassendste Gegenstand, den es gibt.

Die oben behandelte Stelle bestätigt genau die bisherigen Erkenntnisse der Astronomie: dass Sonnen Feuerbälle sind, Licht und Wärme ausstrahlend, die Planeten aber (mit Ausnahme der Erde) tote, lebensfeindliche, verfallene Himmelskörper, doch nicht auf ewig; die Schöpfung „wartet” auf die Neugeburt der Bekehrten zu Kindern Gottes, auf ihr Hineingeborenwerden in die Gottfamilie, das Reich Gottes.

Jesu Evangelium war die Botschaft vom Reich Gottes. Mir kam es hier darauf an zu zeigen, dass in seinem „Evangelium vom Reich” tatsächlich all jene Erkenntnisse enthalten sind, die ich Ihnen hier vorlege – auch die, dass wir einmal das gesamte Universum regieren sollen, gemeinsam mit Gott dem Vater und Christus.

Gott ist in erster Linie Schöpfer, aber er ist auch Herrscher. Und er ist Lehrer, Offenbarer von Wissen, das weit jenseits der Grenzen menschlicher Erkenntnis liegt.

Bringt man alle von mir in diesem Kapitel zitierten Schriftstellen in Zusammenhang, dann beginnt man das unglaubliche Potential des Menschen zu ahnen. Wir sind dazu bestimmt, in die Gottfamilie selbst hineingeboren und allmächtig zu werden! Wir sollen Regierungsgewalt erhalten über das ganze Universum.

Was werden wir dann tun? Die Aussagen der Bibel legen nahe, dass wir Milliarden und Abermilliarden tote Planeten zum Leben erwecken werden, wie damals auch unsere Erde neu zum Leben erweckt worden ist. Wahrhaft „schöpferisch” werden wir dann tätig sein, unter Gottes Lenkung und Anleitung. Wir werden herrschen in alle Ewigkeit! Offenbarung 21 und 22 zeigt, dass es dann keinen Schmerz, kein Leid, kein Übel mehr geben wird, denn wir werden gelernt haben, nach Gottes Weg zu leben. Ein ewiges Leben der Erfüllung, in ständiger, freudiger Vorausschau auf neuen Fortschritt und Erfüllung, in glücklicher Rückschau auf das, was bereits geleistet worden ist.

Nie werden wir müde und schwach werden. Immer lebendig – berstend vor Energie, Vitalität, Lebensfülle, Kraft und Stärke!

Welch ein Potential!

Aber warum letztlich? Warum hat Gott das so eingerichtet?

Dazu wäre noch vieles zu sagen. Die bisherigen Kapitel bildeten erst den Anfang der Erklärung des wahren Evangeliums.

Warum ist das wahre Evangelium auf soviel Widerspruch gestoßen? Wo liegt die Ursache allen menschlichen Elends und Leids?

Woher stammt das Böse überhaupt?

Wo liegt Ursprung und Quelle des Bösen im Menschen und wie wird der Mensch davon befreit werden?

Warum wurde der Mensch sterblich geschaffen, aus Materie, „Staub der Erde”? Warum weist der Mensch, der doch aus demselben Stoff besteht wie das Tier, der denselben Tod stirbt, gegenüber diesem so unendlich überlegene höhere Fähigkeiten auf? Das Gehirn von Mensch und Tier ist doch prinzipiell gleich gebaut und oft auch gleich groß. Worauf beruht der entscheidende Unterschied? Wieso ist der Mensch imstande, Computer zu erdenken und Mondflüge zu unternehmen, nicht aber, seine eigenen Probleme hier auf Erden zu lösen?

Das alles werde ich erklären.

Wo die Wissenschaft im Dunkeln tappt, wo die Religionen uns im Stich gelassen haben, wo das Bildungswesen sich ignorant zeigt: bei den Antworten auf diese Seinsfragen nämlich, da dürfen wir die Wahrheit erfahren.

Chapter 4: Präexistenz vor dem stofflichen Universum

Ich habe Ihnen das hohe Potential des Menschen dargelegt. Aber: Warum letztlich hat Gott das alles so geplant, gewollt, eingerichtet? Wozu hat er beschlossen, Menschen zu schaffen und auf die Erde zu setzen? Gott tat nichts ohne Grund.

Um darin Einblick zu bekommen, um den „großen Rahmen” zu erfassen, ist ein historischer Exkurs in die Vorgeschichte notwendig. Auch diese fehlende Wissensdimension erschließt sich aus dem Wort Gottes – seiner Botschaft und Offenbarung an den Menschen.

Kennen Sie das: wenn man mitten in einen Film hineinkommt und nur die letzte Hälfte sieht? Ein schiefes, ein halbes Bild ergibt sich – man weiß nicht, was am Anfang geschehen ist und was hingeführt hat zu dem Punkt der Handlung, an dem man in den Film „eingestiegen” ist.

Ähnliches gilt für das Verstehen dessen, was Gott dem Menschen zugedacht hat – der letzten Seinsbestimmung des Menschen.

Echtes Verstehen kommt nur aus der „Gesamtkenntnis”, einem Aufrollen der Geschichte von Anfang an.

Auf die Frage, wo wohl der inhaltliche Anfang der Bibel läge, würden die meisten, die den „größten Bestseller der Welt” auch nur andeutungsweise kennen, sagen: „Na, in der Schöpfungsgeschichte, Kapitel eins, Vers eins.”

Falsch!

Der eigentliche Anfang, chronologisch gesehen, findet sich im Neuen Testament: im ersten Kapitel Johannes, Vers eins. Die in der Genesis geschilderten Ereignisse geschahen später – womöglich Jahrmillionen später.

Johannes 1, 1 offenbart dagegen eine Existenz, die (u. U. weit) zurückreicht vor die Zeit, da Gott die Erde und das stoffliche Universum schuf.

Da heißt es: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.” Weiter: „Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist” (Vers 2-3).

Der Begriff „alle Dinge” ist im Hebräerbrief 1, 3 (Menge‑Übers.) mit Weltall wiedergegeben. Das ganze Weltall ist durch ihn geschaffen worden!

Der vierzehnte Vers von Johannes 1 lautet: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.”

Die hier „Wort” genannte Person war diejenige, die dann – vor fast zwei Jahrtausenden – als Jesus Christus geboren wurde.

Der Begriff „Wort” ist eine Übertragung des griechischen logos; man könnte es auch mit „Sprecher” übersetzen. Dieser „Sprecher” war „im Anfang” noch nicht der Sohn Gottes. Gleichwohl offenbart die Schrift, dass es ihn schon immer gegeben hat und geben wird – „von Ewigkeit zu Ewigkeit”. Er war „ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens” (Hebräer 7, 3).

Dies gilt es gut zu verstehen.

Ursprünglich gab es nur diese beiden aus sich selbst seienden Geist‑Personen. Sie hatten Schöpferkräfte – sie hatten höchsten, vollkommenen Intellekt – sie besaßen vollkommenen, heiligen und gerechten Charakter.

Doch außer ihnen gab es nichts niemanden! Keine Materie, kein stoffliches Universum. Noch nicht. Und kein lebendiges Wesen oder Ding.

Nur diese beiden, gleichwertig an Intellekt und Kraft, außer dass der eine – Gott – die oberste Autorität innehatte und der andere – das Wort – sich dieser Autorität willig unterordnete. Beide waren eines Sinnes, in höchster Harmonie.

Alle Dinge also – das Universum mit allem, was es enthält – ist durch die Person, die „Wort” heißt, gemacht worden. Genauer: Das „Wort”, der spätere Christus, war das tatsächlich handelnde, das ausführende Organ der Schöpfung. Er setzte den Willen Gottes in die Tat um. Auch in seinem Erdenleben als Jesus sagte er – nach eigenem Bekunden – nur, was der Vater ihn sagen hieß.

In der den Uranfängen vorausgehenden Ewigkeit existierten also diese beiden höchsten Wesen. Allein! In der Leere des Raums! Keine anderen Lebensformen – keine anderen Lebewesen! Nichts!

Doch sie besaßen Verstandeskräfte von höchster Potenz. Und sie schufen – lange Zeit später – Menschen nach ihrem Bilde, ihnen ähnlich. Auch dem Menschen gaben sie Verstandeskraft. Es scheint unmittelbar einsichtig, dass der menschliche Verstand in seiner Funktionsweise dem göttlichen nachgeschaffen sein muss, nur eben mit geringerer „Potenz”.

Wie macht der Mensch von seinem Verstand Gebrauch? Unsere schöpferischen Kräfte bilden einen Abglanz der göttlichen. Der Mensch errichtet Gebäude aus Rohstoffen. Er baut hochkomplizierte Maschinen. Aber wie? Nicht, ohne vorher zu planen und zu konzipieren. Erst dann erfolgt der eigentliche „Schöpfungsprozess”.

Zur Veranschaulichung: Nach langem Beten, um Gottes Willen zu erforschen, durfte ich eines der schönsten Gebäude seiner Art in der Welt errichten – das Ambassador Auditorium in Pasadena, Kalifornien. Viel Denken und Planen wurde investiert: ich spannte das größte und beste Architektur- und Ingenieurbüro der Welt ein, um meine Grundvorstellung von einem solchen Bau in konkrete Pläne zu übersetzen. Zwölf Jahre Entwerfen, Konzipieren, Reißbrettarbeit gingen dem ersten Spatenstich voraus. Jeder Kubikmeter umbauter Raum war genauestens auf dem Papier geplant, ehe der Bau begann.

Wie viel mehr Planungs‑ und Konzeptionsarbeit müssen der große Gott und das Wort geleistet haben, ehe sie an ihren „Bau”, die Schöpfung, gingen!

Nicht die Materie schufen sie zuerst. Gesetze und Erkenntnisse aus dem Bereich der Radioaktivität sagen uns, dass es eine Zeit gegeben haben muss, in der solche Materie noch nicht existierte.

Vielmehr plante und schuf der große Gott durch das Wort zunächst Geistwesen – Engel. Millionen, vielleicht Milliarden, einzeln geschaffener Wesen. Sie bestanden aus purem Geist. Sich selbst tragendes, „inhärentes” Leben – Unsterblichkeit – wurde ihnen gegeben. Und daneben gab Gott ihnen Verstandeskraft – Erkenntnis‑, Denk‑ und Entscheidungsvermögen.

Die krönende Schöpfertat

Eine ausschlaggebende Eigenschaft aber konnte selbst Gott nicht durch ein „Es werde” aus dem Nichts erschaffen – den Gott und dem Wort eigenen vollkommenen, heiligen, gerechten Charakter.

Dieser Charakter muss sich entwickeln, und zwar aufgrund bewusster Entscheidung, bewussten Wollens seitens dessen, in dem er entstehen soll.

Eine hochwichtige Grundwahrheit: Vollkommener, heiliger und gerechter Charakter stellt Gottes krönende Schöpferleistung dar – er ist das Mittel zur Verwirklichung des großen göttlichen Planes, der hinter allem steht und alles bestimmt.

Inwiefern?

Ich wiederhole, Charakter dieser Art muss sich entwickeln. Das setzt freie Willensentscheidung seitens des Individuums voraus, in dem er geschaffen werden soll. Auch dann noch muss er von Gott eingeflößt werden; er ist der einzige, der ihn geben kann.

Vollkommener, heiliger und gerechter Charakter ist die Fähigkeit eines selbständigen Individuums, den wahren und richtigen Weg vom falschen zu unterscheiden, sich freiwillig Gott zu unterwerfen, bedingungslos und ganzheitlich, sich von ihm „bezwingen” zu lassen; dann – über alle Versuchungen und Wünsche der eigenen Natur hinweg – das Richtige leben und tun zu wollen. Immer noch ist solch heiliger Charakter dann – wörtlich – eine Gottesgabe. Er erwächst aus Unterwerfung unter Gott, so dass Gott sein Gesetz (Gottes richtige Lebensweise) dem eingeben kann, der es will und erstrebt.

Der vollkommene Charakter kann also nur von Gott kommen, dem Geschöpf auf dessen freiwillige Entscheidung hin eingeflößt, unter Umständen nach schweren Prüfungen und Bewährungsproben.

Ich habe diesem Punkt mehrere Absätze gewidmet, denn es handelt sich um das höchste, wesentlichste Mittel zur Verwirklichung des großen Planes Gottes!

Zurück zu den prähistorischen Engeln: Gott schuf ihnen 1) Verstandeskraft, Erkenntnis‑, Denk‑ und Entscheidungsvermögen ein und offenbarte ihnen 2) seinen wahren und gerechten Weg. Notwendigerweise musste er ihnen aber Entscheidungsfreiheit lassen, selbst zu wählen zwischen dem richtigen Weg Gottes und entgegengesetzten, eigenen Wegen – Abwegen.

Was war nun die eigentliche Seinsbestimmung der Engel? Denn sie ist es zweifellos, die nach dem Aufruhr der Engel nun dem Menschen als transzendentes Potential zugefallen ist!

Als Feld der Bewährung, als Gelegenheit zu positiver und aktiver Schöpfertätigkeit, erschuf Gott das materielle Universum in seiner Unermesslichkeit.

Gott schuf nun nicht nur Materie, sondern mit und in ihr Energie und Naturgesetze, wie der Mensch sie in der Physik und Chemie entdeckt hat. Gott gab der Materie zwei Seinszustände, organisch und anorganisch.

Wie ich schon erwähnt habe, wäre das Wort „Himmel” im ersten Buch Mose laut dem Hebräischen besser als „die Himmel” (Mehrzahl) übersetzt. Es würde dann nicht nur unsere Erde, sondern das ganze Universum einschließen.

Somit kann angenommen werden, dass zu dieser Zeit – nach Erschaffung der Engel – das ganze Universum gleichzeitig mit der Erde entstand. Starke Indizien sprechen auch an anderer Stelle in der Schrift dafür.

Die vollkommene Schöpfung

Die im (von Mose niedergeschriebenen) Urtext verwendeten Ausdrücke legen nahe, dass es eine vollkommene Schöpfung gewesen sein muss. Gott offenbart sich als Urheber von Vollkommenheit, Licht, Schönheit.

Dieser erste Vers der Bibel spricht nur von der materiellen Schöpfung, der Ur‑Erschaffung des Universums samt unserer Erde, womöglich vor Millionen Jahren, und zwar einer vollkommenen Schöpfung, wunderbar und vollkommen, soweit die Schöpfung ein fertiges, vollendetes Werk war. Gott ist Perfektionist!

In Hiob 38, 4‑7 spricht Gott selbst von der Erschaffung der Erde. Die Engel (geschaffene „Gottessöhne”), so heißt es dort, jauchzten beim Anblick der Erdschöpfung. Daraus geht hervor, dass es Engel bereits vor Erschaffung der Erde gegeben hat – wahrscheinlich vor dem materiellen Universum überhaupt. Engel sind einzeln geschaffene Geist‑Wesen, aus Geist bestehend, nichtmateriell.

Vielen Lesern mag das neu sein: dass nämlich vor Erschaffung des Menschen bereits Engel die Erde bewohnten. Die angeführte Hiob‑Stelle legt es nahe.

Engel auf Erden sündigten

Auch andere Bibelpassagen setzen – zum Teil noch klarer – Engel vor dem Menschen auf die Welt.

Etwa 2. Petrus 2, 4‑6: Zeitlich zuerst kommen da Engel, die gesündigt haben. Dann die vorsintflutliche, die „vorige” Welt von Adam bis zur Sintflut. Danach Sodom und Gomorra.

Das Buch der Bücher, die Offenbarung des Schöpfergottes, sagt uns, dass Gott die Engel als heilige Engel schuf – aus Geist bestehend. Aber kann man sich dies vorstellen: dass Engel sündigten? Nun, Engel wurden mit Denkvermögen geschaffen, mit Fähigkeit zur freien Entscheidung, anders hätten sie weder Individualität noch Charakter besessen. Sünde heißt Übertretung von Gottes Gesetz, und Engel lehnten sich gegen Gottes Gesetz, die Grundlage seiner Herrschaft, auf: Das war ihre Sünde.

„Denn Gott hat selbst die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern hat sie in finstere Höhlen hinabgestoßen und übergeben, dass sie zum Gericht behalten werden; und hat nicht verschont die vorige Weit, sondern bewahrte allein Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, mit sieben andern und brachte die Sintflut über die Welt der Gottlosen …” (2. Petrus 2, 4‑5, oben schon angesprochen).

Die Stelle zeigt, dass allgemeine Sünde allgemeine Zerstörung der physischen Erde nach sich zieht. Die „vorsintflutliche” Sünde, die die Sintflut auslöste, war weltweit, allgemein: Aber die Erde war … voller Frevel … denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden … (1. Mose 6, 11‑12). Aber Noah fand Gnade vor dem Herrn Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott (Vers 8‑9). Alles Fleisch außer Noah hatte gesündigt – alle Menschen auf der Welt. So zerstörte auch die Flut die ganze Welt.

Und was Sodom und Gomorra betrifft: Homosexualität und andere Laster hatten sich nicht auf die Stadtgrenzen beschränkt. Folgerichtig traf das Strafgericht die ganze Umgebung mit. Die Sünde der Engel war weltweit, so war auch die Zerstörung der physischen Erde weltweit.

Die oben zitierten Verse setzen das Sündigen der Engel vor die vorsintflutliche Welt, die mit Adam begann, vor die Erschaffung des Menschen überhaupt. Eine für viele sicher überraschende Erkenntnis, dieser Teil der fehlenden Wissensdimension: Vor dem Menschen bewohnten Engel die Erde.

Auf Erden waltete Gottes Herrschaft – bis zur Rebellion der sündigen Engel.

Wie lange Engel die Erde bewohnt haben, bleibt in der Schrift offen; es mögen Jahrmillionen gewesen sein. Dazu später mehr. Doch diese Engel sündigten. Sünde ist definiert als Übertretung des göttlichen Gesetzes (1. Johannes 3, 4). Und Gottes Gesetz ist die Grundlage der Herrschaft Gottes. Wir wissen also, dass diese Engel – offenbar ein Drittel der Engelwelt (Offenbarung 12, 4) – sündigten, sich auflehnten gegen die Herrschaft Gottes. Und Sünde zieht Strafe nach sich. Für die Engel freilich nicht den Tod, wie für den Menschen. Engel sind unsterbliche Geist‑Wesen. Ihnen war die Erde, die physische Erde, unser Planet, als Besitztum und Wohnung zugewiesen worden.

Das allgemeine Sündigen der Engel hatte nun zur Folge: physische Zerstörung der Erdoberfläche.

Gott ist Schöpfer. Aber auch Erhalter: Was er erschafft, bewahrt er auch durch seine Ordnung. Alles von Gott Geschaffene ist zweckbestimmt – soll „benutzt”, geschützt, bewahrt werden. Und diese „Benutzung” wird durch Gottes Herrschaftsordnung reguliert. Als die Engel sich gegen Gottes Herrschaft auflehnten, zog er gewissermaßen seine schützende Hand von der physischen Erde, ihrer ursprünglichen Schönheit und Herrlichkeit zurück – und Zerstörung der Erdoberfläche war die Folge.

Gott ist Schöpfer, Bewahrer und Herrscher.

Der große Zerstörer hat einen anderen Namen: Satan!

Im Judasbrief (Vers 6-7) heißt es: „Auch die Engel, die ihren himmlischen Rang nicht bewahrten, sondern ihre Behausung verließen, hat er für das Gericht des großen Tages festgehalten mit ewigen Banden in der Finsternis. So sind auch Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die gleicherweise wie sie Unzucht getrieben haben und anderem Fleisch nachgegangen sind, zum Beispiel gesetzt und leiden die Pein des ewigen Feuers.”

Zurück nun zu 1. Mose 1, 1-2. Vers eins, wie gesagt, unterstellt eine vollkommene Schöpfung. Gott ist der Urheber von Leben, von Schönheit, von Makellosigkeit. Satan hat nur Finsternis, Hässlichkeit, Unvollkommenheit, Gewalt gebracht. Vers eins zeigt die Erschaffung einer vollkommenen Erde, herrlich und schön. Vers zwei lässt erkennen, welches Ergebnis die Sünde der Engel hatte:

Und die Erde war [ward] wüst und leer … „Wüst und leer” ist eine Übersetzung von tohu und bohu (hebräisch), was soviel wie „chaotisch, verlassen, durcheinander” bedeutet; im deutschen „Tohuwabohu” hat sich der Ausdruck original erhalten. Und das Wort für „war” wird an anderen Stellen (z. B. 1. Mose 19, 26) mit, wie es richtiger heißen muss, „ward” übersetzt. Sprich: Die Erde, ursprünglich schön und vollkommen beschaffen, war nun chaotisch, wüst und leer geworden – wie unser Mond, mit dem Unterschied, dass es Wasser auf ihr gab.

David wurde inspiriert niederzuschreiben, dass Gott die Erde erneuerte: „Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde” (Psalm 104, 30).

Nun eine weitere Überraschung für die meisten Leser: eine Tatsache, biblisch fundiert, der großen Öffentlichkeit gleichwohl unbekannt.

Von Vers zwei an beschreibt der Rest dieses ersten Kapitels der Bibel nämlich nicht mehr die Urschöpfung der Erde, sondern deren Erneuerung, nachdem sie wüst und leer geworden war, dem Sündenfall der Engel folgend.

Was vom zweiten Vers an – im so genannten „Schöpfungskapitel” der Bibel – beschrieben ist, spielte sich vor erdgeschichtlich sehr „kurzer” Zeit ab, biblischer Chronologie gemäß vor rund sechstausend Jahren. Das hätte Millionen oder sogar Milliarden von Jahren nach der Urschöpfung in Vers eins gewesen sein können.

Später werde ich mehr zu sagen haben über die mögliche Zeitspanne, in der die Engel sich gegen Gottes Regierung auflehnten.

Die Erde war wüst und leer geworden. Ursprünglich hatte Gott sie nicht so geschaffen. Gott ist kein Gott der Unordnung (1. Korinther 14, 33).

Dasselbe hebräische Wort tohu kehrt in Jesaja 45, 18 wieder, wo es heißt: „Denn so spricht der Herr, der den Himmel geschaffen hat – er ist Gott; der die Erde bereitet und gemacht hat – er hat sie gegründet; er hat sie nicht geschaffen, dass sie leer [tohu] sein soll, sondern sie bereitet, dass man auf ihr wohnen solle …”

Zur Schöpfungsgeschichte zurück.

Die Erde war also chaotisch wüst und leer geworden: „… und es war finster auf der Tiefe [gemeint ist der Ozean, das tiefe Meer, das die Erde bedeckte]; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis …” (1. Mose 1, 2‑4).

Satan ist der Urheber der Finsternis. Der Aufstand der Engel hatte dazu geführt, dass Finsternis herrschte. Gott ist der Urheber von Licht und Wahrheit. Licht zeigt Schönheit, hebt sie hervor, enthüllt auch das Böse. Finsternis verbirgt beides.

Die Verse, die in diesem ersten Kapitel der Bibel folgen, schildern die Erneuerung der Gestalt der Erde, das Aufsprießen der Gräser, Bäume, Gewächse, Blumen, aller Pflanzen – dann die Erschaffung von Fischen und Vögeln, der Tiere und schließlich des Menschen.

Der grosse Luzifer

Bevor wir auf die Menschheitsschöpfung eingehen, müssen wir noch das vorgeschichtliche Bild abrunden.

Wer stand als treibende Kraft hinter dem Sündenfall der Engel? Wie fing es an?

Halten wir nochmals fest, dass Gott der Schöpfer das, was er erschafft, durch seine herrschende Hand auch erhält, fortentwickelt, verschönt. Alles von Gott Geschaffene ist zweckbestimmt. Die Erde war ursprünglich dazu bestimmt, von Engeln bewohnt zu werden.

Als Gott die neugeschaffene, vollkommene, schöne und herrliche Erde den Engeln – anscheinend ein Drittel der Gesamtzahl (Offenbarung 12, 4) – übergab, setzte er als Sachwalter der göttlichen Herrschaft einen Erzengel über sie – den großen Cherub Luzifer. Außer ihm gab es nur noch zwei Cherubim seines hohen Ranges: Michael und Gabriel.

Soweit die Schrift es erkennen lässt, verkörpern diese den absoluten Gipfel dessen, was Gott an Engeln, an Geist-Wesen, zu erschaffen imstande ist. Luzifer war ein Über-Wesen in jeder Beziehung, von überwältigender, majestätischer Schönheit, strahlend, mit höchster Macht, Weisheit und Erkenntnis ausgestattet – vollendet, wie Gott ihn schuf. Aber notwendigerweise schuf ihm Gott auch Entschlusskraft und Entscheidungsfähigkeit ein, Eigenschaften, ohne die er, Luzifer, weder Individualität noch Charakter besessen hätte.

Ich möchte, dass Sie sich die ganze Herrlichkeit dieser Krone aller von Gott geschaffenen Wesen bewusst machen. Zwei Bibelstellen gibt es, die uns von seinem ursprünglich geschaffenen Zustand berichten.

Zunächst Jesaja 14. ein berühmtes Kapitel, das mit der – jetzt kurz vor uns liegenden – Zeit beginnt, in der der ewige Gott selbst ins Weltgeschehen eingreifen wird. Das Volk Israel (nicht unbedingt oder ausschließlich identisch mit den heutigen Israelis, den Nachkommen Judas) wird wieder in Gefangenschaft gefallen sein, und Gott wird eingreifen und es in seine alte Heimat Palästina zurückbringen.

„Und zu der Zeit, wenn dir der Herr Ruhe geben wird von deinem Jammer und Leid und von dem harten Dienst, in dem du gewesen bist, wirst du dies Lied anheben gegen den König von Babel und sagen: Wie ist’s mit dem Treiber so gar aus, und das Toben hat ein Ende! Der Herr hat den Stock der Gottlosen zerbrochen, die Rute der Herrscher. Der schlug die Völker im Grimm … und herrschte mit Wüten über die Nationen und verfolgte ohne Erbarmen” (Verse 3-6).

„König von Babel”, damit ist nicht der damalige babylonische König Nebukadnezar gemeint. Es bezieht sich auf eine Zeit, die noch bevorsteht, kurz bevorsteht; auf einen modernen Nachfolger des Nebukadnezar. Es bezieht sich auf das politische Oberhaupt der bald kommenden Erneuerung des „Heiligen Römischen Reiches”, einer Art „Vereinigter Staaten von Europa” – eines Zehnstaatenbundes, der aus der Europäischen Gemeinschaft von heute hervorgehen oder ihr folgen wird. Großbritannien wird übrigens nicht dazu gehören. Dieses vereinte Europa wird Israel schlagen – wenn man weiß, wer heute „Israel” darstellt, und ich meine nicht den Stamm Juda, die Israelis von heute. Noch viele andere prophetische Schriftstellen spielen da mit, die zu erläutern hier kein Platz bleibt.

Jedenfalls: Zur Zeit dieser Prophezeiung wird besagter König von Babel: vollständig besiegt worden sein durch das Eingreifen des lebendigen Christus in Macht und Herrlichkeit – „Nun hat Ruhe und Frieden alle Welt und jubelt fröhlich. Auch freuen sich die Zypressen über dich und die Zedern auf dem Libanon und sagen: Seit du daliegst, kommt niemand herauf, der uns abhaut” (Verse 7-8).

(Ich möchte an diesem Punkt etwas Interessantes einfügen. Die biblisch berühmten Zedern von Libanon sind fast vollständig gefällt. Nur noch hoch oben auf den Bergen gibt es eine kleine Gruppe dieser Bäume. Ich habe sie gesehen und fotografiert. Doch die vielleicht schönsten Exemplare der Zedern von Libanon, die es heute noch auf Erden gibt, befinden sich auf unserem ehemaligen Ambassador Campus in England. Wir haben sie sehr geschätzt. Es ist interessant festzustellen, dass diese Prophezeiung, die etwa 500 Jahre v. Chr. geschrieben wurde, die Tatsache vermerken sollte, dass diese schönen und stattlichen Bäume größtenteils gefällt worden seien.)

Besagte Stelle in Jesaja 14 spricht vom Sturz dieses kommenden Königs durch die Hand des verherrlichten, allmächtigen Christus. Sie stellt ihn dar als Satans Hauptinstrument in den kommenden Jahren, seinen politischen und militärischen Vollstrecker gewissermaßen – von Satan völlig verführt.

Dann jedoch – mit Vers 12 beginnend – springt die Bedeutung der Passage plötzlich um: War bisher vom menschlichen Werkzeug Satans, so ist nun vom Teufel selbst die Rede, vom einstigen Erzengel Luzifer:

„Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern! Wie wurdest du zu Boden geschlagen, der du alle Völker niederschlugst.” Diesen „Sieg über die Völker” bewirkte Satan durch den politisch‑militärischen Führer in seiner Gewalt, von dem die ersten elf Verse sprechen.

„Luzifer” selbst bedeutet „leuchtender Morgenstern”, „Lichtbringer”, wie Gott ihn ursprünglich schuf. Weiter im Text: „Du aber gedachtest in deinem Herzen: Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne [Engel] Gottes erhöhen …” (Vers 13).

Man beachte: Luzifer hatte einen Thron – er war ein Herrscher. Sein Thron stand auf Erden, von dort wollte er sich ja in den Himmel erhöhen.

Weiter: „… ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung im fernsten Norden. Ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten” (Verse 13-14).

Klar wird: Luzifer führte nichts Geringeres im Schilde, als Gott vom Thron zu stürzen und sich dessen Stelle anzumaßen. Anscheinend wollte er sich selbst als Herrscher über das Universum setzen.

Am Ende aber (und hier ist wieder das menschliche Werkzeug Satans gemeint): „Ja, hinunter zu den Toten fuhrest du [hebräisch scheol], zur tiefsten Grube!” (Vers 15).

Von diesem Punkt an kehrt der Textsinn zurück zu dem menschlichen König. Dessen „Anstifter”, das höchste Meisterstück göttlicher Schöpferkraft, Luzifer, wendete sich gegen seinen Herrn und Meister wie Frankensteins Monster, wollte ihn vernichten und seine Macht über das Universum an sich reißen.

Die Herrschaft, die er zu errichten gedachte, gründete sich nicht auf den Liebesgedanken – auf Geben, auf Anteilnahme am Wohl des Nächsten –, sondern auf Selbstsucht, auf Hochmut, Wollust und Gier, auf Neid, Eifersucht, Konkurrenzgeist, Hass, Gewalt und Vernichtung, auf Finsternis und Irrtum statt auf Licht und Wahrheit, auf Hässlichkeit statt auf Schönheit.

Die zweite Bibelstelle, die dieses hohe Engelgeschöpf Gottes beschreibt, ist Hesekiel 28.

Luzifer: ein geschaffenes Wesen

Im Zusammenhang geht es dabei vom 26. Kapitel an um Tyrus, die große Stadt, einst wirtschaftliche Metropole der alten Welt, so wie Babylon die politische Metropole war, Tyrus war das New York, das Tokio der alten Welt: Welthafen und Handelszentrum, sonnte sie sich im eigenen Glanz, wie in unserer Zeit Paris.

Kapitel 27 fährt mit Passagen fort, die eine gewisse Ähnlichkeit mit dem 18. Kapitel der Offenbarung aufweisen, unter Anspielung auf eine politisch‑religiöse Führerfigur, die kommen soll (Vers 9‑19).

Im achtundzwanzigsten Kapitel rückt dann jene Zeit näher in den Mittelpunkt, die jetzt kurz vor uns liegt, die Zeit, die auch Jesaja 14 schildert. Angesprochen ist der „Fürst von Tyrus”, ein irdischer Herrscher. Gott redet zum Propheten Hesekiel: „Du Menschenkind, sage dem Fürsten zu Tyrus [in Wirklichkeit bezieht sich dies auf einen mächtigen Kirchenführer, der bald, in unserer Zeit, erstehen soll]: So spricht Gott der Herr: Weil sich dein Herz überhebt und spricht: ‚Ich bin ein Gott, ich sitze auf einem Göttersitz mitten im Meer’, während du doch ein Mensch und nicht Gott bist, dennoch überhebt sich dein Herz, als wäre es eines Gottes Herz … nun bist du so stolz geworden, weil du so mächtig bist; – darum spricht Gott der Herr: Weil sich dein Herz überhebt, als wäre es eines Gottes Herz, darum siehe, ich will Fremde über dich schicken, die Gewalttätigsten unter den Völkern … Sie sollen dich hinunter stoßen in die Grube, dass du den Tod eines Erschlagenen stirbst mitten auf dem Meer” (Hesekiel 28, 2‑8). (Vergleiche 2. Thessalonicher 2, 3‑4, wo die Rede von dem „Mensch der Sünde” ist, „der sich überhebt aber alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott.”)

Ein Super‑Wesen

Aber an dieser Stelle sowie in Jesaja 14 wird der mindere menschliche Typ zu einem größeren Antityp erhoben. Anstatt vom Fürsten zu Tyrus – ein Mensch – ist dann die Rede von dem König von Tyrus. Der ist derselbe wie Luzifer.

Hesekiel fährt fort:

„Und des Herrn Wort geschah zu mir. Du Menschenkind, stimm ein Klagelied an über den König von Tyrus und sprich zu ihm: So spricht Gott der Herr: Du warst das Abbild der Vollkommenheit, voller Weisheit und über die Maßen schön” (Verse 11‑12).

Lesen Sie die Verse bitte noch einmal. Gott würde solche Superlative niemals für einen sterblichen Menschen gebrauchen. Luzifer war das Abbild der Vollkommenheit, das Meisterstück der Schöpfung Gottes, das allerhöchste Geist-Wesen, das Gott fähig war zu schaffen. Tragischerweise rebellierte er gegen seinen Schöpfer.

„In Eden warst du, im Garten Gottes …” (Vers 13); er hatte die Erde bewohnt. Sein Thron war hier … geschmückt mit Edelsteinen jeder Art … Von Gold war die Arbeit deiner Ohrringe und des Perlenschmucks, den du trugst; am Tag, als du geschaffen wurdest, wurden sie bereitet.” Er war ein geschaffenes Wesen – kein geborener Mensch. Er war ein Geist‑Wesen – nicht von menschlichem Fleisch. Großes Genie und Musikalität waren ihm eingeschaffen worden. Jetzt, da sein Denken, Handeln und Sein vollkommen pervertiert sind, ist er der eigentliche Urheber des Lärms, der entarteten Musik – der Dissonanzen, des grässlichen Gejaules und Gequietsches –, der mutlosen, verzweifelten Gemütsstimmungen. Man halte sich all dies Talent, diese Gaben, dieses Potential, einem Wesen von „unbegrenzten Möglichkeiten” eingeschaffen, vor Augen. Und alles pervertiert! Alles verdorben – in Hass, Destruktion und Hoffnungslosigkeit verwandelt.

Dennoch: Mut! Dem Menschen steht eine Bestimmung offen, weit, weit höher noch als diejenige Luzifers in seinem ursprünglich geschaffenen Zustand, vor seiner Auflehnung gegen Gott. Freilich muss der Mensch, will er dieser Bestimmung gerecht werden, selbst aktiv dazu die Voraussetzungen schaffen: Er muss sich Satans Verführungskünsten, seinem lähmenden Einfluss widersetzen und Gottes Weg gehen.

Um mit der obigen Stelle und deren Wichtigkeit fortzufahren: „Du warst ein glänzender, schirmender Cherub …” (Vers 14), sagt Gott von Luzifer. Dies führt uns zurück zum 25. Kapitel des 2. Buches Mose, wo die Bauvorschriften für die Bundeslade gegeben werden. Die Beschreibung beginnt mit Vers 10, und in Vers 18‑20 erfahren wir, dass Mose auch einen „Gnadenthron” machen sollte, an dem zwei Cherubim standen, Abbild des göttlichen Thrones im Himmel – des Herrscherthrones Gottes über das Universum. Die Flügel der beiden Cherubim beschirmten den Thron.

Ausgebildet am Regierungssitz des Universums

Luzifer hatte also am Thron Gottes selbst gestanden. Er war ausgebildet und erfahren als Sachwalter der Herrschaft Gottes. Dieses Wesens, geschult und mit hoher Erfahrung, bediente sich Gott gewissermaßen als Führungskraft in seiner Hierarchie, als Statthalter über die Engel, welche die Erde bewohnten.

Weiter: „… auf den heiligen Berg hatte ich dich gesetzt; ein Gott warst du und wandeltest inmitten der feurigen Steine” (Hesekiel 28, 14). Hier kann von keinem Menschen die Rede sein. Doch dann:

„Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir Missetat [Gesetzlosigkeit] gefunden wurde” (Vers 15). Er besaß unendliche Weisheit, Wissensfülle und Erkenntnis. Gleichzeitig aber auch Denk‑ und Entscheidungsvermögen, die Fähigkeit der Wahl. Obschon er mithin „weiterdenken” und die Konsequenzen seines Handelns gewiss voraussehen konnte, lehnte sich Luzifer, diese Krone aller von Gott geschaffenen Wesen, gegen seinen Schöpfer auf – gegen den Weg, der alles Gute hervorbringt. Er fiel in Gesetzlosigkeit. Er war als Sachwalter einer vollkommenen, gerechten Herrschaftsordnung ausgebildet worden. Solange er dieses Amt getreulich ausübte, herrschten Glück und Freude in unsagbarer Fülle auf der Erde: Frieden, wunderbare Harmonie, vollkommene Liebe, Hilfsbereitschaft. Die Ordnung Gottes sorgte für diesen Glückszustand – solange Luzifer loyal blieb.

Warum sündigten die Engel?

Wer oder was war nun die Ursache, dass die Engel auf Erden sich der Sünde, der Gesetzlosigkeit zuwandten? Stifteten etwa die Engel ihren Anführer, dieses vollkommene Wesen, dazu an? Nein, umgekehrt: Er war es, in dem „Missetat” gefunden wurde. Aber nach wie langer Zeit? Das wissen wir nicht, die Schrift lässt diesen Punkt offen. Es kann ein Jahr oder weniger, es kann Abermillionen Jahre gedauert haben.

Und selbst nachdem Luzifer einmal den Entschluss zum Aufruhr gefasst hatte, zum „Putsch” gegen Gott, wissen wir nicht, wie lange er brauchte, um all die vielen Engel auf seine Seite zu bringen.

Die angewandte Methode ist mir aber wohlbekannt. Verführte Menschen werden auch heute durch dieselbe Methode Satans zu Untreue, Rebellion und selbstsüchtiger Opposition gegen Gottes Regierung aufgehetzt. Zuerst werden einige durch Bemerkungen über angebliches „Unrecht” zu Neid, Eifersucht, Unmut bewogen – und letztlich zu Untreue.

Dann benutzt er diese wenigen wie faule Äpfel, die eine ganze Kiste verderben können, um ihre Mitmenschen mit Gefühlen von Selbstmitleid, Unmut, Untreue und Rebellion zu infizieren. Schritt für Schritt kann Satan auf diese Weise sein Ziel erreichen.

Wenn in der Regierung Gottes auf Erden heute diese „faulen Äpfel” nicht rechtzeitig entfernt würden, ginge die gesamte Regierung zugrunde. Aber sobald diese faulen Äpfel aussortiert sind, können sie an den restlichen Äpfeln keinen Schaden mehr anrichten.

Wie lange musste Satan wohl dazu gebraucht haben, Millionen von heiligen Engeln zu Unmut, Verbitterung, Untreue und letzten Endes zu offener gewalttätiger Rebellion aufzuhetzen?

Es mag Hunderte, Tausende Millionen von Jahren in Anspruch genommen haben. All das spielte sich vor Erschaffung des Menschen ab.

Es vollzog sich nach der im ersten Vers von 1. Mose angesprochenen Urschöpfung der Erde. Vers zwei des „Schöpfungskapitels” schildert einen Zustand, der vom Sündenfall der Engel herrührte. Die im Anschluss dargestellten Ereignisse mögen also Jahrmillionen nach der Urschöpfung der Erde stattgefunden haben.

Es kann also durchaus stimmen, dass die Erde selbst Millionen von Jahren alt ist. Aber weiter in Hesekiel 28: „Durch deinen großen Handel wurdest du voll Frevels und hast dich versündigt. Da verstieß ich dich vom Berge Gottes und tilgte [beseitigte] dich, du schirmender Cherub, hinweg aus der Mitte der feurigen Steine. Weil sich dein Herz erhob, dass du so schön warst, und du deine Weisheit verdorben hast in all deinem Glanz, darum habe ich dich zu Boden gestürzt …” (Vers 16‑17). Von hier an kehrt der Kontext wieder zurück zu jenem religiös‑politischen Führer, einem Menschen, der bald in Erscheinung treten wird – dessen Vorläufer der antike Herrscher von Tyrus war.

Wie berichtet, war als Folge des Abfalls Luzifers (der jetzt der Teufel ist) und der „Engel, die gesündigt haben” (jetzt seine Dämonen), Zerstörung, Chaos und Finsternis über die Erde gekommen, und Gott erneuerte später in sechs Tagen die Gestalt der Erde (1. Mose 1, 2‑25).

Aus welchem Grund aber schuf Gott Menschen (1. Mose 1, 26)?

Versuchen wir einmal, die Situation mit Gottes Augen zu sehen. Gott hat uns einen Verstand gegeben, der seinem ähnelt, nur dass er kleiner, beschränkter ist. Gott schuf uns zu seinem Bilde, ihm (äußerlich) ähnlich, nur aus Materie und nicht, wie er, aus Geist. Aber Gott sagt: „Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war” (Philipper 2, 5). In begrenztem Umfang können wir denken, wie Gott denkt. Wie muss Gott die Situation gesehen haben, als er daranging, die Erde zu erneuern – nach dem Debakel mit den Engeln?

Er hatte die Erde schön und vollkommen gemacht, sie mit Engeln bevölkert – wahrscheinlich Millionen. Über sie, als König auf einem irdischen Thron, hatte er einen Erzengel gesetzt – den Cherub Luzifer. Luzifer war das höchste Meisterstück göttlicher Schöpferkraft als einzeln geschaffenes Geist‑Wesen. Er verkörperte das Nonplusultra an Schönheit, Macht, Verstand, Erkenntnis, Intellekt, Weisheit, das Gottes Allmacht hervorbringen konnte.

Und dieses große Wesen, klug, erfahren und ausgebildet an Gottes eigenem Thron, dem Herrschersitz des Kosmos; er, der Sachwalter göttlicher Herrschaft, hatte sich gegen diese Herrschaft aufgeworfen, sich gegen Unterordnung unter Gott überhaupt gestellt und alle seine Engel zum Abfall geführt, zur Sünde der Rebellion und des Treuebruchs.

Man denke weiter: Offenbar war das gesamte Universum gleichzeitig mit der Erde geschaffen worden. Weder in der Schrift noch in dem, was die Wissenschaft festgestellt hat, finden sich Hinweise, dass es auf all den fernen Planeten im grenzenlosen Raum je Leben gegeben hat. Aber Gott tut nichts ohne Grund. Was er erschafft, ist immer irgendwie zweckbestimmt.

Jetzt – wie gesagt: jetzt – sind sämtliche Planeten des Universums anscheinend ebenso wüst und leer (tohu und bohu) wie einst die Erde nach 1. Mose 1, 2. Doch in solchem Verfallszustand, unserem Mond ähnlich, hat Gott die Erde ursprünglich nicht geschaffen. Hätten die Engel die Erde bewahrt und gepflegt, wie sie war, hätten sie Gottes Weisungen Folge geleistet und sich seiner Herrschaft untergeordnet, so hätte ihnen ein ungeheures Potential offen gestanden: Bevölkerung des gesamten Universums nämlich, ein gigantisches, kosmisches Besiedelungsprogramm. Als sie auf Erden jedoch Verrat übten, muss Zerstörung auch über die anderen Planeten im All gekommen sein, Planeten, die ihnen eigentlich zugedacht waren.

Diese beispiellose Tragödie überschauend, muss Gott sich bewusst geworden sein, dass nun, nachdem das höchste vollkommenste Wesen, das zu schaffen er imstande war, sich aufgelehnt hatte, nur noch ein einziges Wesen übrig blieb, das nicht sündigte und nicht sündigen konnte: Gott selbst.

Und Gott ist der Vater der Gottfamilie.

Johannes 1, 1‑5: Das „Wort”, das „Fleisch ward” (Vers 14), hat schon immer existiert, seit ewig, beim Vater. Gottvater hat alle Dinge – das gesamte Universum – durch den, der zu Jesus Christus wurde, erschaffen (Epheser 3, 9; Kolosser 19, 16‑17).

Während seines Erdenlebens betete Jesus zu Gott, seinem Vater im Himmel. Der Vater sprach von ihm als „geliebten Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe”. Jesus lebte als Mensch auf Erden, Versuchungen ausgesetzt wie wir, aber ohne Sünde.

Das vierte Wort am Anfang der Bibel heißt „Gott” (1. Mose 1, 1), das hebräische Ursprungswort an dieser Stelle „elohim” (Plural), ein Sammelbegriff wie Familie, Kirche, Gruppe. Die Familie ist Gott. Es gibt nur einen Gott – die eine Familie, aber sie besteht aus mehr als einer Person.

Gott sah: Kein Wesen, das geringer war als er, war absolut gegen Sünde gefeit – nur Gott kann nicht sündigen. Nur er selbst (als Gottfamilie) bot noch unbedingte Gewähr, jene große, das ganze Universum umfassende Bestimmung auszuführen. So ging Gott daran, sich zu vermehren, und zwar indem er Menschen nach seinem Bilde schuf, wohl aus irdischem Stoff, aus Fleisch und Blut, sterblich, aber mit der Möglichkeit, in die Gottfamilie, der er als Gottvater vorsteht, hineingeboren zu werden.

Diese Möglichkeit öffnete uns Gott durch Christus, der sich zu diesem Zweck opferte.

Das also ist der Grund, warum Gott den Menschen auf die Erde setzte: Vermehrung seiner selbst. Das Motiv für die größte, höchste Schöpfertat, die Gott je unternahm. Dies wird im nächsten Kapitel unmissverständlich klargemacht.

Chapter 5: Warum wurde der Mensch geschaffen?

Irgend etwas muss den Schöpfergott zu dem Entschluss bewogen haben, auf Erden Menschen zu schaffen. Dieses Warum der menschlichen Existenz, unser Erschaffungsgrund, ist in der Tat nur wenigen bekannt. Wohin steuern wir? Wo ist der Weg, der zum Ziel hinführt?

Das sind lebenswichtige Fragen. Ich wiederhole, die Wissenschaft findet keine Antworten darauf. Auch die Religionen haben keine Erklärung dafür, und die allerwichtigste Erkenntnis wird nirgendwo an einer Universität gelehrt.

Die Erde war ursprünglich nicht von Menschen bewohnt

Die meisten Menschen wissen nahezu nichts über Gott. Zur eigenen Seinsdeutung jedoch, zum Verständnis dessen, warum wir sind, wohin wir gehen und auf welchem Weg, müssen wir zunächst mehr über unseren Schöpfer wissen.

Unser gegenwärtiges Leben gleicht einer Reise. Angenommen, Sie hätten einen Preis gewonnen – eine Pauschalreise ins Ausland. Würden Sie dann nicht den Wunsch haben, näher zu wissen, wohin Sie fahren, auf welcher Route usw., kurz: sich zu informieren über Weg und Ziel? Wie viel mehr sollte uns dann nicht an Aufschluss, an so genauer Information wie möglich über unsere große „Lebensreise” gelegen sein! Dazu freilich ist Voraussetzung, dass man sich zunächst näher über den Gott „informiert”, der einen schickt und einem die Weichen stellt.

Erkenntnis Gottes und seiner Pläne – wie in der Bibel offenbart –, das also ist vorweg der springende Punkt. Der ewige Gott ist nicht nur Schöpfer all dessen, was es gibt, sondern auch Herrscher über das von ihm Geschaffene und darüber hinaus Erzieher. Er offenbart vitale Grunderkenntnisse – Erkenntnisse, die dem Menschen auf anderem Wege, etwa durch eigene Forschung, nicht zugänglich sind. Dennoch wies und weist die Menschheit Offenbarung als Quelle grundsätzlicher Erkenntnis – im Allgemeinen jedenfalls – zurück.

Was Gott erschafft, bewahrt er auch. Alles von ihm Geschaffene ist zweckbestimmt. Er will, dass Gebrauch davon gemacht wird – sinnvoller Gebrauch, der schützt, erhält und verbessert. Und diese „Benutzung” wird geregelt durch die Herrschaftsordnung Gottes.

Ursprünglich war die Erde zum Wohnsitz für ein Drittel aller Engel bestimmt. So wunderbar und vollkommen bot sich die jungfräuliche Erde nach der Urschöpfung, dass die Engel spontan vor Freude jauchzten (Hiob 38, 4‑7)! Eine herrliche Möglichkeit stand ihnen nun offen. Sie sollten die Erde in Besitz nehmen, sie kolonisieren, ihre Schönheit wahren und mehren.

Und an dieser Stelle ist es angebracht, sich die Beschaffenheit von Gottes ursprünglicher Schöpfung vor Augen zu führen: Es ist wie mit unbearbeitetem Mobiliar, das man in manchen Geschäften bekommen kann. Diese Möbelstücke sind in „rohem Zustand”, d.h., sie sind fertig bis auf den letzten Schliff, die Politur oder die Farbe. Manch einer spart Geld, indem er diese letzte Bearbeitung selbst macht, vorausgesetzt, er verfügt über die entsprechenden Kenntnisse. Solche Möbel können durchaus von feiner Qualität sein, und doch fehlt ihnen die letzte Vervollkommnung,

So ist es auch mit Gottes Schöpfung. Sie ist vollkommen, aber bedarf einer letzten Verschönerung, die von den Engeln ausgeführt werden sollte. Die ursprüngliche „unvollendete” Schöpfung ist von Gott allein vollbracht worden. Aber es lag in seiner Absicht, dass die Engel, in vorgeschichtlicher Zeit, und heute der Mensch mit Hilfe schöpferischer Kraft diesen Teil von Gottes Schöpfung vollenden sollten. Sie sollten die letzten Verschönerungen vornehmen, um eines Tages eine vollendete Schöpfung entstehen zu lassen.

Dies stellte – ob die Engel nun davon wussten oder nicht – eine Bewährungsprobe höchster Art dar: eine Bewährungsprobe ihres Gehorsams gegenüber Gottes Ordnung und ihrer Fähigkeit, auch die anderen Milliarden Planeten im unermesslichen All zu besiedeln und zu kultivieren. Denn offenbar hatte Gott das gesamte materielle Universum gleichzeitig mit der Erde erschaffen. Das fünfte Wort in 1. Mose 1, 1 heißt, genau aus dem Urtext übersetzt, „die Himmel”, nicht unbestimmt „Himmel” (rev. Luther‑Bibel) oder „den Himmel” (Menge‑Übers.).

Radioaktive Elemente und das Gesetz der Radioaktivität beweisen, dass es eine Zeit gegeben haben muss, in der noch keine Materie existierte. Gott ist Geist. Gott besteht aus Geist. Gott hat vor allem anderen existiert – er hat es ja erst geschaffen. Die Engel sind zeitlich vor der Erde geschaffen worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat es vor der Urschöpfung der Erde überhaupt keine Materie gegeben – das heißt, das gesamte materielle Universum ist erst zu diesem Zeitpunkt entstanden.

Seinsbestimmung der Engel war also ein gigantisches „kosmisches Besiedelungsprogramm” – Inbesitznahme und Kolonisation der Milliarden Planeten, die um die ungezählten Fixsterne des Alls, darunter viele Sonnen, kreisen. Das Zentralgestirn unseres Sonnensystems ist nur eine Sonne mittlerer Größe. Viele Sonnen, die wir als Sterne am Firmament sehen, haben ungleich gewaltigere Ausmaße. Und unser Sonnensystem, dessen Dimension bereits alle Vorstellungen sprengt, ist nur Teil unseres Milchstraßensystems, und solche Systeme (Galaxien) gibt es viele! Mit anderen Worten, das materielle Universum, das Gott in seiner Macht schuf, geht in seinen Ausmaßen über alles Vorstellbare hinaus. Wie groß ist doch Gott!

Es war ursprünglich Gottes Plan, dass die Engel das Universum weiterentwickeln sollten. Aber nun ist der Mensch dazu bestimmt, diese Aufgabe zu übernehmen.

Möglich, dass Gott diese ungeheure Bestimmung den Engeln nicht voll offenbart hat, denn ein Drittel von ihnen warf sich auf und suchte mit Gewalt, ohne „Qualifikation”, an sich zu reißen, was ihnen ohnehin bestimmt war.

Seinem weit reichenden Plan gemäß hatte Gott über die Engel auf Erden seine Herrschaftsordnung errichtet. An deren Spitze, als oberster Statthalter Gottes auf Erden, stand ein Erzengel – der große Cherub Luzifer.

Luzifer verkörperte den absoluten Gipfel dessen, was selbst Gott in seiner Allmacht an individuell geschaffenen Wesen hervorbringen konnte. Nur noch zwei weitere Wesen gleichen Ranges nennt die Bibel – Michael und Gabriel.

Denken wir daran, dass auch die heiligen Engel – Luzifer eingeschlossen – notwendigerweise mit Denk‑ und Entscheidungsvermögen, mit der Freiheit, Geisteshaltungen zu bilden und Entschlüsse zu treffen, ausgestattet waren.

Gott gab Luzifer alles nur Erdenkliche auf den Weg, ihm, geradezu dem Inbegriff aller Weisheit, Schönheit, Perfektion. Vom Augenblick seiner Erschaffung an war er vollkommen in jeder Beziehung, bis (Hesekiel 28, 15) Missetat – Auflehnung, Gesetzlosigkeit – in ihm gefunden wurde.

Am Thron Gottes selbst, am Regierungssitz des Universums, war er ausgebildet worden und hatte gründliche Erfahrung gesammelt als Sachwalter der göttlichen Herrschaft. Er war einer der beiden Cherubim, deren Flügel den Thron des Höchsten beschirmten (Hesekiel 28, 14; 2. Mose 25, 20).

Er war wunderbar schön geschaffen – vollkommen schön. Aber er ließ zu, dass Eitelkeit von ihm Besitz ergriff. Sein Denken geriet auf Abwege. Gottes Gesetz – das Fundament der göttlichen Ordnung – ist der Liebesgedanke: selbstloses Interesse am Wohl des Nächsten, Liebe zu Gott in Gehorsam, Demut und Anbetung – der Weg des Gebens, Teilens, Helfens, des Miteinander. Luzifer stellte nun das Konkurrenzdenken vor den Liebesgedanken. Es sollte Anreiz sein, mehr zu leisten, sich anzustrengen, nach „Höherem” zu streben. Befriedigung des Ich schob sich in den Vordergrund, der Dienst am Ich.

So wandte er sich gegen Gottes Liebesgesetz. Eifersucht, ja Hass auf Gott erfüllten ihn. Er ließ sich von Wollust und Habgier ergreifen, und er verbitterte. Dies gab einem Geist der Gewalt Auftrieb! Vorsätzlich wurde er zum Widersacher und Feind seines Schöpfers. Er traf die Entscheidung selbst, nicht Gott – Gott ließ es aber zu.

Dem gewandelten Engel gab Gott einen neuen Namen: Satan der Teufel – was Widersacher, Rivale, Feind bedeutet.

Fortan stellte er, Luzifer, seine übernatürlichen Kräfte in den Dienst des Bösen. Nicht nur gegen Gott selbst, auch gegen Gottes Gesetz lehnte er sich auf. Feine und heimtückische Verführungsmittel setzte er ein, um die Engel unter ihm zu Treubruch, Rebellion und Aufstand, am Ende zu offenem Angriffskrieg gegen Gott zu treiben, zum Versuch, ihn zu stürzen und den Thron des Universums selbst einzunehmen.

Solange Luzifer loyal blieb und sein Amt treu ausübte, herrschte wunderbarer, vollkommener Friede auf Erden. Die Engel waren überglücklich, voll Freude! Das Gesetz der göttlichen Herrschaftsordnung ist die Lebensweise, die Glück, Wohlergehen, alles Positive bewirkt und hervorbringt. Sünde ist im Gegensatz dazu jene Lebensweise, die alles Böse, das es gibt, verursacht.

Für ihre Sünde wurden die Engel nicht mit dem Tode bestraft – Gott hatte sie ja als Geist‑Wesen erschaffen, die nicht sterben können. Was Gott ihnen gegeben hatte, war diese Erde, einmal als Wohnsitz, zum anderen als Möglichkeit, sich zu Besiedelung und Verschönerung des gesamten Universums zu qualifizieren.

Ihre Strafe (auf das endgültige Urteil warten sie im Augenblick noch) bestand in „Disqualifizierung” – Ausschluss von ihrer großartigen Möglichkeit, Sperrung des Weges, der vor ihnen lag, geistige Entartung, schließlich dann eine gewaltige Zerstörungskatastrophe, die auf ihre Heimat, die Erde, herabkam.

So geriet die Erde in den in 1. Mose 1, 2 angesprochenen Zustand (Hebräer „tohu und bohu”, wüst und leer, eine chaotische Wildnis), wo Wasser die gesamte Erdoberfläche bedeckte und Finsternis herrschte. Luzifer war als Lichtbringer geschaffen worden. Nun wurde er Urheber von Finsternis, Irrtum, Verwirrung und Übel.

Der Aufruhr der Engel, die sündigten (2. Petrus 2, 4‑6; Judas 6‑7; Jesaja 14, 12‑15; Hesekiel 28, 12‑17), war es also, der diese extreme Verwüstung über die Erde brachte.

Und wahrscheinlich bewirkte er noch mehr!

Was immer Gott erschafft, erschafft er vollkommen. Die anderen Planeten sind nicht als tote, lebensfeindliche Wüsten – wie unser Mond – erschaffen worden. Wir wissen noch nicht allzu viel über die anderen Planeten, aber alle Beobachtungen bisher deuten auf solch toten, verfallenen Zustand hin.

Das ungeheure Potential des Menschen haben wir bereits angesprochen. Ursprünglich war diese Bestimmung, nämlich das Universum „unter die Füße getan” zu bekommen, den Engeln zugedacht. Doch das verwirkten sie.

Gott hat unseren Mond und die Planeten ursprünglich nicht so wüst und lebensfeindlich beschaffen. Was sich in der Schrift offenbart, deutet stark darauf hin, dass das materielle Universum zu der gleichen Zeit wie die Erde geschaffen wurde. Wie bereits gesagt, ist nicht Gott Urheber von Öde, Verfall und Zerstörung, sondern Satan. Es scheint daher – auf Grundlage dessen, was offenbart ist – der Schluss gerechtfertigt: Gleichzeitig mit der Erde muss ein ähnlich verheerendes Desaster auch über unseren Mond und die anderen Planeten hereingebrochen sein! Und all dies hatte seine Ursache im Aufruhr Luzifers und seiner Engel! Lesen wir aber, was Gott weiter tat.

Psalm 104, 30: Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde.”

Zurück zu 1. Mose 1, 2: „Und die Erde war [wurde] wüst und leer [hebr. tohu und bohu, der chaotische Zustand, der entstanden war], und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.”

Da erneuerte Gott die Erdoberfläche, bereitete sie dem Menschen zum Wohnsitz.

Aber warum?

Warum Gott den Menschen schuf!

Hier nun eine Wahrheit, die der Mensch wohl nie zuvor ganz erfasst hat.

Eine überwältigende Wahrheit!

Betrachten wir die Situation doch einmal von Gottes Standpunkt aus. Gott hat uns einen Verstand gegeben, der – wenn auch unterlegener, begrenzter – dem seinen ähnelt. Gott schuf uns nach seinem Bilde, wie es heißt, „ihm gleich” (nach Form und Gestalt), nur aus Materie und nicht, wie er, aus Geist. Aber er sagt uns: „Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht” (Philipper 2, 5). Haben wir seinen Geist, so können wir in begrenztem Umfang lernen zu denken, wie er denkt.

Wie muss Gott die Situation gesehen haben – nach dem Riesendebakel mit Luzifer und den sündigen Engeln?

Als einzeln geschaffenes Geist‑Wesen stellte Luzifer das höchste Meisterstück göttlicher Schöpferkraft dar. In ihm hatte sich alles an Schönheit, Verstand, Erkenntnis, Macht, Intellekt und Weisheit vereinigt, was Gott einem Wesen einzugeben vermochte: einem Wesen mit Denk‑ und Entschlusskraft, der Fähigkeit zur Wahl, zu eigenständigen Entscheidungen. Gott wusste, dass kein höheres, vollkommeneres Wesen mehr geschaffen werden konnte.

Doch dieses große Wesen, erfahren und ausgebildet an Gottes eigenem Herrscherthron über das Universum, missbrauchte die Fähigkeiten, die es besaß, und traf einen diabolischen Entschluss. Luzifer hetzte die ihm untergebenen Engel auf, so lange, bis er sie auf seine Seite gebracht hatte. Das mag übrigens Jahrmillionen gedauert haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach musste er „klein” anfangen, mit einigen wenigen, die er verführte: erst zu Unzufriedenheit, zum Gefühl, Gott habe ihnen unrecht getan, dann zu Verbitterung und Hass.

Als Luzifer zuließ, dass Hochmut, Eifersucht, Neid, Wollust und Gier, dann Hass- und Aufruhrgedanken von ihm Besitz ergriffen, ging tiefinnerlich ein Wandel mit ihm vor. Sein Denken, sein ganzes Bewusstsein erfuhr eine krankhafte Veränderung, es pervertierte. Ihm und den Engeln hatte Gott gleichsam Verfügungsgewalt über sich selbst eingeräumt: nun, einmal auf Abwege geraten, konnten sie nicht mehr zurück – ihr Bewusstsein war auf immer verdorben, rationales, ehrliches, gerades Denken auf immer unmöglich.

Durch Menschen, die besessen waren, habe ich persönlich einige Erfahrung mit Dämonen sammeln können. Im Namen Jesu Christi und durch die Kraft des Heiligen Geistes habe ich einige ausgetrieben. Manche Dämonen sind dumm, wie verzogene Kinder, manche verschlagen und heimtückisch, manche impertinent, manche mürrisch und trotzig. In jedem Fall sind sie pervertiert, verdorben, krankhaft.

Rufen wir uns noch einmal Gottes übergeordneten großen Plan ins Gedächtnis: Entwicklung göttlichen, vollkommenen Charakters in den Millionen Menschen, die die Entwicklungsarbeit des ganzen Universums leisten werden.

So sieht der überwältigende Plan aus!

Zu eben diesem Zweck schuf Gott ursprünglich Engel: Heerscharen von Geist‑Wesen, aus Geist bestehend. Dann schuf er das materielle Universum samt unserer Erde und übergab sie Engeln, die die Erde, regiert von Gottes Ordnung, entwickeln sollten.

Der König aber, den er über sie gesetzt hatte – Luzifer –, warf sich auf und trieb ein Drittel der Engelwelt in die Rebellion, und Gottes Ordnung herrschte nicht länger auf Erden.

Den höchsten, vollkommenen Engel, das „Nonplusultra”, hatte Gott bereits geschaffen: Luzifer. Wenn sogar Luzifer und seine Engel in Sünde fielen, gab es keinerlei Sicherheit mehr, dass das die restlichen zwei Drittel nicht auch tun würden.

Als Gott diese beispiellose Tragödie überschaute, muss er sich bewusst geworden sein, dass nun nur noch ein einziges Wesen übrig blieb, das nicht sündigte und nicht sündigen konnte: Gott selbst. Sein großer Plan war nun nur noch auf einem Wege durchführbar, nämlich indem er sich selbst vermehrte.

Und hier sei gleich folgende Frage geklärt:

Wieso kann Gott nicht sündigen? Es gibt doch keine höhere Macht, die ihn daran hindern könnte. Richtig: Aber Gott hat sich einfach aus eigener Macht heraus – qualitativ und quantitativ jeder anderen Macht überlegen – fest entschlossen, niemals zu sündigen.

Was Gott sah, war dies: Kein Wesen, das geringer war als er, bot absolute Gewähr dafür, niemals zu sündigen bzw. sich gegen Gottes Gesetz aufzulehnen. Er selbst, so sah Gott, blieb übrig als einziger möglicher, unbedingt sündenimmuner Träger seines großen Vorhabens, seines Planes für den unermesslichen Kosmos.

Man mag einwenden: Hätte Gott nicht im Voraus wissen können, was Luzifer und die ihm untergebenen Engel tun würden? Weiß Gott denn nicht alles? Die Antwort: Nein. Gott will (freiwillig) nicht im Voraus wissen, was Sie oder ich morgen und in der Zukunft denken, planen, beschließen. Wie dem Menschen, so verlieh er auch diesen Geist‑Wesen die Kraft, für sich selbst zu denken, selbständig Entscheidungen zu fällen. Er wollte es einfach nicht im Voraus wissen. Schließt sein Plan doch ein, dass seine Geschöpfe Charakter entwickeln.

Alles, was geschehen war, veranlasste Gott nun zu der gewaltigsten aller SchöpfertatenVermehrung seiner selbst. Die Krönung der Schöpfung: Gott‑Wesen, der Familie Gottes zugehörig – den Engeln überlegen.

Vermehrung seiner selbst?

Es kam die beispiellose Krönung, der höchste Akt der Schöpferkraft Gottes, ein Vorhaben so gewaltig und jeden Begriff übersteigend, dass der Mensch mit seinem begrenzten Verstand kaum imstande ist, es voll zu erfassen.

Wie kann der große Gott – aus sich selbst seiend, vor allem seiend, Schöpfer aller Dinge – sich selbst vermehren zu Millionen anderen, die ihm gleichen – göttlich, allmächtig, vollkommen im Charakter, jeder aus freiem Entschluss eines Sinnes mit dem Vater, jeder selbst zu dem festen Entschluss gekommen, nicht zu sündigen?

Das nächste Kapitel wird darlegen, wie Gott sich zu vermehren plante.

Chapter 6: Der Plan Gottes, sich zu vermehren!

Ich habe beschrieben, was Gott dazu bewog, Menschen zu schaffen und mit ihnen die Erde zu bevölkern. Das „Warum” dieses gigantischen Unterfangens kam zur Sprache noch nicht jedoch das Wie.

In der Tat hat kaum jemand nur die leiseste Ahnung davon, was diese Schöpfertat alles umfasst haben muss: welches Ausmaß an Wundern, welch unvorstellbare göttliche Planung notwendig war, um menschliches Leben hervorzubringen.

Ich ging auf den Einwand ein: „Hat Gott denn nicht von vornherein gewusst, was Luzifer tun würde?” Die Antwort lautet: Nein! Als Möglichkeit hat Gott die Rebellion Luzifers und der Engel aber gewiss in Betracht gezogen.

Hat Gott nun, im Wissen dieser Möglichkeit, erst jene große, erdumspannende Katastrophe abgewartet, ehe er an die Erschaffung von Menschen dachte? Wieder heißt die Antwort entschieden: Nein! Er hat das tragische Desaster nicht erst abgewartet, ehe er an die Vermehrung seiner selbst ging.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung. Ich reise in einem Düsenflugzeug vom Typ Gulfstream II. Seine Hersteller haben die Möglichkeit, dass dieses oder jenes Teil einmal ausfällt in Betracht gezogen und so genannte „Fail‑safe”-Systeme eingebaut. Das heißt, geht ein Teil oder System kaputt, springt sofort ein Reservesystem dafür ein – doppelte Sicherheit, in manchen Fällen durch ein zweites Ersatzsystem sogar dreifache. Wenn nun schon menschliche Konstrukteure für technisches Versagen derart vorsorgten – wie viel mehr muss der große Schöpfergott vorgesorgt haben für den Fall des „Versagens” Luzifers und der Engel! Ohne Zweifel hat Gott das eingeplant. Schon vor Erschaffung der Erde wusste er, dass Engel – begabt mit selbständigem Denk‑ und Entscheidungsvermögen, mit der Fähigkeit, Meinungen zu bilden, Entschlüsse zu fassen – sich auflehnen und in Gesetzlosigkeit verfallen konnten. Gott musste dies gemäß seinem Plan erlauben.

Das mag den Anstoß gegeben haben, dass er Materie schuf – das ganze physische Universum. Materie in ihren Spielarten und Erscheinungsformen – anorganische und organische Materie, Energie, Kraft, Trägheit, Schwere usw. – gab ihm den Stoff in die Hand, aus dem er Menschen formen konnte, sterblich beschaffen, gleichsam als „Rohmaterial” zur Vermehrung seiner selbst.

An diesem Punkt müssen wir noch mehr über Gott, unseren Schöpfer, in Erfahrung bringen. Und wir müssen klären, warum die weitaus meisten Menschen heute vollkommen in Unwissenheit sind über das gewaltige, jedem Superlativ trotzende Vorhaben, das da abläuft.

Ein Gott – aber mehr als eine Person!

Lassen Sie mich versuchen, diese herrlichste Wahrheit ganz klarzumachen.

„Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde”, lautet der erste Satz der Schrift, der erste Satz der göttlichen Offenbarung an den Menschen. Allerdings nur in Übersetzung; die inspirierte Urfassung war bekanntlich in Hebräisch abgefasst. Das im Deutschen mit „Gott” wiedergegebene Wort lautet im Hebräischen elohim – ein Mehrzahlbegriff wie Familie, Kirche, Gruppe, Mannschaft. Eine Familie, aber aus mehreren Personen bestehend; eine Kirche, aber aus mehr als einem Mitglied bestehend; eine Gruppe, aber zusammengesetzt aus mehr als einer Person, sonst wäre es keine Gruppe; eine Sportmannschaft, aber bestehend aus zwei, fünf, sechs, elf oder mehr Spielern.

Satan nun, der einstige Luzifer, hat die Welt so geschickt verblendet, dass nahezu niemand heute noch weiß, dass Gott in Wirklichkeit als Gottfamilie zu sehen ist. Eine Familie. Gott ist eine Familie – diese Familie ist der eine Gott.

In diesem Punkt hat Satan der Menschheit die abwegigsten Irrlehren vorgegaukelt. Die wohl verbreitetste: der Glaube an Gott als „Dreieinigkeit” – Gott in drei Personen, eine Beschränkung Gottes auf eine so genannte Trinität, wobei der Heilige Geist, der von Gott und Christus ausgeht, als Person missverstanden wird.

Andere beschränken Gott gar nur auf eine Person.

Vergleichen wir aber im Neuen Testament den Beginn des Johannesevangeliums: „Im Anfang war das Wort …” Das hat Ähnlichkeit mit 1. Mose 1, 1, nicht wahr? Dort heißt es: „Am Anfang schuf Gott …” Wie schon gesagt, elohim, ein Gott, der sich aus mehr als einer Person zusammensetzt. Im ersten Vers des Johannesevangeliums ist jedoch im Urtext von logos die Rede, das bedeutet „Wort”, „Sprecher”, „offenbarender Gedanke”, und zwar als Person verstanden.

Das Johannesevangelium fährt fort: „… und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist” (Verse 1‑3).

Dieser „logos” bezeichnet eine Person, die seit „Anfang” existiert hat, wie Gott. Sie war immer selbstexistent, sie war, wie der Text sagt, bei Gott. Und sie war Gott. Sie ist und war eine Person. Gott, bei dem sie war, ist ebenfalls eine Person. Beide existieren seit Ewigkeit zusammen. „Alle Dinge” [wörtlich alles, „der ganze Kosmos”] sind durch dasselbe gemacht – durch das Wort, den göttlichen Sprecher.

Weiter zu Vers 14: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen [einzig gezeugten] Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.” Hier ist, selbstverständlich von Christus die Rede. Der „Eingeborne” wurde zu seiner „Fleischwerdung” von Gottvater gezeugt: der einzige je so (vor seiner Geburt als Mensch) Gezeugte.

Zum Zeitpunkt der Zeugung und fleischlichen Geburt wurde „das Wort” zum Sohn Gottes.

Der Vater im Himmel sagte von Jesus: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.” Jesus sprach Gott im Gebet mit „Vater” an – Vater und Sohn – eine Familienbeziehung. Die Kirche wird, auferstanden zu unsterblichem Geist‑Leben, mit dem auferstandenen, verklärten Christus die Ehe eingehen (Epheser 5, 25‑28). Wieder die Familienbeziehung: Vater, Sohn; Bräutigam, Braut. Und die „Braut” wird aus geborenen Kindern Gottes bestehen.

Ich persönlich, um eine Parallele zu ziehen, bin Vater einer Familie. Mein Familienname ist Armstrong. Fünfzig Jahre lang haben meine erste Frau und ich zusammen gelebt, bis zu ihrem Tode. Ich habe einen Sohn, Garner Ted. Auch er ist Armstrong, so wie Jesus, das Wort, Gott war und gleichzeitig bei Gott war. Unser Familienname ist Armstrong; alle Familienmitglieder trugen ihn. Als unsere Töchter heirateten, gründeten sie eigene Familien und nahmen den Namen ihres Mannes an, der dann Oberhaupt der neuen Familie wurde. Der springende Punkt aber: Jede Familie ist nur eine Familie.

Ebenso gibt es nur einen Gott – aber Gott ist der Familienname, und seine Familie umfasst mehr als eine Person.

Christus, der alles „gemacht” hat

Gott ist Schöpfer. Aber Gott ist die Gottfamilie. Wie kann der Familienvater Schöpfer sein und Christus gleichzeitig Schöpfer? In Epheser 3, 9‑11 lesen wir, dass Gott, der alle Dinge [das Universum] geschaffen hat, dies durch Jesus Christus tat. Und Christus ist „das Wort” – der Sprecher. Über ihn lesen wir im 33. Psalm: „Der Himmel [im Hebräischen Plural, d.h. das Universum] ist durch das Wort des Herrn gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes … Denn wenn er spricht, so geschieht’s …” (Vers 6 u. 9).

Ein weiteres Beispiel: Im Januar 1914 ging ich im Auftrag einer Zeitung nach Detroit, um Henry Ford, den Erfinder des Fließbandes, zu interviewen. Ich traf ihn vor dem Tor seines riesigen Werksgeländes. Er trug einen Geschäftsanzug, keine Arbeitskluft. Er war der Macher, der Hersteller der Ford‑Autos, aber er machte sie nicht selbst, sondern durch seine Tausende von Beschäftigten, die ich in den Werkhallen bei der Arbeit sah. Ihre Hilfsmittel: Maschinen und Energie, elektrischer Strom. Ähnlich verhält es sich mit dem Schöpfertum Gottvaters: Er erschuf durch Jesus Christus, den „Arbeiter”, der sprach, und es geschah durch die Kraft des Heiligen Geistes. Und Jesus sagte deutlich, dass er nur „gesprochen” habe, wie der Vater es ihm gebot.

In Kolosser 1 ist vom Vater (Vers 12) und „seinem lieben Sohn” (Vers 13) die Rede, von dem es dann heißt: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes … Denn in ihm [d.h. durch ihn, durch Christus] ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm” (Vers 15‑17).

Schon vor seiner Geburt als Mensch hat Jesus Christus beim Vater existiert – seit Ewigkeit.

Wie plante Gott seine Vermehrung?

Von Ewigkeit an hatte es also diese Gemeinschaft gegeben: den Vater und das Wort, den späteren Jesus Christus. Sie hatten Engel geschaffen – wahrscheinlich Millionen. Ein Drittel von ihnen wurde unter Luzifer auf die neu geschaffene Erde gesetzt. Gott errichtete seine Herrschaftsordnung über sie, mit Luzifer als Sachwalter. Gegen diese Ordnung lehnte sich Luzifer auf. Die Folge: Luzifer und die Engel wurden disqualifiziert, und Gottes Herrschaftsordnung wurde nicht mehr auf Erden ausgeführt, die Erde wurde, wie es am Anfang der Schrift heißt, wüst und leer.

Hat es vor diesem Zeitpunkt in der Gottfamilie mehr als nur zwei Personen – Gott und das Wort – gegeben? Darüber offenbart Gott nichts. War schon damals das „Wort” der Sohn Gottes und Gott sein Vater? Sie werden nirgendwo so bezeichnet.

Um schon in dieser prähistorischen Zeit als „Sohn” bezeichnet werden zu können, hätte Gott logischerweise vor der Geburt des Sohnes existiert haben müssen. In diesem Fall wäre der Sohn zum ersten Mal bei einer solchen Geburt in Erscheinung getreten. Aber – wie Gott – hat der „Logos”, das Wort, ewiglich existiert.

Betrachten wir nun den wahrhaft gigantischen Plan, den Gott in die Tat umzusetzen gedachte. Vermehrung seiner selbst.

Es besteht die Möglichkeit, dass bis zu dieser Zeit noch keine Lebensform, die sich fortpflanzen konnte, geschaffen worden war. Das erste vermehrungsfähige Leben stellten vermutlich die Pflanzen dar – zu der Zeit, da Gott das Angesicht der Erde erneuerte (1. Mose, 1, 11‑12).

Gott hatte, bevor er die Engel auf die Erde versetzt hat, das stoffliche Universum hervorgebracht. Er hatte Materie gemacht, Material mit nahezu „unbegrenzten Möglichkeiten”: anorganische (tote, unbelebte) Materie und organische Materie. In der Materie stecken Eigenschaften wie Energie, Gravitation, Trägheit, und ungeheure Kräfte (siehe Wasserstoffbombe) lassen sich aus ihr entfesseln. Das Vorhandensein dieser Materie gab Gott nun das „Medium” in die Hand, das er zur Selbstvermehrung verwendete. Nach Erschaffung vermehrungsfähigen Pflanzenlebens schuf Gott tierisches Leben, ebenfalls fortpflanzungsfähig, ein jedes „nach seiner Art” – Vieh nach der Art des Viehs, Pferde nach der Art des Pferdes usw.

Dann aber sprach Gott (elohim): „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei …” (1. Mose 1, 26), mit anderen Worten: nach der Art Gottes.

Die Engel hatte Gott aus Geist erschaffen. Nun aber, für seine Selbstvermehrung, bot ihm die Materie die gewünschten Eigenschaften.

Und so „… machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker” – aus Materie (1. Mose 2, 7).

… für den Fall, dass der Mensch sündigte

An diesem Punkt müssen wir uns ein Grundprinzip der göttlichen Herrschaftsordnung vor Augen führen. Ein Staat kann nie ohne Oberhaupt sein. Luzifer wurde von Gott auf den Thron der Erde gesetzt. Zwar hat er, Luzifer, sich „disqualifiziert”, übt nicht länger im Auftrag Gottes ein Amt aus, aber er muss (jetzt unter dem Namen Satan) dennoch weiter auf dem Thron bleiben, bis sein Nachfolger sich qualifiziert hat und ins Amt eingeführt ist. Die bloße Tatsache, dass Satan zugegen sein konnte, um die ersten Menschen zu versuchen – die bloße Tatsache, dass er, heute noch, „Gott dieser Welt” (2. Korinther 4, 4)

und „der Mächtige, der in der Luft herrscht” (Epheser 2, 2), ist –, beweist dieses Grundprinzip der Herrschaftsordnung Gottes zur Genüge.

Nachdem die Erde von Engeln, die gegen Gottes Regierung rebellierten, bewohnt wurde – als diese Regierung nicht mehr funktionierte –, musste ein Nachfolger für Luzifer (jetzt Satan) gefunden werden, jemand, der sich zur Wiederherstellung der Ordnung Gottes auf Erden qualifizieren könnte, der den Weg Satans ablehnen würde.

Ferner müssen diejenigen, die mit Christus regieren werden, den satanischen Weg ablehnen, überwinden und den auf dem Gesetz basierenden Lebensweg Gottes einschlagen.

Dessen eingedenk, wusste Gott, dass Satan unweigerlich danach trachten würde, den ersten, geschaffenen Menschen zum Unglauben und zur Sünde zu verführen. Wenn schon der Erzengel und all seine heiligen Engel sich hatten zum Aufruhr treiben lassen – wie viel wahrscheinlicher dann, dass auch der Mensch, niedriger gemacht als die Engel, sündigen würde!

Können Sie sich vergegenwärtigen, wie Gott, und mit ihm das Wort (ebenfalls Gott – aus der Gottfamilie), diese höchste ihrer Schöpfertaten planten? Das Wort erbot sich, die Allmacht und Klarheit, die es von Urzeiten besaß (Johannes 17, 5), vorübergehend aufzugeben, sich ihrer zu entäußern, um von Gott gezeugt und in fleischlicher Gestalt geboren zu werden, mit der Bestimmung zu sterben (Hebräer 2, 9). Da Gott die eigentliche Erschaffung des Menschen dem Wort übertragen hatte, würde das Wort – fleischgeworden, mit der Bestimmung zu sterben – in diesem Tod ein Leben von höherem Wert opfern als das Leben aller Menschen zusammengenommen, denn es war ja ihr Erschaffer. Und, nicht nur Mensch, sondern gleichzeitig Gott, würde das personifizierte Wort (Jesus Christus) sündenfrei bleiben können. Er, der niemals sündigte, obschon Versuchungen in jeder Hinsicht ausgesetzt wie wir, würde dann durch seinen Tod an unserer Statt die Strafe abbüßen, die wir uns zugezogen haben.

Stofflich‑vergänglich geschaffen, konnte der Mensch sterben. Als Strafe des Menschen für Sünde wurde daher der Tod festgesetzt. („Denn der Sünde Sold ist Tod; die Gottes Gabe aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn – Römer 6, 23.)

Gottvater würde die Macht haben, Jesus Christus von den Toten zur Unsterblichkeit aufzuerwecken – was dann auch dem Menschen diesen Weg öffnete: Auferstehung zu unsterblichem Geist‑Leben.

So nahm Gottes großer Ziel‑Plan Gestalt an. Für den Fall, dass der Mensch sündigte – und alle Menschen außer Jesus haben gesündigt –, stand ihm nun die Möglichkeit offen, zu bereuen: sich abzuwenden von der Sünde, sich zu versöhnen mit Gott, ein Leben nach Gottes Richtschnur zu führen. Mit anderen Worten, Gottes Ordnung, seine Herrschaft über sich und sein Leben anzuerkennen, Christus als seinen Erlöser und kommenden König zu bejahen. Er, Christus, würde sich qualifizieren, die Herrschaft Gottes auf Erden wiederaufzurichten!

Was aber, wenn der sündige Mensch nun nicht bereute – wenn er sich weigerte, von Satans Weg abzugehen, wenn er einfach der Herrschaft Gottes trotzte? Für solche hat Gott den zweiten Tod vorgesehen (Offenbarung 20, 14) – ein völliges Verlöschen ihrer Existenz, „als wären sie nie gewesen” (Obadja 16).

War aber das, was ich gerade behandelt habe, alles, was Gott (in Person Gottes und des Wortes) zu bedenken hatte? Nein. Weit entfernt!

Der Plan war also, Menschen aus Materie zu schaffen. Doch wie wollte Gott sich selbst vermehren, die Gottfamilie erweitern auf vielleicht Millionen und Abermillionen?

Das bedingte doch, dass göttliches Leben weitergegeben werden musste. Denn Gott ist ein Geistwesen – besteht aus Geist.

Möglich ist es aber nur durch die Entwicklung von heiligem, gerechtem, vollkommenem Charakter Gottes in einem Menschen, Charakter, der nur durch Reue und Glauben während des irdischen Daseins gebildet werden kann.

Welch wunderbare Absicht hatte Gott nun: Erschaffung des Menschen aus Materie, damit der Mensch, im Falle völligen Versagens, wieder ins Nichts zurückversetzt werden konnte. Aber auch: Erschaffung des materiellen Menschen nach dem Bilde Gottes, womit die Möglichkeit gegeben ist, den Menschen zu verwandeln – ihn bei einer Auferstehung einmal den „qualitativen Sprung” machen zu lassen von materieller zu Geist-Beschaffenheit, zum Geist‑Wesen, zum Glied der GottFamilie.

Wer kann die beispiellose Weisheit, die Planer‑ und Gestalterkraft ermessen, die unsere transzendentale menschliche Bestimmung ermöglicht hat?

Zunächst schuf Gott pflanzliches Leben – die Flora. Belebte Materie, vermehrungsfähig, aber ohne Bewusstsein – ohne Hirn. Dann schuf Gott die Fauna, das tierische Leben; ihm gab er ein Nervensystem mit gewissem Bewusstsein, aber ohne eigentliches Denkvermögen, wie es den Menschen auszeichnet. Dem Menschen dagegen, der in die Gottfamilie hineingeboren werden soll, pflanzte er gottähnlichen Verstand ein: die Fähigkeit zu denken, zu folgern, zu urteilen, zu entscheiden – gottähnlichen Charakter zu entwickeln.

Wie war das „technisch” möglich? Ein Elefanten‑, Wal- oder Delphingehirn zum Beispiel unterscheidet sich nach Beschaffenheit und Komplexität kaum vom menschlichen Gehirn, es ist sogar größer. Das des Schimpansen ist ebenfalls praktisch gleich aufgebaut, nur etwas kleiner. Woher dann die ungeheure qualitative Überlegenheit des Menschenverstandes über den tierischen „Verstand”?

Chapter 7: Die Überbrückung der Kluft zwischen dem physischen Menschen und den schließlich aus Geist bestehenden Söhnen Gottes

Jeder menschliche Hersteller gibt seinem Produkt eine Gebrauchsanweisung mit, aus der hervorgeht, welche Funktion das betreffende Gerät hat und wie man es bedienen muss, damit es seinen Zweck erfüllt. Auch unser „Hersteller”, Gott, hat seinem „Produkt” – dem vollkommensten Mechanismus, den es gibt: dem Menschen mit seinem Leib und seinem Verstand – eine solche Gebrauchsanweisung auf den Weg gegeben: Sie offenbart, was wir sind, warum wir sind, worin unser Daseinsziel und der Weg dahin besteht. Und dieses Buch, die Bibel, das Richtschnur und Anleitung sein sollte, ist in der Hand des Menschen zum missverstandensten, missdeutetsten, geschmähtesten Buch der Weltgeschichte geworden.

Dabei offenbart sich in ihm die gesamte fehlende Wissensdimension; das unglaubliche Potential des Menschen entfaltet und erklärt sich – würde der Mensch es nur lesen und, vor allem, ernst nehmen!

Das ist unser Quellenbuch. Es umfasst Vorgeschichte, Geschichte, Anweisungen für die Gegenwart und Prophezeiungen für die Zukunft.

Es offenbart, wie in den letzten Kapiteln gezeigt, dass Gott seit Ewigkeit existiert und mit ihm, ebenfalls seit Ewigkeit, „das Wort”, eine zweite Person, die ebenfalls Gott ist. Durch dieses koexistente Geist-Wesen, „das Wort”, hat Gott alle Dinge erschaffen (Johannes 1, 1-4).

In 1. Mose 1, 1 taucht zum ersten Mal der Begriff „Gott” auf; er ist übersetzt aus dem hebräischen elohim (Mehrzahl), was einen Gott bezeichnet, der aber aus mehr als einer Person besteht. Mit anderen Worten: eine Gott-Familie, mit dem in Johannes 1, 1 angesprochenen Gott als Oberhaupt.

Wir haben gesehen, dass aus der Bibel hervorgeht, dass Gott zuerst Engel geschaffen hat – Geist-Wesen wie er, jedoch niedriger stehend und ohne seine Schöpfergaben.

Als nächstes hat Gott das stoffliche Universum, einschließlich der Erde, geschaffen. Auf diese neugeschaffene Erde wurde ein Drittel der Engel gesetzt. Gott errichtete über ihnen seine Herrschaft, verwaltet vom großen Erzengel Luzifer, einem Cherub. Unter Gottes Ordnung regierten Frieden, Harmonie und Freude in unsagbarer Fülle auf der Erde. Doch schließlich verführte Luzifer seine Engel zum Aufruhr. Die Ordnung Gottes wurde verworfen, herrschte nicht mehr. Die Folge: Die Erde wurde „wüst und leer” – chaotisch, finster.

Dann erneuerte Gott die Erdoberfläche in sechs Tagen. Während dieser „Schöpfungswoche” (1. Mose, erstes Kapitel) ließ er die ersten vermehrungsfähigen Lebensformen erstehen – die Flora und Fauna – die jedoch kein Denkvermögen, auch keine ethisch-sittlichen oder geistigen Fähigkeiten besaßen.

Zuletzt trat dann der Mensch ins Dasein: geschaffen nach dem Bilde Gottes (nach seiner Form und Gestalt), aber aus irdisch-vergänglicher Materie. Der Mensch, der einmal in die FamilieGott” hineingeboren werden soll, bekam gottähnliche Verstandeskapazitäten – er kann denken, folgern, urteilen, entscheiden, er kann sittliche, moralische, geistige Positionen beziehen.

Der Erschaffung des Menschen unterliegt die Absicht Gottes, sich selbst fortzupflanzen – in Wesen mit so vollkommenem geistlichem Charakter, wie nur Gott ihn besitzt, Gott, der nicht sündigen will und daher auch nicht sündigen kann (1. Johannes 3, 9).

Solch vollkommener geistlicher und heiliger Charakter kann nicht durch ein „Es werde” geschaffen werden. Er muss herangebildet werden, und das braucht Zeit und Lernprozesse.

Charakter dieser Art definiert sich als die Fähigkeit eines Individuums, die richtigen und die falschen Werte, den guten und den schlechten Weg zu erkennen und auseinander zu halten; sich zu entscheiden für das Richtige und gegen das Falsche und endlich das Richtige mit Willenskraft auch zu tun und dem Bösen zu widerstehen.

Tiere sind mit Hirn und Instinkt ausgestattet. Was ihnen abgeht, ist unter anderem eben die ethisch-sittliche Komponente, die Fähigkeit, vollkommenen geistlichen Charakter zu bilden. Tiere haben Hirn, aber keinen Intellekt – Instinkt, aber nicht das Vermögen, heiligen, gottähnlichen Charakter zu entwickeln.

Das umreißt den grundlegenden, radikalen Unterschied zwischen tierischem Hirn und Menschenverstand.

Wie aber kommt dieser Unterschied zustande?

Rein „technisch” besteht zwischen hoch entwickelten Tierhirnen und dem Menschenhirn kaum ein Unterschied. Ein Elefanten-, Wal- oder Delphingehirn ist größer, ein Schimpansengehirn nur wenig kleiner als das des Menschen. Qualitativ (nach Struktur, Beschaffenheit) mag das Menschenhirn geringfügig überlegen sein, aber auf jeden Fall nicht genug, um den Leistungsunterschied auch nur annähernd erklären zu können.

Was bewirkt also den gewaltigen Unterschied? Hinreichende Antwort kann die Naturwissenschaft nicht geben. Einige Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der Gehirnforschung tätig sind, sind zu dem Schluss gekommen, im menschlichen Gehirn müsse es einen nichtphysischen Bestandteil geben, der im Tiergehirn fehle. Normalerweise freilich bestreitet die Wissenschaft das Vorhandensein nichtphysischer Dinge.

Welche andere Erklärung gibt es aber? Abgesehen von dem Argument, das menschliche Hirn sei ganz geringfügig besser entwickelt, hat die Wissenschaft keine Lösung anzubieten, denn sie schließt die Möglichkeit, Über-Physisches, Geistiges könne beteiligt sein, ja grundsätzlich aus.

Dem Menschen, der nicht glaubt, dass es seinen Schöpfer überhaupt gibt, verschließt sich ein ganzes Meer von Grunderkenntnissen, -fakten und Verstehensmöglichkeiten. Wer Fabeln und Theorien an die Stelle von Wahrheit setzt, ist von allen Menschen der Unwissendste, mag er sich auch noch so weise vorkommen.

Leugnet der Mensch im Namen der Wissenschaft den Schöpfer, so verblendet er sich selbst dagegen, was er ist, warum er ist, wohin er geht und auf welche Weise. Kein Wunder, dass unsere Welt dann so voller Übel steckt! Jede Wirkung hat ihre Ursache!

Tut sich uns aber die Erkenntnis Gottes und seiner Pläne auf, so öffnet sich uns auch die fehlende Wissensdimension in all ihrer Tiefe: Wir begreifen, dass Gott die Gottfamilie ist, dass Gott sich fortpflanzt, dass er sich in diesem Geschehen der Materie bedient und dass er unserem Verstehen weite Horizonte neuen Erkennens erschließt.

Überlegen wir. Gott besteht aus Geist. Gott ist Schöpfer, Gestalter, Herrscher, Erzieher. Gott hat die höchstdenkbare Intelligenz. Er ist vollkommener, heiliger und gerechter Charakter.

Dennoch bedient er sich, zur Fortpflanzung seiner selbst, irdischer Materie. Aus vergänglichem Stoff hat er den Menschen nach seiner Gestalt gemacht.

Soll nun der Mensch – Gottes Vorhaben, sich zu vermehren, entsprechend – selbst Gott werden, so muss der Charakter, der in uns herangebildet werden soll, von Gott ausgehen – wie auch das Geist-Leben, das uns verliehen werden soll, von Gott ausgehen muss.

Mit anderen Worten: Gott musste einen Weg finden, die Kluft zwischen Materie (der Mensch ist gänzlich materiell beschaffen) und Geist (Gott ist ganz Geist) zu überbrücken. Materie und Geist sind radikal verschieden – eines lässt sich nicht in das andere umsetzen. Wie wollte Gott diesen „Sprung” schaffen: Verwandlung des sterblich-stofflichen Menschen zum unsterblichen, geistbeschaffenen Gott?

Der Mensch besteht vollständig aus Materie. Gott sagt: „Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele” (1. Mose 2, 7, alter Luthertext). Erschaffen wurde der Mensch aus Staub. Sein vorübergehendes organisches Leben bezieht er aus der Luft (Odem), die er ein- und ausatmet. Sein irdisches Leben ist in seinem Blut (1. Mose 9, 4 u. 6). Das Hämoglobin des Blutes jedoch verbindet sich mit Sauerstoff aus der Atemluft, so wie Benzin im Autovergaser sich mit dem Luftsauerstoff verbindet. Der Atem ist daher der „Lebensodem”, wenn das Leben auch „im Blut ist”.

Genau zu beachten hierbei, dass der Mensch, gänzlich aus Materie gemacht, in dem Augenblick zu einer lebendigen Seele wurde, in dem ihm durch den Odem sein vergängliches organisches Leben eingehaucht wurde. Die Schrift sagt nicht „unsterbliche” Seele. Eine „unsterbliche” Seele hat der Mensch nicht. Er ist eine Seele, von dem Augenblick an, da physisches Leben in ihm erwacht.

Das hebräische Wort nephesch ist hier mit „Seele” übersetzt. Dreimal werden in 1. Mose 1, 20-24 auch Tiere als nephesch bezeichnet – nur dass der deutsche Übersetzer dabei nicht „Seele”, sondern „Getier” (Luther) bzw. „Wesen” (Menge) schrieb. Tiere haben die gleiche vorübergehende physisch-chemische Existenz wie der Mensch. Beide sterben den gleichen Tod (Prediger 3, 19-20).

Mehrfach heißt es in der Bibel, dass die Seele, die sündigt, sterben soll (etwa Hesekiel 18, 4, Menge-Übers.). Adam war eine Seele, und Gott verbot ihm den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen mit den Worten: „… an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben” (1. Mose 2, 17). Satan behauptete, das sei nicht wahr, und Adam und Eva, wie später die meisten Menschen, glaubten ihm.

Es muss uns völlig klar sein! Der Mensch ist Fleisch und Blut – besteht gänzlich aus Materie – und lebende Materie ist eine lebendige Seele.

Die Seele besteht aus organischer Materie, nicht aus Geist.

Nun gibt es, wie ich erklärt habe, zwischen menschlichem Hirn und tierischem Hirn kaum Unterschiede. Der Mensch aber wurde dem Bilde Gottes nachgeschaffen, zu einer ganz besonderen Beziehung zu Gott – nämlich der Bestimmung, in die Gottfamilie hineingeboren zu werden. Und Gott ist Geist (Johannes 4, 24).

Um die Kluft zu überbrücken – um den Übergang möglich zu machen vom materiell beschaffenen Menschen zum immateriellen Geist-Wesen im Reich Gottes und gleichzeitig, um dem Menschen gottähnliche Verstandeskräfte zu verleihen –, gab Gott einen Geist in jeden Menschen.

Bei Hiob (32, 8) lesen wir: „Jedoch der Geist ist es in den Menschen und der Hauch [Inspiration] des Allmächtigen, der ihnen Einsicht verleiht” (Menge-Übers.).

Eine große Wahrheit, die nur wenige erfasst haben.

Ich nenne diesen Geist den menschlichen Geist, denn er ist in jedem Menschen, wenn auch eben als Geist-Substanz, nicht als Materie. Es ist keine Geist-Person, kein Geist-Wesen. Es ist nicht der Mensch selbst, sondern Geist-Substanz im Menschen. Und es ist auch nicht die Seele – der leiblich-organische Mensch, das ist die Seele. Dieser menschliche Geist erst verleiht dem Menschenhirn Verstandeskraft. Er ist nicht der Lebensträger – Träger des organischen Lebens ist ja das Blut, mit Sauerstoff versehen durch den Lebensodem, die Atemluft.

Jener nichtphysische Bestandteil eben ist es, der im Tierhirn fehlt und der den qualitativen Unterschied ausmacht: die „Zutat”, die es ermöglicht, dass der Mensch zum Zeitpunkt der Auferstehung zu Gott verwandelt werden kann, ohne dass Materie in Geist verwandelt werden müsste. Darauf gehe ich gleich noch näher ein.

Zum Wesen dieses „Geistes im Menschen” sei noch erklärt: Er ist Geist-Substanz, so wie wir im materiellen Bereich verschiedene Substanzen wie etwa Luft und Wasser kennen. Dieser menschliche Geist kann nicht sehen. Das organische Gehirn sieht – durch die Augen. Der menschliche Geist (in uns) kann nicht hören. Das Gehirn hört – durch die Hörorgane. Der menschliche Geist kann auch nicht selbst denken. Das Gehirn denkt – wenn auch die Denkfähigkeit erst durch diesen Geist verliehen wird; Tierhirne, ohne diesen Geist (der gleichsam als „Katalysator” wirkt), können nicht denken.

Eine Schriftstelle, auf die sich Verfechter der „unsterblichen Seele” gern berufen, erklärt diesen Punkt. In 1. Korinther 2 erläutert Paulus der Gemeinde zu Korinth, er sei nicht gekommen mit „hohen Worten”, das heißt gestelzter Gelehrtensprache (wie es viele aus Eitelkeit tun), sondern er habe sich einfacher, direkter Worte bedient, in Demut. Trotzdem habe „keiner von den Herrschern dieser Welt” – der Elite, der Hochgebildeten, der Staatsmänner – verstanden.

Woran lag es, dass die Gebildeten, die Führenden, nicht begriffen? Nun, Paulus predigte Christi Botschaft vom Reich Gottes. Dabei handelt es sich um Wissen bzw. Erkenntnis geistlicher Art. Solches Wissen kann vom physischen Auge nicht gesehen, vom physischen Ohr nicht gehört werden. Geistliche Erkenntnis vermittelt sich dem Menschen nicht über die natürlichen Informationskanäle: Geist kann man weder sehen, hören, schmecken, fühlen noch riechen.

Dann sagt Paulus (Vers 11), analog dazu, eine Stufe tiefer, gewissermaßen, werde der „normale” Erkenntnisbereich des Menschen überhaupt erst ermöglicht durch den „Geist des Menschen, der in ihm ist”. Tiere besitzen ein dem Menschenhirn nahezu gleiches, manchmal sogar größeres Gehirn. Dennoch können sie nicht wissen – erkennen –, was der Mensch erkennt. Der Mensch könnte es ebenso wenig, wäre nicht zusätzlich der „Geist des Menschen” in ihm. Mit anderen Worten: Erst dieser Geist gibt dem Menschenhirn die Kraft des Intellekts.

Dennoch ist unser Menschenverstand auf Erkenntnis des Physischen beschränkt. Von sich aus kann er die „geistlichen Dinge Gottes” nicht verstehen. Warum? Weil auch der menschliche Verstand von Natur aus nur Dinge erfassen kann, die durch die fünf Sinne zu ihm kommen. Das Tier kann hören, sehen, riechen, schmecken und fühlen wie der Mensch, kann aber diese Informationen nicht in Denk- und Erkenntnisprozessen verarbeiten.

Der springende Punkt: „So” (analog dazu) kann der Mensch die Dinge Gottes nicht von sich aus erfassen, verstehen, begreifen, es sei denn, ein weiterer Geist käme hinzu der Heilige Geist Gottes (1. Korinther 2, 11).

Kein Tier, wie hochstehend auch immer, erreicht menschliches Erkenntnisvermögen, und auch der Mensch erreicht dieses nicht durch sein Gehirn allein, sondern erst durch den „Geist im Menschen”, der in ihm wohnt. Und ebenso kann wiederum der Mensch die Dinge Gottes nicht erfassen, es sei denn, er empfinge noch einen anderen Geist, den Heiligen Geist Gottes.

Noch anders ausgedrückt: Von Geburt an besitzen alle menschlichen Individuen einen Geist, genannt „Geist des Menschen”, der in ihnen wohnt. Wobei man sorgsam beachten muss, dass dieser Geist nicht der Mensch selbst ist. Es ist etwas im Menschen. Angenommen, jemand verschluckt eine Murmel. Die Murmel ist dann in ihm, ist aber nicht die Person selbst noch eigentlich ein Teil von ihr. Der Mensch wurde geschaffen aus Erde vom Acker – sterblich. Auch ist dieser menschliche Geist, um den es hier geht, nicht mit der Seele, dem Leben zu verwechseln. Er wohnt vielmehr in der Seele, sprich: im physisch lebendigen Menschen.

Weiter nun zu Vers 14: „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.”

Von Geburt an gibt uns Gott also einen Geist, den ich, in Ermangelung eines besseren Ausdrucks, „menschlichen Geist” nenne. Er erst verleiht uns Verstandeskraft, über die das tierische Hirn nicht verfügt. Dennoch bleibt unser Verstand auf Erkenntnis des physischen Universums beschränkt. Warum? Weil der Menschenverstand Informationen nur über die fünf physischen Sinne aufnehmen kann.

Nun muss gesagt werden, dass mit der Erschaffung Adams und Evas die Schöpfung des Menschen noch keineswegs abgeschlossen war. Abgeschlossen war die physische Schöpfung; dem ersten Menschenpaar war jener „menschliche” Geist eingeschaffen worden. Nun aber musste die geistliche Schöpfung kommen. Das erforderte einen zweiten Geist im Menschen – den Heiligen Geist Gottes.

„Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und … pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen” (1. Mose 2, 7-9).

Adam, der erste Mensch, war in der Tat noch „unvollständig”. Der Geist des Menschen wohnte in ihm – noch nicht aber der Geist Gottes. Gott bot ihm nun freizügig Frucht an vom Baum des Lebens – eine Frucht, die sinnbildlich für Gottes Heiligen Geist stand. Von diesem Baum zu essen, hätte zweierlei bewirkt: 1. Es hätte Adam die geistliche Erkenntnisdimension erschlossen und 2. ihm den Heiligen Geist Gottes eingepflanzt, der zu ewigem Leben führt. Als Gott ihn jedoch über das Reich Gottes in Kenntnis setzte, schenkte Adam ihm keinen Glauben und verweigerte den Gehorsam – er sündigte. Und was geschah dann?

„Und Gott der Herr sprach: … Nun aber [nachdem er vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen hatte], dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! Da wies ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens” (1. Mose 3, 22-24).

Man muss sich vergegenwärtigen, was dies im Zusammenhang mit Gottes großem Vorhaben bedeutete. Durch den sterblichen, aus irdischer Materie bestehenden Menschen will sich Gott fortpflanzen – seiner heiligen, gerechten, sündenlosen Gottfamilie neue Mitglieder zuführen. Aber Gott besteht aus Geist. Wie überbrückt er die Kluft zwischen Mensch (sterblich-physisch beschaffen) und Gott (unsterblich, Geist)?

Der allererste Mensch hatte also die falsche Wahl getroffen und, durch Sünde, die Herrschaft Gottes zurückgewiesen. Dafür hatte Gott ihn aus dem Garten Eden vertrieben und jeden Rückweg zum Baum des Lebens versperrt. Die Möglichkeit, dass dies eintreten könnte, hatte Gott natürlich bedacht. An der Erreichung seines Zieles änderte dies keinen Deut! Nur wie konnte er nun seinen Plan durchführen?

Nötig war jetzt der „zweite Adam” – Jesus Christus. Er hatte sich bereits erboten, bevor die Welt war. Doch ehe er zur Erde kam, um als Mensch zu sterben, sollten noch rund viertausend Jahre vergehen.

Insgesamt hat Gott eine Zeitspanne von siebentausend Jahren festgesetzt: In den ersten sechstausend konnte die Menschheit, abgeschnitten von Gott (mit wenigen Ausnahmen), ihren eigenen Weg gehen – konnte blutige, leidvolle Erfahrung sammeln, konnte sehen, was es heißt, Gottes Lebensweise zuwiderzuhandeln, die in Gottes Ordnung geboten ist, der Ordnung, die Adam verworfen hatte.

Diesen sechs Jahrtausenden, in denen Satan nach wie vor herrscht, soll ein Jahrtausend folgen, in dem Christus regiert, nachdem er sich qualifiziert hat, die Herrschaft Gottes auf Erden wieder aufzurichten. Satan soll während dieses Jahrtausends vollständig gebunden sein.

In diesem siebenten Jahrtausend wird das Reich Gottes – die Regierung Gottes, seine Familie – auf Erden herrschen.

In den sechs „Menschheitsjahrtausenden” davor, die noch andauern, bot und bietet sich nur wenigen Gelegenheit, der geistlichen Schöpfung teilhaftig zu werden – die damit beginnt, dass man den zweiten Geist empfängt, die Gabe des Heiligen Geistes Gottes. Von diesen wenigen abgesehen, treibt Gott gegenüber der Menschheit eine „Politik der Nichteinmischung”. Abel, Adams zweiter Sohn, ging offenbar Gottes Weg, denn Christus nannte ihn den „gerechten Abel”. Henoch „wandelte mit Gott”. Noah fand Gnade bei Gott – weiter reichte der Kreis der Gerechten in den ersten ca. 1900 Jahren anscheinend nicht.

Nach der Sintflut sind uns die Namen weiterer Menschen überliefert, die Gottes Geboten folgten: Abraham, Isaak, Israel, Joseph. Dann berief Gott die Israeliten, machte sie zur Nation, öffnete ihnen aber nicht den geistlichen Heilsweg oder das ewige Leben – nur materielle Segnungen, Begünstigung als Volk insgesamt. Gott berief und sprach durch eine Reihe von Propheten. Dann kam Jesus von Nazareth und ermöglichte allen Menschen den geistlichen Heilsweg. In den knapp zweitausend Jahren, die folgten, ist freilich nur eine erste, vergleichsweise sehr geringe „geistliche Ernte” eingebracht worden: nur wenige zur Qualifikation Berufene.

Menschliche Fortpflanzung – Ihr höherer Sinn

Kaum jemandem ist bewusst, dass der menschlichen Fortpflanzung, im Gegensatz zur Fortpflanzung anderer Lebensformen, heilige, auf göttlicher Ebene liegende Bedeutung zukommt.

In der menschlichen Fortpflanzung bildet sich der geistliche Heilsweg ab – Gottvater, sich selbst fortzeugend in der Gottfamilie.

Die erstaunliche Parallele:

Der Mensch, wie erinnerlich, besteht zur Gänze aus Materie (Erde vom Acker – 1. Mose 2, 7 und 3, 19). Wie aber will Gott bei Vermehrung seiner selbst diese Kluft überwinden: Verwandlung des Menschen, ganz physisch, in ein Glied der Gottfamilie, ganz Geist?

Es beginnt mit einem Geist (einer Portion Geist-Substanz) im ansonsten völlig physischen Menschen. Dieser Geist ist wohlgemerkt nicht der Mensch – nur etwas im Menschen. Wie schon gesagt, kann der Geist selbst nicht sehen, hören, denken. Das tut der Mensch durch sein organisches Gehirn mit Hilfe der fünf Sinne. Der Geist im Menschen verleiht dem physischen Menschenhirn physischen Intellekt, daraus resultiert das, was wir menschlichen Verstand nennen. Unter anderem wirkt dieser Geist als Computer; er gibt dem Gehirn Verstandeskraft, die spezifisch menschlichen höheren Fähigkeiten. Informationen, die das Gehirn durch Auge, Ohr und die anderen Sinne aufnimmt, werden unmittelbar dem Geist-Computer „einprogrammiert”. Er wirkt als Gedächtnisspeicher, als Datenbank. Jedwede Einzelinformation, die der Mensch für Denkvorgänge braucht, kann daraus abgerufen werden. Der Geist im Menschen speichert also Erinnerung, ganz unabhängig davon, ob sie auch in den „grauen Zellen” des organischen Gehirns gespeichert wird oder nicht.

Auch gibt dieser Geist dem Menschen eine moralischsittliche Seite (Ethos), die das Tier nicht besitzt.

Den notwendigen zweiten Geist – den Heiligen Geist hatte Gott Adam zugänglich gemacht. Doch Adams Ungehorsam (Essen von der verbotenen Frucht) hatte dazu geführt, dass Gott ihn austrieb und ihm jeden Rückweg zum Baum, zur Frucht des Lebens, dem Symbol des Heiligen Geistes, verschloss.

Durch Christi Vermittlung jedoch kann eine reumütige Menschheit Gottes Gabe des Heiligen Geistes trotzdem noch empfangen. Christus sagte zu Nikodemus: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen” (Johannes 3, 3). Was das bedeutete, ermaß Nikodemus sicher nicht ganz, wie es auch heute fast niemand ermisst. Jesus erklärte: „Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren ist, das ist Geist” (Vers 6). Der Mensch entstand aus Erde. Er ist Fleisch. Jesus sprach nicht von einer leiblichen, sondern von einer geistlichen Neugeburt – einer Geburt zu Geist-Beschaffenheit, nach der der Mensch nicht mehr aus Materie, sondern gänzlich aus Geist bestehen wird. Ja, buchstäblich! Er wird dann von Gott geboren sein. Und Gott ist Geist (Johannes 4, 24).

Um „vom Fleisch”, um als leiblicher Mensch geboren zu werden, muss ein leiblicher Vater uns zeugen. Ebenso: Um „von neuem”, um wiedergeboren zu werden – von dem Geist Gottvaters –, muss der geistliche Vater, muss Gott uns zeugen.

Davon spricht Römer 8, 16-17: „Der Geist [Gottes] selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes [gezeugte] Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben [genau gesagt: Erbanwärter], nämlich Gottes Erben und Miterben Christi …”

Gottes Heiliger Geist, nun vereint mit unserem menschlichen Geist im menschlichen Verstand, bewirkt zweierlei: 1. Er zeugt im Menschen göttliches, ewiges Leben, Voraussetzung dafür, als Geist-Wesen in die Gottfamilie hineingeboren zu werden, und 2. wirkt „bewusstseinserweiternd”, das heißt, er erschließt dem Menschenverstand eine neue Dimension: geistliche Erkenntnis, Erkenntnis dessen, „was in Gott ist” (1. Korinther 2, 11). Somit also verleiht der Geist Gottes göttliche Liebe, Glauben und die Kraft dazu, Satan und die Sünde zu überwinden.

Dieser geistgezeugte Christ trägt nun – freilich nur, wie es sich ausdrücken ließe, „mit Vorbehalt” – ewiges Leben, Gott-Leben in sich, ist aber noch kein Geistwesen: er besteht noch nicht völlig aus Geist.

Er ist jetzt Erbanwärter Gottes, etwa so, wie eines reichen Mannes Sohn zwar „Erbe”, aber noch nicht tatsächlicher Besitzer des väterlichen Vermögens ist (in Bibeldeutsch noch nicht „wiedergeboren”). Lebt aber der Heilige Geist in uns, so will Gott bei der Wiederkehr Christi als König der Könige unsere sterblichen Leiber „lebendig”, das heißt unsterblich machen durch seinen Geist, der in uns wohnt (Römer 8, 11; 1. Korinther 15, 49-53).

Verfolgen wir weiter die verblüffende Analogie:

Wie bei der menschlichen Fortpflanzung das befruchtete Ei, das zu einem Embryo, später zu einem Fötus heranwächst, noch nicht geboren, sondern erst im Mutterleib ernährt wird, so ist der gezeugte Christ noch nicht in die Gottfamilie hineingeboren. Das göttliche Leben ist lediglich gezeugt.

Satan hat hier den meisten Fundamentalisten eine Irrlehre aufgebunden: Viele glauben nämlich, die „Neugeburt” vollziehe sich bereits in dem Augenblick, da man sich zu Christus bekenne.

Wie aber bei der menschlichen Fortpflanzung sich die leiblichen Charakteristiken – Organe, Gestalt, Gliedmaßen usw. – erst ganz allmählich im Lauf der Schwangerschaft heranbilden, so beginnt nach der geistlichen Zeugung erst langsam das Heranreifen gerechten und heiligen Charakters Gottes in uns. In der Tat, oft ist dieser Charakter anfangs nur in so geringen Spuren vorhanden, dass sich kaum etwas bemerkbar macht – abgesehen vielleicht vom „ersten Feuer”, der ersten, aufflammenden Begeisterung nach der Bekehrung. Geistliche Erkenntnis jedoch (2. Petrus 3, 18), echter geistlicher Charakter, das muss nach und nach gelernt werden, sich langsam entwickeln und reifen.

Der Neubekehrte stellt einen geistlichen „Embryo” dar, der nun mit geistlicher Nahrung versehen, „gefüttert” werden muss. Wie Jesus sagte, lebt der Mensch nicht vom Brot (physischer Nahrung) allein, sondern von einem jeglichen Wort Gottes. Das niedergeschriebene Wort Gottes ist die Bibel, so wie Christus das persongewordene Wort Gottes ist. Das geistliche Wachstum besteht in einem Charakteraufbau, in einer Charakterentwicklung, von der bereits die Rede war und die Zeit und Lernprozesse erfordert.

Dafür ist vor allem regelmäßiges Bibelstudium zusammen mit beständigem, inbrünstigem Beten nötig, um sich mit Gottes Forderungen laufend in Einklang bringen zu können. Studiert man die Bibel, so spricht Gott zu einem; betet man, so ist es ein Gespräch mit Gott. Zusammengenommen gibt das einen Dialog, durch den man im Lauf der Zeit Gott wirklich gut kennen lernt, wie man auch Menschen am besten durch gemeinsames Gespräch kennen lernt.

Ein Großteil dieser geistlichen Charakterbildung kommt auch durch christliche Gemeinschaft mit anderen geistgezeugten Menschen in Gottes Kirche.

Und: Wie der leibliche Embryo und Fötus durch den Mutterleib ernährt wird, so ist Gottes Gemeinde gleichsam die geistliche Nährmutter ihrer Glieder. Auch in der Bibel heißt die Kirche „unsre Mutter” (Galater 4, 26).

Man beachte die exakte Parallele – Gott hat in seiner Kirche Diener, Prediger berufen, Hirten, Nährer der Herde, „… damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes [der Verkündigung der guten Nachricht Christi vom Reich Gottes in aller Welt]. Dadurch soll der Leib Christi [die Gemeinde] erbaut werden, bis dass wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi …” (Epheser 4, 12-13).

Pflicht der wahren Diener Christi (und wie wenige davon gibt es heute!) ist es, die gezeugten, aber noch ungeborenen Heiligen vor falschen Lehren und falschen Lehrern zu schützen.

Wie wunderbar spiegelt sich in der menschlichen Fortpflanzung die Art und Weise wider, wie Gott sich vermehrt!

Bedenken wir auch, dass menschliche Fortpflanzung, jedenfalls so, wie Gott sie wollte, eine Familienangelegenheit ist. Die menschliche Familie, die Art, wie sie sich vermehrt (Familienzuwachs!), stellt ein genaues, wenn auch irdisches Abbild der Gottfamilie dar. Ehe und Familie als Institutionen hat Gott keiner anderen Lebensform verliehen, nur dem Menschen, der das Potential hat, in die Gottfamilie selbst aufgenommen zu werden.

Der menschliche Fötus – bis ins Detail gleichen sich die Bilder – muss körperlich wachsen, bis er Geburtsreife erlangt hat; ebenso muss der gezeugte Christ geistlich erst „geburtsreif” werden, muss wachsen an Gnade und Erkenntnis Christi (2. Petrus 3, 18) – muss überwinden, geistlichen Charakter bilden, und zwar während dieses Lebens, will er ins Reich Gottes hineingeboren werden.

Veranschaulicht hat das Jesus selbst in zwei Gleichnissen: Im Gleichnis von den Pfunden (Lukas 19, 11-27) stellt er sich symbolisch als Edelmann dar, der in ein fernes Land (Himmel) zog, um ein Königtum zu empfangen und später zurückzukehren. Er ließ zehn seiner Knechte zusammenrufen und vertraute jedem ein Pfund an. In seiner Abwesenheit handelte einer der zehn mit seinem Pfund und gewann zehn Pfund. Er wurde gelobt und zum Herrscher über zehn Städte im Reich Gottes gemacht. Ein anderer erzielte fünf Pfund Gewinn – das heißt, er machte seine Sache nur halb so gut, bei gleichen Startchancen. Sein Lohn: fünf Städte. Ein dritter gewann überhaupt nichts – und da wurde ihm auch das eine Pfund, das er noch besaß, weggenommen.

Im Gleichnis von den Zentnern (Matthäus 25, 14-30), im Prinzip ähnlich, wurden nur die Startchancen anders verteilt: einer erhielt fünf, ein anderer zwei, ein letzter einen Zentner, je nach Fähigkeit. Bei Christi Rückkehr hatte derjenige, der fünf Zentner bekommen hatte, weitere fünf hinzugewonnen (sinnbildlich für Überwinden und Reifen, für geistlichen „Zugewinn” in diesem Leben). Als guter und getreuer Knecht wurde er gelobt und im Reich Gottes mit entsprechend hoher Stellung bedacht. Der zweite hatte sein Kapitel, zwei Pfund, ebenfalls verdoppelt, also, an seiner Ausgangsposition gemessen, ebensoviel geleistet. Entsprechend sein Lohn. Der dritte aber hatte überhaupt nichts getan – er hatte, wie es sprichwörtlich geworden ist, nicht „mit dem Pfunde gewuchert”. Das Symbol will sagen: In seinem Christenleben hier und jetzt hatte er sein Potential nicht genutzt, war nicht geistlich gereift – kein Charakter hatte sich bei ihm entwickelt. Durch die „Pfunde” und „Zentner” in diesen Gleichnissen wird das Maß des Heiligen Geistes Gottes, das verliehen wird bei der Bekehrung, versinnbildlicht. Lässt der geistgezeugte Mensch sich von dem Heiligen Geist leiten – lernt er gehorchen in dem Maße, wie Gottes Geist ihm den Verstand öffnet, an geistlicher Erkenntnis immer wachsend, ständig überwindend –, vermehrt sich das Maß in ihm. Jesus war aber unbegrenzt voll des Heiligen Geistes (Johannes 3, 34). Diese Gleichnisse zeigen, dass der „Bekehrte”, der nicht geistlich wächst, der keinen Charakter entwickelt, am Ende versagen wird. Er verkörpert denjenigen, der glaubt, mit der Taufe, dem Bekenntnis zu Christus sei alles schon getan und die Neugeburt schon vollzogen, ohne eigenes Bemühen; denjenigen, der sich bereits „gerettet” wähnt und die Rolle der „Werke” bei der Heilserlangung unterschätzt. Was er übersah: Obwohl das Heil als Geschenk von Gott kommt, werden wir nach unseren Werken belohnt (Matthäus 16, 27). Indem er nichts tat, verlor er nicht nur den Lohn, sondern büßte auch das Geschenk ein, das ewige Leben.

Christi Urteil über solche, wenn er mit dem Reich Gottes zurückkehrt, wird lauten: „Du böser und fauler Knecht! … Darum nehmet von ihm den Zentner … Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappen” (Matthäus 25, 26-30). Ein totales Versagen in dem, was Gott mit uns beabsichtigt, nämlich die Erzeugung heiligen, gerechten Charakters.

Viele sind zu solch falscher „Heilsvorstellung” verführt worden.

Um die Parallele abzuschließen: So, wie der physische Fötus, allmählich und nacheinander, die körperlichen Charakteristiken, Organe usw. ausbildet, muss der gezeugte Christ während seines Erdenlebens, allmählich und nacheinander, geistliche Charakterzüge entwickeln: Liebe, Glaube, geistliche Erkenntnis, Geduld, Güte, Freundlichkeit, Mäßigung. Er muss das Wort Gottes in die Tat umsetzen. Ein Fötus, der nicht wächst, wird als Fehlgeburt abgestoßen.

Brückenschlag

Schließlich – wie hat Gott den „Brückenschlag” geplant vom physischen Wesen zum Geist-Wesen, seine Selbstvermehrung aus physischen Menschen, die aus Materie gemacht sind?

Zunächst schuf er dem physischen Menschen einen, wie wir es nannten, „Geist im Menschen” ein. Dieser Geist (ähnlich einem Katalysator wirkend) trifft selbst keine Entscheidungen, kehrt sich nicht zur Reue, baut keinen Charakter auf. Wie ich schon betonte, trägt er nicht den Lebensfunken; er kann nicht sehen, hören, fühlen oder denken. Er verleiht dem physischen mit einem Gehirn ausgestatteten Menschen lediglich die Fähigkeit dazu. Gleichzeitig dient er aber als „Datenbank” – jede Information, die durch die fünf Sinne kommt, jeder einzelne Gedanke und auch entwickelter Charakter – ob gut oder schlecht – speichert sich ihm unauslöschlich ein.

Der Mensch (so schildert ihn auch die Bibel) gleicht einem Tonklumpen, der von einem großen Töpfer geformt wird. Ist der Ton zu spröde, lässt er sich nicht in die gewünschte Form modellieren; ist er zu weich und schwammig, kann der Töpfer ihn zwar mühelos bearbeiten, aber er „hält die Form” nicht.

„Aber nun, Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk”, schreibt Jesaja” (64, 7).

Gleichwohl hat Gott einem jeden von uns Willensfreiheit gegeben. Wenn wir Gott und Gottes Wege nicht anerkennen wollen, wenn wir uns bewusst sträuben, das Schlechte zu bereuen und uns dem Guten zuzuwenden, kann Gott uns nicht nehmen und göttlichen Charakter in uns formen. Der menschliche Ton muss nachgiebig sein – formbar, fügsam. Verhärtet sich der Mensch gegen Gott, so gleicht er sprödem Material; der Töpfer kann nichts damit anfangen, es lässt sich nicht modellieren. Ist man andererseits so willensschwach, mangelt es einem so an Stehvermögen, dass man die Form, in die Gott uns (zum Teil) gebracht hat, nicht hält, schwach wird, aufgibt, so wird man nie bis zum Ende ausharren. Man wird verlieren.

Es stimmt: Wir sind seiner Hände Werk. Dennoch müssen wir zu dieser geistlichen „Aufbauarbeit” unseren Teil dazu tun. Vernachlässigen wir zum Beispiel Bibelstudium und Gebet, lassen wir andere, materielle Interessen wichtiger werden und setzen unsere unvorstellbar herrliche Verwandlung hintan, so ist die Niederlage schon vorgezeichnet.

Wenn wir aber die Charakterstärke haben, uns zu fügen: uns aus eigenem, freiem Willen Gottes Hand zu überlassen, dann gibt er seinen Geist, unseren Beistand, und damit seine Gerechtigkeit, seinen Charakter in uns und erschließt uns geistliche Erkenntnis. Wir müssen es wollen! Wir müssen daran arbeiten! Wir müssen es an erste Stelle setzen, ihm absoluten Vorrang einräumen.

Es muss Gottes Gerechtigkeit sein, denn unsere eigene ist nichts vor ihm. Seine Erkenntnis, seine Gerechtigkeit, seinen Charakter baut er in uns auf – wenn wir mit Fleiß danach streben und es wollen. Unsere Mitarbeit spielt eine wichtige Rolle dabei. Freilich, das eigentliche Verdienst kommt Gott zu.

Indem sich durch den Heiligen Geist in uns der Charakter Gottes formt, reproduziert sich Gott mehr und mehr in uns.

Schließlich, in der Auferstehung, werden wir sein wie Gott – so beschaffen, dass wir nicht sündigen können, aus eigenem Willen, eigener Macht gegen Sünde gefeit, weil wir uns bewusst von ihr abgewandt, sie bekämpft und überwunden haben.

Was Gott sich vorgenommen hat, wird er ausführen!

Warum aus Materie gemacht?

Noch einmal sei aber die Frage gestellt: Warum hat Gott den Menschen aus physischem Stoff (Materie) erschaffen und nicht gleich aus Geist? Die Engel hat er doch auch aus Geist gemacht.

Gott plant – bedenken wir das immer –, sich fortzupflanzen. Seine göttlichen Kinder sollen von ihm gezeugt und dann in die Gottfamilie hineingeboren werden. Christus, unser Vorgänger, ist vom Vater auf eine Art und Weise gezeugt worden wie niemand außer ihm: durch den Heiligen Geist im Leib der Jungfrau Maria. Vom Zeitpunkt seiner Empfängnis und Geburt als Mensch war er der gezeugte (einzig so gezeugte) Sohn Gottes. Er ist der Erstgeborene von vielen Brüdern (Römer 8, 29), als erster Sohn Gottes geboren durch eine Auferstehung von den Toten (Römer 1, 4), wie es später auch uns offen steht.

Um die Erhöhung über die Engel zu veranschaulichen, die an Christus bereits vollzogen ist und damit unsere eigene Möglichkeit, unser eigenes Potential geworden ist, denn wir sind seine Miterben, sagt uns die Schrift, er sei „so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name. Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt?” (Hebräer 1, 4-5). Im Buch Hiob werden Engel im ersten, zweiten und siebten Kapitel zwar als Gottessöhne angesprochen, aber nur als geschaffene „Söhne”. Nie hat Gott, vgl. Hebräer 1, zu ihnen gesagt: „Ihr seid meine gezeugten Söhne”. Wenn wir Menschen aber den Heiligen Geist Gottes empfangen, werden wir seine gezeugten Kinder und Erben, auf die einmal sein Name übergehen soll – so wie mein Name auf meine leiblichen Kinder übergegangen ist.

Von Gott geboren, werden wir Geist sein. Warum hat Gott dann den Menschen aus stofflicher Substanz gemacht – aus Erde?

Zum Teil habe ich diese Frage schon beantwortet. Engel, Geist-Wesen, sind unsterblich. Diejenigen unter ihnen, die gesündigt haben, werden ihre Strafe in Ewigkeit weitertragen müssen. Denn ihre Strafe bestand nicht in Tod, sondern in Verlust des herrlichen Potentials, das Gott ihnen gab, nämlich Verwirklichung seiner Ziele auf Erden; ewig müssen sie nun in der Verbitterung, dem Hass, der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung leben, die sie mit ihrer Sünde über sich gebracht haben. Einmal im Denken pervertiert, können sie nie mehr zurück. Glück und Freude bleiben ihnen fremd auf ewig.

Der Mensch dagegen, materiell beschaffen, wird, wenn er gesündigt hat und nicht bereuen und sich von der Sünde bekehren will, den „zweiten Tod” sterben: ein Verlöschen seiner selbst, spurlos, als habe es ihn nie gegeben (Obadja 16). Das spiegelt Gottes Gnade wider.

Das Physische ist veränderlich – das Geistliche aber unveränderlich

Aber es gibt noch einen anderen, hochwichtigen Grund. Elbert Hubbard, ein amerikanischer Philosoph, sagte einmal: „Nichts ist beständig als der Wandel.” Materie bleibt niemals in ein und demselben Zustand, jedenfalls nicht auf Dauer; sie ist permanentem Wandel unterworfen. Stein oder Eisen etwa zählen zu den dauerhaftesten Stoffen; dennoch verwittern auch sie – die gewaltigen Steinblöcke in der Jerusalemer Stadtmauer zum Beispiel zeigen nach Jahrtausenden sehr deutlich den „Zahn der Zeit”. Was immer man um sich sieht, es verändert sich. Kommt Zeit, kommt Wandel.

Geist dagegen ist unwandelbar – außer, dass Gott Engeln (Geist-Wesen) ein Bewusstsein eingeschaffen hat, das sich wandeln konnte, d.h. zur Willens- und Entschlussbildung fähig war. Aber Geist-Substanz selbst, getrennt von der Verstandeskraft in Gott oder anderen Geist-Wesen, ist unveränderlich. Die Entscheidung, von Satan und seinen Dämonen einmal getroffen, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Die Selbstvermehrung Gottes jedoch bedingt in den Wesen, über die er sich vermehrt, Charakterentwicklung. Und das bedeutet Wandel. Hätte Gott den Menschen aus Geist geschaffen, wäre nach der Entscheidung, Gott abzulehnen, keine Reue möglich – ein Wandel vom Weg Satans zu Gottes Weg wäre ausgeschlossen gewesen. Der materiell beschaffene Mensch dagegen ist wandelbar. Der Mensch, von Gott berufen, kann zu der Einsicht gebracht werden, dass er gesündigt hat, dass er bereuen (umkehren, sich ändern!) und Gottes Weg einschlagen kann. Und einmal auf neuem Kurs, kann er diesen mit Gottes Hilfe auch halten. Der Mensch vermag an geistlicher Erkenntnis zu wachsen, Charakter aufzubauen, falsche Gewohnheiten, Schwächen und Fehler zu überwinden. All dies geschieht mit dem physischen Menschen, mit Hilfe des physischen Gehirns.

Der „Geist im Menschen” verleiht dem Gehirn physisch-menschlichen Verstand, der Geist Gottes, damit verbunden, zusätzlich die Dimension geistlicher Erkenntnis. In beiden Geistern speichert sich außerdem das gesamte Wissen, der Charakter, selbst das Auftreten und die äußere Erscheinungsform des betreffenden Individuums. Diese Geister entwickeln selbst keinen gerechten Charakter, aber durch den Heiligen Geist gibt uns Gott seinen Glauben, seine Gerechtigkeit – solange wir selbst es aufrichtig wünschen. Und wenn sich nun einmal Charakter im physischen Menschen herangebildet hat: wie vollbringt Gott dann den Brückenschlag, den Übergang von Mensch zu Geist?

Die geistliche Gussform

Ich habe Ihnen gezeigt, dass die Bibel den Menschen als „Ton” darstellt – zu Recht, denn er ist aus Erde – und Gott als unseren Töpfer. Wir mögen Gott auch unseren Bildhauer nennen, denn mit unserer Unterwerfung und eifriger Bereitschaft, sind wir das Werk seiner Hände in geistlicher Charakterbildung. Wie Hiob sagte: „Meinst du, ein toter Mensch wird wieder leben? Alle Tage meines Dienstes wollte ich harren bis meine Ablösung kommt. Du würdest rufen und ich dir antworten [bei der Auferstehung], es würde dich verlangen nach dem Werk deiner Hände (Hiob 14, 14-15).

Das bringt uns zur Frage des Todes des physischen Menschen und der Auferstehung, die Hiob die „Ablösung” ins Reich Gottes nannte.

Noch einmal die bereits zitierte Jesaja-Stelle (64, 7): „Aber nun, Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.”

Wären wir aus Geist gemacht, könnte Gott, nachdem wir gesündigt hätten – und gesündigt haben alle –, niemals seinen Charakter in uns formen, ändern, „modellieren”, entwickeln.

Und: „… Spricht denn der Ton zu seinem Töpfer. Was machst du?, und sein Werk: Du hast keine Hände!” (Jesaja 45, 9).

Eine weitere, oft missdeutete Schriftstelle in (Epheser 2, 8-9) „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es [der Glaube], nicht aus den Werken …” Die Rettung, das Heil, können wir uns durch gute Werke nicht verdienen, es uns nicht gleichsam „erarbeiten”; es kommt als Geschenk von Gott. Aber, wenn es aber kommt, richtet sich der Grad der Belohnung nach unseren „Werken” (Matthäus 16, 27) – d.h. danach, wieweit man in der Praxis nach Gottes Weise gelebt hat, wieweit man Charakter entwickelt hat.

Lesen wir den Rest der Passage (er wird von Interpreten, die den Sinn entstellen wollen, gern unterschlagen): „… nicht aus Werken …” Warum nicht? „… damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind SEIN WERK, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen” (Epheser 2, 9-10).

Ich habe versucht, darauf hinzuweisen, dass wir zu Gott Kontakt gewinnen müssen und dass er der „Töpfer”, der Bildner ist, der unser Leben und unseren Charakter nach seinem Charakter-Abbild modelliert, vorausgesetzt, wir wollen es und zeigen uns formbar.

So weit, so gut. Der göttliche Charakter in uns, so habe ich erklärt, kann nicht durch ein „Es werde” geschaffen werden. Er muss entwickelt werden. Wir müssen „formbar” sein.

Wir müssen ihn anstreben, wollen. Aber er kommt von Gott. Wenn wir also durch seinen und unseren Geist täglichen Kontakt zu ihm halten – denn „der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind” (Römer 8, 16) –, so wirkt Gott charakterlich formend auf uns ein. Hätte er uns aus Geist geschaffen, wäre das unmöglich, nachdem wir gesündigt hätten.

Nun, wie Hiob sagte, sterben wir. Ins „Leben danach” treten wir durch die Auferstehung. Beim Tod erlischt jedes Bewusstsein. Mehr darüber im zehnten Kapitel. Das organische Gehirn wird bewusst-los und zerfällt.

Mit welchem Leib werden wir auferstehen? Diese Frage wird in 1. Korinther 15 beantwortet: „Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen, und mit was für einem Leib werden sie kommen? … was du säst [der Leib, der ins Grab gelegt wird], ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will …” (Vers 35-38).

Das heißt: Der Körper, der stirbt, wird nicht identisch sein mit dem, der aufersteht.

Nun kommen wir zu einem hochwichtigen Aspekt des Geistes im Menschen, welchen ich „den menschlichen Geist” genannt habe. Der Geist selbst kann kein Leben verleihen. Er kann nicht sehen, hören, denken. Der physische Mensch muss seine eigenen Entscheidungen treffen, denn in ihm muss Charakter herangebildet werden. Gott will seinen Charakter in diesem menschlichen Ton heranbilden. Der Geist im Menschen registriert (und bewahrt) alles, was das Gehirn an Informationen aufnimmt, sogar Geisteshaltungen und Einstellungen, jedes Charakterdetail, auch die äußere Körpergestalt.

Er lässt sich vergleichen mit der Gussform eines Bildhauers. Sagen wir, der Bildhauer will eine Bronzeskulptur fertigen: Dann macht er zunächst ein fertiges Modell aus Ton oder anderem Material, anschließend davon einen Abdruck, die Gussform, deren innere Höhlung genau das Modell abbildet. Die Höhlung wird mit Bronze ausgegossen, die Gussform entfernt, und man hat ein Bronze-Standbild, das dem Originalmodell aufs Haar gleicht.

Der Geist, der in jedem Menschen ist, dient als eine solche Gussform. Er konserviert jede Einzelheit des betreffenden Individuums, Gedächtnis, Charakter, selbst die äußere Erscheinung.

Nun stelle ich mir den Geist natürlich nicht als Hohlform vor. Aber seine Funktion ist vergleichbar. Hat man den Heiligen Geist empfangen, so wird bei der Auferstehung das auferweckte Wesen aus Geist bestehen, nicht mehr aus Materie wie einst das menschliche „Modell”. Jedoch: Der Auferstandene, nun Geist, wird plötzlich zum Leben erwachen. Es wird ihm vorkommen, als sei seit Erlöschen seines Bewusstseins beim Tod überhaupt keine Zeit verstrichen. Seine Erinnerung wird intakt sein. Er wird (äußerlich) genauso aussehen wie im früheren Leben. Sogar seine Fingerabdrücke werden dieselben sein.

Der Charakter, den er Gott in sich hat aufbauen lassen, wird in ihm sein. Er wird ewig leben! Und aus eigenem Willen heraus wird er, wie Gottvater, nie sündigen (1. Johannes 3, 9).

Der Auferstehungsleib ist ein anderer als der alte, sterbliche Leib aus Fleisch und Blut. Gott verwandelt Fleisch und Blut (Materie) nicht in Geist. Der organische Leib verwest und zerfällt nach dem Tod, der Geist aber, der darin war, bewahrt wie eine Gussform die äußere Erscheinung, die Erinnerung und den Charakter unversehrt auf. Und obwohl die Auferstehung Tausende von Jahren nach dem Tod stattfinden mag, unterzieht sich diese geistliche „Gussform” keinem Wandel.

Beachten Sie, was nach dem Tod geschieht.

„Denn der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat” (Prediger 12, 7). Ob beerdigt oder verbrannt, oder was auch immer, der Leib wird wieder zu Staub, und wird wieder zu Erde. Der Geist jedoch, der in ihm war und alles aufgezeichnet hat – Körpergestalt, Gesichtsidentität, Erinnerung, Charakter –, kehrt zu Gott zurück. Er bleibt unverändert erhalten.

Heilige wie Abraham, Mose, David und Daniel sind schon vor Jahrtausenden gestorben. Halten Sie an und denken darüber nach! Gott musste für eine Möglichkeit sorgen, ihre Persönlichkeit (Aussehen, Bewusstseinsinhalt, Charakter) zu schützen bis zur Auferstehung. Alles, woraus sie materiell bestanden, ist längst zerfallen. Dennoch werden sie bei der Auferstehung das Gefühl unmittelbarer „Fortsetzung” ihres Lebens haben.

Der Tod ist ein Zustand absoluter Bewusstlosigkeit. „Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen nichts” (Prediger 9, 5).

Der Geist, der zu Gott zurückkehrt, ist eben jener menschliche Geist, der ein Leben lang in ihnen gewesen ist. Keine „unsterbliche Seele”: Die Seele (das Leben) ist sterblich, vergänglich.

Wer im Besitz des Heiligen Geistes Gottes gestorben ist, wird auferweckt in der ersten Auferstehung (Offenbarung 20, 4-5) unsterblich, in einem verklärten Geist-Leib, das Antlitz strahlend wie die Sonne.

Alle anderen – die nicht schon in diesem Leben zum Heil Berufenen – werden, nachdem das Reich Gottes unter Christus tausend Jahre regiert hat, auferweckt in einer zweiten Auferstehung, dem Gericht vor dem großen, weißen Thron (Offenbarung 20, 11-12), und zwar sterblich, in einem Leib aus Fleisch und Blut, einem physischen Körper, wie zuvor. In diesem Gericht werden sie „berufen” – das heißt, ihre Augen werden aufgetan für Gottes Wahrheit. Schließlich erfolgt noch eine letzte Auferstehung (Offenbarung 20, 13-15), nämlich jener Menschen, die schon im irdischen Leben von Gott berufen worden sind, aber die Wahrheit abgelehnt haben oder davon abgefallen sind. Zusammen mit den auch im Gericht vor dem großen weißen Thron noch Halsstarrigen werden sie in den feurigen Pfuhl geworfen (2. Petrus 3, 10-11), den zweiten Tod erleiden. Sie werden Staub sein unter den Füßen der Unsterblichen im Reich Gottes (Maleachi 3, 21), es wird sein, „als wären sie nie gewesen” (Obadja 16).

Dem Millionenheer der Unsterblichen aber, den Erlösten, wird sich dann das gewaltige, unfassbare Potential des Menschen öffnen – wenn Gott der Schöpfer ihnen das gesamte Universum untertan gemacht haben wird (Hebräer 2, 7-8).

Es bleibt noch vieles zu offenbaren. Warum die Mühe, das Leiden, der Kummer und die Übel dieser Welt in den letzten 6000 Jahren? Eine Tatsache: Jede Wirkung hat eine Ursache.

So sehr viel mehr von diesem Überblick der Wahrheit Gottes möchte ich Ihnen noch klarlegen!

Chapter 8: Die Ursache der heutigen Weltübel

Es ist jetzt Zeit, dass wir einen Augenblick innehalten und uns orientieren. Wir leben in einer Welt, in der die Ausrottung des Menschen zur greifbaren Bedrohung geworden ist. Einer Welt, durchwuchert von Sittenlosigkeit, Verbrechen, Gewalt. Einer Welt, die an Leib und Seele leidet, einer frustrierten Welt, der die Hoffnung abhanden gekommen ist.

Aber warum? Warum stürzen Regierungen in immer rascherer Folge? Was ist schief gelaufen in Politik, Religion, Erziehung – und warum lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Analphabetentum und Not, in bitterstem Hunger, in Elend und Armut?

Ja, warum?

Ich sprach davon, dass man einen Film, von dem man nur die letzte Hälfte kennt, kaum verstehen kann; dass Teilkenntnis auch nur Teilverständnis, oder Unverständnis, erzeugt.

Ein solches Teil- oder Unverständnis ergibt sich, wenn man das heutige Weltchaos nur von der heutigen Warte aus betrachtet.

Wir müssen den „Film der Realität” ganz von vorn aufrollen. Deshalb haben wir bei dieser Bloßlegung der Wahrheit am äußersten prähistorischen Punkt eingesetzt.

Wir haben den Uranfang aller Dinge betrachtet, noch vor Entstehung des materiellen Universums, ab dem es nur zwei große Geist-Wesen gab; eines davon hieß „das Wort”, und es war bei Gott. „Das Wort” war unter Gottes Leitung das ausführende Organ der Schöpfung.

Ihre erste Schöpfertat: die Erschaffung der Engel, einzeln geschaffener Geist-Wesen, offenbar Millionen zählend. Sie alle existierten im physisch leeren Raum.

Dann kam die Erschaffung unseres Planeten Erde und, offenbar gleichzeitig, des ganzen physischen Kosmos.

Ein Drittel der Engel bewohnte daraufhin die Erde. Sie sollten sich die physischen Schätze der Erde zunutze machen, Ertrag einbringen von der Erde, ihre Schönheit mehren. Mit anderen Worten, die Erdschöpfung sozusagen veredeln und abschließen.

Und nun eine wichtige neue Wahrheit.

Was Gott geschaffen hatte, war zwar qualitativ vollkommen – sollte aber, wie unbearbeitetes Mobiliar, erst „fertig gestellt” werden durch die Engel. Somit sollten sie teilhaben an Akten der Schöpfung.

Diese Erde war für die Engel – wie heute für den Menschen – als Feld der Bewährung gedacht, auf dem sich die Engel qualifizieren sollten, ebenso schöpferisch, später die Planeten des gesamten Universums zu vollenden. Und dies ist nun dem Menschen als transzendentes Potential zugefallen.

Sollten die Engel diese Aufgabe erfüllen, mussten sie als harmonisches Ganzes zusammen arbeiten. Zu diesem Zweck gab Gott ihnen seine Herrschaftsordnung, die sich auf das geistliche Gesetz Gottes gründet. Dies Gesetz umschreibt eine bestimmte Lebenshaltung, den Weg der Liebe, der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten. Es ist der Weg des Gebens, des Helfens, Dienens, Teilens, der Güte, Rücksichtnahme und Barmherzigkeit.

Auf den Erdenthron hatte Gott, als Sachwalter seiner Herrschaft, das höchste Meisterstück seiner Schöpfung gesetzt – den Erzengel Luzifer. Dieser besaß, wie alle Engel, unabhängiges Denk-, Erkenntnis- und Entscheidungsvermögen. Gottes Absicht war, in Luzifer und den Engeln Gottes heiligen und gerechten Charakter zu erschaffen, ihr Wollen und Einverständnis vorausgesetzt.

Doch Luzifer stiftete seine Engel zum Aufruhr an. Statt Gottes Weg der Liebe und des Gebens hatten sie sich dem Nehmen verschrieben, der Eitelkeit, Sünde, Entartung, geistigen Perversion. Vom Schöpferischen zum Zerstörerischen.

Ein weiteres Körnchen Wahrheit: Haben Sie sich nicht schon einmal gefragt, warum es Satan immer noch gibt, warum er die Menschen weiterhin unterschwellig verführen darf zu seiner nehmenden Haltung, zu falschen Werten, zu geistiger Perversion?

Eine wesentliche Frage. Suchen Sie sich die Situation so vorzustellen, wie Gott sie sah. Ich habe bereits erklärt, dass von allen lebendigen Wesen nur Gott den heiligen und gerechten Charakter besaß – und dass nur er selbst hundertprozentig Gewähr dafür bot, nie vom Weg der Liebe abzuweichen.

Gott wusste aber auch, dass es nicht genug von ihm gab. Er wollte Millionen, Milliarden Wesen, ausgestattet, gleich ihm, mit heiligem und gerechtem Charakter.

Deshalb fasste Gott nun den Plan, sich selbst zu vermehren, und zwar über den Menschen.

Dazu (Psalm 104, 30) erneuerte er in sechs Tagen die Gestalt der Erde, behob den „wüsten und leeren” Zustand, den die sündigen Engel hinterlassen hatten, und machte sie zum Prüffeld, auf dem der Mensch Gottes gerechten Charakter entwickeln und reif werden sollte für das transzendente Potential, das einst den Engeln gehört hatte.

Diese Erneuerung der Erde in sechs Tagen ist, wie wir gesehen haben, Gegenstand des ersten Kapitels der Schöpfungsgeschichte.

Nun zu 1. Mose 1, 25-26:

„Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott sprach: Lasset uns [nicht: mich] Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei [nach Form und Gestalt] …” Mit anderen Worten, nach der Art Gottes. Geschaffen für eine ganz besondere Beziehung zu Gott.

Doch „Gott machte den Menschen aus Erde vom Acker …” (1. Mose 2, 7), nicht aus Geist wie die Engel.

Nun bitte genau aufpassen:

Der erste Mensch, Adam, bekam Gelegenheit, sich zu qualifizieren, die Nachfolge des einstigen Luzifer auf dem Thron der Herrschaft Gottes anzutreten.

Um sich jedoch zu qualifizieren, musste er – bitte genau beachten – nicht nur Gottes Herrschaftsordnung und Lebensweise akzeptieren; Bedingung war auch, dass er den Weg Satans verwarf, sich von ihm abwandte.

Er musste Satan und Satans Weg überwinden.

An diesem Punkt sei daran erinnert, dass die ersten elf Kapitel der Genesis nur eine äußerst geraffte Zusammenfassung der ersten ca. zwei Jahrtausende Menschheitsgeschichte – von Adam bis Abraham – geben. Die Einzelheiten müssen aus dem, was darin impliziert liegt, oder aus anderen Bibelstellen erschlossen werden.

Gott unterrichtete Adam und Eva über seine Herrschaftsordnung, sein geistliches Gesetz, seine Lebensweise; gab Adam zu verstehen, dass er sich, wenn er die rechte Wahl traf, qualifizieren und den Heiligen Geist Gottes empfangen konnte, der ihn als Sohn Gottes zeugen würde. Auch über die Konsequenzen von Ablehnung und Ungehorsam klärte Gott sie auf:

Dies war symbolisiert durch den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Denn, sagte Gott, „an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben” (1. Mose 2, 17).

Dann gestattete Gott die Versuchung Adams und Evas durch Satan. Ja, Satan war schlau. Über die Frau kam er an den Mann heran. Eva wurde verführt – Adam nicht.

Eva „nahm von der Frucht” des verbotenen Baumes „und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß” (1. Mose 3, 6).

Da sprach Gott: „Nun aber, dass er [der Mensch] nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! Da wies ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens” – damit der Mensch und seine Nachkommen nicht mehr zurück konnten und essen konnten von dem Baum, der Gottes Heiligen Geist symbolisiert (1. Mose 3, 22-24).

Sinngemäß, in moderne Sprache übertragen, sagte Adam, als er in vollem Bewusstsein von der verbotenen Frucht nahm: „Gott, mein Schöpfer, ich verwerfe dich als meinen Gott, ich verwerfe deine Lebensweise. Ich verwerfe deine Herrschaft über mich. Ich gehe jetzt eigene Wege und möchte nicht, dass du dich noch einmischst. Ich verwerfe dich als Quell elementarer Erkenntnis – über das, was richtig und was falsch ist, befinde ich jetzt selbst.”

Und Gott erwiderte: „Ich habe dir den Weg der Wahrheit vorgelegt. Du hast deine Wahl getroffen – dafür verurteile ich dich und die Welt, deren Stammvater du sein wirst, sechstausend Jahre von mir abgeschnitten zu sein. Geh, bilde deine eigenen Regierungsformen. Deine eigenen Religionen. Sammle dein eigenes Wissen, abgeschnitten von offenbarter Wahrheit, und entwirf dein eigenes System zur Vermittlung dieses falschen Wissens. Lebe nach deinen eigenen verkehrten Wertmaßstäben. Doch bestimmte Menschen werde ich in diesen sechstausend Jahren, wie es mir gefällt, in meinen Dienst berufen, um mein Vorhaben zu verwirklichen.”

Wieso war es nun notwendig, dass Satan auf Erden weiterregierte, die Menschheit sechstausend Jahre weiter verführte? Zwei Gründe gab es:

1. Die Menschen, die Gott während dieser Zeit berief, mussten, wie Adam, sich qualifizieren: zum Dienst in der Herrschaftsordnung Gottes. Und wie? Indem sie Satan und seinen Weg verwarfen und überwanden – und ganz bewusst Gottes Weg wählten.

2. Gottes Herrschaftsordnung verlangt, dass der Thron nie unbesetzt sein darf. Der frühere Luzifer muss bleiben, bis sich ein Nachfolger qualifiziert hat und ins Amt eingeführt ist.

Man kann noch einen dritten Grund nennen. Durch sechstausend Jahre Menschheitsgeschichte, leidvolle Erfahrung, wollte Gott ein für allemal beweisen, dass Satans Weg nur zu Übeln, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit und Tod führen kann. Um diese Wahrheit nicht nur dem Menschen, sondern auch den restlichen zwei Dritteln der Engel zu beweisen, lässt Gott sechstausend Jahre lang Satan sein böses Regiment führen.

Diese sechs Jahrtausende teilen sich – im Unterschied zu den beiden Welten: der Welt bis Noah, die in der Sintflut gipfelte, und der gegenwärtigen bösen Welt, die in Christi zweitem Kommen gipfeln wird – in drei Abschnitte:

1. Die Zeit von der adamitischen Erschaffung des Menschen bis zum Bundesschluss auf dem Sinai mit den Israel; 2. die Zeit der „alttestamentlichen Kirche” (Gemeinde Israel); 3. die Zeit der Kirche Gottes im Neuen Testament. Darauf wird das 9. Kapitel näher eingehen.

Mittlerweile sollte klar geworden sein, worin die Wurzel der heutigen Übel liegt. Sie liegt in der Präsenz Satans, seiner unsichtbaren, unterschwelligen, dennoch durchdringenden Macht über die Menschen (siehe 11. Kapitel über die menschliche Natur). Die Lebensweise, die Satan dem Menschen einimpft: der Weg der Eitelkeit, Wollust und Habgier, der Eifersucht und des Neides, des Konkurrierens und Haderns, der Auflehnung und Tücke, all dessen, was wir gemeinhin „menschliche Natur” nennen, er ist die tiefe Ursache. Und alle Welt hat die Auswirkung zu spüren bekommen.

Wir erinnern uns aber: Gott hat eine Ausnahme gemacht. Er wollte gewisse Menschen, wie es ihm gefiel, berufen, in seinem Auftrag zu handeln.

Etwa 1900 Jahre vergingen. Adams zweiter Sohn Abel gehörte offenbar zu den Berufenen, denn Christus nennt ihn den gerechten Abel (Matthäus 23, 35). Henoch „wandelte mit Gott”. Dann berief Gott Noah. Er war „ohne Tadel zu seinen Zeiten”, und auch er wandelte mit Gott. Gott berief ihn, damit Menschen die Sintflut überlebten.

Gott berief Abraham heraus aus dem Leben Babylons – sozusagen aus der ganzen satanischen Zivilisation – auf den Weg Gottes. Abraham hatte nicht von sich aus Gott gesucht – doch er war eine seltene Ausnahme insofern, als er ohne Widerspruch und Frage gehorchte.

Vierhundertdreißig Jahre nach Abraham berief Gott Mose. Mose war auf seine Berufung gut vorbereitet durch seine Erziehung als Prinz am Pharaonenhof. Doch Mose, nur Mensch, erhob Einwände. Den Auftrag, zu dem Gott ihn berief, hatte er nicht angestrebt. Er protestierte: „Herr, ich kann nicht. Ich habe einen Sprachfehler – ich stottere.” Darauf sagte Gott, er habe seinen Bruder Aaron zu seinem Sprecher bestimmt.

Gott befahl Mose, dem Sinne nach: Du wirst tun, was ich gebiete. Und darauf tat er es.

Gott hatte Mose berufen, die Nachkommen Abrahams – bereits zwei bis drei Millionen zählend – aus der ägyptischen Knechtschaft zu führen. Diesen „Kindern Israel” machte Gott am Berg Sinai einen Vorschlag: Wollten sie sein Volk werden, regiert von seinen Gesetzen und Satzungen, so wollte er sie auszeichnen unter allen Völkern: wollte ihnen den großen – wenn auch materiell und zeitlich (auf dieses Leben) beschränkten – Segen zuteil werden lassen, sie zur wohlhabendsten, mächtigsten, friedlichsten Nation auf Erden machen. Das Volk stimmte zu.

Darauf schloss Gott einen Bund mit ihnen – später „Alter Bund” genannt, vermittelt durch Mose. Es war ein Ehebund, in dem Israel sich verpflichtete, ihrem Mann (Gott) zu gehorchen, und Gott sich verpflichtete, sie, wenn sie gehorchten, zur ersten Nation auf Erden zu machen. Doch Satan war nicht untätig. Die Israeliten verfielen der „geistlichen Hurerei”, schlimmer als eine menschliche Hure.

Gott berief Jona zu der Aufgabe, die Stadt Ninive zur Umkehr zu mahnen. Jona suchte sich Gott zu entziehen: er floh auf einem Schiff. Doch wenn Gott jemandem einen Auftrag gibt, dann sorgt er dafür, dass er ihn auch durchführt.

Gott berief den Propheten Jesaja. Dieser protestierte, er habe „unreine Lippen”. Gott machte seine Lippen rein. Da antwortete Jesaja: „Hier bin ich, sende mich!”

Gott berief den Propheten Jeremia. Auch er war, wie später Jesus, schon „ausgesondert”, ehe er „geboren wurde”, so heißt es in der Schrift. Doch er wehrte ab: „Ich bin zu jung.” Streng sprach Gott: „Du sollst gehen, wohin ich dich sende.” Jeremia ging.

Und Paulus zählte, als er noch Saulus hieß, zu den fanatischsten Verfolgern der Kirche Gottes. Doch Gott schlug ihn nieder, brachte ihn zur Besinnung, und er wurde zu einem der größten Gottesmänner seit Adam.

Ich selbst schließlich entschied mich keineswegs für Gott. Ich entschied mich für das Werbefach und den Journalismus. Als ich fünfundzwanzig war, offenbarte ein Engel meiner Frau – wir waren jung verheiratet – in einem intensiven Traum, Gott wolle mich in seinen Dienst berufen. Es berührte mich lediglich unangenehm. Prediger Jesu Christi war das letzte, was ich hätte werden wollen.

„Ich weiß nicht, ob der Traum etwas zu bedeuten hat”, sagte ich. „Erzähl ihn doch einmal dem Prediger in der Kirche an der Ecke – vielleicht kann er ihn deuten.” Wie Jona, Paulus und andere noch eine Weile ihr altes Leben weiterführen durften, geriet der ungewöhnliche Traum bald in Vergessenheit – vorerst. Ein Jahrzehnt verstrich. Dann führte mich Gott zum intensivsten, fast Tag und Nacht dauernden Forschen und Studium meines Lebens: zwei Herausforderungen, die an meine Eitelkeit rührten, ließen mich darangehen.

Dies tiefe Bibelstudium befreite mich von aller religiösen Vorgeprägtheit, allen irrigen Auffassungen und erschloss mir das richtige Verständnis von Gottes Wort; es brachte mich zu tiefer Reue, so dass ich, bezwungen von Gott und Gottes Wort in bedingungsloser Kapitulation, ihm in lebendigem Glauben mein Leben übergab, das ich für wertlos hielt. Demütig gab ich es ihm. Und er hat, wie bei anderen, die er vor mir bezwungen hat, Gebrauch davon gemacht. Einundfünfzig Jahre lang.

Doch zurück zum Faden unserer Geschichte. Zur festgesetzten Zeit sandte Gott seinen eingeborenen Sohn – das „Wort”, das schon seit Urzeiten bei Gott war.

Er war der „zweite Adam”.

Wie der erste Adam musste er nicht nur Gott glauben und gehorchen – sondern auch Satan und den satanischen Weg bekämpfen und überwinden.

O ja! Er wurde genauso versucht wie wir sündigen Sterblichen – nur: Er blieb sündenfrei.

Satan war nach wie vor präsent. Das Erscheinen des „zweiten Adam” bestürzte, erzürnte ihn. Jesus war der Bote des neuen Bundes, er brachte die Botschaft dieses Bundes von Gott. Die Botschaft: sein Evangelium. Satan war entschlossen zu verhindern, dass diese Botschaft verbreitet wurde. Denn sie prophezeite die Entmachtung Satans auf Erden.

Er suchte Christus schon als Kind zu töten. Doch Gott rettete seinen Sohn Jesus. Dreißig Jahre Versuchung durch Satan: doch Jesus widerstand.

Dann kam die schwerste Versuchung, die je ein Mensch zu bestehen hatte. Vierzig Tage und Nächte hatte Jesus gefastet, ohne einen Bissen Nahrung, ohne einen Tropfen Wasser. Doch das Fasten hatte ihn nur näher zu Gottvater gebracht. Obwohl physisch schwach, war er geistlich stark. Die Geschichte dieser Versuchung erzählen die ersten elf Verse von Matthäus 4.

Es war ein wahrer Titanenkampf. Jesus wurde versucht wie kein Mensch zuvor. Doch er widerstand und überwand Satan, blieb Gottes Weg treu.

Gerade erst durch Satans Versuch, Jesus zu Fall zu bringen, qualifizierte sich Jesus, Satan abzulösen und die Herrschaft Gottes wiederherzustellen. Mehr: das Reich Gottes zu errichten, das die Familie Gottes ist, die mit Gottes Herrschaftsordnung regiert.

Jesus hat Satan überwinden – ihn bekämpfen und besiegen – müssen, um sich zu qualifizieren, den Erdenthron einzunehmen.

Und wie ist es bei jenen, die Gott von Abels Zeit bis heute berufen hat?

Beachten Sie etwas, das allen Kirchen, Theologen und Bibelforschern entgangen zu sein scheint:

Christus selbst sagt in Offenbarung 3, 21: „Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.”

Überwindenwas überwinden? „Wie ich überwunden habe”, heißt es. Was musste Jesus überwinden, um sich zu qualifizieren, jetzt mit seinem Vater den Thron zu teilen und dann später seinen eigenen Thron, den Thron Davids in Jerusalem, einzunehmen?

Überlegen Sie! Denken Sie nach. Wenn Jesus Satan überwinden musste, den einstigen Luzifer, der heute noch den Thron innehat, auf den Gott ihn gesetzt; wenn er ihn überwinden musste, um die Thronfolge anzutreten, wird dann von uns Menschen weniger erwartet werden, ehe wir uns mit Christus auf seinen Thron setzen können?

Wohlgemerkt, was Jesus hier sagt, gilt nur für jene, die vor Christi Wiederkehr berufen werden – mit ihm auf dem Thron zu sitzen, wenn er ihn eingenommen hat.

Ich habe mehrfach gesagt, dass die ganze Welt von Gott abgeschnitten ist – seit nunmehr fast sechstausend Jahren, seit Adam. Jesus sagte es ganz deutlich: „Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater …”(Johannes 6, 44).

Außer denen, die Gott herausgerufen hat, ist die ganze Menschheit von Gott abgeschnitten.

Wie kann das sein? Ist Gott ungerecht? Sind alle anderen verloren – rettungslos verurteilt zum zweiten, ewigen Tod im „feurigen Pfuhl”?

Keineswegs.

Ich werde Ihnen zeigen, dass die Unberufenen einfach noch nicht gerichtet sind. Weder „verloren” noch „gerettet”. Welche Tragödie, dass die Namenschristen, die große Masse, von dieser Wahrheit nichts wissen.

Zuerst aber noch ein Jesuswort aus der Offenbarung (2, 26-27):

„Und wer überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe …”

Die von Gott Berufenen und „Gezogenen” müssen Satan überwinden „bis ans Ende” ihres Lebens. Dann werden sie jedoch nicht nur mit Christus auf seinem Thron sitzen – sie werden, unter ihm, alle Nationen regieren. Dadurch wird sich die Prophezeiung aus Daniel 7, 18 erfüllen.

Die Festtage Gottes: Abbild des grossen Plans, der sich auf Erden verwirklicht

Wir kommen nun zu einer wahrhaft „bewusstseinserweiternden” Offenbarung.

In den Tagen des Mose gab Gott seiner „Kirche” – damals Gemeinde Israel genannt – die Jahresfeste und sieben heilige Tage (Sabbate).

In ihnen spiegelt sich, zur jährlichen Erinnerung des Volkes Gottes, der große Heilsplan Gottes – die Verwirklichung des unglaublichen Potentials des Menschen.

Diese Feste sind für alle Zeiten bindend. Jesus, die Apostel und die Urkirche haben sie gehalten. Heute allerdings hält sie, soweit der Autor weiß, nur eine einzige Kirche auf Erden – die Philadelphia Kirche Gottes.

Sie offenbaren eine verblüffende Wahrheit, die dem Blick sonst verborgen bleibt.

Das Menschengeschlecht begann mit Adam. Das geistliche Heil jedoch, und die Qualifikation für das transzendente Potential des Menschen, beginnt mit Christus. Die physische Menschenschöpfung wurde mit Adam, die geistliche Schöpfung mit dem „zweiten Adam” eingeleitet.

Sie beginnt mit der Vergebung der Sünden – auf echte Reue hin, wenn man von Gott bezwungen und zu lebendigem Glauben gelangt ist: zum Glauben daran, was Christus sagt.

Daher ist das erste dieser Feste das Passa: ein alljährliches Gedenkfest an das vergossene Blut Christi, das Opfer des „Lammes Gottes”, das die Sündenstrafe, die wir auf uns gezogen haben, an unserer Statt bezahlt hat.

Auf das Passa folgt das Fest der Ungesäuerten Brote, sieben Tage, an denen in den Häusern des Volkes Gottes nichts Gesäuertes gegessen oder gefunden werden darf. Sauerteig „bläht auf” – wie Eitelkeit, eine große Sünde. Dieses Fest dauert sieben Tage und schließt sich unmittelbar an das Passa an – der erste und der letzte Tag sind gleichzeitig jährliche heilige Tage (heilige Versammlungen).

Diese ersten Feste finden im Frühjahr statt – vom vierzehnten bis einundzwanzigsten Tag des ersten Monats in Gottes heiligem Jahr. Zusammen mit dem Erstlingsfest (in der Bibel pentekoste, Pfingsten) fallen sie in den Frühling, die Zeit der Frühgetreideernte. Das Erstlingsfest (pentekoste) erinnert das Volk Gottes alljährlich, dass sie lediglich die „Erstlinge”, die relativ kleine geistliche Frühernte vor Christi zweitem Kommen sind – dass, abgesehen von den wenigen Berufenen, noch alle Welt von Gott und seinem geistlichen Heil abgeschnitten ist.

Die restlichen vier Feste fallen in die Herbstsaison symbolisch für die geistliche Haupternte. Sie werden in der Jahreszeit gefeiert, in der die Landwirtschaft die Haupternte einbringt.

Das vierte Fest, ein einzelner heiliger Tag, heißt Posaunentag. Es verweist auf das Kommen Christi in höchster Macht und Herrlichkeit, um alle Nationen zu regieren – und um das geistliche Heil allen zu öffnen, die dann leben.

Das fünfte Fest ist ebenfalls eintägig – ein Fastentag. In der Bibel heißt er Versöhnungstag. Die Juden feiern ihn als, „Jom Kippur”. Ein ernster, andachtsvoller Tag, Sinnbild für die Vertreibung Satans durch Christus und die Versöhnung des Menschen mit Gott. Eine Menschheit, die, wie jetzt, von Gott abgeschnitten ist, kann erst nach Satans Sturz wieder „eins” mit ihm werden; erst dann werden alle Menschen – sofern sie wollen – von Gott durch Christus zum geistlichen Heil berufen werden.

Fünf Tage später kommt das Laubhüttenfest (siebentägig). Es soll die geistliche Haupternte abbilden – während der tausend Jahre, in denen Christus und die, die sich als Mitherrscher qualifiziert haben, die Nationen regieren werden. Satan wird dann entthront sein – in den „Abgrund” geworfen, wie es die Bibel ausdrückt. Ihn zu überwinden, wird keine Heilsbedingung mehr sein. Der erste dieser sieben Tage ist gleichzeitig ein Jahressabbat.

Am achten Tag, gleich nach dem Laubhüttenfest, folgt ein eintägiges Fest, das gleichzeitig der siebente Jahressabbat ist.

Es symbolisiert die Auferstehung aller vorher Unberufenen zum Gericht: aller, die je gelebt haben, all der Milliarden, die unter Satans Weg gelebt haben und gestorben sind, ohne je eine „Heilschance” gehabt zu haben. Diese Milliarden werden auferstehen als sterbliche Menschen, Menschen aus Fleisch und Blut, wie sie früher waren. Und sie werden zurückblicken auf sechstausend Jahre Satansherrschaft – auf die menschlichen Irrwege, Sünden, und die Folgen: Leid, Not und Tod. Dann wird Gott sie erstmals berufen. Satan wird für immer vertrieben sein. Doch die Entscheidung müssen sie immer noch selber treffen.

Rückschauend werden sie überblicken: die leidvolle Geschichte der Welt unter sechs Jahrtausenden Satansherrschaft – und dann die tausend Jahre, in denen Christus und die unsterblichen Heiligen die Welt lehrten. Sie werden vergleichen können.

Wir dürfen hoffen, dass fast alle – wenn nicht sogar alle – dem Ruf Gottes folgen und das geistliche Heil und das ewige Leben erlangen werden.

Doch das ist noch nicht alles.

Es wird (Offenbarung 20, 13) noch eine letzte Auferstehung geben, und zwar derjenigen, die innerhalb der siebentausend Jahre einmal berufen worden waren, aber Gottes liebende Barmherzigkeit bewusst verwarfen, in vollem Verständnis der Wahrheit, rebellierten. Es wird ihnen bewusst gemacht werden, was sie da verworfen, wogegen sie da rebelliert haben. Sie werden alle schon einmal gestorben sein – und nun werden sie den zweiten, endgültigen, ewigen Tod sterben im „feurigen Pfuhl”, den 2. Petrus 3, 7 und 10 anspricht.

Ihre Existenz, und damit ihr Leiden, hat dann ein Ende, wie Maleachi 3, 19-21 offenbart. Es wird ihnen weder „Wurzel noch Zweig” gelassen, sie werden „Staub” unter den Füßen der Lebenden sein. Es wird sein, als hätte es sie nie gegeben (Obadja 16-17).

Bei den geretteten Unsterblichen aber, wird der Tod „… nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen” (Offenbarung 21, 4).

Chapter 9: Wozu die Kirche?

Sinn und Funktion der Kirche bleiben unverständlich ohne eine Kenntnis des alttestamentlichen Israel.

Das alte Israel war beides: Kirche und Staat. Es war eine weltliche Nation, genannt Reich Israel. Doch es war auch eine Kirche, genannt Gemeinde Israel. Oder, wie in Apostelgeschichte 7, 38, „Gemeinde in der Wüste”.

Und weder das alttestamentliche Israel noch die neutestamentliche Kirche Gottes kann man verstehen, solange man nicht den Zweck vor Augen hat, den Gott mit der Erschaffung der Menschheit auf Erden verfolgte.

Gott vermehrt sich selbst! Sein Hauptziel für den Menschen ist Schaffung heiligen, gerechten, geistlichen Charakters. Das wollen wir uns stets vor Augen halten, wenn wir die alttestamentliche „Gemeinde in der Wüste” und die neutestamentliche Kirche Gottes vergleichen und gegeneinander halten. Schaffung dieses gerechten Charakters ist Vorarbeit für das Endziel.

Wir haben die Beschaffenheit des „natürlichen” menschlichen Verstandes untersucht – und wie er sich vom tierischen „Verstand” unterscheidet. Es gibt einen Geist im Menschen. Und zwar als Geist-Substanz – nicht als eine Person oder Seele. Er verleiht dem Menschenhirn die Kraft des Intellekts – Denk- und Urteilsvermögen, die Gabe, Entscheidungen zu fällen. Das siebente Kapitel ging näher darauf ein.

Dieser Verstand, mit dem jeder Mensch geboren wird, ist also der natürliche, fleischliche Verstand oder „Sinn”. Und „fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag’s auch nicht” (Römer 8, 7). Der Horizont dieses Verstandes beschränkt sich auf das Physische.

Um den Horizont zu erweitern auf die Dinge Gottes, auf geistliche Erkenntnis, muss zum „menschlichen”, jedem Menschen angeborenen Geist noch ein zweiter Geist kommen: der Heilige Geist, den Gott schenkt, den er eigens geben muss.

Gottes Schöpfung des Menschen war vollkommen als physische Schöpfung, doch damit war sie noch nicht abgeschlossen! Die physische Schöpfung begann mit Adam, die geistliche Schöpfung muss mit dem „zweiten Adam” beginnen, Jesus Christus.

Als Gott Adams Nachfahren zu sechstausend Jahren Gottferne verurteilte, machte er eine Ausnahme: Er behielt sich das Recht vor, zu besonderen Zwecken, zur Erfüllung seines Plans, Menschen in seinen Dienst zu berufen.

Gott hatte Abraham berufen. Und 430 Jahre danach berief er durch Isaak und Israel die Nachkommen Abrahams, damals „Kinder Israel” genannt. Sie befanden sich zu der Zeit in ägyptischer Sklaverei. Unter Moses Führung befreite Gott sie aus der Knechtschaft, ließ sie aus Ägypten ausziehen ins Gelobte Land.

Auf dem Berg Sinai bot Gott ihnen einen Bundesschluss an, später „Alter Bund” genannt. Wollten sie Gottes Herrschaft gehorsam sein, so wollte Gott sie zur reichsten, mächtigsten Nation auf Erden machen. Er verhiess ihnen jedoch nur irdischen, materiellen und nationalen Lohn – nicht seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens.

Der „feindliche Sinn”, der sich Gott nicht unterwirft, wird, wie wir im zehnten Kapitel sehen werden, dem Menschen unterschwellig und unsichtbar von Satan eingegeben. Er ist dem Menschen nicht angeboren. Sobald der Menschenverstand früh im Leben zu funktionieren und Wissen aufzunehmen beginnt, fängt „der Mächtige, der in der Luft herrscht” (Epheser 2, 2)

an, ihn dem Menschen einzupflanzen.

Moderne Intellektuelle haben behauptet: „Genügend Kenntnis vorausgesetzt, kann der Menschenverstand alle Probleme lösen.”

Mit dem Israel des Alten Bundes wollte Gott – unter anderem – in einer Art Langzeitversuch beweisen, dass selbst unter Kenntnis der göttlichen Herrschaft und der geforderten Lebensweise, der fleischliche Mensch nicht willens – und mithin nicht fähig – ist, seine Probleme zu lösen, in Frieden, Glück, Freude und ewigem Heil zu leben.

Der Mensch kann es auch grundsätzlich nicht, es sei denn, ein zweiter Geist kommt zu besagtem „menschlichem” Geist hinzu.

Der geschichtliche „Langzeitversuch” mit Israel bewies, dass der Mensch von Natur aus gottfeindlich gesinnt ist – dem Gesetz Gottes nicht untertan, welches der Weg zu Frieden, Glück und Fülle ist.

Adam und Eva waren von Gott in Kenntnis gesetzt worden über seinen Weg. Sie verwarfen ihn und beschritten den Weg der Selbstbezogenheit – der Eitelkeit, der Wollust und Habgier, der Eifersucht und des Neides, des Konkurrierens, des Haderns, der Gewalt und Zerstörung.

Im Israel des Alten Bundes offenbarte Gott erneut durch Mose und die Propheten – die Kenntnis des göttlichen Weges.

Warum aber den Israeliten?

Es blieb ihnen keine Entschuldigung. Sie waren, in Adam, eine physische Schöpfung – doch ohne die geistliche Schöpfung, die nur durch Jesus Christus, den „zweiten Adam”, kommen kann, wollten sie einfach nicht den Weg gehen, der zu Frieden und universaler Erfüllung führt.

Ich wiederhole, sie hatten keine Entschuldigung! Der Mensch – der erste Adam – war es gewesen, der gedacht hatte, er könne ohne den Geist Gottes, den er von sich wies, glücklicher sein.

Gott sandte Israel unter dem Alten Bund seine Propheten, die das Volk mahnten, die es beschworen. Viele Propheten wurden zu Tode gesteinigt!

Durch den Propheten Jeremia appellierte Gott: „Kehre zurück, du abtrünniges Israel, spricht der Herr, so will ich nicht zornig auf euch blicken. Denn ich bin gnädig, spricht der Herr … Allein erkenne deine Schuld, dass du wider den Herrn, deinen Gott, gesündigt hast und bist hin und her gelaufen zu den fremden Göttern unter allen grünen Bäumen, und ihr habt meiner Stimme nicht gehorcht, spricht der Herr.”

„Kehrt um”, so Gottes Mahnung, „ihr abtrünnigen Kinder, spricht der Herr, denn ich bin euer Herr! …” (Jeremia 3, 12-14.)

Doch Israel war fleischlich gesinnt, gottfeindlich, dem Gesetz und den Wegen Gottes nicht untertan.

Nun die neutestamentliche Kirche Gottes

Wohlgemerkt: Das Israel des Alten Bundes lebte in den Tagen des ersten Adam. Satan, der „Mächtige, der in der Luft herrscht”, führte auf Erden unumschränkt sein Regiment: durch feindseliges Einflößen seiner Einstellung in den „menschlichen” Sinn herrschte er vor. Und mit Ausnahme jener in Gottes Kirche, tut er das noch immer.

Man bedenke auch, dass alle Völker und Nationen, Israel ausgenommen, von Gott und jeglicher Gotterkenntnis abgeschnitten waren. Satans Suggestion erliegend, hatten sie sich in politischer „Selbstbestimmung” geübt, hatten eigene Religionen entwickelt, eigene Götter, der eigenen Phantasie entsprungen, auf den Thron gehoben; hatten sie sich ihren eigenen materialistischen Wissensschatz zugelegt, und zugleich lebte mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung – was sich heute nicht geändert hat – in Analphabetentum, in bitterer Not und Elend. Sie waren Satans Weg gegangen und trugen nun die Folgen.

Es war – und ist – eine Welt ohne Hoffnung, deren einziger Hoffnungsstrahl heute die Kirche Gottes ist und die Botschaft, die sie verbreitet.

Doch Jesus Christus, der „zweite Adam”, sollte nun kommen, zur gottbestimmten Zeit, und reale Hoffnung bringen, transzendent herrliche Hoffnung, dass sie jeden menschlichen Begriff übersteigt!

Beachten Sie zwei Prophezeiungen, niedergeschrieben von alttestamentlichen Propheten unter Inspiration von Gott:

„Denn uns [dem israelitischen Volk] ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth” (Jesaja 9, 5-6).

Diese Prophezeiung sagt Christi Wiederkunft als König – als Regent – voraus, um die Herrschaftsordnung Gottes auf Erden wiederzuerrichten.

Und eine Voraussage seines Kommens als Erlöser der Menschheit: „Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel” (Jesaja 7, 14).

Die Prophezeiung erfüllt sich im Neuen Testament: Ein Engel erscheint Josef, dem Verlobten Marias, der Mutter Jesu, und spricht: „Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau [Braut], zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns” (Matthäus 1, 20-23).

Diese Prophezeiung offenbart Christus als Erlöser.

Und so wurde Jesus geboren – der zweite Adam. Von Gott gezeugt vor seiner Geburt als Mensch – wie niemand vor ihm. Er war Gott und Mensch zugleich – Gott mit uns, fleischgewordener Gott, so dass er, als Mensch, für die Menschheit sterben konnte (Hebräer 2, 9). Ja, Gott in Menschengestalt, der nun Satan, den einstigen König Luzifer, überwinden und sich qualifizieren konnte, die Herrschaft Gottes auf Erden wiederherzustellen.

Satan trachtete Jesus schon kurz nach der Geburt nach dem Leben – ehe er aufwachsen konnte, um sich zu qualifizieren und das Reich Gottes zu verkünden. Doch Gott schützte das Kind, ließ Josef und Maria mit ihm nach Ägypten fliehen – bis Herodes, der römische Statthalter von Judäa, tot war.

„Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit …” (Lukas 2, 40). In Jesus war der Heilige Geist von Geburt an.

Ich habe gesagt, dass Satan, der „Mächtige, der in der Luft herrscht”, dem Menschen durch den „menschlichen” Geist subtil und unmerklich seine feindselige Haltung einimpft. Er beginnt diese Indoktrination früh im Leben, wenn das Kind zu denken und Wissen aufzunehmen beginnt. Doch der heranwachsende Jesus, von Geburt an von Gottes Geist erfüllt, vermochte diesem magnetischen „Ziehen”, den wir menschliche Natur nennen, zu widerstehen.

Jesus war niemals fleischlich gesinnt oder gottfeindlich. Von frühester Kindheit an war sein Sinn dem Gesetz Gottes untertan. So prallte alle satanische Suggestion, der der Mensch „normalerweise” ausgesetzt ist, von ihm ab; er konnte sich davon rein halten wie kein Mensch zuvor.

Dann, wie bei Markus nachzulesen: „Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus von Nazareth in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste; und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde versucht von dem Satan …” (Markus 1, 9-13).

Nach vierzig Tagen und Nächten ohne einen Bissen Nahrung und ohne einen Tropfen Wasser war Jesus physisch sehr schwach, aber geistlich stark. Nun kam es zu einem wahrhaft titanischen Ringen – um den höchsten Einsatz aller Zeiten im ganzen Kosmos!

Näheres über diesen gewaltigen Kampf finden wir in Matthäus 4, Vers 1 ff.

Viele Ärzte würden nicht glauben, dass ein Mensch vierzig Tage ohne Nahrung und Wasser leben kann. Nun, sie wissen beklagenswert wenig vom Fasten! Es stimmt, Jesus war physisch wohl dem Verhungern nahe. Worte können den verzweifelten Hunger nicht schildern, der ihn quälte.

Satan griff Jesus an seinem – im Augenblick – wundesten Punkt an. Sein erster Schlag zielte auf die geistlich wie physisch größten Schwächen des Menschen, die er sehr wohl kannte: Eitelkeit und Hunger.

Bist du Gottes Sohn”, kam es höhnisch von ihm, „so sprich, dass diese Steine Brot werden.”

Ein geistlich schwächerer Mensch hätte aufbrausend erwidert: „Was heißt das – „wenn ich der Sohn Gottes wäre, was meinst du mit wenn? Ich will dir zeigen, dass ich der Sohn Gottes bin! Ich will dir zeigen, dass ich Wunder tun kann!” Und er wäre, um seinen verzweifelten Hunger zu stillen, in Satans Schlinge gegangen!

Doch Jesus blieb fest im Gehorsam gegenüber Gott! Er antwortete: „Es steht geschrieben”, gleich die Schrift zitierend: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.”

Satans meisterlicher Verführungsschlag war fehlgegangen. Doch Satan gibt nicht so leicht auf. Wie gut ich das aus Erfahrung weiß! Er versuchte es erneut.

„Bist du Gottes Sohn” – wieder auf eine menschliche Kardinalschwäche zielend, Eitelkeit, doch diesmal unter anderen Bedingungen; er hatte Jesus auf die Zinne des Tempels geführt – „so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben” – plötzlich konnte auch Satan die Schrift zitieren, wenn auch sinnentstellend – „es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.” Satan wollte Jesu Glauben an Gott versuchen, neben seinem mehrfachen Appell an die menschliche Eitelkeit. Satans Diener können aus der Schrift zitieren – aber sinnentstellend, aus dem Zusammenhang gerissen.

Jesus schlug Satan mit seinen eigenen Waffen.

„Wiederum steht auch geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen”, sagte er.

Die Bibelstelle über Engel, die einen tragen, wenn man fällt, bezieht sich nur auf zufälliges Straucheln. Absichtlich springen hieße „Gott versuchen”. Mit anderen Worten, Gottes Wort in seiner Bedeutung anzweifeln, ein Experiment machen – Gott auf die Probe stellen, Zweifel anmeldend, ob er es tatsächlich ernst meint!

Satan hatte noch ein weiteres „As im Ärmel”. Er versuchte Jesus nun in Punkto Wollust und Habgier – NehmenMachtergreifung!

Er führte Jesus auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt. Und sprach: „Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.”

Satan und Jesus wussten beide: Wenn Jesus sich qualifizierte, würde er Herrschaft bekommen über alle Nationen und Reiche dieser Welt. Doch beide wussten auch von der sechstausendjährigen „Strafzeit”, die Gott über die Welt verhängt hatte – und dass Jesus noch fast zweitausend Jahre warten musste auf die Macht und Herrlichkeit der Weltherrschaft.

Jesus bestritt nicht, dass diese Herrschaft, auf subtile Verführung gegründet, im Augenblick in Satans Händen lag. Er wusste jedoch: Satan war ein Lügner, es war unwahrscheinlich, dass er sein Wort hielt, und wenn doch, würde Jesus immer noch unter Satan regieren müssen. Er wusste, nur Gott konnte diese Herrschaft vergeben, und gehorsam wollte er bis zur gottbestimmten Zeit warten – auf das Ende der sechstausendjährigen Weltstrafe, da Gott ihn krönen und zurücksenden würde zur Erde in allerhöchster Macht und Herrlichkeit!

Nun beschloss Jesus, dem Titanenkampf um die Weltmacht ein Ende zu setzen. „Weg mit dir, Satan!” gebot er dem Teufel mit Autorität. Und Satan, geschlagen im Ringen, die Weltherrschaft unumschränkt zu behalten, wich von ihm (Matthäus 4, 10-11).

Doch glauben Sie nicht, dass Satan aufgegeben hätte! Noch nicht! Er attackierte später Gottes Apostel und seine Kirche. Weltliche Mächte brachte er dazu, die Kirche zu verfolgen und Christi Evangelium, die Hoffnungsbotschaft für die Welt, zu unterdrücken! Noch heute kämpft er verbissen gegen Gottes Kirche und Gottes Apostel, jetzt, da die Tage seiner bösen Welt gezählt sind!

Doch Jesus Christus lebt! Gott ist auf seinem Thron und Jesus zu seiner Rechten. Und Satan kann nur tun, was Gott ihm gestattet!

Zurück zu Markus 1, 14-15: „Nachdem aber Johannes gefangen gesetzt war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!” Sprich: Glaubt an die Botschaft, die Jesus predigt, seine Verkündigung des bald kommenden Welt beherrschenden Gottesreiches!

Die Zeit war erfüllt. Jesus hatte sich – im Gegensatz zum ersten Adam – qualifiziert, Satan die Weltherrschaft zu entreißen, Gottes Herrschaft auf Erden wiederherzustellen, die Geist-geborene Gottfamilie zu etablieren, die im Reich Gottes herrschen wird!

Jesus verließ Nazareth und ließ sich in Kapernaum nieder, am Nordufer des Sees Genezareth. Er war übrigens kein Vagabund. Dem heute gängigen Bild des „heimatlosen Wanderpredigers” zum Trotz hatte er einen festen Wohnsitz.

Und nun berief er seine Jünger – um sie zu lehren, sie auszubilden zu Aposteln, zu Sendboten des Reiches Gottes für die Zeit nach Beendigung seiner persönlichen Mission auf Erden.

Am Ufer des Sees Genezareth traf er zwei Brüder, Petrus und Andreas, die er aufrief, ihm nachzufolgen. Diese Brüder waren nicht von sich aus zu Jesus gekommen. Kein „apostolischer Ehrgeiz” trieb sie – sie waren einfache Fischer. Erst auf Jesu Wort hin verließen sie alles und folgten ihm nach.

Jakobus und Johannes, ebenfalls Brüder, die er als nächste zu sich rief, kamen gleichfalls nicht „von sich aus”. Sie wollten Fischer werden, nicht Apostel (Matthäus 4, 18-22). Stets ging die Berufung von Jesus aus, es war nie Selbstberufung.

Matthäus, etwa, war von Hause aus Zöllner (Steuereintreiber). Jesus hat später zu den Zwölfen gesagt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt …”

Parallel zu Markus 1, 14-15 heißt es im Matthäusevangelium: „Und Jesus zog umher in ganzen Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich …” (Matthäus 4, 23).

Bis Jesus sich durch Überwinden Satans qualifiziert hatte, die Herrschaft Gottes wiederherzustellen, konnte es keine Gewissheit geben – außer im Denken und Planen Gottes –, dass die Herrschaft jemals wiedererrichtet werden würde, die Satan verworfen hatte.

Dreieinhalb Jahre zog Jesus durch das Land Israel, predigte in den Synagogen die gute Nachricht kommender Hoffnung für die Welt, lehrte seine Jünger und schulte sie zu Aposteln.

Schließlich, nach schwerem Martyrium, das seiner Kirche die physische Heilung eröffnete, wurde Jesus gekreuzigt; sein vergossenes Blut machte es nun möglich, dass uns die Sünden vergeben werden, denn er hat die Strafe – den Tod – an unserer Statt bezahlt.

Geburt der Kirche

Nach drei Tagen und drei Nächten im Grab wurde Jesus von den Toten auferweckt. Durch Seine Auferstehung wurde er zum ersten geborenen Gottessohn (Römer 1, 4). Nun war er ganz Gott – der erste so Geborene von vielen Brüdern, die später durch eine Auferstehung folgen sollten.

Nach seiner Auferstehung zeigte er sich noch vierzig Tage den Aposteln „und redete mit ihnen vom Reich Gottes” (Apostelgeschichte 1, 3).

Dann fuhr er zum Himmel auf, zur Rechten Gottes, zum Himmelsthron (Hebräer 12, 2; Offenbarung 3, 21).

Zehn Tage darauf (es war im Jahre 31 n. Chr.) kam das sogenannte „Erstlingsfest”, ein Jahresfeiertag, der im Neuen Testament pentekoste heißt, „Pfingsten”.

Von den Tausenden, die Jesus predigen gehört hatten vom Reich Gottes, waren nach dreieinhalb Jahren nur hundertzwanzig Gläubige übrig geblieben (Apostelgeschichte 1, 15).

Neben diesen Hundertzwanzig waren an diesem Festtag noch fromme Juden aus vielen Weltteilen in Jerusalem versammelt.

Vor ihren Augen trat nun etwas ganz Beispielloses ein: es war die erwartete Demonstration des Heiligen Geistes Gottes, der auf seine Kirche herabkam. Sie hat sich in dieser Form nie wiederholt!

Es geschah plötzlich!

„Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, indem sie [die hundertzwanzig Jünger] saßen” (Apostelgeschichte 2, 2). Wind kann sehr laut sein. Es gibt Parallelstellen, die den Heiligen Geist mit Wind vergleichen (Johannes 3, 8). Nebenbei: Auf modernen „Pfingstler”-Versammlungen sind solche Windgeräusche nie zu hören!

Doch nicht nur hörbar, auch sichtbar manifestierte sich hier der Geist: „Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen” – auf alle hundertzwanzig Jünger (Apostelgeschichte 2, 3). „… und sie”, die Hundertzwanzig, „wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen” (Vers 4).

Rasch verbreitete sich die Kunde von diesem übernatürlichen Schauspiel, und die erwähnten Juden aus vielen Ländern „kamen zusammen und wurden bestürzt; denn ein jeder hörte sie [die Hundertzwanzig) in seiner eigenen Sprache reden” (Vers 6). Genau beachten! Jeder Anwesende hörte sie – die Hundertzwanzig – in seiner Muttersprache reden. Und jeder verstand – in seiner Muttersprache –, was die Hundertzwanzig sagten. Das Wunder lag im Hören, nicht im Sprechen!

Petrus, der Apostelführer, hielt nun, erstmals inspiriert von Gottes Heiligem Geist, seine berühmte Pfingstpredigt, die Jesus als Herrn (König, Regent) und Christus (Erlöser) zeigt.

Durch Gott „wurden an diesem Tage hinzugefügt etwa dreitausend Menschen”, das heißt dreitausend Neugetaufte der Kirche hinzugefügt (Apostelgeschichte 2, 41).

So wurde die Kirche Gottes geboren – die Kirche, die heute den Namen Weltweite Kirche Gottes trägt. Im Folgenden wird die geschichtliche Kontinuität aufgezeigt werden, durch die sich die Weltweite Kirche Gottes eindeutig als legitime – einzige – Nachfolgerin derselben Kirche erweist. (Für weitere Informationen darüber, was mit der Weltweiten Kirche Gottes nach dem Tod von Herrn Armstrong geschah, bestellen Sie ein Exemplar von Maleachis Botschaft).

Warum die Kirche? – ihr Ziel

Wenn Jesus Christus im Glanze übernatürlicher Macht und Herrlichkeit zur Erde zurückkehrt, geht er in seinen Tempel ein. Aber wo ist dieser Tempel – wann wird er gebaut?

Über diese Frage haben schon viele Bibelstudenten nachgedacht und spekuliert. Werden die Israelis eines Tages den „Felsendom” zerstören – jenen islamischen Tempel, der heute an derselben Stelle steht, an der sowohl Salomos Tempel als auch der Tempel, in dem Jesus zum ersten Mal vor die Öffentlichkeit trat, gestanden hat?

Maleachi hat prophezeit: „Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht [Christus]; und der Engel des Bundes …” (Maleachi 3, 1).

Johannes der Täufer war der Bote, der Wegbereiter aber das war vor dem ersten Kommen Jesu. Wenn wir weiter die Verse 2-6

lesen, wird sofort klar, dass Maleachis Prophezeiung vom zweiten Kommen Christi handelt, der machtvoll und herrlich zurückkehrt, um die Erde zu regieren.

Aber wer – welcher menschliche Bote (Überbringer einer Botschaft) – wird den Weg für sein zweites Kommen bereiten? Und was ist das für ein Tempel, in den er eingehen soll?

Beschäftigen wir uns kurz mit der Vorhersage des Propheten Haggai. Sie betrifft eine Gruppe Juden, die 70 Jahre nach der Zerstörung des salomonischen Tempels nach Jerusalem zurückkehrten, um an derselben Stelle den zweiten Tempel zu errichten.

Es ist eine Prophezeiung, die sich an Serubabel, den Statthalter der zurückgekehrten Juden und Erbauer des zweiten Tempels, richtete. In eben diesen Tempel, der inzwischen von dem römischen König Herodes nur etwas vergrößert, renoviert und ausgeschmückt worden war, ging auch Jesus.

Serubabel war nur eine Vorbildgestalt. Die Prophezeiung, wie wir beginnend mit Vers 6 im 2. Kapitel deutlich erkennen, bezieht sich auf das Millennium.

„Denn so spricht der Herr Zebaoth: Es ist nur noch eine kleine Weile, so werde ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene erschüttern. Ja, alle Heiden will ich erschüttern. Da sollen dann kommen aller Völker Kostbarkeiten, und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, spricht der Herr Zebaoth … Es soll die Herrlichkeit dieses neuen Hauses größer werden, als die des ersten gewesen ist …” (Verse 6-7,9)

Hier ist von der Endzeit die Rede – von der Zeit des zweiten Kommens Christi.

Was bedeutet „die Herrlichkeit dieses neuen Hauses [der Endzeit) soll größer werden als die des ersten” – also noch herrlicher als der Tempel Salomos, der doch prachtvoller als jedes andere Bauwerk auf Erden war? Der von Serubabel erbaute zweite Tempel war zwar größer, aber bestimmt nicht im entferntesten vergleichbar mit der Pracht des salomonischen Tempels.

Gott meinte den Tempel, in den der glorreiche Christus einziehen wird als König der Könige und Herr der Herren bei seinem zweiten Kommen!

Als Jesus Christus das erste Mal kam, war noch die Zeit des Alten Bundes mit dem Volke Israel, einem fleischlich gesinnten und rebellischen Volk. Er weilte damals in diesem Tempel aus Stein, der ebenso Materie war wie das fleischliche, sterbliche Volk.

Bei seinem zweiten Kommen hingegen wird er in überirdischer Macht und Herrlichkeit erscheinen und in einem Tempel der Heiligkeit, einen geistlichen, keinen materiellen Tempel einziehen!

Im zweiten Kapitel des Epheserbriefes sagt er über die Kirche Gottes: „So seid ihr nun … Gottes Hausgenossen [Familienmitglieder], erbaut [als die Kirche] auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn” (Epheser 2, 19-21).

Der verherrlichte Christus zieht in einen Tempel ein, der in seiner Pracht und Herrlichkeit den Tempel Salomos weit hinter sich lässt!

Prägen Sie es sich ein: Nicht in ein materielles Gebäude wird Christus einziehen, sondern er kommt zu seiner Gemeinde, der Kirche, die dann mit ihm verherrlicht wird!

Beachten Sie weiter im Epheserbrief, Kapitel 4: „… von dem aus der ganze Leib [Christi Leib – die Kirche] zusammengefügt ist und ein Glied am andern hängt durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterstützt …” (Vers 16).

Versuchen wir, dies zu verstehen!

Das Volk Israel des Alten Bundes war geistlich und politisch ein Gemeinwesen, das in der Ära des ersten Adam lebte. Die Israeliten hatten alle denselben „menschlichen” Geist – sie waren fleischlich gesinnt, feindselig gegen Gott, sie gehorchten nicht dem Gesetz Gottes. Und dann gab Gott ihnen seine (sittlich-geistigen sowie rituellen, zeremoniellen und zivilen) Gebote. Aber es zeigte sich, dass es den Menschen nicht möglich war, ohne den zweiten Geist – den Heiligen Geist Gottes – auf die richtige Weise zu leben, obwohl Gott ihnen nicht nur sich selbst, sondern auch das Wissen über seine Regierung offenbart hatte!

Hingegen besaß die Kirche Gottes des Neuen Testaments von vornherein neben dem „menschlichen” Geist auch den Heiligen Geist Gottes.

Die alttestamentlichen Opfer – und Zeremonialgesetze hatten lediglich eine zeitweilige Ersatzfunktion, die mit der Realität von Christus und dem Heiligen Geist überflüssig wurde; aber das geistliche Grundgesetz – das in den Zehn Geboten zusammengefasste Gesetz der Liebe – blieb in Kraft. Von der mit dem Heiligen Geist durchdrungenen Kirche wurde allerdings erwartet, dass sie die Gebote nicht nur dem Buchstaben nach streng befolgte, sondern auch dem Geist nach, wie es dem eindeutigen Sinn des Gesetzes entspricht (2. Korinther 3, 6).

Nun kommen wir zu Zweck und Aufgabe der Kirche Gottes.

Unmittelbar nach Gründung der Kirche vollzogen die Apostel Petrus und Johannes eine aufsehenerregende Heilung an einem ortsbekannten Krüppel, und anschließend predigte Petrus zu der aufmerksam gewordenen Menge (Apostelgeschichte 3, 1-26). Daraufhin wurden die Apostel über Nacht von den Priestern, dem Tempelhauptmann und den Sadduzäern ins Gefängnis geworfen (Apostelgeschichte 4, 1-3). Am folgenden Morgen brachte man sie vor den Hohenpriester, dessen Familie und andere Standespersonen und Würdenträger. Man drohte ihnen heftig und befahl ihnen mit aller Strenge, das Predigen im Namen Christi zu unterlassen.

Diese Apostel waren Menschen. Und was sie soeben erlebt hatten, entmutigte sie! Deshalb begaben sie sich unverzüglich zu einigen Mitgliedern der Kirche, um im gemeinsamen Gebet mit ihnen Ermutigung und moralische Stärkung zu finden (Apostelgeschichte 4, 23).

Die treuen Geschwister der Kirchengemeinschaft „… erhoben ihre Stimme einmütig zu Gott …” (Apostelgeschichte 4, 24) und beteten um Erleuchtung und göttliche Kraft für die Apostel, damit die Botschaft weiterhin unerschrocken verkündet werde.

Hier wird eine wesentliche Aufgabe der Kirche erkennbar. Die Laienmitglieder trugen die Botschaft nicht in die Welt hinaus – sie unterstützten gemeinschaftlich die Apostel, denen der große Auftrag aufgebürdet worden war. Und es heißt weiter: „Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren …” (Apostelgeschichte 4, 31).

Diese Geschwister der Kirche standen fest und treu hinter dem Apostel, weil sie „… ein Herz und eine Seele [eines Geistes] waren” (Apostelgeschichte 4, 32).

Später, als die grausamen Verfolgungen einsetzten, wurde der Apostel Jakobus hingerichtet, und auch Petrus ließ der König Herodes ins Gefängnis werfen, wahrscheinlich mit der Absicht, ihn ebenfalls zu töten (Apostelgeschichte 12, 1-4).

„… aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott” (Vers 5).

Und der Erfolg? Gott sandte einen Engel, der die Ketten löste, mit denen Petrus gebunden war, und ihn heimlich aus dem Gefängnis führte. Petrus konnte nach Cäsarea fliehen.

Ein weit verbreiteter Irrtum

An diesem Punkt soll ein allgemeiner Irrtum aufgeklärt werden. Es handelt sich dabei um die Annahme, dass Gott einen verzweifelten Kampf gegen Satan führt in der Absicht, jedes Menschenleben jetzt zu „retten”! Diese Annahme zwingt zu der Folgerung, dass Satan diesen Kampf überzeugend gewinnt! Aber ein solcher Kampf findet nicht statt. Satans Macht reicht nur so weit, das zu tun, was Gott ihm zu tun erlaubt!

Die Folge dieser falschen Annahme ist ein sogar noch tragischerer, aber allgemein akzeptierter Irrglaube. Es ist der Trugschluss, dass jeder, der nicht jetzt „gerettet” wird, „verloren” sei – verdammt zu einem ewigen Höllenfeuer, das, nebenbei bemerkt, auch nur ein Märchen ist. Die überwiegende Mehrheit ist weder „gerettet” noch „verdammt”. Sie ist überhaupt noch nicht gerichtet!

Unser aller Urvater war vor eine Wahl gestellt, und Gott nahm seine Entscheidung an. Aber er verurteilte die Welt Adams zu einer 6000-jährigen Strafzeit, von der nur diejenigen verschont bleiben sollten, die von Gott zu einer besonderen Aufgabe berufen werden. In Kürze läuft diese 6000-jährige Strafzeit ab, und eine glückliche, heitere Friedenswelt, in der jeder die Möglichkeit bekommt, ewiges Leben zu erlangen, wird bald anbrechen.

Jesus Christus hat dieses Urteil Gottes über die Welt nachdrücklich bekräftigt. Er sagte unmissverständlich: „Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat …” (Johannes 6, 44). Anders als durch ihn kann niemand zu Gott gelangen.

Es muss ein für allemal klargestellt werden, dass die Kirche ganz gewiss nicht dem Zweck dient, der Welt in der Gegenwart – heute, vor dem zweiten Kommen Christi Erlösung zu predigen!

Von einigen wurde der große Auftrag so ausgelegt, als sei es die Aufgabe der Kirche als Ganzes, das Evangelium zu predigen und die Welt heute zu „retten”. Das hatte die Schaffung eines weit verzweigten Missionierungssystems durch die traditionelle Christenheit zur Folge.

Unterziehen wir nun die drei Bibelstellen, in denen der große Auftrag erläutert wird, einer Prüfung.

Prüfen wir den Bericht über den großen Auftrag, den wir in Matthäus 28 niedergeschrieben finden:

„Aber die elf Jünger [Judas hatte die Gruppe schon verlassen] gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen” … Zu wem sprach er? Nicht zur Kirche als Ganzes. Nur zu den Jüngern, die er zu den Uraposteln machte! „… Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern [zu Lernenden, die gelehrt werden] alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende” (Matthäus 28, 16-20).

Nun geben Sie Acht. Dieser große Auftrag, die Evangeliumsbotschaft Christi hinauszutragen, wurde nur denen erteilt, die zu Aposteln bestimmt waren, und das Wort „Apostel” bedeutet „einer, der ausgesandt ist”, um eine Botschaft zu übermitteln.

Matthäus 28, Vers 19 ist von einigen dahingehend missdeutet worden, dass alle Menschen aller Völker der damaligen Zeit bekehrt werden sollten. Aber tatsächlich ist gemeint, dass „innerhalb aller Völker gelehrt werden soll”, was jedoch nicht heißen kann, jeder einzelne müsse unterrichtet werden. Und „taufet sie” kann sich nur auf diejenigen beziehen, die von Gott speziell berufen wurden, denn Christus sagte klar und deutlich, es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat.

Prüfen wir nun den Bericht des Markus über den großen Auftrag (Kapitel 16). Einige Übersetzungen aus dem griechischen Original lassen die Verse 9-20 aus mit der Begründung, sie seien zu einem späteren Zeitpunkt von uninspirierten Herausgebern hinzugefügt worden. In der revidierten Lutherübersetzung von 1956 und 1964 sind die Verse folgendermaßen wiedergegeben:

„Und er sprach zu ihnen [den elf Aposteln]: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur.” Das heißt, verkündet die gute Nachricht vom kommenden Gottesreich. Weiter: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden … ” (Markus 16, 15-16). Aber Jesus sagt deutlich, niemand könne zu Christus kommen – glauben –, ausgenommen diejenigen, die speziell vom Vater gerufen werden! Und wen Gott nicht ausdrücklich ruft, der kann natürlich nicht glauben und getauft werden. Es besteht also überhaupt kein Widerspruch. Der große Auftrag wurde den Aposteln erteilt, denen, „die ausgesandt sind”, eine Botschaft zu übermitteln – nicht den Laienmitgliedern der Kirche.

Was denn? Hatten die Laienmitglieder überhaupt keinen Anteil an der Verkündigung des Evangeliums? Sie hatten ihn durchaus, wie wir gesehen haben. Ihre Aufgabe bestand darin, die Apostel zu unterstützen, mit Fürbitte, Ansporn, Zehnten- und Opfergaben hinter ihnen zu stehen. Sie sind Teil eines wohl organisierten Teams, wie wir noch im Einzelnen zeigen werden.

Und es gibt weder im Matthäus- noch im Markusbericht den geringsten Beweis dafür, dass irgend jemand getauft werden sollte außer denjenigen, die Gott, der Vater, zu einem speziellen Dienst berufen hatte. Nichts widerspricht der Tatsache, dass Gott seinen Heiligen Geist von allen zurückgezogen hatte, ausgenommen diejenigen, die speziell berufen waren.

Wenden wir uns nun dem Bericht in Matthäus 24 zu. Er ist eine Prophezeiung für unsere Zeit:

„Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende [dieses Zeitalters] kommen” (Matthäus 24, 14).

Die Kirche, eine organisierte Körperschaft

Ist die Kirche Gottes nur ein zerstreuter, isolierter Haufen von Bekenntnischristen, von denen jeder seinen eigenen Weg der Evangeliumsverkündigung oder der – wie viele glauben – Erlangung seines persönlichen Heils und ewigen Lebens geht?

Jesus Christus wählte gezielt seine Jünger aus und schulte sie zu Aposteln. Ihnen – den Aposteln, die „ausgesandt sind”, sein Evangelium zu predigen – übertrug er den großen Auftrag, nicht den Laienmitgliedern der Gesamtkirche.

Aber was ist Gottes Kirche eigentlich? Wie ist sie organisiert? Sie ist eine geistliche Körperschaft, nichtsdestoweniger aber wohl organisiert, wie wir gleich sehen werden.

Die Kirche, das sind die Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen (Epheser 2, 19), „erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist” (Epheser 2, 20).

Und weiter heißt es in Vers 21: „… auf welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.”

Sie ist der Tempel, in den Christus bei seiner glorreichen Wiederkunft eingehen wird! Sie ist die Braut, mit der Christus sich vermählen wird, wenn er wiederkommt (auch der Alte Bund war gewissermaßen eine Ehe).

Im Epheserbrief heißt es: „… wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben … damit er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei …” (Epheser 5, 25-27) – in der Auferstehung!

Und über diese Hochzeit: „Halleluja! Denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat das Reich eingenommen! Lasst uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes [Christus] ist gekommen, und seine Braut [die auferstandene, glorreiche Kirche] hat sich bereitet” (Offenbarung 19, 6-7).

Die Kirche ist nicht nur ein geistlicher Leib – sie ist eine wohl organisierte Körperschaft. In 1. Korinther 12 steht: „… will ich euch, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit lassen” (1. Korinther 12, 1). „Nun aber sind es viele Glieder, aber der Leib ist einer” (Vers 20).

Die Kirche, eine gut durchorganisierte Körperschaft: „Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen … Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jedem das Seine zu, wie er will. Denn wie der Leib einer ist …” (Vers 4-6 u. 11-12) – (vereinigt, in einem kooperativen Gemeinschaftswerk organisiert – nicht verstreute Individuen, von denen jedes beansprucht, Gott auf seine eigene Weise zu dienen).

Und noch einmal: „Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft …” (1. Korinther 12, 12-13).

In Vers 25 heißt es: „… damit im Leib keine Spaltung [Teilung] sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen” (das ist mitfühlende Zuwendung, Nächstenliebe).

In Vers 28 heißt es weiter: „Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann Wundertäter, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten und mancherlei Zungenrede.”

Nun zurück zum Epheserbrief. Wie steht es mit einem, der aus der Kirche ausscheidet, um auf seine eigene Weise mit Christus in Beziehung zu treten und sein Heil zu erwerben? Er steht außerhalb des Leibes Christi!

Erinnern wir uns: Die „Hausgenossen Gottes” – die Kirche – ist auf einem Fundament erbaut. Würde man etwa ein Gebäude auf einem Fundament aus Treibsand errichten? Gottes Kirche ist „erbaut auf dem Grund der Apostel [Neues Testament] und Propheten [Altes Testament, dessen Prophezeiungen uns heute gelten – 1. Korinther 10, 11], da Jesus Christus der Eckstein ist” (Epheser 2, 19-20).

Wie gut ist die Organisation?

„… auf welchem der ganze Bau [die Kirche] ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn” (Vers 21).

Und noch einmal Epheser 4, 16: „… von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hängt durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft und macht, dass der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe.”

Ja, Christus hat seine Kirche organisiert.

„Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer … Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi” (Epheser 4, 11-13).

Was ist nun mit einem Mitglied – einem „Glied” oder „Teil” –, das von sich aus weggeht oder einem Menschen statt der Kirche Gottes nachfolgt, die in direkter, ununterbrochener Linie von der apostolischen Kirche stammt, die Christus im Jahre 31 gründete? Ein solcher Mensch ist wie ein Glied oder ein Stück Holz oder ein Stein außerhalb und damit nicht Teil des Leibes, der Christus angetraut wird!

Wir haben gesehen, dass Christus den Laien in der Kirche die spezielle Aufgabe übertrug, seine Apostel bei der Verkündigungsarbeit in aller Welt zu unterstützen – durch Fürbitte, Aufmunterung, Zehnten- und Opfergaben.

Aber dieser göttliche Auftrag, Fürbitte, Ermutigung und finanzielle Unterstützung zu leisten, war gleichzeitig auch das beste Mittel, um in diesen Menschen einen heiligen, gerechten Charakter zu entwickeln, der sie befähigen sollte, gemeinsam mit den Aposteln und Evangelisten unter Christus im Reich Gottes zu regieren. Dieses Mittel der Charakterentwicklung in der Laienschaft ist der Weg des Gebens, nicht des Nehmens, welches der Weg Satans ist.

Gottes Weg – der Weg seines Gesetzes – ist freudiges Geben, überströmende Liebe. Es ist der Weg des Gebens. Wer als Individualist Christ sein will und versucht, sein persönliches Heil zu erwerben, der geht den Weg des Nehmens – den Weg Satans. Und ich jedenfalls würde nicht den Versuch machen, auf Satans Weg in das Reich Gottes zu gelangen.

Erinnern wir uns, warum Gott die Apostel, Evangelisten, Hirten und andere Amtspersonen nicht nur zum Dienst im Werk seiner Kirche eingesetzt hat, dem Werk der Verkündigung von Christi Botschaft der Hoffnung in aller Welt. Er tat es auch darum, dass die Heiligen zugerüstet würden … „Dadurch soll der Leib Christi erbaut [belehrt, ausgebildet] werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann …”

Aber kann denn ein einzelner sich nicht selbst erbauen, sich außerhalb der Kirche allein weiterbilden? Wohl kaum. Und es ist nicht der Weg Gottes.

Wie bringt Gott seine Wahrheit in die Kirche? Nicht durch jeden einzelnen, sondern durch die Apostel und andere Diener Gottes, die ihnen unterstellt sind.

In der Zeit der Urapostel – im ersten Jahrhundert – waren die biblischen Schriften noch nicht vollständig niedergeschrieben. Gott benutzte einige wenige Propheten, um durch sie zu reden. Die Propheten gaben die Botschaften Gottes an einen Apostel weiter. Inzwischen wurde die Niederschrift der biblischen Bücher abgeschlossen.

Jedoch Apostel sind es stets gewesen, durch die der kirchliche Laienstand unterrichtet und angeleitet wurde. Die 12 Urapostel – und auch Paulus – hatten die Lehre noch von Christus persönlich empfangen. Jesus Christus war ja das personifizierte Wort Gottes gewesen. Die Bibel ist die Niederschrift dieser Gottesworte, und – mögen sie nun von Jesus während seiner Erdentage ausgesprochen worden sein oder in der Bibel niedergeschrieben stehen – es handelt sich um ein und dieselbe Wahrheit, um dieselbe Lehre. Der heutige Apostel Gottes hat sein Wissen aus dem protokollierten Wort Gottes, aus der Bibel, und es ist die ursprüngliche, unverfälschte Lehre!

Wie steht es nun aber um einen Gläubigen, der sich absondert und sein Heil aus eigener Kraft zu erlangen sucht oder sich irgendeinem Menschen bzw. einer der ungezählten christlichen Glaubensgemeinschaften unserer Tage anschließt? Er ist abgeschnitten von der wahren Lehre, die Christus seinem Apostel offenbart und durch ihn weiterverbreiten lässt!

Und wenn ein Glied der Kirche eine abweichende Meinung über irgendeinen Punkt der Lehre vertritt? Dann befindet es sich nicht in Übereinstimmung mit der Kirche Gottes. Gott hat aber nur diese eine Kirche.

Und allen in der Kirche ist befohlen worden, ein und dasselbe zu reden – aber es muss das sein, was Christus seinem Apostel entweder persönlich oder in protokollierter Form übermittelt hat.

An die Kirche von Korinth schrieb der Apostel Paulus: „Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle mit einer Stimme redet …” (1. Korinther 1, 10). In dieser Gemeinde wollten einige sich dem Petrus anschließen, andere dem Apollos, wieder andere folgten Paulus. Aber Paulus war ihr Apostel, und durch Paulus ließ Christus sie unterweisen.

Ein abtrünniger Gläubiger folgt seiner eigenen Vorstellung von der Wahrheit Gottes. Das ist nicht der Weg, den Gott gewiesen hat.

Gott hat in seiner Allmacht und Weisheit die Kirche gegründet als ein Instrument der Verkündigung seiner unveränderbaren Wahrheit! Und alle Glieder seiner Kirche müssen dasselbe sagen – nicht jeder das seine!

Gott zog seine Kirche nicht nur zu dem Zweck heran, Apostel und Evangelisten in alle Welt auszusenden und die gute Nachricht vom kommenden Gottesreich verkünden zu lassen, sondern auch als ein Mittel und einen Weg für alle Laienmitglieder der Kirche, einen heiligen, gerechten, göttlichen Charakter zu entwickeln – indem sie Geben lernen im unablässigen Gebet für den Apostel, im Bemühen, ihn zu ermutigen und in der Abgabe ihrer Zehnten und Opfergaben.

Wie verhält es sich aber mit einem, der zum Anhänger eines nicht zur Kirche gehörenden Menschen wird oder sein Heil haben will, ohne zu geben, was die Gemeindeglieder für das Werk der Kirche geben sollen? Man denke nur an das in Lukas 19 aufgezeichnete Gleichnis Jesu von den anvertrauten Pfunden. Darin erzählt Jesus, wie er jedem, der sich zu ihm bekehrt, „ein Pfund” (eine Geldeinheit) gibt. Dieses Pfund sollten wir als Sinnbild des Heiligen Geistes, der einem bei der Bekehrung verliehen wird, verstehen. Ein Christ muss wachsen in der Gnade und Erkenntnis Christi. Und indem er als Glied der Kirche gibt, empfängt er immer mehr von Gottes Geist und wächst. Das, der Kirche entfremdete, abtrünnige Mitglied wird wahrscheinlich der Verlierer sein (siehe Lukas 19, 20-24).

Zusammenfassung: Warum die Kirche?

Warum ist die Gemeinschaft der Kirche so notwendig? Warum „rettete” Christus nicht einfach verschiedene Personen? Welchem eigentlichen Zweck dient die Kirche?

Wie fast alles in der Bibel, so werden auch Zweck und Aufgabe der Kirche weitgehend missverstanden. Die ganze Welt ist nämlich von Satan verführt worden (Offenbarung 12, 9).

Jesus kam nicht zu einer großen „Seelenrettungskampagne”. Es ist einer der am weitesten verbreiteten Irrtümer zu glauben, Christus sei gegen Satan angetreten, um „jetzt und heute die ganze Menschheit zu retten!” Und es ist ein ebenso großer Irrtum anzunehmen, dass alle Nichtbekehrten „verloren” – der ewigen Verdammnis preisgegeben – seien! Sie sind es nicht. Sie werden jetzt überhaupt noch nicht gerichtet!

Aber mit Adam und durch dessen freie Entscheidung wurde die ganze Menschheit dazu verurteilt, 6000 Jahre hindurch völlig abgeschnitten von Gott zu leben! Davon ausgenommen ist nur die verhältnismäßig kleine Schar derer, die zu einer besonderen Aufgabe ausersehen sind.

Jesus Christus – ich betone das noch einmal – hat die Tatsache dieser 6000-jährigen Strafzeit ausdrücklich bestätigt (Johannes 6, 44). Diese eindeutige Aussage Jesu wird an keiner Stelle der Heiligen Schrift revidiert.

Jesus wählte bestimmte Männer zu Aposteln und unterrichtete sie 3 1/2 Jahre lang. Sie sollten mit ihm und den Propheten das Fundament der Kirche bilden. In diesen 3 1/2 Jahren der Unterweisung sollten die Apostel auch an seinem Beispiel lernen, das kommende Gottesreich zu verkündigen. Dann starb Christus für die Sünden der Menschheit, wurde wiedererweckt und stieg auf zum Thron Gottes im Himmel.

Am Pfingsttage des Jahres 31 n. Chr. sandte er den Heiligen Geist unter eindrucksvollen sichtbaren und hörbaren Begleiterscheinungen herab und gründete seine Kirche.

An diesem Pfingsttag predigte der erste unter den Aposteln, Petrus, das Evangelium – und Gott führte der Kirche an diesem Tage dreitausend Menschen zu, die sich taufen ließen.

Etwas später – wahrscheinlich am nächsten Tag – heilten Petrus und Johannes einen Krüppel, und Petrus predigte das Evangelium. Gott führte der Kirche weitere zweitausend zu.

Es ist eine wenig beachtete, aber wichtige Tatsache, dass weder Jesus noch die Apostel irgendwelche „Seelenrettungskampagnen” unternahmen, wie sie heute vielerorts zur protestantischen Praxis gehören. Die Apostel verkündeten das Evangelium – die gute Nachricht von einer künftigen besseren Welt, wie Jesus es getan hatte. Es gab aber keine emotionsgeladenen eindringlichen Appelle wie etwa: „Kommt, schenkt doch euer Herz dem Herrn!”

Es ist wahr – weil die ungläubigen Juden Jesus nicht als den verheißenen Messias anerkannten, betonten die Apostel anfänglich die Tatsache, dass sie Jesus als den wirklichen Messias kennengelernt und seine Auferstehung erlebt hatten, besonders. Schließlich hatten sie 3 1/2 Jahre vor der Kreuzigung und 40 Tage nach seiner Auferstehung vom Tode mit ihm zusammen gelebt.

Aber sie verkündeten dieselbe Botschaft, die Jesus sie gelehrt hatte: die Botschaft vom bevorstehenden Gottesreich. Sie warben nicht um „Seelen”. „Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden” (Apostelgeschichte 2, 47).

Als die Apostel verfolgt, eingekerkert und mit dem Tode bedroht wurden, waren es die Mitglieder der Kirche, die ihnen Mut zusprachen, inbrünstig für sie beteten und sie materiell unterstützten.

Es sollte ein für allemal klargestellt werden: Die Kirche hat nicht die Aufgabe, „die Welt jetzt und heute zu retten!”

Als Gott in einer völlig von ihm abgeschnittenen Welt seine Kirche gründete, tat er es zu einem doppelten Zweck:

1. Er wollte eine Gemeinschaft von geistgeführten Gläubigen zusammenscharen, die den eigens für ihren speziellen Verkündigungsauftrag geschulten Aposteln (und Evangelisten) bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in aller Welt zur Seite stehen sollten. Ihre Aufgabe im Rahmen des großen Auftrags besteht im Geben, sie sollen Fürbitte leisten, ermutigen und das organisierte Verkündigungswerk finanziell unterstützen. Und darin liegt eine große Möglichkeit, eine gottgegebene Chance, 2. sich in der Überwindung Satans zu üben und einen heiligen, gerechten Charakter zu entwickeln, der ja die notwendige Voraussetzung dafür ist, mit Christus gemeinsam auf dem Thron zu sitzen und die Erde zu regieren.

Dieser von Gott gewiesene Weg, göttlichen Charakter zu entwickeln, ist der Weg des Gebens. Eine Lebensführung im Sinne Gottes wird gekennzeichnet von Uneigennutz und Liebe. Hingegen ist Satans Weg ein Weg des Nehmens, des Eigennutzes und der Feindschaft gegen Gottes Weg und seine Kirche.

Wer eine feindselige Haltung gegen die Kirche Gottes – und gegen die Vorherrschaft Gottes in der Kirche – einnimmt, wer andere veranlasst, der Kirche den Rücken zu kehren und „allein weiterzugehen” oder einem Menschen nachzufolgen, der sucht bloß für sich selbst Erlösung und Heil! Das ist nicht der von Gott gewiesene Weg!

Die künftige Herrlichkeit!

Glücklicherweise wird die gegenwärtig lebende Generation noch das Ende der über die Welt Adams verhängten 6000-jährigen Strafzeit – das Abgeschnittensein von Gott – erleben. Diese Welt, die mit Ausnahme der Kirche Gottes noch Satans Welt ist, steht in ihren weltweiten Schwierigkeiten vor der entscheidenden Krise. Das Sprichwort sagt: „Kurz vor der Morgendämmerung ist es am dunkelsten!”

Wenn es die gottferne Welt am allerwenigsten erwartet, wird Jesus Christus ganz plötzlich in überirdischer Macht und Herrlichkeit kommen! Ja, er „wird kommen, wenn ihr es nicht erwartet, sagte Jesus.

Aber seine Kirche wird bereit sein!

„Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen [gestorben] sind. Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und werden so bei dem Herrn sein allezeit” (1. Thessalonicher 4, 15-17). Er kommt, um die ganze Erde zu regieren!

Dann erfüllt sich Offenbarung 19, 6-7, und die kraftvolle Stimme des Erzengels ruft: „Halleluja! denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat das Reich eingenommen! Lasst uns freuen und fröhlich sein”! Die Kirche – die Gemeinde der zur Herrlichkeit Gottes Auferstandenen – wird tausend Jahre mit Christus regieren!

Satan wird verbannt, und Gott ruft alle Lebenden in seine Heilsgemeinschaft. Nach Ablauf des Millenniums kommt dann das Endgericht vor dem großen, weißen Thron (Offenbarung 20, 11-12), und alle, die 6000 Jahre fern von Gott gelebt haben, werden zu neuem sterblichem Leben erweckt und zu Gottes Heil und ewigem Leben gerufen!

Schließlich dann die glorreiche Ewigkeit – alle Heiligen, unsterbliche Erben des transzendenten menschlichen Potentials, die das Antlitz der geschundenen Planeten erneuern, das Werk der herrlich-schönen Schöpfung im ganzen unendlichen Universum vollenden und es mit Glück, Freude und Herrlichkeit erfüllen werden!

Chapter 10: Was bedeutet das … Bekehrung?

Wie oft hört man, dass Nichtchristen, einen angeblichen Christen an seinem Verhalten messend, sagen: „Wenn das Christentum sein soll, kann es mir gestohlen bleiben!”

Wie viele messen wohl auch Gott am Verhalten dieses oder jenes bekennenden Christen? Wie viele glauben, dass man erst perfekt sein muss, ehe man Christ sein kann?

Wie viele sagen: „Könnte ich das Rauchen aufgeben, würde ich Christ werden.”

Wie viele halten Fehlerfreiheit, absolutes Gefeitsein gegen jedes Straucheln für die Voraussetzung zum Christsein? Angenommen, man sieht oder hört, dass ein Christ etwas Falsches tut. Ist er dann ein Heuchler – kein wahrer Christ?

Ist es möglich, dass man als Christ sündigt und dennoch ein wahrhaft bekehrter Christ bleibt?

Zunächst: Nur die wenigsten wissen überhaupt, was ein Christ ist. Nur die wenigsten wissen, wie man bekehrt wird, ob plötzlich oder allmählich. Ist die Bekehrung ein Augenblicksereignis oder ein fortschreitender Prozess? Darüber müssen wir uns Klarheit verschaffen.

Sündigen Christen jemals? Und wenn, sind sie dann „verloren”?

Als erstes möchte ich folgende Fragen stellen und beantworten: „Worin besteht echte christliche Bekehrung? Was macht in den Augen Gottes den echten Christen aus? Macht ein Kirchenbeitritt einen zum Christen? Macht ein Lippenbekenntnis zu Christus als Erlöser uns zu Christen?”

Lassen wir die Schrift definieren, was ein Christ ist. im Römerbrief (8, 6-9) heißt es: „Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede. Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag’s auch nicht. Die aber fleischlich [gesinnt] sind, können Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.”

Christ definiert sich also als jemand, der den Heiligen Geist Gottes empfangen hat und in dessen „Sinn” der Geist wohnt. Andernfalls ist er nicht sein – gehört Christus nicht an, ist kein Christ.

Falsche Bekehrung

Millionen mögen sich für Christen halten – doch wenn Gottes Heiliger Geist, gegeben als Gnadengabe, im Augenblick nicht in ihnen wohnt, sind sie keine Christen.

Millionen haben ihren Namen in irgendeinem Kirchenregister und sind doch „nicht sein” – keine echten Christen! Millionen sind dergestalt „verführt” (Offenbarung 12, 9).

Begreifen wir also: Man ist – in Gottes Augen – nur dann ein Christ, wenn Gottes Heiliger Geist in einem wohnt. Nicht vorher! Nicht nachher!

Ein wahrhaft bekehrter Mensch hat also Gottes Heiligen Geist empfangen, und der Geist wohnt im Augenblick noch in ihm. Zum Wesen echter Bekehrung gehört freilich mehr.

Echte Bekehrung

Einerseits ist die Bekehrung ein Augenblickserlebnis – insofern als sie zu einem definitiven Zeitpunkt ihren Anfang nimmt. Doch eben nur den Anfang, denn andererseits ist sie auch ein fortschreitender Prozess – ein Entwicklungs- und Reifeprozess, der unabdingbar dazugehört.

Wann wird man zum echten Christen? Im Moment des Geistempfangs. In Römer 8, 9 haben wir gelesen: Wer den Heiligen Geist nicht hat, der ist „nicht sein” – ist kein Christ.

Es gibt einen definitiven Zeitpunkt des Geistempfangs. In dem Augenblick, in dem der Heilige Geist in den Menschen kommt, ist der Mensch, in diesem Sinne, bekehrt. Ja, schlagartig! Hat er Christi Geist, so ist er „sein” – ein Christ! Das Leben Gottes ist in ihn eingegangen, hat ihn befruchtet. Er ist nun gezeugt als Kind Gottes.

Ist der Heilsweg damit abgeschlossen? Ist der Mensch jetzt ein für allemal „gerettet”? Wird nichts weiter verlangt? Ist er von einem Augenblick auf den anderen perfekt? Kann er jetzt nichts mehr falsch machen?

Nein! Ganz und gar nicht! Aber warum? Wie erklärt sich das? Warum hier so viele Missverständnisse?

Warum hat fast niemand einen Begriff vom wahren Sinn des christlichen Lebens?

Der Zweck des christlichen Lebens

Warum bleibt auch das Evangelium, das Christus predigte, so unverstanden, ja unbekannt? Er lehrte das Reich Gottes. Desgleichen seine Apostel, Paulus eingeschlossen. Jesus hat viel in Gleichnissen geredet. Schauen Sie sich ein, zwei davon an. Achten Sie darauf, was sie offenbaren. Vergegenwärtigen Sie sich das ungeheure, kaum fassbare Potential, das uns gegeben ist.

Ein Beispiel: Das Gleichnis vom Edelmann, der in ein fernes Land zieht und später wiederkommen will (Lukas 19, 11-27). Der Edelmann ist Jesus selbst. Er zog tatsächlich in ein fernes Land – zum Himmel, zum Thron Gottes, zum kosmischen Herrschersitz. Er sagte seinen Jüngern dieses Gleichnis, weil sie den Anbruch des Reiches Gottes schon nahe wähnten. Seither sind mehr als neunzehn Jahrhunderte vergangen, und das Reich Gottes ist noch nicht angebrochen.

Er ruft in dem Gleichnis zehn Knechte und übergibt ihnen jeweils ein „Pfund” – eine bestimmte Summe Geldes.

Es steht symbolisch für das Maß an Geist, das jeder am Anfang bekommt, für den „Grad” an Heiligem Geist, der uns bei der Bekehrung zuteil wird.

Doch seine Mitbürger hassten den Edelmann. Sie sagten: „Wir wollen nicht, das dieser über uns herrsche (Vers 14). Das Reich Gottes ist jedoch etwas Herrschendes, Regierendes. Ihnen wurde – damals – keine Bekehrung zuteil, keine „Pfunde”. (Doch sie werden dazu noch Gelegenheit bekommen – viele, viele Schriftstellen bestätigen das.)

Der Grund nun, warum er zum Himmel zog, war, dass er das Königtum erlangte und dann wiederkäme. Das heißt, er fuhr auf zum Herrscherthron des Universum, dem Sitz Gottvaters, des Allmächtigen, wo ihm die Regentschaft über die Erde übertragen werden soll (Vers 12). Die Krönungszeremonie wird im Himmel stattfinden, am Thron des Lenkers des Universums. Bei seiner Wiederkehr wird er mit vielen Kronen gekrönt sein (Offenbarung 19, 12). Er kommt, um alle Nationen zu regieren mit göttlicher Allmacht (Vers 15).

Zurück zu Lukas 19. Bei seiner Rückkehr werden die Knechte, denen er die Pfunde – analog dem anfänglichen „Maß” an Gottes Geist bei der Bekehrung – gegeben hat, Rechenschaft ablegen müssen, um zu erfahren, was ein jeder erhandelt hätte” während er weg war. Das heißt: Vom Christen wird erwartet, dass er geistlich „mit dem Pfunde wuchert”, sein „Anfangskapital” vermehrt und geistlich wächst, dass er zunimmt an Gnade und Erkenntnis (siehe 2. Petrus 3, 18). Das christliche Leben ist gedacht als fortwährender Lernprozess, als Schulung für eine Position in Gottes Reich, die wir einnehmen werden, wenn wir dann verwandelt worden sind von Sterblichen zu Unsterblichen, von fleischlich-vergänglicher zu geistlicher Beschaffenheit, mit inhärentem ewigem Leben.

Im Gleichnis kommt nun der erste Knecht und sagt, er habe, was ihm gegeben worden sei, verzehnfacht. Sehen Sie, die Anfangsgabe, der erste „Keim” des Heiligen Geistes, kommt als Gnadengeschenk von Gott. Man kann sie nicht erwerben. Dann aber – im ganzen Neuen Testament eindringlich gesagt – werden wir belohnt nach unseren Werken. Nicht das Heil, aber der Lohn ist von den Werken abhängig. Durch eigene Arbeit hatte der Knecht seine geistliche Gabe verzehnfacht, aus einem Pfund zehn Pfund gemacht. Er wurde höher belohnt als derjenige, der nur fünf Pfund hinzugewonnen hatte.

Der Edelmann (Christus) sagt zu ihm: „Recht so, du tüchtiger Knecht; weil du im Geringsten treu gewesen bist, sollst du Macht haben über zehn Städte” (Lukas 19, 17).

Er hatte sich zum Herrschen qualifiziert. Er war Gottes Geboten, Gottes Herrschaftsordnung, treu gewesen. Wir müssen regiert werden, ehe wir selbst regieren lernen können.

Der zweite Knecht hatte sein geistliches Anfangskapital verfünffacht. Er hatte sich, in diesem Leben, halb so gut qualifiziert wie der erste Knecht. Er bekam den halben Lohn.

Das Reich Gottes

Das Gleichnis von den Pfunden zeigt also, dass Christen unter Christus regieren sollen, wenn das Reich Gottes errichtet ist. Jesus spricht von HerrschaftWeltherrschaft. Das Gleichnis sollte zeigen, dass damals der Anbruch des Gottesreiches noch nicht bevorstand. Das Reich Gottes ist nicht etwas Nebulös-Gefühliges „in unserem Herzen”. Es ist auch nicht die Kirche.

Dass es sich um eine tatsächliche Weltregierung handeln wird, die Christus errichtet, mit den Heiligen als Mitherrschern, ersieht man z. B. aus dem Buch Daniel. Lesen Sie das 2. Kapitel, und achten Sie auf Vers 44. Das Reich wird alle anderen Reiche – alle Menschenmacht zermalmen und wird selbst ewig bleiben. Dann Kapitel 7, besonders Vers 18 und 22. Es wird ein Reich auf Erden sein – nicht im Himmel, sondern „unter dem ganzen Himmel” (Vers 27).

Jesus sagt: „Und wer überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe …” (Offenbarung 2, 26-27).

Und: „Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Throne zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron” (Offenbarung 3, 21). Als Jesus dies Johannes zu schreiben eingab (um 90 n. Chr.), war er im Himmel bei seinem Vater auf dem Thron, von dem aus das Universum regiert wird.

Bei seiner Wiederkunft als Weltregent wird er den Thron Davids in Jerusalem einnehmen. Von Jesus ist gesagt: „Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben” (Lukas 1, 32-33).

Damals war die Zeit noch nicht gekommen, dass er die Weltregierung des Gottesreichs errichtete. Die Bibel kennt drei Welten – besser: drei aufeinanderfolgende Weltzeiten. Einmal die vergangene Welt, die Zeit vor der Sintflut; dann die jetzige böse Welt; schließlich die zukünftige Welt. Vor seinem Richter Pilatus sagte Jesus, er sei zum König geboren (Johannes 18, 37), doch sein Reich sei „nicht von dieser Welt”. Er wird die Welt von morgen regieren (Vers 36).

Die Heiligen (geistgeleitete Christen) sollen unter Christus „auf Erden” Herrschaft ausüben (Offenbarung 5, 10), und zwar tausend Jahre lang (Offenbarung 20, 4 u. 6).

Warum ist die ganze Welt zu einem falschen Evangelium verführt (Offenbarung 12, 9)? Warum verführt zu einem falschen Begriff vom Reich Gottes? (Bestellen Sie unser kostenloses Buch Geheimnis der Zeitalter.)

Betrachten wir doch die vielen Gleichnisse Jesu. Sie machen klar, dass es sich bei diesem Reich um eine Weltregierung handelt, die Christus, in Allmacht und Herrlichkeit kommend, nun bald aufrichten wird, um uns Weltfrieden, Fülle, Glück und Freude zu bringen.

Das Christenleben dient dem Zweck, künftige Könige und Mitherrscher Christi auszubilden. Wodurch wird man nun zum Christen? Wann? Und wieso ist die Bekehrung im einen Sinne ein Augenblicksereignis, im anderen Sinne aber auch ein Prozess?

Echte Reue

Ich wiederhole: „Ein Christ (ein wirklich Bekehrter) zeichnet sich dadurch aus, dass er den Heiligen Geist Gottes empfangen hat und dass dieser Geist in ihm wohnt.”

Wie aber empfängt man den Geist Gottes?

Am Tag, da die Kirche Gottes ihren Anfang nahm, sagte der Apostel Petrus: „Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes” (Apostelgeschichte 2, 38).

„Buße tun”, das ist in der Luther-Übersetzung gleichbedeutend mit „bereuen”. Was bereuen? Sünde. Und was ist Sünde? Sünde ist Übertretung des Gesetzes (1. Johannes 3, 4). Welches Gesetzes? Des Gesetzes, dem der fleischliche, gottfeindliche Sinn nicht untertan ist – des Gesetzes Gottes (Römer 8, 7). Auch lesen wir vom „Heilige[n] Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen” (Apostelgeschichte 5, 32).

Der Geistempfang hat zwei Vorbedingungen: Reue und Glaube. Die Taufe ist das äußere Zeichen für den inneren Glauben an Christus. Reue bedeutet nicht nur, dass einem vergangene Sünden „leid tun”. Sondern man muss grundsätzlich sein ganzes Sein bereuen, seine ganze frühere Grundhaltung, sein gottfernes Leben. Sie muss einen Gesinnungswandel und eine totale Umorientierung beinhalten: zu einer neuen Lebensweise, fort vom ich-orientierten Weg der Eitelkeit, der Selbstsucht, der Habgier, der Auflehnung gegen Autorität, des Neides, der Eifersucht, des Desinteresses am Wohl des Mitmenschen, und hin zum Gott-orientierten Weg des Gehorsams, der Unterordnung unter Autorität, des „Liebe Gott mehr als dich selbst” und „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”.

In der Liebe erfüllt sich Gottes Gesetz (Römer 13, 10) – doch Gottes Gesetz ist ein geistliches Gesetz (Römer 7, 14) und kann sich nur erfüllen durch „die Liebe Gottes, die ausgegossen [ist] in unsre Herzen durch den Heiligen Geist …” (Römer 5, 5).

Der Heilige Geist lässt uns verstehen, wie wir nach Gottes Willen leben sollen, doch er zwingt uns nicht zu dieser Lebensweise – er drängt nicht, er nötigt nicht. Der Christ selbst muss dazu die Initiative ergreifen, wenn auch angeleitet, gestützt und gestärkt durch den Heiligen Geist. „Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder” (Römer 8, 14).

Echte christliche Bekehrung

Die erwähnten Voraussetzungen um ein Christ zu werden – Reue und Glaube – müssen wir selbst aufbringen.

Doch sie machen uns noch nicht zum Christen, bekehren uns nicht. Die Tat Gottes – sein Gnadengeschenk des Heiligen Geistes – muss hinzukommen, erst dann sind wir bekehrt.

Durch Reue und Glauben erwerben wir keinen Anspruch auf den Geistempfang. Gott gibt uns den Geist nicht, weil wir bereuen und glauben. Sondern er gibt ihn, weil er ihn geben will. Sogar bevor wir bereut haben, will Gott uns das Geschenk seines Geistes geben. Die beiden Bedingungen müssen aber erfüllt sein.

Nun kann aber niemand von sich aus sagen: „Aha, man muss bereuen. Gut, hiermit bereue ich.” Man kann nicht einfach routinemäßig den Entschluss zur Reue fassen. Wieso?

Christus hat gesagt, es könne niemand zu ihm kommen, es sei denn, dass der Vater ihn ziehe (Johannes 6, 44 u. 65). Gott gewährt die Reue (Römer 2, 4). Der Ruf geht von Gott aus, er bringt dem Menschen durch seinen Geist das Unrecht zu Bewusstsein, von außen auf ihn einwirkend. Meist spielt sich ein innerer Kampf dabei ab. Der Mensch ist in die Erkenntnis hineingestoßen worden, dass er unrecht getan hat, dass er im Unrecht ist – dass er gesündigt hat, dass er ein Sünder ist! Er ist zu echter Reue gebracht worden, zum Bereuen nicht nur seiner Taten, sondern seines ganzen Seins. Leicht ist es nicht. Das Ich will nicht sterben. Reue bedeutet eine bedingungslose Kapitulation vor Gott – Unterwerfung unter sein Gesetz!

Der Mensch selbst muss dies bewusst wollen und anstreben. Wenn er bereut, sich Gott unterwirft, sich gläubig zu Christus als seinem Erlöser bekennt, dann verspricht Gott, wenn beide Voraussetzungen erfüllt sind, ihm den Heiligen Geist zu schenken: das Leben Gottes – Geist-Leben. Gottnatur wird in ihm angelegt!

Was hat sich bis hierher vollzogen?

Der Neubekehrte ist von Gott zunächst nur gezeugt nicht geboren. Viele, die an eine „Wiedergeburt” durch den Geistempfang glauben, irren sich eher in der Terminologie als im Faktischen: (Für eine ausführliche Erklärung, schreiben Sie um unsere kostenlose Broschüre Was heißt „WIEDERGEBURT”?)

Der Neubekehrte hat noch nicht das volle Maß des göttlichen Geistes, das Christus hatte; geistlich ist er noch ein „Kind” in Christus. Er muss nun geistlich wachsen, einem frisch gezeugten Embryo im Mutterschoß gleich, der sich erst entwickeln und physisch zur richtigen Größe heranwachsen muss, um als Mensch geboren zu werden.

Der Neubekehrte hat bereut, aus tiefster Uberzeugung, aus tiefstem Herzen. Er meint es ernst! In aller Lauterkeit des Herzens und des Verstandes hat er eine Umkehr vollzogen – zu einem neuen Leben. Er ist jetzt ein Christ – er hat Gottes Heiligen Geist empfangen. Er ist bekehrt, er ist ein Christ. Er will aufrichtig das Gute tun, Gott gehorsam sein, gottorientiert leben.

Was, wenn ein Christ sündigt?

Ein bekehrter Christ ist also jemand, in den Gottes Geist gekommen ist, in ihm wohnend und ihn leitend, und der nun gottorientiert lebt. Der bekehrte Christ hat sein früheres „gewohnheitsmäßiges” Leben – den selbstsüchtigen, an Gott vorbeigehenden Weg – aufgegeben. Er lebt nun „gewohnheitsmäßig” nach dem Wort Gottes – im Lichte des Wortes Gottes.

Angenommen aber, dass er wie ein acht- oder zehnmonatiges Kind bei seinen ersten Gehversuchen auf dem neuen Weg strauchelt, stürzt und sündigt. Ist er dann gerichtet, verloren, kein Christ mehr?

Dazu eine Schlüsselstelle aus dem ersten Johannesbrief, die dieses Problem grundsätzlich erhellt. In seinem Eröffnunsgruß sagt Johannes von Christus, dem Wort: „Was von Anfang an war … das beim Vater war und uns erschienen ist –, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus” (1. Johannes 1, 1-3).

Der echte Christ ist, durch Christus, mit Gott versöhnt. Durch Gottes Geist, der in ihm wohnt, gewinnt er echte Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn Jesus Christus. Und auch seine Gemeinschaft mit den Mitchristen kommt durch Gott und Christus. Er ist mit ihnen verbunden, wie die verschiedenen Reben, die an einem Weinstock hängen, erst durch den Weinstock Verbindung miteinander erlangen: siehe Jesu Gleichnis in Johannes 15, 1-7. Der Christ wandelt mit Christus – und zwei können nur miteinander wandeln, wenn sie „einig untereinander” sind (Amos 3, 3).

Weiter im ersten Johannesbrief: „Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun [praktizieren] nicht die Wahrheit” (Vers 5-6).

Das heißt: Er – der lebendige Christus – wandelt im Licht, gleichsam auf einem hell erleuchteten Pfad. Wenn wir nun in der Finsternis wandeln, dann wandeln wir auf einem anderen, dunklen Pfad. Wir wandeln nicht mehr mit ihm, und wenn wir es doch behaupten, dann lügen wir.

Gesetzt des Falles aber: Jemand, der tatsächlich mit ihm im Licht wandelt, strauchelt und fällt. Gemeint ist nicht „grundsätzliche” Abkehr von seinem Weg, nur ein Straucheln. Wenn wir sagen, dass es um leid tut, wird er uns dann nicht die Hand reichen und uns aufhelfen, dass wir weiter den hellen Pfad wandeln? Oder wird er zornig werden, uns vom hellen Pfad auf den dunklen stoßen?

Noch anders gesagt: Der echte Christ hat sich vom alten Leben der Sünde, von der egoistischen Grundhaltung, von der Ich-Suche und dem Desinteresse an Gott, grundsätzlich abgekehrt. Sein Leben ist jetzt grundsätzlich christlich.

Deshalb ist er aber nicht von Anfang an perfekt. Er muss wachsen an Gnade und Erkenntnis Christi, wie Petrus in 2. Petrus 3, 18 schreibt. Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier,” die alten Gewohnheiten schwinden nicht über Nacht, man muss sich Mühe geben, sie auszutreiben. Man muss Sünde überwinden lernen. Fehltritte und Rückschläge sind dabei praktisch unvermeidlich. Es heißt weiter im ersten Johannesbrief:

„Wenn wir aber im Licht wandeln …” – das heißt, wenn wir einmal straucheln, so bleibt das der Ausrutscher, die Ausnahme, bedeutet keine Abkehr von Gottes Weg, keinen grundsätzlichen Rückfall in den Weg der Sünde.

Wird der Unterschied allmählich klar? Der wahre Christ will gottorientiert leben. Die Intention ist da. Er versucht es. Und grundsätzlich schafft er es auch, sich diesen neuen Weg zur Gewohnheit zu machen. Gelegentliche Fehltritte und Sünden bedeuten nicht, dass er sich prinzipiell von Gott und Gottes Weg abgewandt hätte.

„… wie er im Licht ist” – wenn das nun unser Ziel, unsere Intention, unsere grundsätzliche Lebensrichtung ist –„so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns [die wir jetzt Christen sind] rein von aller Sünde. Wenn wir [Christen] sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns” (Vers 7-8).

Wenn wir, jetzt Christen, uns bereits vollkommen wähnen, uns keiner Sünde und keines Fehlers mehr für fähig halten, dann machen wir uns etwas vor. Ich kannte einmal eine Frau, die sich dieser Selbsttäuschung hingab. Sie behauptete, „über die Sünde erhaben” zu sein und tatsächlich nie gesündigt zu haben. Zwar war sie, nach gängiger Definition, ein „guter” Mensch, doch sie machte sich der größten Sünde schuldig, die es gibt – des geistlichen Hochmuts, der Eitelkeit. Sie war stolz auf ihre „Sündenlosigkeit”. Es mangelte ihr an christlicher Demut.

Wenn nun jemand, der auf dem hellen Pfad mit Gott wandelt, einmal strauchelt und fällt, verstößt Gott ihn dann?

Vers 9: „Wenn wir [wir, die Christen – gemeint sind nicht die Unbekehrten] aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.”

Wohlgemerkt: „Wenn”. „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen …” Wenn wir straucheln, müssen wir das eingestehen, müssen wir um Vergebung bitten. Wenn wir es abstreiten oder jemand anderem die Schuld geben, wird uns nicht vergeben. Wir müssen es bekennen – vor Gott!

„Wenn wir sagen, wir [als Christen] haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns” (Vers 10). Inhaltlicher Übergriff ins nächste Kapitel: „Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt.” Mit anderen Worten, wir sollen nicht sündigen, wir sollen der Sünde nach Kräften widerstehen. Gott hat uns keinen Freibrief gegeben. Aber, „… wenn jemand sündigt, so haben wir [Christen] einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. Und er ist die Versöhnung für unsre [der Christen] Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt” (1. Johannes 2, 1-3). Für letztere – die Sünden der Unbekehrten – freilich erst dann, wenn sie zu echter Reue und zum Glauben an Christus gelangen.

Echte Bekehrung: ein Prozess

Weil viele den oben beschriebenen Prozess nun nicht richtig verstehen, lassen sie den Mut sinken. Mancher gibt überhaupt jeden Versuch auf, christlich zu leben. Und warum? Aus der Fehlauffassung heraus, der Christ müsse von vornherein perfekt sein bzw. werde erst dann ein Christ, nachdem er alle falschen Gewohnheiten abgelegt und sich selbst gerecht gemacht hat.

Es ist äußerst wichtig zu verstehen, was das Christentum tatsächlich bedeutet!

Der frisch gezeugte Christ muss geistlich ja erst erwachsen werden. Was würde man von einem Menschenkind halten, das ausgewachsen, zwei Meter groß, auf die Welt kommt? Der Wachstumsprozess braucht Zeit. Zwar gibt es einen definitiven Anfangspunkt, den Geistempfang, durch den der Mensch zum Christen wird. Doch er ist dann erst ein „Kind”. Er muss geistlich noch wachsen.

Der Neubekehrte hat in Herz und Sinn eine aufrichtige Umkehr vollzogen. Er hat Kontakt zu Gott gewonnen, hat Gottes Heiligen Geist empfangen. Gott-Natur ist in ihm angelegt. Doch das ist alles: lediglich angelegt – noch nicht ausgewachsen. Er ist noch Mensch, sterblich, aus Fleisch und Blut. Er besteht noch aus Materie, noch nicht aus Geist.

Das gilt es zu begreifen!

Seit fast sechstausend Jahren geht die Menschheit nun den Weg des Stolzes und der Hoffart, der Selbstsucht und Habgier, des Mangels an Mitmenschlichkeit: des Konkurrenzdenkens, des Gegeneinander, der Gewinnsucht, der Selbstüberhebung.

Menschen waren und sind erfüllt von Selbst-Dünkel, Eifersucht, Neid, Groll gegen andere, einem Geist der Auflehnung gegen Autorität und der Feindschaft gegen Gott und Gottes Gesetz.

Diese Tendenzen muss der Christ überwinden.

Er muss gerechten Charakter entwickeln, der ihn befähigt, den richtigen Weg zu wählen und dem falschen zu widerstehen – das Ich so zu schulen, dass es den Weg nimmt, den es sollte, anstatt den Weg der Selbstsucht und der Eitelkeit geht.

Vollkommener Charakter

Das Ziel, zu dem Gott die Menschheit schuf – zu dem er Sie auf die Welt kommen ließ – heißt Selbstvermehrung Gottes. (Bestellen Sie unsere kostenlose Broschüre Gott ist eine Familie.)

Höchstes Wesensmerkmal Gottes ist vollkommener, gerechter Charakter. Gott kann Charakter in uns schaffen; aber nur als Ergebnis unserer freien, unabhängigen Entscheidung dafür. Wir, als Individuen, wirken mit bei diesem Prozess.

Was versteht man unter vollkommenem Charakter? Er ist die Fähigkeit eines selbständigen, mit sittlicher Entscheidungsfreiheit begabten Individuums, zur Erkenntnis von richtig und falsch, von wahr und unwahr zu kommen, das Richtige zu wählen und dann den Willen und die Selbtdisziplin aufzubringen, das Richtige auch zu tun und dem Falschen zu widerstehen.

Charakter muss sich schrittweise entwickeln wie Muskelkraft; er wächst durch Übung. Man kann zum Beispiel die Armmuskeln durch Beugen und Strecken des Armes kräftigen; ein weitaus besseres Training ist jedoch das Anarbeiten gegen Gewichte oder Widerstände. Die Natur, die in uns wohnt, setzt der charakterlichen Vervollkommnung starken Widerstand entgegen – sie gibt uns etwas, wogegen wir anarbeiten können, eben zum Zweck der Charakterbildung und -stärkung!

Gottes Charakter bewegt sich in Richtung seines Gesetzes – des Wegs der Liebe. Es ist eine Hinwendung zum Anderen, zum Nächsten. Gott hat diesen Charakter! Er bringt Ihnen und mir Hinwendung entgegen. Er opferte seinen eingeborenen Sohn, um uns mit ihm zu versöhnen und uns die Freuden seines Charakters und des ewigen Lebens zugänglich zu machen (Johannes 3, 16). Mit allen guten und kostbaren Gaben überschüttet er uns. Sogar seiner göttlichen Natur lässt er uns teilhaftig werden (2. Petrus 1, 4) – wenn wir bereuen und uns abkehren von den falschen Wegen dieser Welt, ihr zu widerstehen beginnen und uns Gott öffnen durch den Glauben an Jesus Christus als unseren Erlöser!

Die Gott-Natur, um die es hier geht, ist die Natur der Liebe, des Gebens, Dienens, Helfens, der Mitmenschlichkeit. Es ist auch die Natur der Demut.

Wenn jemand nun bekehrt ist – bereut hat, sich von den falschen Wegen der Welt abgewandt und den Heiligen Geist empfangen hat –, so verlässt ihn sein „Menschsein”, seine menschliche Natur nicht auf Anhieb. Sie wurde uns (wohl unbewusst) von Satan eingeimpft, dem Mächtigen, der in der Luft herrscht. Er übt noch Einfluss aus. Wir leben noch in der jetzigen bösen Welt, und sie übt Einfluss aus. Gott lässt Satan noch um uns sein. Und er ist noch um uns!

Drei Widerstände haben wir also zu bekämpfen – zu überwinden! Diese drei müssen wir niederringen: Satan, die Welt und unser eigenes Ich. Gegen sie müssen wir ankämpfen, um den richtigen Charakter in uns auszubilden und zu stärken. Gott sagt unmissverständlich, dass es die Überwinder sind, die gerettet werden – die mit Christus herrschen werden! (Offenbarung 2, 26-27; 3, 21; 21, 7.)

Gottes Beistand

Kein Mensch ist dazu von sich aus stark genug. Er muss den Beistand und die Kraft Gottes suchen und gläubig annehmen. Selbst mit Gottes Hilfe wird er diese Mächte nicht im Handumdrehen überwinden. Es ist nicht leicht! Christus selbst hat gesagt, der Weg zum Heil sei schwierig und mühevoll (Matthäus 7, 13 u. 14). Es ist ein unaufhörlicher Kampf, ein Ringen mit sich selbst, der Welt und dem Teufel. Charakter bildet sich durch Praxis. Das erfordert Zeit!

Diese Entwicklung ist ein Prozess; ein Reifen und Wachsen. Vollkommen zu werden setzt volle und richtige Kenntnis des Wortes Gottes voraus; denn Jesus lehrte, dass der Mensch von einem jeglichen Wort Gottes leben muss (Matthäus 4, 4; Lukas 4, 4).

Der unbekehrte, „natürliche” Menschenverstand kann die Heilige Schrift nicht voll und nicht richtig verstehen. Erst der Heilige Geist erschließt dem Menschen diese geistliche Verständnisdimension. Aneignung dieses Wissens selbst ist ein Vorgang, der Zeit braucht. Wer das Wort tut, nicht nur, wer es hört, wird gerettet werden (Römer 2, 13).

Aber kann der Mensch diesen neuen Weg, von dem er nun hört, gleich voll und „perfekt” gehen? Kann er alle Gewohnheiten, die er jetzt als falsch erkennt, schlagartig ablegen? Nein, er merkt, das er gegen alte, erworbene Gewohnheiten ankämpfen muss.

Immer noch hat er dem Sog des unsichtbaren, aber mächtigen Satans Widerstand zu leisten. Dieser „Sog” ist ihm eingepflanzt als Gesetz, das unterschwellig in ihm wirkt, ein Resultat der Suggestion Satans, des Mächtigen, der in der Luft herrscht (Epheser 2, 2). Die ganze Welt ist auf die „Wellenlänge” des Teufels eingestellt (Offenbarung 12, 9).

Diesen „Sog” der menschlichen Natur nennt der Apostel Paulus das „Gesetz der Sünde und des Todes”.

Paulus war bekehrt. Er war ein echter Christ. Er hatte bereut, sich zu Christus bekannt, den Heiligen Geist empfangen. Mit aller Kraft, aus tiefstem Herzen und aufrichtigster Intention wollte er den Weg Gottes gehen. Aber gelang ihm das fehlerlos?

Lassen wir ihn selbst zu Wort kommen.

Die Erfahrung von Paulus

„Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist”, schreibt er, „ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich … So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.” Er spricht von der menschlichen Natur in ihm. Er fährt fort: „Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich … Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist” (Römer 7, 14-23).

Das Gesetz in seinem „Gemüt”, sprich: seinem Verstand, ist das Gesetz Gottes – die Zehn Gebote. Das Gesetz in seinen „Gliedern” dagegen die menschliche Natur, eingeimpft von Satan. So ruft Paulus: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?” (Vers 24). Dann dankt er Gott dafür, dass er es tun wird durch Jesus Christus und die Kraft des Heiligen Geistes. Aber es braucht seine Zeit!

Der wahrhaft bekehrte Christ wird merken: Es kommt vor, dass die Versuchung ihn straucheln lässt – so wie ein Kind, das laufen lernt, oft hinfällt. Doch das einjährige Kind lässt sich nicht entmutigen. Es steht auf und versucht es von neuem.

Der wahrhaft bekehrte Christ ist noch nicht perfekt!

Was vor Gott zählt, ist das Wollen, die Absicht, die redliche Absicht. Wer strauchelt, sich dann aber wieder erhebt, in Reue um Vergebung bittet, alles daransetzt, dass der Fehler sich nicht wiederholt, kurz, wer „strebend sich bemüht”, ein Überwinder zu sein, der kann auf reiche Gnade Gottes rechnen.

Ich glaube, jetzt deutlich gemacht zu haben, dass der neu bekehrte Christ nicht von vornherein perfekt ist. Zwar darf und soll er nicht sündigen: nicht vorsätzlich und böswillig, aus rebellierender Haltung heraus. Das hat er ja bereut! Er will sündenfrei leben. Aber um ein „perfektes Leben” zu führen, müsste er alle geistlichen Kenntnisse bereits besitzen. Er müsste nach jedem Wort der Bibel leben. Der Heilige Geist verleiht geistliches Begriffsvermögen, so dass er die Bibel verstehen kann. Und die ganze Bibel zu verstehen, erfordert Zeit. Wir müssen wachsen an Erkenntnis des rechten, sündenfreien Lebenswegs.

Es kann also sein, dass der Christ aus Gewohnheit oder aus Schwäche sündigt. Doch wenn er ein Christ ist, bereut er es sofort, und auf seine Reue hin tilgt Christi Opfer seine Sünde (1. Johannes 1, 7-9).

Bekehrte sehen sich oft schwerer versucht als vor ihrer Bekehrung; der satanische „Sog”‘ ist stärker als zuvor. Sie kämpfen gegen die Sünde, kämpfen ums Überwinden. Doch vollkommen sind sie noch nicht. In Augenblicken der Schwäche „erwischt” es sie: es kann sein, dass sie sündigen. Doch dann erwachen sie und erkennen, was sie getan haben. Sie bereuen, sie fühlen Zerknirschung, Gewissensbisse, Abscheu vor sich selbst. Sie rufen Gott an, bitten um Beistand – um mehr Kraft zum Überwinden (Hebräer 4, 16).

Das ist der Weg des Christen!

Es ist der Weg unablässigen Ringens – eines Kampfes gegen Sünde, einer Suche nach Gott in inbrünstigem Gebet um Hilfe und geistliche Kraft zum Überwinden. Und wer sich Mühe gibt, wird stetig Boden gewinnen. Stetig wird er zunehmen an Gotterkenntnis aus der Bibel. Stetig wird er falsche Gewohnheiten ausrotten, sich zu richtigen Gewohnheiten erziehen. Stetig wird er sich Gott nähern durch Bibelstudium und Gebet. Stetig wird er charakterlich reifen und sich vervollkommnen – auch wenn von Perfektion noch keine Rede sein kann.

Was ist, wenn man stirbt?

Und wenn einen nun der Tod ereilt, ehe man vollkommen geworden ist: Ist man dann gerettet oder verloren? Antwort: Absolute Perfektion erreichen wir in diesem Leben nicht.

Ich sagte, dass der Mensch bei der Bekehrung zu einem definitiven Zeitpunkt den Heiligen Geist empfängt. Nicht das volle Maß an Geist, das Christus hatte; es ist erst ein Keim gelegt, man ist geistlich noch ein „Kind in Christus”. Doch eine grundsätzliche Umkehr ist vollzogen: ein Sinneswandel, eine prinzipielle Umorientierung im Leben. Auch wenn man noch längst nicht vollkommen ist, auch wenn man Versuchungen erliegt und strauchelt: es kommt darauf an, dass man aufrichtig Gottes Weg gehen, überwinden und geistlich reifen will, dass Gottes Geist in einem wohnt und einen leitet. Ist das erfüllt, ist man ein gezeugtes Kind Gottes.

Wer ein solches Leben führt und vom Tod überrascht wird, der wird auferstehen, „gerettet”, als Unsterblicher im Reich Gottes.

Niemals aufgeben

Nur wer aufgibt, wer „weicht” (Hebräer 10, 38) – sich grundsätzlich gegen Gott und Gottes Weg kehrt, gegen Christus als Erlöser; sich durch fortwährende Nachlässigkeit oder aber bewusst und willentlich abwendet von der neuen Richtung des Weges Gottes und von Christus –, der ist verloren.

Wer einmal bekehrt ist, den Geist Gottes empfangen hat und die Freuden des göttlichen Weges gekostet hat und diesen Weg dann bewusst verwirft, sich – nicht unter Versuchungsdruck, sondern bewusst und endgültiggegen diesen Weg entscheidet, für den gibt es, nach dem Wort Gottes, keine Reue mehr. Er müsste seinen Entschluss bereuen. Aber da er ihn vorsätzlich gefasst hat, nicht unter Versuchung, sondern kühl, überlegt, willentlich, wird er ihn eben nie bereuen.

Jeder aber, der befürchtet, er habe die „unvergebbare Sünde” begangen; sich Sorgen darüber macht, hofft, dass er sie nicht begangen hat, und Gottes Heil noch will, der hat sie gar nicht begangen. Er kann noch bereuen, er kann noch den Heilsweg gehen, wenn er will!

Konsequenzen für die Praxis

Wenn Sie einen Christen etwas Falsches tun sehen, hüten Sie sich, über ihn zu richten – Gott ist Richter, nicht Sie. Zeigen wir Mitgefühl und Barmherzigkeit; wir können anderen Menschen nicht ins Herz blicken, das kann nur Gott.

Und sollten Sie selbst gestrauchelt und gefallen sein, lassen Sie sich nicht entmutigen! Bleiben Sie hartnäckig, nehmen Sie neue Anläufe!

Vor Gott zählt das Wollen – die Haltung – die Intension.

Solange man im Herzen wirklich den Wunsch hat, Gottes Weg zu wandeln – solange man jede Sünde tief bereut und die Sünde zu überwinden und gottorientiert zu leben sucht –, wird man gelegentlich noch straucheln, aber Vergebung erlangen, wenn man bekennt und bereut. Und man wird immer weniger straucheln, je mehr man an seinem christlichen Leben arbeitet: man wird Fortschritte machen, überwinden, geistlich und in göttlichem Charakter reifen.

Was ist Ihre Haltung? Nehmen Sie Sünden, die Sie begangen haben, leicht, sind sie Ihnen „egal”? Dann gehen Sie gefährliche Wege. Rechtfertigen Sie sie, geben Sie anderen die Schuld? Das rechtfertigt nicht Ihre Sünde. Haben Sie noch den Wunsch, Gottes Weg zu gehen? Dann ist es noch nicht zu spät. Wenden Sie sich ab von der Sünde, bekennen Sie sie – vor Gott. Bereuen Sie! Richten Sie sich auf mit Christi helfender Hand und bemühen Sie sich weiter, zu überwinden und geistlich zu reifen.

Doch denken Sie daran: Haben Sie einmal bereut und Vergebung erlangt, so wiederholen Sie die Sünde(n) nicht mehr, sondern vergessen Sie sie. Wie Paulus schreibt: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, das da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus” (Philipper 3, 13-14).

Chapter 11: Die menschliche Natur und wie eine ganze Welt über ihren Ursprung betrogen wurde

Ich habe einmal gehört, wie jemand sagte: „Nun sieh dir dieses hübsche, süße Baby an – kaum zu glauben, dass alle Schlechtigkeit des Menschen schon in ihm steckt.”

Steckte sie in ihm?

Überlegen wir uns diesen Widerspruch. Wie lässt er sich erklären? Der menschliche Verstand vermag wahre Wunder zu vollbringen. Wir haben Astronauten zum Mond geschickt, wir haben sie sicher zur Erde zurückkehren lassen. Und eben dieser Verstand mit all seinen Fähigkeiten ist außerstande, mit unseren irdischen Problemen fertig zu werden – zum Beispiel Weltfrieden zu schaffen.

Wieso? Nun, alle Gewalttätigkeit, Kriege, Verbrechen, Korruption, Unehrlichkeit und Unmoral legt man der menschlichen Natur zur Last.

Woher aber stammt die menschliche Natur? Hat der Schöpfer sie uns von Anfang an eingeschaffen? Sind wir damit geboren? Wenn ich, das sei vorausgesetzt, von menschlicher Natur spreche, dann meine ich ihre negativen Aspekte – Eitelkeit, Wollust, Gier, Neid, Eifersucht, Konkurrenzgeist, Hader, Auflehnung gegen Autorität, Vorurteile, Hass.

Um zu antworten, muss man wissen, wie der menschliche Verstand wesensmäßig beschaffen ist – und das kann man nur durch Offenbarung.

Die Beschaffenheit des menschlichen Verstandes im Gegensatz zum Tier-„Verstand” habe ich schon erklärt. Warum aber treibt der Mensch mit seinen Verstandeskräften oft so bösen Missbrauch?

Hat ein all-liebender, all-barmherziger, allmächtiger Gott der Menschheit, die er geschaffen hat, den Fluch einer angeborenen schlechten Natur aufgebürdet – einer Natur der Feindschaft wider Gott, der Arglist und Eifersucht, des Neides und des Hasses?

Wie war Adam zum Zeitpunkt seiner Erschaffung?

Stellen wir zunächst fest, was über den ersten Menschen, Adam, und seine Natur zum Zeitpunkt seiner Erschaffung offenbart ist.

Über die ersten zweitausend Jahre der Menschheitsgeschichte – ein Drittel der Zeit von der Erschaffung des Menschen bis jetzt – gibt die Bibel nur stichwortartig Auskunft. Lediglich elf Kapitel sind dieser langen Zeitspanne gewidmet. Der Bericht vom ersten Menschenpaar umfasst in knappster Form nur das Allerwesentlichste.

Die Erschaffung des Menschen bildete den letzten Schöpfungsakt am sechsten Tag der so genannten „Schöpfungswoche”, die im ersten Kapitel der Genesis (1. Mose 1)

beschrieben ist.

Am dritten Tag der Woche hatte Gott pflanzliches Leben – die Flora – am fünften und sechsten, tierisches Leben – die Fauna – ins Leben gerufen, fortpflanzungsfähig jeweils „nach seiner Art”: Vieh nach der Art des Viehs (Vers 25),

Löwen nach der Art des Löwen, Pferde nach der Art des Pferdes usw.

Dann sprach Gott: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei …” (Vers 26). Mit anderen Worten: Menschen nach der Art Gottes! Gott tat damit den ersten Schritt zu seiner Selbstvermehrung. Man beachte auch den, in der ganzen Schöpfungsgeschichte für Gott im Hebräischen verwendeten Namen: Elohim. Es handelt sich um einen Mehrzahlbegriff wie Familie, Gruppe, Kirche. Eine Familie besteht aus mehreren Mitgliedern; Gruppe und Kirche ebenfalls. Der Gott, zu dem Jesus betete, ist der Vater der Familie, die man Gott nennt. Gott ist eine Familieeine einzige Familie, ein einziger Gott.

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau” (Vers 27).

Wozu? Weil sich in der menschlichen Vermehrung die Art und Weise widerspiegelt, wie Gott sich weiterzeugt. Und zur leiblichen Vermehrung sind zwei Geschlechter nötig.

„Und Gott segnete sie …” Etwa dadurch, dass er ihnen eine böse, sündige, der richtigen, göttlichen Lebensweise absolut unzugängliche Natur einschuf? Doch weiter im Text: „… und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde …” (Vers 28).

„Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut” (Vers 31). Wenn Gott die ersten Menschen wie er sie geschaffen hatte – als sehr gut bezeichnete, konnte ihnen dann eine sehr schlechte, üble und widrige Natur innewohnen?

Das sollte jedem Leser Stoff zum Nachdenken geben!

Was offenbart der Schöpfungsbericht also über Adams Natur? Ich wiederhole: Die Bibel berichtet in Kurzfassung nur die Höhepunkte. Das wenige, was offenbart ist, informiert uns aber über alles Wesentliche, das wir wissen müssen.

Hier ist es: „Und Gott der Herr machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte …” (1. Mose 2, 19).

Wie gedrängt der Bericht auch ist, man kann klar daraus ersehen, wie Adam nun reagierte: rebellisch und ungehorsam oder willig und gehorsam?

Von irgendwelchem rebellischem Geist ist nicht die Rede. Wir sehen vielmehr, dass Adam einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen gab.

Die Reaktion wirft ein Licht auf Adams Grundeinstellung und Natur in seiner ursprünglichen Beschaffenheit, bevor Satan ihn versuchte (was im 3. Kapitel beschrieben ist). Absolut nichts deutet in der obigen Darstellung darauf hin, dass Adam eine schlechte, feindselige, rebellische Grundhaltung oder Natur besessen hätte. Sie spiegelt kein „arglistiges und verschlagenes Herz”, wie Jeremia (17, 9) die menschliche Natur beschreibt, noch eine fleischliche Gesinnung, die Feindschaft wider Gott ist, „weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag’s auch nicht” (Römer 8, 7).

Andererseits offenbart sich allerdings auch keine vom Geist Gottes erfüllte Natur. Adam hatte noch nicht Satan gegenübergestanden, war noch nicht zum Ungehorsam verführt worden, hatte aber auch nicht vom „Baum des Lebens” gegessen, um die innewohnende Liebe und Kraft des Heiligen Geistes zu empfangen – wodurch er der göttlichen Natur teilhaftig geworden wäre (2. Petrus 1, 4).

Über Adams Natur vor der Versuchung durch Satan wird also lediglich gesagt, dass sie nicht schlecht, feindlich und diabolisch war. Menschliche Natur im Sinne wie Selbsterhaltungstrieb usw. mag ihm innegewohnt haben; nicht aber die ausgesprochen üble, ichbezogene Natur.

Man muss sich klarmachen, dass Gott Adam und mit ihm die Menschheit zu einem bestimmten Zweck geschaffen hat. Diesen Zweck müssen wir an diesem Punkt genau im Auge behalten.

Vor der Erschaffung des Menschen hatten Engel die Erde bewohnt (2. Petrus 2, 4-6). Diese Engel hatten gesündigt. Als Sachwalter seiner Herrschaft hatte Gott einen Fürsten über sie gesetzt: den großen Erzengel Luzifer – um sie mit der Regierung Gottes zu regieren (Jesaja 14, 12-15; Hesekiel 28, 11-17). All dies ist in den vorangegangenen Kapiteln bereits näher behandelt worden.

Dieser Engelfürst, Luzifer, verkörperte nun den Inbegriff alles Vollkommenen, das Gott zu schaffen imstande ist (Hesekiel 28, 12 u. 15). Eines aber, das müssen wir bedenken, kann durch kein „Es werde” geschaffen werden: heiliger, gerechter Charakter. Er muss sich in jedem Wesen einzeln heranbilden durch einen Lernprozess, in welchem man allmählich das Richtige vom Falschen unterscheiden und sich für das Richtige und gegen das Falsche entscheiden lernt, auch wenn es den eigenen Wünschen zuwiderläuft.

Der große Luzifer und die Engel unter ihm (offenbar ein Drittel der Engelwelt) wurden als heilige Wesen erschaffen, aus Geist bestehend, unsterblich. Um ihnen als Einzelwesen Persönlichkeit und Individualität zu geben, musste ihnen aber auch Erkenntnis- und Denkvermögen, Entschlusskraft und Entscheidungsfähigkeit eingepflanzt werden.

Diese Engel folgten nun ihrem Herrscher Luzifer in dem Beschluss, sich gegen die göttliche Ordnung der Dinge, die göttliche Lebensweise, aufzulehnen. Diese Ordnung gründet sich auf den Gedanken der Liebe, des selbstlosen Interesses am Wohl des Nächsten, den Weg der Demut, des Gehorsams und der Liebe zum Schöpfer, des Gebens, Dienens, Helfens und Teilens. Diesen Weg verließen sie und beschritten den Weg der Eitelkeit, Wollust und Habgier, der Auflehnung, Eifersucht und Missgunst, des Konkurrenzgeistes, Haders und der Gewalt, des Hassenden, Verbitterten und Zerstörerischen. Die restlichen zwei Drittel der Engel und Erzengel sind heilig, loyal und Gottes Regierung gehorsam geblieben.

Um nun seinen gewaltigen Plan für die Bewohner der Erde zur Ausführung zu bringen, jenes gigantische, kosmische Vorhaben, an dem ursprünglich Luzifer und seine Engel hätten mitwirken können und sollen, vermehrt sich Gott nun durch den Menschen!

Luzifer stellte den absoluten Gipfel dessen dar, was Gottes Schöpferkraft an einzeln geschaffenen Wesen hervorbringen konnte. Als nun sogar er, Luzifer, sich auflehnte, blieb als einziges gegen jede Abweichung von Gottes Weg – Gottes Ordnung – unbedingt und hundertprozentig gefeites Wesen nur noch Gott selbst übrig. Gott kann nicht sündigen – weil er nicht sündigen will. Gott fasste nun den Plan, sich durch menschliche Wesen selbst zu vermehren.

Dies erforderte in den Menschen die Entwicklung gottähnlichen, heiligen, gerechten Charakters. Zu diesem Zweck war es notwendig, den Menschen aus irdischer Materie zu erschaffen; ferner, dass der Mensch sich aus eigener, freier Entscheidung der Ordnung Gottes unterwarf, Luzifers (jetzt Satans) rebellischen, ichbezogenen Weg zurückwies und komplett zu überwinden trachtete. Zur Erfüllung der Bestimmung, die Gott dem Menschen zugedacht hat, muss der Mensch dazu kommen, sich bewusst Gottes Ordnung als Lebensweise zu eigen zu machen – und den Weg Satans ein für allemal und grundsätzlich zu überwinden.

So schuf Gott den Menschen aus physischer Materie. Er schuf ihm einen Verstand ein, der demjenigen Gottes gleicht, aber insofern begrenzter ist, da er durch das organische Gehirn arbeiten muss, dem erst ein nichtmaterieller Bestandteil (Geist-Substanz) den menschlichen Intellekt verleiht.

Obwohl der heilige, gerechte Charakter, der sich entwickeln soll, von Gott kommen muss, so muss doch jeder Mensch seine eigene Entscheidung treffen. Aus eigenem Willen muss er sich dafür entscheiden, Satans Weg zurückzuweisen, dagegen anzukämpfen und sich Gottes Ordnung zu unterwerfen.

Vor diese Entscheidung wurde auch Adam gestellt. Gott ließ bewusst zu, dass Satan Adam mit seiner Art Rebellion gegen Gott konfrontieren konnte; nicht allerdings, bevor er, Gott, Adam genau unterrichtet hatte über die Wege Gottes – die göttliche Ordnung, die sich aufbaut auf dem Gesetz Gottes – ebenso, wie Luzifer und seine Engel am Anfang über die Wege und die Ordnung Gottes unterrichtet worden waren.

Dann erst ließ Gott zu, dass Satan Adam gegenübertreten durfte. Satan verführte Adam durch die Frau. Mit raffinierter Schläue brachte er Eva dazu, die Lehren Gottes anzuzweifeln; Adam schloss sich ihr an und warf sich, wie sie, gegen die Autorität und Herrschaft Gottes auf. Die Erkenntnis des Guten und Bösen – die Entscheidung darüber, was richtig und falsch ist – maßten sie sich nun selber an.

Da geschah eine Bewusstseinsveränderung mit Adam und Eva: die Augen wurden ihnen aufgetan (1. Mose 3, 7). Ein Geist der Auflehnung hatte von ihnen Besitz ergriffen. Ihre Gesinnung (ihr Herz) war nun pervertiert: arglistig und verschlagen, wie die Bibel sagt.

Und dieses Böse in ihnen kam von Satan! Nicht von Gott! Diese Natur des Schlechten war ihnen nicht von Anfang eingeschaffen.

Aber wie kommt es, dass der ganzen Menschheit heute diese üble Grundhaltung, „menschliche Natur” genannt, innewohnt? Haben Adams und Evas Kinder sie von ihren Eltern geerbt, als Erbgut der Gesinnung?

Dazu ein Beispiel: Gott ließ Adam in Schlaf fallen und entnahm ihm eine Rippe, aus der er Eva machte. Heißt das nun, dass alle Männer heute eine Rippe weniger besitzen? Natürlich nicht. Erworbene Eigenschaften werden nicht weitervererbt.

Adam und Eva wählten (erwarben) die „sündige Natur” bzw. Geisteshaltung von Satan. Sie ist nicht weitervererbt worden. Jesus Christus konnte z. B. ihren zweiten Sohn den „gerechten Abel” nennen.

Aber wie kommen wir Menschen dann heute (allgemein) zu dieser üblen Grundhaltung, genannt menschliche Natur?

Zum Teil erklärt das der Apostel Paulus im 2. Korintherbrief. Paulus sagt, er eifere darum, dass er Christus „eine reine Jungfrau [die Kirche] zuführte. Ich fürchte aber, dass, wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, so auch eure Gedanken abgewendet werden von der Einfalt und Lauterkeit gegenüber Christus” (2. Korinther 11, 2-3).

Als der Apostel Paulus schrieb, war Satan nach wie vor „da” (der Grund ist an anderer Stelle erklärt). Die Korinther hatten diese böse Natur nicht als Erbteil übernommen; nein, der Apostel fürchtete, sie könnten zu übler Geisteshaltung auf dieselbe Weise wie Urmutter Eva verführt werden – nämlich durch direkte Beeinflussung Satans.

Bevor Satan kam und ihr gegenübertrat, hatte Eva keine böse Gesinnung. Satan gelang es durch List, Eva zu verführen. Aber diese schlechte Natur ging nicht auf ihre Kinder über und wohnte auch der korinthischen Gemeinde nicht inne. Paulus fürchtete vielmehr, dass Satan, nach viertausend Jahren immer noch „da”, die Korinther direkt beeinflussen und verführen könnte, wie er es seinerzeit mit Eva gemacht hatte.

Satan war immer noch da, als Christus geboren wurde. Er suchte ihn gleich am Anfang physisch zu vernichten, wollte ihn ermorden lassen. Satan war da, als Jesus dreißig Jahre alt und getauft war; nun wollte er ihn geistlich vernichten, durch Versuchungen. Wie Satan den ersten Adam (geistlich) vernichtet hatte, so wollte er auch den „zweiten Adam” vernichten. Und Satan ist auch heute nach wie vor „da”.

Es ist ihm allerdings gelungen, viele, wenn nicht die meisten gebildeten Geister zu der Ansicht zu verführen, dass es ihn gar nicht gibt, dass es sich bei ihm um einen Mythos handelt. Ohne es zu wissen, sind auch die gebildetsten Geister diesem Trugschluss erlegen (Offenbarung 12, 9).

Hier eine Wahrheit, die Sie, der Leser, wissen müssen.

Im Epheserbrief (2, 1-2) sagt Gott durch den Mund des Apostels Paulus, die Epheser hätten „früher gelebt … nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams.”

Satan wird hier – hochwichtig! – der „Mächtige” genannt, der „in der Luft herrscht”. Vor sechzig Jahren konnte ich diese Stelle noch nicht verstehen. Ich wusste damals noch nichts von der Möglichkeit, Nachrichten in Bild und Ton drahtlos durch die Luft zu übertragen.

In den letzten Kapiteln habe ich betont, dass es sich bei Satan, dem ehemaligen Erzengel Luzifer, um das vollkommenste, mit den höchsten Fähigkeiten ausgestattete Wesen handelte, das Gott als Einzelkreatur zu erschaffen imstande war. Im Urzustand war er, Luzifer, vollkommen. Aber er ist aus Geist geschaffen und somit für menschliche Augen unsichtbar.

Dieses große, mächtige, wenngleich böse Wesen verfügt nun über die Gabe, die Erdatmosphäre buchstäblich „aufzuladen”. Es sendet Impulse!

Praktisch überall auf Erden ist man von Radiowellen umgeben, von Worten und Musik, die unhörbar in der Luft liegen. Ein Rundfunk- oder Fernsehgerät, auf die richtige Wellenlänge eingestellt, macht sie für menschliche Ohren vernehmbar.

Der in jedem Menschen wohnende Geist ist automatisch auf Satans Wellenlänge eingestellt. Man hört nichts, weil er nicht in Worten sendet – nicht in hörbaren Tönen oder Klängen. Er sendet unterschwellig – Gesinnungen, Geisteshaltungen: Egoismus, Wollust, Habgier, Eitelkeit, Eifersucht, Neid, Empörung, Konkurrenzgeist, Hader, Bitterkeit, Hass.

Mit einem Wort, die negativen menschlichen Grundtendenzen, die wir „menschliche Natur” nennen, wie Selbstsucht, Feindseligkeit, Bosheit, Auflehnung usw. hießen besser Satans Natur. Von ihm stammen nämlich diese Geisteshaltungen. Indem er sie aussendet und die Luft damit auflädt, hat Satan in den Arglosen überall auf der Welt heute sein Werk. So bewerkstelligt er es, die ganze Welt zu verführen (Offenbarung 12, 9 u. 20, 3). Da er unsichtbar ist, nimmt der Mensch durch die Sinne nichts von ihm wahr.

Dieser Mächtige, der in der Luft herrscht – der „Gott dieser Welt” – ist die eigentliche Quelle dessen, was wir als „menschliche Natur” bezeichnen.

Hier liegt die wahre Ursache alles Bösen auf der Welt!

Aber das begreift anscheinend niemand. Und daher tut die Welt auch nichts dagegen – nein, sie handelt unbewusst in Satans Sinn, macht die menschliche Natur verantwortlich und glaubt, dass Gott uns diese böse Natur eben mit in die Wiege gelegt hat. Dabei ist es in Wirklichkeit Satans Natur.

Lassen Sie mich veranschaulichen, wie man durch solch unterschwellige Suggestion beeinflusst und auf Satans Weg hingelenkt werden kann. Als Gott wollte, dass Juden, die im alten Babylon in Gefangenschaft lebten, nach Jerusalem zurückkehrten, um dort den zweiten Tempel zu bauen, gab er Kyrus, dem König von Persien (dem Nachfolgereich der Babylonier), einen entsprechenden „Befehl”. Beachten Sie die Art und Weise, wie er das tat:

„Im ersten Jahr des Kyrus, des Königs von Persien, erweckte der Herr … den Geist des Kyrus, des Königs von Persien, dass er in seinem ganzen Königreich mündlich und auch schriftlich verkünden ließ …” (Esra 1, 1), dass eine gewisse Anzahl Juden nach Jerusalem zurückkehren dürfe.

Gott sprach zu Kyrus nicht in Worten, nicht in unmittelbarer Kommunikation, wie zu Mose und den Propheten. Er wirkte auf ihn durch seinen Geist ein. Er „erweckte” den Geist des Kyrus, das heißt: weckte den entsprechenden Wunsch in ihm. Und er ließ ihn wissen, dass dieser Wunsch, der sich da in ihm regte und den er dann als Beschluss verkünden ließ, der Wille Gottes war.

Auf dieselbe Art und Weise wirkt auch Satan, der „Mächtige, der in der Luft herrscht”, auf den Geist der Menschen ein und weckt in ihnen Geisteshaltungen, Stimmungen. Neigungen: Egoismus, Eitelkeit, Wollust und Gier, Auflehnung gegen die Obrigkeit, Eifersucht und Neid, Konkurrenzgeist und Hader, Hass und Bitterkeit, gewalttätige, mörderische und kriegerische Tendenzen. Des Ursprungs dieser Geisteshaltungen, Gefühle, Motive und Impulse ist sich der Mensch nicht bewusst. Wie gesagt, man nimmt ja mit den Sinnen (Auge, Ohr usw.) nichts von Satan wahr. Man weiß nicht, dass diese Geisteshaltungen und Tendenzen von Satan kommen (Offenbarung 12, 9), man spürt sie aber sehr deutlich. So bringt es Satan fertig, die ganze Welt zu verführen.

Wer sich dieses Sachverhalts unbewusst bleibt, übernimmt die ihm von Kindesbeinen an unterschwellig eingeflößten, egoistischen Grundtendenzen mehr und mehr als das „Normale”. Sie werden wesensmäßig. Sie werden nicht bei jedem die gleiche Wirkung zeigen – beim einen wird das Böse stärker, beim anderen weniger stark durchschlagen –, aber die Grundtendenz ist da. Sie wird etwas Wesensmäßiges, Natürliches. Und wir nennen es dann „menschliche Natur”. Viele Menschen sind einfach depressiv, ohne überhaupt zu wissen, warum.

All dies ist ein ausgezeichnetes Beispiel, mit welcher List Satan vorzugehen versteht: Auch die größten Denker und Philosophen haben diesen Zusammenhang nicht durchschaut. Die ganze Welt ist von Satan zu einer Grundhaltung verführt worden, die ich oft einfach den Weg des „Nehmens” nenne – das eingefleischte, gleichsam natürlich gewordene Grundverhaltensmuster, „menschliche Natur” genannt.

Kaum jemandem ist bewusst, wie viele Bibelstellen, besonders im Neuen Testament, vor Satan und seiner Schläue warnen. Bevor ich darauf eingehe, sei das zweite Kapitel im Epheserbrief noch näher betrachtet.

Im ersten Kapitel sagt Paulus: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der „uns” (die Bekehrten zu Ephesus und Paulus – alle Christen) gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus (Epheser 1, 3). Gott hat uns erwählt, ehe wir überhaupt geboren waren – „ehe der Welt Grund gelegt war” – zum geistlichen Heil vorherbestimmt. Gott hat uns reichlich seine Gnade widerfahren lassen. Er zeigt, dass wir die Gemeinde jetzt, im „Zeitalter” des neuen Testamentes sind, die ersten zu dieser herrlichen Gnade Berufenen (wobei man immer berücksichtigen muss, dass Gott jetzt nicht die ganze Welt zu erretten sucht, sondern nur diejenigen, denen vorausbestimmt ist, dass sie jetzt berufen werden). Paulus hat von ihrem Glauben gehört und hört nicht auf, dafür Dank zu sagen. Er betet dafür, dass sich ihre Augen der Erkenntnis des gewaltigen Potentials des Menschen öffnen – des Reichtums und der Herrlichkeit ihres göttlichen Erbes.

Lesen Sie dieses Kapitel bitte auch einmal in einer anderen Übersetzung, z. B. von Jörg Zink oder Hermann Menge, genau durch.

Nun die wesentlichen Punkte des zweiten Kapitels: Ihr Christen zu Ephesus seid geistlich tot gewesen, Christus aber hat euch ewiges Leben eingepflanzt. Ihr zählt jetzt geistlich zu den „Lebenden”. Früher habt ihr nach dem Lauf dieser Welt gelebt (der egoistischen Lebensweise), nach dem Willen des Mächtigen, der in der Luft herrscht. 2. Korinther 4, 4 bezeichnet Satan als „Gott dieser Welt”, der denjenigen, die nicht an Christus und seine Wahrheit glauben, den Sinn verblendet hat. Nicht, dass sie diese Verblendung als Erbübel übernommen hätten – nein, Satan verblendete sie, die damals Lebenden, direkt.

Hier in Epheser 2 wird Satan aber bezeichnet als der Mächtige, der in der Luft herrscht (man beachte das Wort herrscht – „der in der Luft herrscht”), ferner als der Geist (das Geist-Wesen), der zu dieser Zeit – sprich: damals, zu Lebzeiten der Adressaten des Briefes – sein Werk hat in den Ungläubigen (Ungehorsamen), also dem größten Teil aller Menschen auf Erden. Die Menge-Bibel übersetzt hier sehr schön: Die Korinther hätten gelebt „… abhängig vom Zeitgeist dieser Welt, abhängig von dem Machthaber, der die Gewalt über die Luft hat [und noch heute in jenen wirksam ist, die auf die Wahrheit Gottes nicht eingehen], dem Geist, der gegenwärtig in den Söhnen des Ungehorsams wirksam ist.”

Dies zeigt Satan sehr deutlich als den unsichtbaren Herrscher, der, den Menschen unbewusst, Gewalt über ihr Denken hat und sie zu einer Einstellung führt, die ich den „Weg des Nehmens” nenne.

Die Bibel fährt fort, Vers 3: „Unter ihnen [so wie sie] haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches … und waren Kinder des Zornes von Natur wie auch die andern.” Diese „Natur” hat der Mensch von Satan erworben. Sie kommt nicht als Erbteil von unseren Eltern, sie ist uns nicht von Gott eingeschaffen. Das, was sich uns an Gewohnheiten und Wesenszügen einwurzelt, wird uns zur Natur.

Es handelt sich also nicht um eine erbliche, sondern um eine erworbene Eigenschaft, die zitierte Stelle kennzeichnet Satan, nicht Gott, als Urheber dieser „Natur”. „Von Natur Kinder des (göttlichen) Zornes”, heißt es hier in der Menge Übersetzung. Aber könnte Gott denn „von Natur” auf uns zornig sein wegen Eigenschaften, die er selbst uns eingepflanzt hat? Nein, Adam ist nicht mit dieser „bösen Grundnatur” geschaffen worden. Er erwarb sie von Satan. Luzifer (Satan) war vollkommen erschaffen worden. Auch er hat die schlechte Grundnatur erst erworben, und zwar durch seine eigene, falsche Entscheidung. Die Epheser damals hatten sie von Satan erworben. Dann aber hatte Christus sie – die durch ihre erworbene, böse Natur geistlich Toten – durch seine Gnade zum Leben erweckt.

Wie steht es nun grundsätzlich mit dem bekehrten Christen? Sein Geist, wie der aller anderen Menschen, bleibt auf Satans Wellenlänge eingestellt; die gleiche Grundnatur, die wie angeboren aussieht, ist vorhanden; von Kindesbeinen an hat ihn Satan damit infiziert. Der echte Christ ist aber zur Reue darüber gelangt. Er hat die verderbliche Grundtendenz erkannt, er ist „umgekehrt” und kämpft nun bewusst und radikal dagegen an; er hat sich den Wegen Gottes – der Herrschaftsordnung Gottes – unterworfen und sucht danach zu leben.

Die Stelle im 2. Kapitel des Briefes an die Epheser erklärt das. Der normale Mensch auf Erden ist geistlich „tot”. Die meisten Menschen gehen mit der egoistischen Grundtendenz der Welt konform, sie sind, wie es die Menge Übersetzung wiedergibt, abhängig „vom Zeitgeist dieser Welt”, beeinflusst „von dem Machthaber, der die Gewalt über die Luft hat [und noch heute in jenen wirksam ist, die auf die Wahrheit Gottes nicht eingehen]”.

Die Bekehrung macht uns gegen Satans Einflüsse keineswegs immun. Die Tendenz, sich über echtes oder eingebildetes Unrecht, das einem angetan wird, aufzuregen, die Tendenz, andere übervorteilen und überflügeln zu wollen, behält ihre Versuchungskraft. Das sind die Dinge, die der bekehrte Christ überwinden muss.

Überwinden, ein zentraler Begriff bei Jesus, bezeichnet das Überwinden der Wege Satans, die den Wegen Gottes entgegengesetzt sind. Wie Petrus unter Inspiration schrieb, muss der Christ an Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, wachsen.

Im Jakobusbrief (4, 7) heißt es: „So seid nun Gott untertan. Widerstehet dem Teufel, so flieht er von euch.” Genau darum geht es: dass man den selbstsüchtigen Gedanken, Geisteshaltungen, Tendenzen und Wegen, die Satan uns von Kindesbeinen an einflößt, die er ständig aussendet und den Ahnungslosen – durch den „Geist im Menschen” als Empfänger – in den Kopf setzt, aktiv Widerstand leisten muss.

Niemand ist nun freilich gezwungen, diesen Impulsen, die Satan sendet, zu folgen. Satan hat nicht die Kraft, jemanden zu falschem Handeln zu nötigen. Er kann einen nur beeinflussen, und diesem Einfluss folgen die meisten automatisch und unbewusst. Sie „treiben dahin”.

Die Stelle in 2. Korinther 4, 4 untermauert jedenfalls meine ganze Aussage hier, dass die böse Grundnatur dem Menschen nicht angeboren ist, sondern dass er sie individuell von Satan erwirbt.

Bevor ich den Rundfunk kennen lernte, hätte ich nicht zu erklären gewusst, wie Satan es „technisch” fertig bringt, den Menschen diese schlechte Grundhaltung einzuimpfen. Er ist ein mit übernatürlicher Kraft ausgestattetes Geist-Wesen. Er wurde auf einen Thron als König über die Erde gesetzt. Durch seine eigenen Denkprozesse erwarb er dann jene böse Natur. Gott hat sie ihm nicht eingeschaffen (Hesekiel 28, 15). Obschon jetzt als irdischer Sachwalter der Herrschaft Gottes disqualifiziert, muss er hier bleiben, bis sich sein Nachfolger qualifiziert hat und ins Amt eingeführt worden ist. Es gibt einen Grund dafür, warum Christus noch nicht gekommen ist, um dieses Amt anzutreten, Satan zu entmachten und die Herrschaft Gottes wiederaufzurichten.

Ehe sich Jesus dafür qualifizieren konnte, die Herrschaft Gottes wieder aufzurichten und den Erdkreis zu regieren, musste er zunächst Satans schwerster Versuchung widerstehen. Von diesem Kampf liest man im vierten Kapitel von Matthäus. Jesus, Mensch geworden, musste als höchste Prüfung erst Satans Weg verwerfen und sich in Lehre und Verhalten der Herrschaft Gottes gehorsam erweisen, damit er sie wieder aufrichten kann.

Unmittelbar danach – nachdem er sich zur Wiedererrichtung der Herrschaft Gottes auf Erden qualifiziert hatte – kam Jesus dann nach Galiläa, predigte das Evangelium vom Reich Gottes und verkündete, „die Zeit ist erfüllt …” (Markus 1, 1 u. 14-15). Sie war erst erfüllt, als Jesus in titanischem Kampfe Satan widerstanden, ihn überwunden und seine Gewalt über ihn bewiesen hatte.

In diesem Zusammenhang eine Erkenntnis, die Ihnen wahrscheinlich neu ist:

Wie ich schon mehrfach ausgeführt habe, versucht Gott in der heutigen Zeit nicht, die ganze Welt zu bekehren. Er beruft jetzt nur eine relativ sehr kleine Anzahl Menschen.

Warum? Warum beruft Gott heute nicht gleich die ganze Menschheit?

Genießen die unter uns, die jetzt berufen werden, irgendeine Vorzugsbehandlung?

Nun, bedenken Sie: Wir, die jetzt Berufenen, müssen Satan widerstehen, der alle Register ziehen wird, um die Berufenen zu attackieren und zu vernichten!

Alle anderen treiben ja ohnehin schon auf Satans Kurs dahin. Sicher, er sucht jeden mit seinem egoistischen Weg, der dem Weg Gottes entgegengesetzt ist, zu infizieren. Doch bei der Masse der Menschen hat er dieses Ziel ja bereits erreicht. Daher richtet sich sein ganzer Hass nun auf uns: die wir uns von seinem Weg abgewandt haben, dagegen ankämpfen und uns zu Gottes Weg bekehrt haben – der Herrschaftsordnung Gottes. Ganz gezielt sucht er uns zu vernichten! Ohne den Beistand Gottes und auch seiner Macht über Satan, stünden wir auf verlorenem Posten!

Wenige, sogar unter erklärten und bekehrten Christen, sind sich bewusst, wie wichtig, ja lebensnotwendig es ist, stets auf der Hut zu sein vor den Versuchen Satans, uns, die wir uns von Satans Weg zu Gottes Weg bekehrt haben, immer aufs neue zu verführen. Schon viele sind aus eben diesem Grund Satan unterlegen und abgefallen (2. Thessalonicher 2, 3).

Nur wenige setzen in die Tat um, was Gott durch Paulus später den Ephesern sagte: „Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel” (Epheser 6, 10-12).

Es gibt einen Grund, warum Gott die zur Berufung in der Jetztzeit Prädestinierten einer so harten Bewährungsprobe – gegen Satan und seiner Rebellion gegen Gottes Herrschaft – unterzieht.

Um uns für das Reich Gottes als Mitherrscher (unter Christus) zu qualifizieren, müssen wir uns nicht nur von Satans falschem Weg abkehren, sondern dagegen ankämpfen, bis wir ihn überwunden haben, in stetem Vertrauen auf Gottes Beistand in diesem Ringen.

So, wie wir von frühester Kindheit an die satanische Natur erworben haben, legen wir sie nun durch die Bekehrung und den Überwindungskampf wieder ab. Wir erwerben stattdessen die Gottesnatur oder, wie Petrus schreibt, „bekommen Anteil an der göttlichen Natur” (2. Petrus 1, 4). Auch sie ist uns keineswegs angeboren.

Luzifer erwarb also die „Satansnatur” durch eigenes Entscheiden, eigene Wahl. Menschen erwerben sie von Kindesbeinen an von Satan und nennen sie „menschliche Natur”. Bekehrte Christen dagegen, die Satans Weg verwerfen und überwinden, werden einer anderen Natur „teilhaftig” bzw. erwerben die Natur Gottes. Gottes großes Vorhaben bedingt jedoch, dass wir vorher grundsätzlich und total Satans Weg verwerfen und uns der göttlichen Herrschaft unterordnen.

Wenn Gott schließlich darangeht, jeden Menschen auf Erden zum geistlichen Heil zu berufen, wird Satan ein Jahrtausend lang gebunden sein, unfähig, seine verderblichen Impulse und Geisteshaltungen auszustrahlen. Frieden wird auf der Welt herrschen. Die dann Berufenen werden keinen Kampf mehr zu führen haben wie wir jetzt.

Aber warum? Es muss doch einen Grund geben.

Denen unter uns, die jetzt berufen sind, gilt das Jesuswort: „Und wer überwindet [Satan und das eigene Ich] und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden [gemeint sind: die Völker der Erde], und er soll sie weiden mit eisernem Stabe …” (Offenbarung 2, 26-27).

Nach Christi Amtsantritt als Herrscher, als König der Könige und Herr der Herren werden wir, die jetzt Berufenen, mit und unter ihm regieren, wenn er die Herrschaft Gottes auf Erden wiedererrichtet.

Es heißt weiter: „Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Throne zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron” (Offenbarung 3, 21). Das bedeutet, dass jene, die mit Christus regieren werden, wenn er kommt, um die Herrschaftsordnung Gottes wieder aufzurichten, jetzt überwinden müssen (und das heißt auch: Satan überwinden), wie Christus es damals tat!

Gilt das nun aber auch für jene, die erst nach Christi Wiederkehr, im Millennium, bekehrt werden?

Die Antwort ist: Nein! Die beiden eben zitierten Stellen stammen aus den so genannten sieben Sendschreiben an die sieben Gemeinden, die stellvertretend für das Zeitalter der Gemeinde stehen. Auf die erst später Berufenen beziehen sie sich nicht. Gelten sie nur für die Zeit von Thyatira und Laodicea? Nein, sie gelten dem gesamten Zeitalter der Gemeinde. Die sieben Sendschreiben gelten für sieben aufeinander folgende Abschnitte des Gemeindezeitalters einzeln, sie gelten aber auch für die ganze Gemeinde in der gesamten Zeit. Mit anderen Worten, die Charakteristiken der Gemeinde zu Ephesus waren für den ersten Abschnitt bestimmend, jene der Laodizea-Gemeinde werden für den letzten bestimmend sein, aber einige dieser Charakteristiken ziehen sich durch alle Abschnitte. Die Sendschreiben sind an die ganze Kirche gerichtet (was ich übrigens schon seit mehr als fünfzig Jahren sagte und schrieb), nur eben, dass einzelne Charakteristiken in einzelnen Abschnitten stärker hervortreten.

Bitte machen Sie sich aber diesen Kernpunkt klar:

Jesus musste sich zum Herrscher der Erde erst qualifizieren. Gottes ganzes Vorhaben geht darauf hinaus, auf Erden die Gottesordnung, seine Herrschaft, wiederherzustellen, das Reich Gottes zu errichten. Jesus musste die – ausgesucht teuflischen – Versuchungen Satans bestehen und überwinden. Und sollen wir nun ohne solche Qualifikation in das Amt gehen? Natürlich nicht! Wer mit und unter Christus regieren soll, wenn er die Herrschaft Gottes auf Erden wiedererrichtet, muss sich qualifizieren – muss sich von Satans Weg grundsätzlich zu Gottes Weg bekehren, d.h. zur Herrschaft Gottes. Mit Stumpf und Stiel müssen wir alle satanischen Neigungen und Tendenzen ausrotten, so gründlich, dass wir uns ein für allemal gegen Satans Wege immun machen – dass wir nicht mehr sündigen können (1. Johannes 3, 9).

Die nach Christi Wiederkehr zum geistlichen Heil Berufenen werden nicht mehr gegen Satan ankämpfen müssen.

Zwei weitere Stellen, Matthäus 25 und Offenbarung 20.

Zuerst das 25. Matthäuskapitel, Vers 31: „Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit.” Christus kommt mit der höchsten Macht und Herrlichkeit des Schöpfergottes. Er kommt, um die Herrschaftsordnung Gottes über die ganze Erde wiederzuerrichten – über alle Völker. Eine einzige, im wahrsten Sinne des Wortes allmächtige Weltregierung. Er wird den Thron Davids zu Jerusalem wiederaufrichten. Seit 1968 arbeitet die Ambassador Internationale Kulturstiftung unter der Leitung der Weltweiten Kirche Gottes mit der Hebräischen Universität und der Archäologischen Gesellschaft von Israel an einem Gemeinschaftsprojekt in Jerusalem: Ausgrabungsarbeiten an der Stelle, wo einst, vor zweieinhalb Jahrtausenden, der Thron Davids stand.

Und weiter: „… und alle Völker werden vor ihm versammelt werden …” (Vers 32). Er kommt, um die ganze Welt zu regieren – die Herrschaft Gottes wieder aufzurichten.

Jeder Staat gründet sich auf ein Grundgesetz. Das Gesetz Gottes ist mit keiner menschlichen Gesetzgebung vergleichbar. Es ist ein geistliches Gesetz (Römer 7, 14). Und es ist heilig (Römer 7, 12). Es bezeichnet eine LebensweiseGottes Lebensweise. Wenn Menschen nach diesen Lebensprinzipien regiert und erzogen werden, wird Friede, Glück, Freude und Fülle herrschen!

Dieses Grundgesetz der Herrschaft Gottes ist auch das Gesetz, an dem sich der Christ in seinem Leben orientieren muss. Sünde ist (geistlich gesehen) Übertretung dieses Gesetzes (1. Johannes 3, 4). Christus kommt, um alle Menschen zu geistlichem Heil und ewigem Leben zu berufen. Dann – und erst dann! – ist die Stunde gekommen, da Gott die ganze Welt geistlich zu retten sucht.

Weiter: „Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!” (Matthäus 25, 32-34).

Die Völker vor dem Königsthron, das sind die Völker dieser Welt. Die schon im Gemeindezeitalter und früher (Propheten usw.) zum Heil Berufenen werden dann bereits auferstanden sein und bei Christi Rückkehr in die Wolken auffahren, um ihm zu begegnen (1. Thessalonicher 4, 16-17). Mit Christus werden sie dann regieren, bereits unsterblich, aus Geist bestehend (Offenbarung 2, 26-27; 3, 21). Mit ihm zusammen werden sie das Gottesreich bilden.

An diesem Punkt ist eine Erläuterung des Unterschiedes zwischen Herrschaft Gottes und Reich Gottes notwendig. Die Herrschaft Gottes wurde in vorgeschichtlicher Zeit auf Erden über die Engel errichtet.

Das Reich Gottes aber ist zweierlei: die Herrschaft Gottes, verbunden mit der Familie Gottes. Die in der heutigen Zeit Bekehrten werden bei der Auferstehung das Reich Gottes erben. Sie werden von Gott geboren sein – hineingeboren in die Gottfamilie selbst, als Mitglieder. Sie werden geistlich eine Ehe mit Christus eingegangen sein, eine Ehe, welche in den tausend Jahren, die auf Christi Rückkehr als König zur Erde folgen, geistgezeugte und -geborene Kinder Gottes hervorbringen wird.

Nun zum 20. Kapitel der Offenbarung:

Johannes sieht hier in einer Vision „einen Engel vom Himmel herabfahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand. Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn für tausend Jahre …” (Offenbarung 20, 1-2).

Wenn Christus in höchster Macht und Herrlichkeit zur Erde zurückkehrt, wird er bereits mit vielen Kronen gekrönt worden sein. Die Krönungsfeierlichkeit wird vor seiner Wiederkehr im Himmel (am Thron des Vaters) stattgefunden haben. Dann wird Christus ins Amt eingeführt worden sein. Wie ich schon sagte, muss Satan – samt seinem verderblichen Einfluss – so lange auf Erden bleiben, bis Christus, sein Nachfolger, sich qualifiziert hat und ins Amt eingeführt worden ist.

Unmittelbar bei Christi Rückkehr wird Satan in Banden gelegt.

Weiter: „… und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und setzte ein Siegel oben darauf, damit er die Völker nicht mehr verführen sollte, bis vollendet würden die tausend Jahre. Danach muss er losgelassen werden eine kleine Zeit” (Vers 3).

Bis dahin werden die Auferstandenen tausend Friedensjahre lang mit Christus über alle Nationen der Erde herrschen.

Malen Sie sich nur aus, wie das sein wird, wenn Christus und die auferstandenen Heiligen das Gottesreich und eine göttliche Weltregierung über alle dann noch lebenden Menschen bilden werden. Satan wird seine Impulse nicht mehr senden können. Christus wird herrschen, die göttliche Ordnung wird regieren.

Dann aber (Vers 7-8): „Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan losgelassen werden aus seinem Gefängnis und wird ausziehen, zu verführen die Völker an den vier Enden der Erde … um sie zum Kampf zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand am Meer.”

Sehen Sie: Dies sind Völker in einer friedlichen Welt, die satanische Natur, die wir „menschliche Natur” nennen, kennen sie überhaupt nicht. Sie leben so glücklich und friedlich, wie man sich nur denken kann. Nun aber sendet Satan wieder seine Impulse. Wohlgemerkt, es handelt sich um Menschen. Sie können Satan nicht sehen. Achten Sie aber auf die Veränderung, die in dem Augenblick, da Satan los wird und wieder seinen Einfluss ausüben kann, über sie kommt.

„Und sie [die Völker] stiegen herauf auf die Ebene der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt …” (Vers 9-10). Schlagartig steckt wieder „menschliche Natur” in ihnen! Schlagartig neigen sie wieder zu Neid, Eifersucht auf die Heiligen Gottes, Hass und Brutalität! Aber Gott wird nicht dulden, dass sie wüten. Sie werden in vollem Bewusstsein handeln – sie werden vor Satan gewarnt worden sein. „… Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie. Und der Teufel, der sie verführte, wurde geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel … und … [wird] gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit”.

Darauf folgt dann das „Gericht vor dem großen, weißen Thron” – die Auferstehung aller Menschen von Abels Zeiten bis zur Rückkehr Christi, die nicht von der ersten Auferstehung erfasst bzw. von Gott berufen worden sind. In diesem Gericht wird das „Buch des Lebens” aufgetan, das bedeutet, dass viele, vielleicht die meisten, dann noch geistliches Heil und ewiges Leben finden werden. Zur Zeit ihres Gerichts wird Satan verschwunden sein.

Bis heute hat Gott – im Gegensatz zur herrschenden Meinung und Tradition der „christlichen” Welt – nur sehr wenige zum geistlichen Heil berufen.

Von Adam bis Noah wissen wir nur von Abel, Henoch und Noah in einem Zeitraum von ungefähr 1900 Jahren. Von Noah bis Christus gab es Abraham, Lot, Isaak, Jakob und Joseph bis zum Auszug der Kinder Israel aus Ägypten. Dem alttestamentlichen Volk Israel hat Gott geistliches Heil (ewiges Leben) niemals angeboten, nur den Propheten und zu besonderen Aufgaben Berufenen.

Von Adam bis Christus ist niemand zu geistlichem Heil berufen worden außer einigen wenigen, die besondere Aufträge zu erfüllen hatten.

Und auch von Christus bis heute ist nur eine winzig kleine Zahl Menschen berufen worden, und auch sie wiederum zu einer besonderen Mission, nämlich dem großen Auftrag: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium” (vom Reich Gottes).

Wir, die wir jetzt in diesem „Kirchenzeitalter” berufen worden sind, sind deshalb berufen, um uns zu qualifizieren als Mitherrscher Christi im Reich Gottes und um die Herrschaftsordnung Gottes wieder herzustellen, mit anderen Worten, heiligen, gerechten, gottähnlichen Charakter zu entwickeln. Und unser Teil am großen Auftrag besteht in der uns von Gott gestellten Aufgabe. Sie ist das Mittel, das uns auf die Herrschaft mit und unter Christus vorbereitet, wenn er kommen wird – und das ist schon bald!

Vorliegendes Kapitel begann mit der Frage, ob man schon als kleines Kind mit der üblen „menschlichen Natur” behaftet sei oder nicht. Lassen Sie mich dazu am Schluss noch drei Bibelstellen zitieren:

„Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm [Jesus], damit er sie anrühren sollte … Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes” (Lukas 18, 15-16). Die schlechte Grundnatur, von der manche irrtümlich annehmen, dass sie in jedem Kind schon steckt, ist die Natur des Satansreiches, „solcher” dagegen – der Kinder – ist das Reich Gottes.

„Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen” (Matthäus 18, 1-3).

„Aber Jesus sprach: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich” (Matthäus 19, 14).

Wir Menschen fangen bei der Geburt gleichsam „rein” an. Doch dann werden wir mehr und mehr verseucht und durchdrungen von der egoistisch-egozentrischen Geisteshaltung, die Satan ausstrahlt. Satans Reich der Engel – die jetzt zu Dämonen verwandelt sind – lehnte sich seinerzeit gegen die Herrschaftsordnung Gottes auf und wurde von der Erde verstoßen. Gott setzte nun die Menschen zu dem Zweck auf die Erde, dass sich heiliger, gerechter Charakter, gottähnlich, in ihnen heranbildet. Gott will Menschen, die Satans Lebenshaltung grundsätzlich bekämpfen und überwinden und sich der Herrschaftsordnung Gottes unterwerfen – seiner Lebensweise.

Die Herrschaftsordnung Gottes existiert heute auf Erden nur in denen, die innerhalb der Kirche Gottes durch Gottes Geist geleitet werden. Satan ist zornig. Er hasst sie. Heimtückisch sucht er denen, die unter diesem Regiment der Liebe leben, vorzuspiegeln, es handle sich um ein hartes und grausames Satansregiment.

Aber ich wiederhole – es heißt von Satan in seiner ursprünglichen Beschaffenheit: „Du warst ohne Tadel in deinem Tun … bis an dir Missetat gefunden wurde.” Durch falsches Denken erwarb er die Natur der Auflehnung und des Bösen. Adam erwarb sie von Satan, die Epheser (Epheser 2, 1) erwarben sie von Satanwie die ganze Menschheit überhaupt, mit Ausnahme Jesu Christi. Jetzt aber, in Christus und durch seine Gnade, können wir die göttliche Natur erwerben (2. Petrus 1, 4).

Gottes großes Ziel heißt: Wiedererrichtung der Herrschaftsordnung Gottes auf Erden im Reich Gottes und durch das Reich Gottes.

Durch Christi Gnade können wir die „menschliche Natur” ändern, und sie ganz ausrotten und die göttliche Natur an ihre Stelle setzen!

Chapter 12: Gibt es Leben nach dem Tode?

Warum eigentlich dieses Geheimnis über das Leben nach dem Tode? Warum gehen die Lehren der vielen verschiedenen Religionen da so auseinander? Wie kann man sich Gewissheit verschaffen? Kann man Gott Glauben schenken? Adam und Eva taten es nicht. Nur wenige schenkten Christus Glauben – das heißt, nur wenige glaubten dem, was er sagte. Könnten wir Gott – offenbarte er es uns – beim Wort nehmen?

Vor zweiundfünfzig Jahren behauptete ich meiner Frau gegenüber. „Ich weil dass in der Bibel steht, ‚man soll den Sonntag halten.’” „Woher weißt du das?” fragte sie. „Hast du es gelesen?”

„Nein, aber ich weiß es, denn alle christlichen Kirchen berufen sich doch auf die Bibel, und sie halten alle den Sonntag.”

„Dann schlag doch nach und zeig mir die Stelle”, forderte sie mich heraus.

Aber ich konnte sie nirgends finden.

Ich stieß auf Römer 6, 23: „Denn der Sünde Sold ist der

Tod …” „Einen Moment!” rief ich überrascht, „in der Sonntagsschule hat man doch gesagt, die Sünde brächte uns ewiges Leben ein, nämlich ewiges Leben in der Hölle.” Dann las ich den Rest des Verses: „… die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben …”

„Also, jetzt bin ich völlig durcheinander!” sagte ich. „Ich dachte, ich hätte das ewige Leben schon. Ich habe doch eine unsterbliche Seele.”

Kirche und Sonntagsschule hatte ich verlassen, als ich achtzehn war. Aber ich war in einer angesehenen, etablierten christlichen Glaubensgemeinschaft groß geworden. Es interessierte mich. Ich hatte den Prediger sagen gehört: „In der Bibel steht, wenn wir alle in den Himmel kommen …„ Nun las ich aber das Jesuswort: „Niemand ist gen Himmel aufgefahren.” Nach Lektüre weiterer Bibelaussagen begann ich zu glauben, dass sogar die Kirchen heutzutage nicht dem glaubten was Christus sagte!

Ja, vor zweiundfünfzig Jahren wurde ich befreit von aller Vorgeprägtheit, allen früheren religiösen Lehren und Auffassungen. Ich hatte den Beweis gefunden für die unfehlbare Inspiration der Bibel in ihrer Urfassung.

Ich konnte, durfte nun glauben, was Gott in seinem Wort sagt.

Was sagt die Bibel über ein Leben nach dem Tod? Gab oder gibt es jemanden, der nach dem Tode tatsächlich weitergelebt hat – und der es beweisen könnte? Und uns erklären, wie dieses Leben ausgesehen hat?

Ja, es gibt ihn. Jesus Christus ist gestorben und war tot wie alle Menschen. Aber er ist auferstanden und wurde von vielen gesehen – unter anderem seinen Jüngern, die vor seinem Tode dreieinhalb Jahre und nach seiner Auferstehung vierzig Tage mit ihm zusammen waren. Laut verkündeten sie aller Welt, sie seien Augenzeugen seines Lebens nach dem Tode gewesen.

In 1. Korinther 15, 22-23 lesen wir: „Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden [nach dem Tod]. Ein jeder aber in seiner Ordnung …”

Dies fünfzehnte Kapitel des ersten Korintherbriefs ist das „Auferstehungskapitel” der Bibel. Sein Thema: die Auferstehung zum Lebennach dem Tod! Doch Gottes Plan sieht da eine Ordnung vor, eine Reihenfolge von drei Auferstehungen.

Nämlich zuerst der Erstling Christus – das war vor fast zwei Jahrtausenden –, danach die, die Christus angehören, wenn er kommen wird; danach das Ende …” (Vers 23-24).

Später im Kapitel ist von der Auferstehung derer, „die Christus angehören”, der geistgezeugten Christen, noch ausführlich die Rede. Was wird aber mit den Nichtchristen?

Es heißt ja, dass alle, die in Adam sterben, „in Christus lebendig gemacht werden sollen” – durch eine Auferstehung von den Toten. Diejenigen, die Christus angehören, sollen auferstehen, wenn er kommen wird, das heißt bei seinem zweiten Kommen, das jetzt unmittelbar bevorsteht, in unserer Generation (Vers 23) „… danach das Ende …” (Vers 24). Die Auferstehung der anderen, der großen Mehrheit der Menschen, die bisher gelebt haben, wird hier nicht mehr erwähnt, aber an anderer Stelle der Bibel.

In Offenbarung 20 sind zwei weitere Auferstehungen prophezeit.

Zunächst (Vers 4) sollen die Heiligen, die Christus angehören, tausend Jahre mit ihm die Erde regieren. Satan wird entmachtet (Vers 1-2), die Masse der Menschen, die gestorben sind, wird jedoch erst am Ende der tausend Jahre lebendig (Vers 5). Dann heißt es von Vers 11 an:

„Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Und ich sah die Toten, Groß und Klein, stehen vor dem Thron [die zweite Auferstehung], und Bücher wurden aufgetan. Und ein andres Buch wurde aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet … nach ihren Werken.”

Dies wird, zahlenmäßig, die bei weitem größte Auferstehung sein: nämlich der Milliarden, die ohne Gottkenntnis gelebt haben, abgeschnitten von Gott, die noch nicht gerichtet sind.

Die Bibel befasst sich in der Hauptsache mit dem Volk Israel. Dessen Auferstehung – als vorher nicht zum Heil Berufene – schildert Hesekiel 37.

Der Prophet Hesekiel wird in einer Vision zu einem Feld voller Toten-Gebeine entrückt. Gott sagt ihm (Vers 11), diese Gebeine stellten das Haus Israel dar. Die Skelette „sprechen” dann und sagen: „Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren …”

Dem Propheten wird aufgetragen, ihnen zu sagen: „So spricht Gott der Herr. Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels.”

Ehe Gott dem Propheten die Identität der Gebeine auf dem großen Totenfeld enthüllt, heißt er ihn, den Gebeinen zu sagen: „So spricht Gott der Herr … Siehe, ich will Odem in euch bringen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und lasse Fleisch über euch wachsen und überziehe euch mit Haut und will euch Odem geben, dass ihr wieder lebendig werdet …” (Vers 5-6). Zurück zu Vers 13: „Und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole. Und ich will meinen Odem in euch geben, dass ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin. Ich rede es und tue es auch, spricht der Herr.”

Prophezeit wird da eine Auferstehung zu fleischlich sterblicher Existenz – nicht eine Auferstehung (wie die der Heiligen bei Christi zweitem Kommen) zu unsterblichem, aus sich selbst seiendem Geist-Leben.

Gottes Geist und das geistliche Heil blieb dem alttestamentlichen Israel verschlossen. Gott gab ihnen nur materielle und nationale Verheißungen – und auch nur unter Voraussetzung ihres Gehorsams, und den verweigerten sie ihm.

Nun aber, in der Auferstehung vor dem „großen, weißen Thron”, werden zusammen mit der großen Masse der Menschen, die von Gott abgeschnitten waren, auch die Israeliten (jene eingeschlossen, die auch nach Christi erstem Kommen nicht berufen wurden) auferstehen zu sterblichem, atmendem fleischlichem Leben. Sie werden dann hoffentlich zur Erkenntnis Gottes des Herrn kommen, und er wird, wenn sie sich ändern, seinen Heiligen Geist in sie geben. Sie werden in dieser Auferstehung – mit allen Menschen aus allen Völkern, die nicht vor dem Millennium persönlich berufen waren – erneut zu physischem Leben erwachen. Und nach einer Zeit des Reifens und Überwindens werden sie das geistliche Heil erlangen – ohne dass Satan, der nun entmachtet ist, sie noch verführen könnte!

Wieder zu Offenbarung 20. Vers 13 bis 15 verweisen noch auf eine weitere, letzte Auferstehung: nämlich der Unverbesserlichen, die das Heil einmal in voller Kenntnis verworfen haben. Sie werden mit allen anderen Unverbesserlichen, die am Ende des Millenniums leben – den zweiten Tod sterben, ausgelöscht werden im „feurigen Pfuhl”, den Petrus als ein Verbrennen und Schmelzen der ganzen Erdoberfläche beschreibt.

Ähnlich Maleachi: „Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der kommende Tag wird sie anzünden, spricht der Herr Zebaoth, und er wird ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Und ihr sollt herausgehen … Ihr werdet die Gottlosen zertreten; denn sie sollen Staub unter euren Füßen werden an dem Tage, den ich machen will, spricht der Herr Zebaoth” (Maleachi 3, 19-21). „Es wird sein, als wären sie nie gewesen” (Obadja 16).

Was aber erlebt man in jenem „Zwischenreich”, in der Spanne zwischen Tod und Auferstehung? Nach biblischer Lehre und entgegen mancher Kirchenlehre: nichts. Die Schrift lehrt, dass die Toten tot sind – völlig ohne Bewusstsein.

Salomo sagt es mit inspirierter Weisheit: „Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen nichts …”, sind ohne Wahrnehmung und ohne Bewusstsein (Prediger 9, 5).

Einer von Gottes Predigern erzählte mir neulich von drei Beinahe-Selbstmordfällen, mit denen er zu tun gehabt hatte. Jedes Mal sagte er dem Betreffenden: „Gut, ich will Sie nicht abhalten – aber vorher sollen Sie wissen, was beim Tode geschieht. Was Ihr Bewusstsein angeht, werden Sie bruchlos hinübergleiten in die Auferstehung – und wenn Sie jetzt Selbstmord begehen, werden Sie immer noch vor Ihren ungelösten Problemen stehen, und zusätzlich haben Sie dann auch noch einen Mord auf dem Gewissen. Warum nicht lieber die Probleme jetzt lösen, ehe Sie in den Freitod gehen?” Keiner der drei machte seine Selbstmordabsicht wahr.

Man gewinnt also nichts, wenn man „ein Ende macht”, im Glauben, es sei ein leichter Ausweg. Gleich nach dem Tod erwacht man schon in der Auferstehung. Vom Augenblick des Todes bis zur Auferstehung vergeht, subjektiv, nur ein Sekundenbruchteil. Wie der Prediger erklärte, hatten diese Menschen geglaubt, der Selbstmord sei das Ende von allem und befreie sie von ihren Nöten; als sie aber erkannten, dass ihre Probleme ihnen bleiben würden, plus einer Mordanklage vor jenem Gericht, hielten sie Selbstmord für keinen „Ausweg” mehr.

Nun, der Tod ist kein Freund, sondern ein Feind! Christus kam, um mit dem Tod ein Ende zu machen – allen ein glückliches, friedliches, erfülltes Leben möglich zu machen, jedem zu seiner Zeit. Er kam, damit wir leben und „volle Genüge” haben sollen.

Es gibt ganz sicher ein Leben nach dem Tode – und Christus macht die Erfüllung eines transzendenten menschlichen Potentials möglich, so hoch, dass es unfassbar erscheint. Er kam, um an unserer Statt zu sterben – die Strafe abzubüßen, die wir auf uns gezogen haben, und um uns Leben zu geben!

Christus selbst lehrte, dass es ein Leben nach dem Tode gibt.

Dem Pharisäer Nikodemus sagte er es, aber Nikodemus glaubte ihm nicht. Jesus fragte: „Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage?” (Johannes 3, 12.)

Warum begriff man sein Wort nicht: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen?” (Vers 3). Warum versteht man das auch heute noch nicht? Wer ist sich heute schon bewusst, dass Jesu Evangelium etwas nie zuvor Verkündetes, etwas sensationell Neues war?

Jesus war ein Nachrichtenübermittler

Es gibt darüber eine Prophezeiung Maleachis, die die Bewohner Judäas kannten oder hätten kennen sollen. Es war das Evangelium Gottes – und Evangelium bedeutet gute Nachricht oder „Neuigkeit”.

Jesus war ein Reporter. Er hatte etwas völlig Neues, nie zuvor Verkündetes zu sagen. Es war die wunderbarste Nachricht aller Zeiten, fast zu wunderbar, um glaubhaft zu sein. Es war die Nachricht von dem unfassbaren, transzendenten Potential des Menschen.

Diese „Nachricht”, die Jesus brachte, bezog sich nicht auf Vergangenes, sondern war eine Vorausmeldung kommender Dinge: einer fast unglaublichen utopischen Zukunftswelt. Es war eine Nachricht vom Leben nach dem Tode. Und es war die Nachricht, dass wir wiedergeboren werden können! Doch ist sie weithin unverstanden geblieben.

Warum hat die Welt nie das umwälzend Neue daran erkannt?

Weil Gegner des Evangeliums bereits im ersten Jahrhundert die Botschaft unterdrückten.

Auf urapostolischem und christlichem Fundament wurde am Pfingsttag des Jahres 31 n. Chr. die Kirche Gottes gegründet. Schon zwei Jahrzehnte später, als Paulus den Galaterbrief schrieb, war die ursprüngliche Botschaft schon unterdrückt, und dem Volk war von falschen Predigern ein anderes Evangelium untergeschoben worden. „Mich wundert”, schreibt Paulus, „dass ihr euch so bald abwenden lasset von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem andern Evangelium, obwohl es doch kein andres gibt; nur dass einige da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren” (Galater 1, 6-7). Und im Römerbrief: „Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten” (1, 18). Im 2. Korintherbrief, Kapitel 11, spricht Paulus von falschen Aposteln, Satansdienern (Vers 13-15), die kommen und ein „anderes Evangelium” predigen (Vers 4).

Damals galt es, die Botschaft zu verkünden. Und heute gilt es, ihre wahre Bedeutung so klarzumachen, dass man sie versteht (Matthäus 24, 14).

Das soll in diesem Kapitel geschehen. Es stellt an Sie, den Leser, einen hohen Anspruch. Sie müssen die „Nachricht” voll und ganz begreifen, sonst werden Sie nicht verstehen, was Jesus mit „Wiedergeburt” gemeint hat.

Was war die Nachricht?

Zunächst also zu der Frage, worin Jesu Botschaft, die erstaunliche Nachricht, bestand. Die Vorankündigung bei Maleachi lautet: „Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht [der Messias]; und der Engel [Bote] des Bundes, den ihr begehrt …” (Maleachi 3, 1).

Zur Botschaft selbst nun, aufgezeichnet im Markusevangelium, Kapitel 1: „Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Wie geschrieben steht im Propheten Jesaja …” Hier folgt als Zitat die oben erwähnte Maleachi-Stelle. Dann wird von Johannes dem Täufer berichtet, dem Wegbereiter Jesu.

Schließlich die Verse 14-15: „Nachdem aber Johannes gefangen gesetzt war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!” – das heißt, glaubt an die gute Nachricht!

Was Ist das Reich Gottes?

Was meinte er – Reich Gottes?

Um diesen Begriff – das Reich Gottes – dreht sich das ganze Evangelium Jesu. Nur wenige wissen heute etwas davon.

Ein Königreich ist a) eine Nation, die sich zusammensetzt aus einem Volk und b) die Regierung dieser Nation, die „Reichsgewalt”.

In manchen Fällen stammt ein ganzes Volk von einem einzigen Vorfahren ab. Es gibt geschichtliche Indizien dafür, dass etwa die Türken von einem einzigen Manne abstammen, Esau, dem Zwillingsbruder Jakobs, der später, zu Israel umgetauft, zum Stammvater der Israeliten wurde. Vor der Geburt der Zwillinge sagte Gott der Mutter Rebekka: „Zwei Völker sind in deinem Leibe …” (1. Mose 25, 23).

Nun sollte Jesus, der Messias, als „Bote des Bundes” kommen. Der „Alte Bund” hatte die menschlichen Kinder Israels zu einer Nation zusammengeschlossen, einem Menschenreich, dem Reich Israel. Jesus kam als Bote eines Neuen Bundes, der auch ein neues Reich beinhaltet: das Reich Gottes, bestehend aus geistbeschaffenen Kindern Gottes.

So, wie das alte Reich Israel aus den Nachfahren, der Kinder des Menschen Israel bestand, wird das Reich Gottes aus der Gottfamilie bestehen, direkt von Gott gezeugten und geborenen Nachfahren.

Was das mit dem Leben nach dem Tode zu tun hat?

Es hat alles damit zu tun!

Das Missverständnis der Juden

Die Wortführer der Juden zur Jesu Zeit, missverstanden Jesu Botschaft von der Aufrichtung eines Reichs politisch – sie glaubten, er kündige einen Umsturz an, eine Befreiung der Juden von der Römerherrschaft.

Einer dieser prominenten Wortführer war der schon erwähnte Nikodemus. Er gehörte zu den Pharisäern, und die Pharisäer hassten Jesus wegen seines Evangeliums. Nikodemus, freilich, wollte den erstaunlichen Boten kennen lernen und mit ihm sprechen. Er kam bei Nacht zu Jesus, um sich nicht der Kritik seiner Kollegen auszusetzen.

„Wir wissen”, sagte er, „du bist ein Lehrer, von Gott gekommen.”

Das „wir” legt nahe, dass die Pharisäer sich über die göttliche Identität des Boten und die Herkunft der Botschaft im Klaren waren. Aber sie dachten in „gegenwärtigen” Bahnen, sie waren an der Erhaltung ihres Herrscherstatus unter den Römern interessiert, und nicht damit, göttliche Offenbarungen zur Kenntnis zu nehmen.

Jesus spürte die Bedeutung der ersten Worte des Nikodemus. Jesu Botschaft war die gute Nachricht der kommenden Weltregierung Gottes, das ist das Königreich Gottes, welches alle Nationen mit der Regierungsform Gottes regieren wird!

Und diese Botschaft fürchtete das jüdische „Establishment”. Jesus gehörte ihrem Volk an – er war Jude. Wenn sie sich nicht gegen ihn stellen würden, dann, so fürchteten sie, könnte ihre Macht schwinden, vielleicht würden sie sogar als Aufrührer von den Römern hingerichtet werden. Sie glaubten ja, Jesus predige den unmittelbaren politischen Umsturz jener Regierung!

Nicht von dieser Zeit

Daher vergeudete Jesus keine Worte. Er kam direkt zum Kern der Sache – dass das Reich Gottes nämlich nicht von dieser Welt, das heißt: dieser Zeit, der jetzigen Ära ist, sondern von der Welt von morgen, einer anderen Zeit, die noch kommt. Und dass es nicht aus Menschen, sondern aus Unsterblichen bestehen wird – der Gottfamilie.

So sagte Jesus: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen” (Johannes 3, 3).

Man beachte bitte, dass „Neugeborenwerden” in wichtigem Zusammenhang mit dem Reich Gottes steht – mit der Tatsache, dass es nicht von dieser Zeit, von dieser Ära ist.

Die unvermittelte Antwort Jesu verwirrte Nikodemus allerdings. Verwirrung und Unklarheit darüber herrschen noch heute bei den Hunderten von Kirchen und Sekten, die sich christlich nennen. Man kann sogar sagen: noch mehr Unklarheit.

Denn Nikodemus zumindest verstand deutlich, was mit Geborenwerden gemeint war. Er wusste, dass es hieß, aus dem Mutterschoß entbunden zu werden, ein buchstäbliches Auf-die-Welt-Kommen. Die heutigen Theologen lesen etwas ganz anderes hinein. Was Nikodemus nicht verstand, war, wie – auf welche Weise – man wiedergeboren werden konnte. Er konnte sich nur eine zweite physische Geburt vorstellen. Was Geborenwerden bedeutet, war ihm jedoch klar.

Eine zweite Geburt als Mensch?

Verständnislos fragte er: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?”(Vers 4). Er begriff Geburt, aber nicht Geburt von neuem. Er dachte, es handele sich um eine zweite Wiedergeburt als Mensch.

Die Wiedergeburt konnte er sich nur physisch denken – geistliche Dinge zu erfassen, war er nicht imstande.

Nun hatte Jesus erklärt, das Reich Gottes sei etwas, das man sehen könne – aber erst dann, wenn man „von neuem geboren” sei. Nicht während unseres jetzigen, physischen Lebens. Und (Vers 5) man kann in das Reich Gottes kommen aber eben erst nach einer Wiedergeburt, einem zweiten, völlig anderen Geborenwerden.

Das Schlüsselwort Jesu, das alles erklärt, lautet: „Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist” (Vers 6).

Der Mensch ist jetzt Fleisch – sterblich. Er besteht aus materieller Substanz. „Denn du bist Erde”, sprach Gott zu Adam, „und sollst zu Erde werden.” Und: „Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen” (1. Mose 3, 19 und 2, 7).

Wiedergeburt zu Geist

Jedoch, wie Jesus sagte, wenn man vom Geist geboren wird, wird man Geist sein. Lesen Sie es in Ihrer eigenen Bibel nach!

Das Reich Gottes wird aus Geist-Wesen bestehen – nicht aus leiblichen Menschen.

Bei der Geburt als fleischlicher Mensch wird man aus dem Mutterschoß in diese Welt entbunden. Bei der Geburt vom Geist wird man aus dem Schoß der Kirche Gottes (physisch) – die Mutter der gezeugten Christen – in das Reich Gottes (ein Reich aus Geistwesen) hineingeboren werden.

Im Augenblick besteht der Mensch aus Fleisch – materieller Substanz – Materie. Neu geboren, wird er jedoch Geist sein – ein Geistwesen, nicht länger physisch. Er wird aus Geist bestehen – geistlich beschaffen sein mit inhärentem, sich selbst erhaltendem Leben – kein organisches Wesen mehr mit Atmung und Blutkreislauf.

Vom nächsten Zeitalter, wenn das Reich Gottes auf Erden herrschen wird – vom Leben nach dem Tod – dem nächsten Leben –, sagt Jesus: „… werden sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern sie sind wie Engel im Himmel” (Matthäus 22, 30). Das „Heiraten” bzw. die Ehe ist eine fleischliche, physische Vereinigung. Im Zeitalter des Gottesreichs – nach der Wiedergeburt – werden wir Geist sein, nicht Fleisch. Von Gott als Geistwesen geboren, nicht länger menschlich. Engel sind Geister – aus Geist bestehend (Hebräer 1, 7). Nicht dass wir Engel sein, sondern dass wir wie Engel sein würden, hat Jesus gesagt: geschlechtslos und aus Geist bestehend wie sie. Engel sind Geistwesen – sie sind so erschaffen worden, aber nicht von Gott gezeugt und geboren wie seine eigentlichen „Nachfahren”, die Gotteskinder. Wir werden demnach größer sein als Engel!

Jesus erklärt das bildhaft weiter: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist” (Johannes 3, 8).

Wind kann man nicht sehen. Wind wird hier mit Geist verglichen: beides ist unsichtbar. Daher können wir, als fleischlich-sterbliche Menschen, das Reich Gottes nicht sehen. Die es erben, werden Geist sein – dem (noch) physischen Auge normalerweise unsichtbar.

Nicht als Wesen aus Fleisch und Blut

An anderer Stelle legt der Apostel Paulus dar, dass das Reich Gottes etwas ist, das der Mensch erben kann, aber nicht in diesem Zeitalter – nicht, während er noch stofflich beschaffen ist.

„Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch [stofflich, menschlich]; der zweite Mensch ist vom Himmel [ein Gottwesen, Geist]” (1. Korinther 15, 47).

Das war es sinngemäß, was Jesus auch Nikodemus gesagt hatte. Er war von der Erde, irdisch – menschlich. Er war Fleisch, nicht Geist. Er war vom Fleisch geboren, also war er auch so beschaffen – fleischlich. Wenn man vom Geist geboren ist, wird man Geist sein. Dieselbe Wahrheit macht hier Paulus deutlich.

Jetzt, in diesem gegenwärtigen Zeitalter, können wir aber nicht Geist sein.

Ein Zeitfaktor spielt mit, den wir später noch untersuchen wollen.

Zunächst weiter mit 1. Korinther 15, 49:

„Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir [Zukunft – Auferstehung] auch tragen das Bild des himmlischen”, heißt es hier. Wie wir jetzt Fleisch sind, werden wir dann Geist sein – bei der Auferstehung, das heißt, wenn wir wiedergeboren werden – wenn wir ins Reich Gottes kommen und es sehen können – wenn wir Geist sind – bei der Auferstehung.

„Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir [die dann noch Lebenden] werden verwandelt werden” (Vers 50-52). Das also ist der Zeitpunkt der Wiedergeburt – der Punkt, da wir in das Reich kommen, es sehen, es erben – dann, und erst dann!

Wozu werden wir verwandelt werden? Der nächste Vers antwortet: „Denn dies Verwesliche [Fleisch, wie wir jetzt sind] muss anziehen die Unverweslichkeit [Geist – das von Gott Geborene ist Geist], und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit” – muss verwandelt werden von stofflichem Fleisch zu Geist.

Erst nach der Wiedergeburt können wir das Reich Gottes sehen (Jesus zu Nikodemus, Johannes 3, 3).

Erst nach der Wiedergeburt können wir in das Reich Gottes kommen (Jesus zu Nikodemus, Johannes 3, 5).

Erst wenn wir verwandelt worden sind von Fleisch zu Geist, können wir in das Reich Gottes kommen (Jesus zu Nikodemus, Johannes 3, 6-8).

Solange man noch aus Fleisch und Blut besteht (wie Nikodemus und wir), kann man das Reich Gottes nicht ererben (Paulus an die Korinther, 1. Korinther 15, 50).

Erst bei der Auferstehung, beim Kommen Christi, werden wir verwandelt werden von vergänglichem Fleisch zu unvergänglichem Geist (1. Korinther 15, 50-53 u. 22-23).

Erst die Auferstehung ermöglicht es uns also, das Reich Gottes zu sehen, es zu ererben, in es einzugehen. Die Neugeburt erfolgt in der Auferstehung, nicht eher.

Erst Erbanwärter – noch nicht Erben

In unserem jetzigen Seinszustand, geboren vom Fleisch und bestehend aus Fleisch, können wir das Reich Gottes nicht sehen, erlangen, ererben. Welchen Status, welchen „Stellenwert” hat der bekehrte Christ dann im jetzigen, physischen Leben schon?

Zunächst seine Definition. „… Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein” (Römer 8, 9) Man muss den Heiligen Geist empfangen haben, dieser Geist muss in einem wohnen, erst dann ist man Christ. Solange einer den Heiligen Geist nicht empfangen hat, der in ihm wohnt, ist er kein Christ. Nicht irgendein Kirchenbeitritt, sondern dass man Gottes Geist empfängt und sich von ihm leiten lässt, macht einen zum Christen.

Geistlicher Geburtsprozess verglichen mit dem physischen

Ich möchte nun die genaue Parallele aufzeigen zwischen physischem und geistlichem Zeugungs- und Geburtsvorgang: Im einen Fall verleiht der Samen, der das Ei befruchtet, physisches Leben, im anderen verleiht der Geist, der in den Menschen eingeht, ewiges Geist-Leben, aber erst als Anlage, als „Möglichkeit”. Ein befruchtetes Ei im Mutterleib ist noch kein geborener Mensch. Das Leben ist angelegt, gezeugt, mehr noch nicht. Analog dazu stellt auch der geistgezeugte Mensch noch kein Geistwesen dar; dies wird er sein, wie Jesus sagt, erst wenn er wieder geboren ist.

Weiter: „Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird der, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt” (Römer 8, Vers 11).

Verstehen Sie – es besteht eine wirklich auffallende Parallele zwischen der Geburt „vom Fleisch” und der Neugeburt von Gott. Jesus sagt, wer vom Fleisch geboren ist, der ist Fleisch – ein geborener Mensch. Wer aber vom Geist (Gott) geboren sei, der ist Geist – eine geborene Geistperson.

Das menschliche Leben setzt ein, wenn eine männliche Samenzelle das Ei im Mutterschoß befruchtet; Leben ist „geweckt”. An diesem Punkt zeugt der Vater. Er bringt nicht „hervor”: das tut später die Mutter. Mit dem weiteren Heranreifen bis zur Geburt hat der Vater nichts mehr zu tun. Doch, wie gesagt, der Zeitfaktor: Von der Zeugung bis zur Geburt vergeht noch eine gewisse Spanne.

Dies so ausführlich hervorzuheben, ist notwendig, denn einer populären Irrlehre des traditionellen „Christentums” gemäß glaubt man häufig, die „Neugeburt” vollziehe sich bereits in dem Augenblick, da man sich „zu Christus bekenne” oder den Heiligen Geist empfange – damit sei es schon getan.

Betrachten wir zuerst den physischen Geburtsprozess.

Der Zeitfaktor

Bei der menschlichen Fortpflanzung liegt zwischen Befruchtung – vom Vater her gesehen Zeugung, von der Mutter her gesehen Empfängnis – und der Geburt eine Zeit von neun Monaten.

Diese Zeit, die bis zur Geburtsreife vergeht, heißt Schwangerschaft. Vom Punkt der Zeugung an wird das befruchtete Ei Embryo, ein paar Monate später Fötus genannt. Während dieser Zeit spricht man aber noch nicht von einem geborenen Wesen. Es reift erst zur Geburt heran. Es ist schon Kind seiner Eltern, aber noch ungeboren. Der Vater hat es gezeugt, aber die Mutter hat es noch nicht zur Welt gebracht.

Analog dazu setzt der geistliche Fortpflanzungsprozess in dem Augenblick ein, da Geist-Leben in uns gezeugt wird: durch den Heiligen Geist, der, von Gott kommend, in uns eingeht und in uns wohnt. „Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen [zu unsterblichem Geist verwandeln] durch seinen Geist, der in euch wohnt” (Römer 8, 11). Gemeint ist das gleiche wie in 1. Korinther 15, 50-53, nämlich die Auferstehung.

Ich möchte dies hundertprozentig klarmachen. Millionen Christen glauben nämlich ganz aufrichtig, in dem Augenblick, da sie sich zu Christus bekennen (oder den Heiligen Geist empfangen), erfolge bereits die „Wiedergeburt”. Was tatsächlich geschieht, ist dies: Wenn man nach Reue, Glaube und Taufe den Heiligen Geist empfängt, wird man durch den Geist Gottes der Kirche angegliedert, hineingetauft. Die Kirche wird „Leib Christi” genannt. „Denn wir sind durch „einen” Geist alle zu „einem” Leib getauft …” (1. Korinther 12, 13).

Die Kirche, unsere Mutter

Auch heißt die Kirche „Jerusalem, das droben ist” oder das „himmlische Jerusalem” (Hebräer 12, 22-23). Im Galaterbrief (4, 26) findet sich die Stelle: „Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter.”

Die Analogie: Der Empfang des Heiligen Geistes von Gottvater, einer Zeugung, „Befruchtung” vergleichbar, gliedert uns der Kirche an, die während der Schwangerschaft unsere Mutter ist.

Bei der menschlichen Fortpflanzung hat die Mutter während der Schwangerschaft zwei Funktionen: einmal das Ungeborene bei seinem Reifeprozess zu ernähren, zum anderen, ihm bis zur Geburt den bestmöglichen Schutz vor schädlichen Außeneinflüssen zu gewähren. Sie trägt es in ihrem Leib.

Die geistliche Mutter – die Kirche – soll ebenfalls die Herde weiden, nähren (1. Petrus 5, 2), und zwar durch die Amtsträger, die Gott in der Kirche eingesetzt hat, „damit die Heiligen zugerüstet werden … Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann …” (Epheser 4, 12-13). Genau wie der menschliche Fötus körperlich erst Geburtsreife erlangen muss, müssen wir, nach der Zeugung durch Gottes Geist, noch geistlich reifen, bis wir geboren werden können.

Menschliches Leben beginnt mit dem, was die Bibel „vergänglichen Samen” nennt – dem physischen Samen des Vaters. Gott-Leben beginnt mit etwas Unvergänglichem, dem Heiligen Geist Gottes, der in den Menschen eingeht. Wie aber der menschliche Embryo erst zum Fötus und dieser bis zum geburtsreifen Wesen wachsen muss, um „in die Welt” geboren zu werden, so muss der Christ, der vom unverweslichen Geist Gottes, gezeugtes Gott-Leben „als Anlage” in sich trägt, erst zur Vollkommenheit heranwachsen, um in die Gottfamilie hineingeboren zu werden. Dann wird er vollkommen sein, immun gegen Sünde.

Doch diese Perfektion von heiligem, gerechtem Charakter kommt nur durch einen Entwicklungsprozess zustande – mit Hilfe von Gottes Geist während dieses menschlichen Lebens, dem geistlichen „Schwangerschaftsstadium”.

Aber nicht nur mit geistlicher Nahrung aus dem Wort Gottes versehen –, sondern auch vor geistlichem Schaden schützen soll die Kirche die gezeugten und noch ungeborenen Gotteskinder, wie der nächste Vers zeigt: „… damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch trügerisches Spiel der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen” (Epheser 4, 14).

Bei der Auferstehung schließlich werden wir, die wir in der Kirche – der geistlichen Mutter – sind, von ihr entbunden und hineingeboren werden in das Reich, die geistbeschaffene Familie Gottes.

Jetzt Kinder Gottes

„Denn welche der Geist Gottes treibt [leitet], die sind Gottes Kinder”, lautet die Definition (Römer 8, 14). Das Kind im Mutterschoß ist schon Kind seiner Eltern, aber noch nicht geboren, noch nicht entbunden. So sind auch wir, wenn Gottes Geist in uns wohnt – uns „treibt” –, Kinder Gottes im Schwangerschaftsstadium im Schoß der Mutter Kirche: erst Erbanwärter, noch keine Erben.

„Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben [Anwärter], nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden [bei der Auferstehung]”, heißt es weiter (Vers 17).

Beachten Sie, wie folgende Passage die Auferstehung zur Herrlichkeit als Geburt beschreibt – wenn wir Geist sein werden:

„Denn das sehnsüchtige Harren des Geschaffenen [der Schöpfung] wartet auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes – den Zeitpunkt, da Christus wiederkommt, und den Zeitpunkt der Auferstehung zu Geist-Beschaffenheit – … dass auch sie selbst, die Schöpfung, von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden wird zur Freiheit, welche die Kinder Gottes im Stande der Verherrlichung besitzen werden. Wir wissen ja, dass die gesamte Schöpfung bis jetzt noch überall seufzt und mit Schmerzen einer Neugeburt harrt” (Vers 19-22, Menge-Übers.).

Dazu noch ein Vergleich. Wir werden auch eine Neugeburt erleben, indem wir von dieser heutigen Welt (die Kirche ist in, und nicht von dieser Welt) befreit werden und in die herrliche Welt von morgen und das dann regierende Reich Gottes hineinkommen dürfen.

Auf die Wiederkehr Christi, die Auferstehung und das Reich Gottes „wartet” die ganze Schöpfung, um von der „Knechtschaft der Vergänglichkeit” befreit zu werden. Sie ist jetzt noch nicht befreit, wird es aber zur Zeit der Auferstehung sein. Obwohl dies sich nicht direkt auf unsere Wiedergeburt bezieht, ist der Vergleich mit der Geburt eines Kindes aus seiner Mutter Leib unmissverständlich.

Die Auferstehung – der Zeitpunkt, wenn wir in Geist-Wesen umgewandelt werden und das Reich ererben – wird eine Zeit der Befreiung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit und von dieser sündhaften Welt, eine echte Wiedergeburt sein.

Christus in der Auferstehung ein zweites Mal geboren

Weiter in Römer 8. „Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bilde seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborne sei unter vielen Brüdern” (Vers 29).

Vergleichen wir das mit Römer 1, 3-4: „… Jesus Christus … der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes … durch die Auferstehung von den Toten.”

Seiner fleischlichen Abstammung – Erstgeburt – nach war Jesus ein Nachkomme Davids. Durch die Auferstehung (Zweitgeburt) wurde er zum geborenen Sohn Gottes, nicht länger Mensch, sondern Geist-beschaffen – ein Geistwesen. Er wurde als erster so Geborener zum „Vorläufer” vieler Brüder, die wiedergeboren werden sollen in der Auferstehung derjenigen, die Christus angehören.

Nun wissen wir natürlich – und auch Paulus wusste es, als er den Römerbrief schrieb –, dass Jesus auch als Mensch schon Gottes Sohn war. Von einer Menschenmutter geboren, war er von Gott als Vater gezeugt worden. Um die beiden Geburten noch einmal nebeneinander zu stellen: die eine von Maria als Nachkomme Davids, die andere als Sohn Gottes bei seiner Auferstehung zur Herrlichkeit.

Das heißt nun freilich keineswegs, dass Jesus ein Sünder und heilsbedürftig gewesen wäre. Er war der „Wegbereiter”, gleichsam der Präzedenzfall für uns, der uns ein Beispiel gesetzt hat, dass auch wir von Gott geboren werden können.

Wie werden wir nach der Neugeburt sein?

Die Frage nach unserer Beschaffenheit nach der Wiedergeburt beantwortet die Bibel so: „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, der unseren nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichtem Leibe …”

(Philipper 3, 20-21).

Dazu eine Stelle aus dem 3. Kapitel des 1. Johannesbriefs. Da steht zunächst, „wir” – gemeint sind gezeugte, bekehrte Christen – „sind schon Gottes Kinder (wie schon erläutert)”. Weiter heißt es, es sei „noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden” (Vers 2). Wir sollen einmal einen anderen Seinszustand annehmen, und zwar, wie Jesus Nikodemus erklärte, sollen wir aus unsterblichem Geist beschaffen sein.

„Wir wissen aber”, fährt die Stelle fort, und bitte erfassen Sie diese wunderbare Wahrheit in ihrer ganzen Tragweite, „wenn es offenbar wird [Christi Wiederkehr auf die Welt], werden wir ihm gleich sein …” Wir werden aussehen wie Christus!

Und wie sieht der verklärte Christus aus? Seine Augen brennen wie Feuerflammen. Seine Füße glühen wie goldenes Erz. Sein Gesicht leuchtet wie die Sonne in ihrer ganzen Kraft – so hell, dass unsere Augen geblendet würden, könnten wir ihn jetzt sehen (Offenbarung 1, 14-16; 19, 12-13; Matthäus 17, 2).

So werden Sie und ich aussehen, wenn wir einst von Gott geboren worden sind!

Unsere ungeheure Bestimmung

Es gibt eine weitere, von fast niemandem verstandene Stelle, die unsere gewaltige, transzendente Bestimmung enthüllt. Sie beginnt in Hebräer 2, 6: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? …”

Ja, was ist für den großen Gott eigentlich „interessant” an uns Sterblichen? Wozu hat er uns hier auf die Erde gesetzt? Was ist unser Lebenssinn, unsere Bestimmung? Sie geht so weit über all unsere Begriffe und kühnsten Träume hinaus, dass sie wirklich unfassbar scheint!

Können Sie es glauben? Kann die klare Aussage Sie überzeugen, die jetzt kommt? Hier die Schlüsselstelle, beginnend in Vers 7 (Schlachter-Übers.):

„Du hast ihn eine kleine Zeit niedriger sein lassen als die Engel; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt [Königswürde] und hast ihn gesetzt über die Werke deiner Hände” – das heißt, Gottes Schöpfung.

Noch nicht das Universum!

„… alles [Alternativabersetzung in der Menge-Bibel: das All] hast du unter seine Füße getan. Wenn er ihm alles unter die Füße getan hat, so hat er nichts ausgenommen, was ihm nicht untertan wäre …” (Vers 8). Begreifen Sie? Das „All”, alles, das ganze unendliche Universum! Jedoch nur für geborene Kinder Gottes. Bisher ist erst ein einziger von Gott geboren: Jesus Christus. Außer ihm noch kein Mensch.

„… Jetzt aber [im Schwangerschaftsstadium] sehen wir noch nicht, dass ihm alles [das Universum) untertan ist.”

Was sehen wir dann jetzt?

„… Jesus, sehen wir durch das Leiden Todes gekrönt mit Preis und Ehre …” (Vers 9). Ja, Jesus hat bereits Herrschergewalt erhalten über das Universum, höchste Regierungsgewalt von Gott selbst. Bis zu der Zeit, da er wiederkehrt und auch auf Erden herrschen wird (und wir mit ihm), erlaubt er Satan noch, sein Verführungswerk fortzusetzen. Und weiter:

„Denn es ziemte sich für den [Jesus], um dessentwillen alle Dinge sind und durch den alle Dinge sind, dass er den, der viele Söhne zur Herrlichkeit geführt hat, den Anfänger [Wegbereiter, Bahnbrecher] ihres Heils, durch Leiden vollendete. Denn weil sie alle von „einem” kommen, beide, der heiligt und die geheiligt werden, darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu nennen” (Vers 10-11).

Christus, unser älterer Bruder

Wie bereits zitiert, sind wir Erben Gottes und Miterben – Brüder – Christi. Durch eine Auferstehung zur Herrlichkeit ist er uns vorangegangen als Wegbereiter.

Er ist der Erstgeborene von vielen Brüdern. Er hat das Erbe angetreten über „alles” – das Universum. Wir sind erst Erbanwärter – wir reifen erst hin auf die Geburt von Gott. Diesen geistlichen Reifeprozess überwacht Jesus Christus jetzt als Hoherpriester. Er bereitet uns vor auf Königs- und Priesterwürden in seinem Reich.

Die ersten tausend Jahre werden wir auf Erden herrschen. Denn er hat sie „… zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden” (Offenbarung 5, 10).

Herrschen mit Christus

Ein Jahrtausend lang soll Christus auf dem Thron seines irdischen Vorfahren David, in Jerusalem regieren (Jesaja 9, 5-6). „Und wer überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe …” (Offenbarung 2, 26-27). Wie und von wo aus werden wir regieren?

Noch einmal sagt Jesus: „Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron [in Jerusalem] zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron” (Offenbarung 3, 21).

Von Gott geboren, werden wir Geist sein, nicht mehr Fleisch und Blut. Uns wird Herrschermacht gegeben werden.

Wie Daniel offenbart, werden die Heiligen die Königreiche der Nationen auf Erden übernehmen und sie die ersten tausend Jahre lang regieren – Weltfrieden schaffen und die göttliche Ordnung unter Christus errichten.

Und danach? Die Stelle aus Hebräer 2 zeigt, dass wir dann, wieder unter Christus, Herrschergewalt über das gesamte Universum – buchstäblich „alles” – erhalten werden. Christus hat diese Herrschergewalt bereits jetzt, und wir werden sie teilen, denn wir sind seine Miterben.

Ja, für den, der Gott gehorsam ist, gibt es ein Leben nach dem Tode – ein Geist-Leben von unvorstellbarem Potential. Kann der Mensch diese erstaunlichen Wahrheiten in ihrer ungeheuren Tragweite überhaupt erfassen? Ewiges Leben zu erlangen, das sollte für uns das höchste Seinsziel sein. Denn es ist die Gabe und der Wunsch unseres barmherzigen Vaters und seines Sohnes Jesus Christus.

Chapter 13: Wie Weltfrieden kommen wird

Als (überpolitischer) Weltfriedensbotschafter unternehme ich Reisen in alle Kontinente. Ich spreche über globale Probleme, Missstände und Friedenschancen mit Staats- und Regierungschefs, Königen, Präsidenten, Premiers, führenden Vertretern der Politik, der Wissenschaft und Bildung, der Wirtschaft. Ich wurde nicht berufen, und unternehme deshalb keine Anstrengungen, selbst den Weltfrieden herbeizuführen – ich diene nur als Botschafter jener Macht, die ihn in unserer Zeit herbeiführen wird.

Diese Verantwortungsträger haben meist durchaus hohe Führungsqualitäten. Doch an der Aufgabe, die Weltmissstände zu lösen oder Weltfrieden zu schaffen, scheitern sie allesamt.

Viele Wissenschaftler, Politiker usw. sehen die letzte Chance auf Weltfrieden in der Errichtung einer Weltregierung, die alle Kompetenzen, auch den militärischen Oberbefehl, in sich vereinigte. Doch gleichzeitig geben sie zu, dass dieser Weg völlig undurchführbar ist: Eine allmächtige Superbehörde in den Händen der Menschen, die uns alle versklavte, würde entstehen!

Eine erstaunliche Prognose

Fast in Vergessenheit ist geraten, dass vor Hunderten von Jahren eine berühmte Person eben diese Lösung, eine Weltregierung, vorhergesagt hat. Sie war ihrer Zeit um Jahrhunderte voraus, und die Zeitgenossen wiesen die Botschaft zurück, unterdrückten sie. Die Welt verlor die Kenntnis dieser Vorhersage schließlich.

Die Politiker von heute täten gut daran, im Lichte der heutigen Verhältnisse einmal einen Blick in diese erstaunliche „Prognose” von damals zu werfen.

Genau diese Botschaft – die einzige Hoffnung für die heutige Welt habe ich vielen führenden Persönlichkeiten der Welt verkünden dürfen.

Jesus Christus kam nicht als Bekehrungsmissionar oder „Seelenfänger”, sondern als Verkünder einer Nachricht für die Zukunft. Keine namhafte Persönlichkeit der Geschichte ist so entstellt, so missverstanden worden wie er.

Er kam als Botschafter mit einer Botschaft von dem Allmächtigen Gott an die Menschheit. Es handelte sich, wie gesagt, um eine lebenswichtige und wahrhaft sensationelle Ankündigung für die Zukunft, nämlich die Ankündigung von Weltfrieden für unsere Zeit heute. Das war das Evangelium Christi, was übersetzt nichts anderes als „gute Nachricht” bedeutet!

Und worin bestand diese – für unsere Zeit geltende, schon im ersten Jahrhundert von Feinden unterdrückte – Nachricht? Die offizielle Quelle, welche die Verschwörer damals nicht unterdrücken konnten, die Bibel, gibt die offizielle Antwort!

„Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus … Jesus [kam] nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!”

(Markus 1, 1 u. 14-15).

Welches Evangelium aber – welche gute Nachricht? Die gute Nachricht vom kommenden Reich Gottes.

Was verstand er unter Reich Gottes? Und woher wissen wir, dass das wahre Evangelium Jesu unterdrückt wurde? Und wenn es unterdrückt wurde – welches „Ersatzevangelium” trat dann an seine Stelle?

Die geschriebene Aufzeichnung

Zu sagen, das wahre, von Christus verkündete Evangelium sei unterdrückt und der Welt seit 70 n. Chr. nahezu 1900 Jahre lang nicht mehr verkündet worden – das ist, wie ich sehr wohl weiß, eine kühne Behauptung.

Sie wird jedoch bestätigt durch die Quelle, die, allen Verschwörerbemühungen zum Trotz, erhalten geblieben ist. Am Pfingsttag des Jahres 31 n. Chr. wurde die Kirche Gottes gegründet (Apostelgeschichte 2). Schon ca. zwanzig Jahre später musste Paulus der Galatergemeinde folgendes schreiben: „Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem andern Evangelium, obwohl es doch kein andres gibt; nur dass einige da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren” (Galater 1, 6-7). Danach wird ein doppelter Fluch über jeden ausgesprochen, der ein „anderes”, das heißt verfälschtes Evangelium predigt.

Ähnlich schreibt Paulus an die Gemeinde der Korinther:

„Ich fürchte aber, dass wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, so auch eure Gedanken abgewendet werden von der Einfalt und Lauterkeit gegenüber Christus. Denn wenn einer zu euch kommt [Irrlehrerl und einen andern Jesus predigt … oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt …” (2. Korinther 11, 3-4).

Und weiter in Vers 13-15: „Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi. Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit …”

Und an die Urchristen in Rom: „Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten” (Römer 1, 18). Die Menge-Bibel setzt hier die Fußnote: niederhalten, oder: aufhalten, hemmen, ihr den Weg versperren. Die Botschaft, die Gott durch Jesus Christus sandte, wurde niedergehalten – unterdrückt.

Und gleichsam als Kronzeuge sagt auch Jesus selbst sehr deutlich voraus, sein Evangelium – vom Reich Gottes – werde bis in unsere Zeit hinein unterdrückt werden.

Seine Jünger hatten ihn gefragt, welche Zeichen denn die Endzeit und die Rückkehr Christi auf die Erde ankündigen würden.

Zuerst warnte er sie vor Irrlehren. Viele würden unter seinem Namen kommen, behaupten, Diener Christi zu sein, sagen, er – Jesus – sei der Christus, und durch Irrlehren viele verführen. „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen” (Matthäus 24,14).

Diese Verkündigung des Reiches Gottes könnte keinesfalls als Zeichen für ein „Ende” gelten, wenn sie schon die ganze Zeit, zweitausend Jahre lang, vonstatten gegangen wäre.

Wie von Jesus prophezeit, ist viel gepredigt worden über die Person Christi, es wird anerkannt, dass er der Christus war, die Botschaft selbst jedoch wurde unterdrückt.

Heute aber ist die Endzeit da. Nach fast neunzehn Jahrhunderten wird die Botschaft nun wieder verkündet in der ganzen Welt von der einen wahren Kirche Gottes!

Manche predigen ein „Heilsevangelium” (ein falsches Heil in Wirklichkeit), andere ein „Gnadenevangelium”, das Gnade als Freibrief zum Sündigen versteht, wieder andere ein „Sozialevangelium”.

Die hochwichtige Botschaft, die Jesus von Gott dem Vater brachte, kündigt aber das Reich Gottes an! Was ist darunter zu verstehen – Reich Gottes? Ist es nicht erstaunlich, dass fast niemand in der heutigen Welt das weiß?

angekündigte herrschaft

Wenige scheinen heute zu wissen, dass die Botschaft Jesu die Aufrichtung einer Herrschaft beinhaltet! Weiterhin wird von vielen übersehen, dass Gott in diesem Zeitalter nicht versucht, die Welt (geistlich) zu retten. Nur wenige wissen, dass Jesus gekommen war, um die Herrschaft Gottes zu verkünden.

Jesus wurde geboren, um König zu sein! In Jesajas Prophezeiung heißt es von ihm: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit …” (Jesaja 9, 5-6).

Und man beachte die Formulierung der Verheißung an Maria: „… wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt … [nach] Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete … Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben” (Lukas 1, 26-33).

Als Jesus auf Leben und Tod vor Pilatus angeklagt war, fragte ihn Pilatus: „So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen …” Jedoch, er sagte auch: „Nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt” (Johannes 18, 37 u. 36).

Warum ist die ganze Welt dermaßen verblendet worden? Warum kennt sie den Grund ihrer eigenen Existenz, ihrer eigenen Erschaffung nicht?

Wieder und wieder fragte ich: Warum gibt es uns? Wohin gehen wir? Wo liegt der Weg – der Weg zu Frieden, Wohlergehen, Glück, Erfüllung?

Warum herrscht kein Weltfrieden? Woher all das Böse auf der Welt? Warum kann die Wissenschaft uns keine Antwort geben? Es handelt sich um die wichtigsten, grundsätzlichsten Seinsfragen überhaupt. Warum stellt man sie sich nicht ernsthaft?

Die größte Religion der Welt, zahlenmäßig gesehen, ist das Christentum. Angeblich beruft es sich auf die Bibel.

Warum können uns dann die verschiedenen Sekten und Kirchen des Christentums nicht das eigentliche Thema sagen, um das es in der Bibel geht? Warum kennen sie das wahre Evangelium nicht, das Christus verkündete? Es ist ja keineswegs verschollen: Es steht in der Bibel, dort kann man es nachlesen. Klar und deutlich.

Es ist Zeit, dass jemand einer lethargischen, gleichgültigen, schlafenden Menschheit zuruft: Wach auf!

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Einige fundamentalistisch-protestantische Kirchen predigen ein geistliches „Heil” – von einem Leben nach dem Tode.

Gibt es ein solches Leben „danach”? Auch darüber gibt die Bibel Aufschluss, und zwar ganz eindeutig. Dieses Thema wurde bereits im 12. Kapitel behandelt.

Jesu Evangelium handelt vom Reich Gottes. Hat das nun etwas mit einem Leben nach dem Tode – mit dem „Heil” – zu tun? Ja, es hat alles damit zu tun. Doch die Welt ist verführt und schläft! Um zwei Grundthemen geht es im Evangelium vom Reich Gottes: um Herrschaft und um Heilserlangung (von manchen auch „Wiedergeburt” genannt). Dieses Kapitel beschäftigt sich mit Herrschaft. Was unter „Wiedergeburt” zu verstehen ist, wurde im letzten Kapitel erklärt.

Noch einmal: Was hat Jesus mit Reich Gottes gemeint?

Die Wahrheit ist nicht nur überraschend – sie ist ungeheuerlich, überwältigend! Doch es ist wirklich eine gute Nachricht – die herrlichste Nachricht, die sich je dem Menschen eröffnete.

Christi Evangelium

In der Verkündigung Jesu bildet das „Reich Gottes” einen Zentralbegriff. Jesus predigte davon, lehrte über das Reich Gottes in Gleichnissen. Er sandte siebzig Jünger aus mit dem Gebot, das Reich Gottes zu predigen (Lukas 10, 9). Er sandte die zwölf Apostel der urchristlichen Kirche aus, ebenfalls um das Reich Gottes zu predigen (Lukas 9, 1-2).

Es ist erstaunlich, wie diese Erkenntnis der Welt verloren gegangen ist.

Der Apostel Paulus predigte, wie mehrfach bezeugt, das Reich Gottes (Apostelgeschichte 19, 8; 20, 25; 28, 23 u. 3 1).

Es gibt ein Reich-Gottes-Verständnis, das sich ungefähr so anhört: „Durch Zusammenarbeit aller Christen im Geiste des Friedens, der Toleranz und der brüderlichen Liebe könnte endlich das Reich Gottes in den Herzen der Menschen errichtet werden.”

Nun, da man das wahre Evangelium seinerzeit verwarf, musste man ja etwas anderes, ein Ersatzevangelium, an seine Stelle treten lassen. Man reduziert das Reich Gottes aufs rein Sinnbildliche, auf ein unverbindliches, schönes Gefühl im Herzen, auf ein ätherisches, unwirkliches Nichts. Anderen Interpretationen zufolge soll die „Kirche” selbst das Reich sein, wieder andere verwechseln es mit dem „Millennium” (dem Tausend-Jahr-Reich). Sogar zu der Behauptung, das Britische Empire sei das Reich Gottes, hat man sich verstiegen. Kennt die Verblendung denn keine Grenzen?

Schon Daniel wusste davon

Schon der Prophet Daniel, der sechshundert Jahre vor Christus lebte, wusste, dass mit „Reich Gottes” ein ganz reales Königreich gemeint ist – eine Herrschaft, ein Regieren über wirkliche Menschen auf Erden.

Daniel gehörte zu vier hochintelligenten jungen Juden, die zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft an den Hof König Nebukadnezars kamen und dort für besondere Aufgaben im babylonischen Reich erzogen wurden. Daniel war ein Prophet und verstand sich auf Gesichte und Träume (Daniel 1, 17).

Nebukadnezar war der erste echte Weltherrscher der Geschichte. Er hatte sich ein riesiges Reich unterworfen, darunter auch die Nation Juda. Nun hatte er einmal einen Traum, über den er sich, wie es heißt, sehr „erschrak”. So sehr, dass er seine Zauberer, Sterndeuter und Wahrsager kommen ließ und von ihnen sowohl den Inhalt des Traumes als auch die Deutung wissen wollte. Doch sie konnten es ihm nicht sagen. Sie standen vor einem Rätsel. Dann brachte man Daniel vor den König.

Daniel maßte sich selbst nicht mehr Seherkraft an als die chaldäischen Zauberer; „aber”, sagte er, „es gibt einen Gott im Himmel, welcher Geheimnisse enthüllt; und dieser hat dem Könige Nebukadnezar kundgetan, was in der Endzeit geschehen wird” (Daniel 2, 28, Menge-Übers.).

Zunächst wollte Gott durch den Traum diesem König, diesem menschlichen Weltherrscher, zeigen, dass es einen Gott im Himmel gibt, einen Herrschergott, der über alle Völker, Reiche, Könige, ja über das Universum gebietet. Der chaldäische König kannte ja nur seine heidnischen Dämonengötter; vom wahren, lebendigen, allmächtigen Gott wusste er nichts. Wie der größte Teil der heutigen Zeitgenossen, wusste er nicht, dass Gott eine lebendige, reale, tätige, herrschende und lenkende Persönlichkeit ist, die wortwörtlich und buchstäblich das ganze Universum regiert.

Der ganze Zweck dieses Traumes war, diesem Welt-beherrschenden menschlichen König damit seine göttliche Regierung zu offenbaren – die Tatsache, dass Gott herrscht – die Wahrheit vom Reich Gottes, um welches, als Kern, sich das Evangelium Christi dreht; und zum anderen zu offenbaren – und schriftlich an uns überliefern zu lassen – was „in der Endzeit” geschehen wird.

Für uns, heute

Dies ist keine tote Historie, geschrieben für Menschen, die vor zweieinhalbtausend Jahren lebten. Es sind im wahrsten Sinne lebendige, fantastische Nachrichten, und sie gelten für unsere Zeit. Vorausmeldungen von Dingen, die kommen sollen, Ankündigungen der kolossalsten Ereignisse der Weltgeschichte. Und wichtig: Zu unseren Lebzeiten, in den kommenden paar Jahren.

Das ist das wahre Evangelium! Das Evangelium, welches auch Christus predigte. Es ist für Sie und mich, für heute bestimmt. Das ist das Wesentliche, das man sich vor Augen halten muss.

Lesen Sie es selbst in der Bibel nach: Vers 31-35. Der König sah in seinem Traum ein Standbild, groß und schrecklich anzuschauen, furchterregend noch im Traum. Der Kopf war aus feinem Gold, Brust und Arme von Silber, Bauch und Lenden von Kupfer, die Beine von Eisen, die Füße teils von Eisen und teils von Ton.

Beachten wir dabei den Zeitfaktor: Auf übernatürliche Weise kam ein Stein vom Himmel, traf das Bild an den Füßen, dass es zerbrach und vom Wind buchstäblich verweht wurde; es verschwand. Dann dehnte sich der Stein auf wundersame Weise aus, wurde zu einem Berg, der schließlich die ganze Welt füllte.

Die Bedeutung? Hatte es eine Bedeutung? O ja, denn es kam von Gott. Dieser Traum, im Gegensatz zu normalen Träumen, wurde von Gott eingegeben, um Nebukadnezar den absoluten Herrscherstatus Gottes zu verdeutlichen – und, in die Bibel eingegangen und für uns bestimmt, gewisse, wichtige Sachverhalte des wahren Evangeliums zu offenbaren.

„Das ist der Traum”, so Daniel (Vers 36). „Nun wollen wir die Deutung vor dem König sagen”.

Es handelt sich also um eine „Auslegung”, die Gott selbst gibt. Ganz gewiss ist es nicht meine Auslegung. Man sollte die Bibel überhaupt nie auslegen. Sie deutet sich selbst. In diesem Falle so:

„Du, König, bist ein König aller Könige [er war tatsächlich Weltherrscher], dem der Gott des Himmels Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat” (Vers 37). Gott offenbart sich diesem menschlichen Weltdiktator als der höchste Herrscher, den es gibt und von dem alles kommt.

Wie der Chaldäerkönig, scheint man Gott auch heute nicht oder nicht mehr als oberste Instanz, als buchstäblichen Lenker von allem, der reale Macht besitzt, zu sehen. Aber eben als das offenbart sich Gott hier Nebukadnezar und durch die Bibel auch uns heute: als souveräner, allmächtiger Herrschergott, dem man gehorchen muss.

„Du”, deutet Daniel den Traum, „bist das goldene Haupt. Nach dir wird ein anderes Königreich aufkommen, geringer als deines, danach das dritte Königreich, das aus Kupfer ist und über alle Länder herrschen wird” (Vers 37-39).

Was ist ein Reich?

Wohlgemerkt. Die Rede ist hier von Königreichen, ganz handfest realen Reichen bzw. Imperien, die auf Erden herrschen und Macht ausüben. Gemeint sind keine nebulösen Gefühle „im Herzen der Menschen”. Gemeint sind keine Kirchen. Die Rede ist von Staatsgebilden, die hier auf Erden Autorität und Gewalt über Menschenvölker haben. Ganz konkret. Mit näheren Angaben. Es kann keine Unklarheit darüber geben, was hier mit „Reich” gemeint ist.

Die in der Bibel durch Daniel bzw. Gott gegebene Deutung lässt keinen Zweifel offen. Das Standbild repräsentiert nationale und übernationale Staatsgebilde – echte, wirkliche Reiche.

Es stellt eine Abfolge von Reichen dar. Zuerst das goldene Haupt: Das bedeutet Nebukadnezar und sein Chaldäer-Imperium. Nach ihm – in zeitlicher Folge – sollte ein zweites, dann ein drittes Reich kommen, das „über alle Länder herrschen wird” – Weltherrschaft!

Die Schenkel aus Eisen (Vers 40) stellen ein viertes Weltreich dar, seine Stärke symbolisiert durch das Eisen – militärisch mächtiger als seine Vorläufer. Die Metalle werden mit jedem Mal härter und stärker (Gold – Silber – Kupfer – Eisen), zugleich aber auch weniger wertvoll, was zwar Machtzuwachs, aber sittlich-geistigen Verfall symbolisiert. Die beiden Beine bedeuten: Das vierte Reich ist geteilt.

Nach dem Chaldäerreich bzw. Babylonien kam das noch größere Perserreich, dann das Griechisch-Mazedonische Reich und viertens schließlich das Römische Reich. Es teilte sich tatsächlich in West- und Ostrom (Konstantinopel-Byzanz).

Jetzt – Vers 44! Lesen Sie selbst. Nehmen Sie Ihre Bibel. Sehen Sie es mit Ihren eigenen Augen in Ihrer eigenen Bibel. Klar und deutlich liest man da Gottes Erklärung, was das Reich Gottes ist:

„Aber zur Zeit dieser Könige … „ hier ist die Rede von den zehn Zehen, teils von Eisen und teils von brüchigem Ton. Dies bezieht sich – kombiniert man die Prophezeiung mit Daniel 7 und Offenbarung 13 und 17 – auf die Vereinigten Staaten von Europa, die wir derzeit aus der Europäischen Gemeinschaft entstehen sehen. Offenbarung 17, 12 macht klar, dass es sich um eine Vereinigung von zehn Königen oder Königreichen handeln wird, die sich zusammenschließen und (Offenbarung 17, 8) das alte „Heilige” Römische Reich noch einmal erstehen lassen.

Man beachte also genau die Zeitangabe: „Aber zur Zeit dieser Könige …” – dann, wenn diese zehn Nationen oder Nationengruppen in unserer Zeit sich zu einer Art Neuauflage des Römischen Reiches zusammenschließen – „… wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird … Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben” (Daniel 2, 44).

Ja, in unserer Zeit

Wir haben hier vier Universalreiche beschrieben; die einzigen vier, die es in der Geschichte gegeben hat. Offenbarung 13 und 17 zeigen, dass es nach dem Untergang des Römischen Imperiums (des letzten) noch zehn „Neubelebungen” dieses Reiches geben sollte, sieben davon beherrscht von einer Heidenkirche, der „Tochter” des alten Babylon: einer Kirche, die sich christlich nennt, von Gott aber als „ein Geheimnis: Das große Babylon” bezeichnet wird, oder deutlicher gesagt: babylonische Mysterienreligion.

Sechs dieser Reichsneubildungen sind gekommen und gegangen; die siebente ist gerade im Entstehen begriffen, die letzte, nur noch kurz dauernde „Wiederbelebung” des Römischen Reiches durch zehn europäische Gruppen bzw. Staaten. Das sind die zehn Zehen aus einer Mischung von Eisen und Ton.

In ihrer Zeit – und sie werden, wie gesagt, nur sehr kurz Bestand haben, womöglich nicht länger als zwei bis dreieinhalb Jahre – wird dann der Gott des Himmels ein Reich aufrichten.

Das wird dann das Reich Gottes sein.

Vergleichen wir mit Offenbarung 17: Dort wird eine Kirche geschildert. Keine kleine Kirche, sondern eine Großkirche. Sie herrscht über „viele Wasser” (Vers 1), die in Vers 15 als Völkerscharen, Nationen, die verschiedene Sprachen sprechen, gedeutet werden. Sie gibt sich als wahre Kirche Gottes aus – die, wie die Schrift sagt (Epheser 5, 23; Offenbarung 19, 7; Matthäus 25, 1-10 usw.), Christi „Braut” ist und bei seiner Rückkehr geistlich eine Ehe mit ihm eingehen soll.

Jedoch hat sie, wie es heißt, „Hurerei” begangen. Wodurch? Indem sie direkte politische Bindungen zu menschlichen Regierungen dieser Welt eingegangen ist, sich damit prostituiert hat, wie man heute sagen würde. Sie „saß auf” (Offenbarung 17, 3) allen sieben Neubildungen des Römischen Reiches – genannt „Heiliges Römisches Reich”. Sie beherrschte weltliche Staatsgebilde, wie in einem unehelichen Verhältnis eine „Frau” ihren „Buhlen” beherrschen kann, ein völlig unnatürliches und gottloses Verhältnis.

Auch auf diesem letzten „Haupt des Tieres”, der letzten Wiedergeburt des Römischen Reiches, soll sie „sitzen”. Es wird sich um eine Vereinigung Kirche-Staat handeln, die aber nur sehr kurze Zeit Bestand haben wird. Sie wird gegen den zur Erde wiedergekehrten Christus kämpfen. Und das wird ihr Ende sein.

Diesen Staatenbund, der von einer Kirche beherrscht sein wird, sehen wir jetzt entstehen. Das heißt: Die Wiederkehr Christi kann nicht mehr fern sein. Das Ende dieser Welt steht schon nahe bevor!

Wenn Christus kommt, dann kommt er als König der Könige, als Herr der ganzen Welt (Offenbarung 19, 11-16), und sein Reichdas Reich Gottes – soll nach Daniels Worten alle weltlichen Reiche vernichten.

Offenbarung 11, 15 drückt es so aus: „Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.”

Das ist das Reich Gottes. Es setzt allen jetzigen Herrschaftsformen ein Ende – eine Machtenthebung aller Regierungen, die es auf Erden gibt. Die Länder der Welt werden dann zu Reichen Christi werden, mit Jesus Christus, dem König der Könige, als oberste Gewalt und Instanz.

Dies verdeutlicht, dass es sich beim Reich Gottes ganz konkret um Herrschaft handelt. So, wie das Chaldäer-Imperium, wie das Imperium Romanum ein Reich war, so wird auch das Reich Gottes eine Regierung sein. Es wird die Regierung aller Nationen der Welt übernehmen.

Jesus Christus ist zum König geboren – zum Herrscher.

Die Schrift sagt unmissverständlich: Gott ist die oberste Gewalt. Sie sagt, Jesus Christus sei zum König geboren, er werde alle Nationen der Welt regieren und seines Reichs werde kein Ende sein.

Doch das ist nur ein Teil der phantastischen, erstaunlichen, ja schockierenden Wahrheit über das Reich Gottes.

Das Reich Gottes wird also Macht ausüben über Völker und Nationen auf Erden. Doch diese sterblichen Menschen werden nicht das Reich selbst sein, sie werden auch nicht im Reich sein. Sie werden nur davon regiert werden.

Es bleibt zu fragen, woraus sich das Reich denn nun konkret zusammensetzt bzw. wen oder was es umfasst. Können Sie, als „normaler Mensch”, jemals ein Teil dieses Reichs werden?

Wer hineinkommt

Die religiöse Führungsschicht in Jesu Tagen wusste sehr wohl, dass Jesus ein von Gott gesandter Lehrer war, der Gottes Wahrheit brachte. Zwar brandmarkte man ihn als falschen Propheten, Ketzer, Aufrührer. Dennoch wusste man: Er spricht mit Gottes Stimme.

Das geht aus einer Äußerung des Nikodemus hervor, eines hochgestellten Pharisäers, der heimlich kam, um Jesus zu sehen.

„Meister”, sagte er, „wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen …” (Johannes 3, 2). Wir wissen, das heißt, die Pharisäer wussten es, nicht nur Nikodemus allein. Sonst hätte er wohl kaum die Mehrzahl gebraucht. Man wusste, dass Jesus die Wahrheit sprach und trotzdem wies man sie nicht nur zurück, man kreuzigte ihn auch.

Wir führen die Stelle deshalb an, weil Jesu Antwort erste, wesentliche Kriterien für das Reich Gottes angibt:

„Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen” (Johannes 3, 3).

Das Reich Gottes kann „gesehen” werden – aber nur von solchen, die „von neuem geboren” (wiedergeboren) worden sind. Von anderen nicht! Lesen Sie es in Kapitel 12 oder bestellen Sie unsere kostenlose Broschüre Was heißt Wiedergeburt?

Verträgt sich das mit der Auffassung, die Kirche sei das Reich? Können fleischliche Menschen, die keinerlei „Wiedergeburt” erlebt haben, eine Kirche sehen? Ganz bestimmt! Doch das Reich Gottes können sie nicht sehen. Das hat Jesus gesagt. Will man Jesus glauben, kann die Kirche also nicht das Reich Gottes sein.

Weiter: „Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen” (Vers 5). Man kann in das Reich Gottes kommenaber nur als Geborener „aus Wasser und Geist”. Nur dann.

Im Auferstehungskapitel der Bibel liest man ferner: „Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit” (1. Korinther 15, 50). Das Reich Gottes ist etwas, das kein Mensch aus Fleisch und Blut ererben kann. Er kann nicht hineinkommen.

Kommen aber Menschen aus Fleisch und Blut in die Kirche „hinein”? Wenn ja, dann kann die Kirche nicht das Reich Gottes sein – denn Menschen aus Fleisch und Blut bleibt das Reich ja verschlossen.

Was ist denn eigentlich „die Kirche”? Ist es das Gebäude? Menschen aus Fleisch und Blut gehen in Bauwerken und Domen, die sich „Kirchen” nennen, ein und aus. Sind es die Mitglieder? Menschen aus Fleisch und Blut können Mitglied jeder x-beliebigen Gemeinde werden, die sich Kirche nennt. „Mitglied” im Reich Gottes können sie aber nicht werden – also ist die Kirche nicht das Reich Gottes!

Im Herzen der Menschen?

Nun verstehen manche unter Reich Gottes einfach ein ätherisch-sentimentales Gefühl im Herzen der Menschen. Wenn dem so wäre, dann käme das Reich Gottes praktisch in den sterblichen Menschen hinein. Doch die zitierten Schriftstellen sagen eindeutig, dass nur Menschen, die nicht mehr aus Fleisch und Blut bestehen, sondern auferstanden sind zu Geist-Beschaffenheit, in das Reich Gottes kommen können. Es kommt nicht, umgekehrt, in den Menschen. Der Mensch kommt in das Reich, nachdem er auferstanden ist in Herrlichkeit, nachdem er seine Fleisch-und-Blut-Beschaffenheit abgelegt hat.

Ist es der „Gott in uns”? Absolut nicht. Es handelt sich nicht um etwas dem Menschen Angeborenes oder in ihn Gekommenes. Es ist etwas, in das der Mensch kommen kann – nach einer „Neugeburt”.

Und das Britische Empire? Also, ich kenne die Britischen Inseln, Kanada, Australien usw. recht gut, und all die Abertausende von Menschen, die ich gesehen habe, waren aus Fleisch und Blut. Sie sind ins Britische Reich „gekommen” – aber ins Reich Gottes können sie in ihrer jetzigen, fleischlichen Beschaffenheit nicht kommen. Also kann auch das Britische Empire nicht das Reich Gottes sein.

Nun mag man sich aber darauf berufen, dass Jesus an einer Stelle gesagt hat, das Reich Gottes sei „inwendig in euch” (alte Luther-Übers.). Diese Formulierung aus Lukas 17, 21 ist ein Übersetzungsfehler, der schon zu manchem Missverständnis Anlass gegeben und die Vorstellung vom „innerlichen” Reich Gottes begünstigt hat.

Im Herzen der Pharisäer?

Zunächst einmal: Hätte Jesus das wirklich gesagt, so widerspräche es sämtlichen anderen von mir angeführten Belegstellen. Eine in sich widersprüchliche Bibel hätte dann aber jede Glaubwürdigkeit verloren; nichts ließe sich dann mehr beweisen, so oder so.

Zu wem hat Jesus diesen Ausspruch denn getan?

Lukas 17, 20-21: „Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch” – und im alten Luthertext heißt es: inwendig in euch.

Er sprach zu den unbekehrten, fleischlich gesinnten, scheinheiligen, lügnerischen Pharisäern. Das wird ausdrücklich gesagt. Waren die Pharisäer, denen seine Antwort galt, denn in der Kirche? Nein. Wenn man nun die Kirche für das Reich hält – und das Reich „in” den Pharisäern gewesen wäre –, so wäre die Kirche in den Pharisäem gewesen. Eine doch wohl ziemlich absurde Auffassung.

Zum Text zurück. Die Kirche war, wohlgemerkt, noch nicht gegründet. Jesus sagt nicht: „Das Reich Gottes wird inwendig in euch sein”, sondern er spricht in der Gegenwart: ist inwendig in euch. Vom Inhalt zunächst abgesehen, redet er im Präsens, nicht im Futur.

Und inhaltlich ist die Stelle in den moderneren Bibelübersetzungen denn auch korrigiert worden: statt „inwendig in euch” heißt es „mitten unter euch” (rev. Luther-Bibel) oder „in eurer Mitte” (Menge-Bibel, Fußnote). Die Gegenwartsform „ist” wird beibehalten.

Jesus spricht hier weder von einer bald zu gründenden Kirche noch von irgendwelchen „innerlichen” Gefühlen. Er spricht von seiner Herrschaft als Messias. Nach einer Kirche hatten ihn die Pharisäer nicht gefragt; von einer neutestamentlichen Kirche, die kommen sollte, wussten sie nichts. Auch um schöne Gefühle ging es ihnen nicht. Aus den Prophezeiungen Daniels, Jesajas, Jeremias u.a. wussten sie, dass ein Messias erscheinen sollte. Dabei übersahen sie aber die Prophezeiungen, die sein vorheriges, erstes Auftreten als „Lamm Gottes”, das Sühneopfer für die Sünden der Menschheit, ankündigten – seine Geburt als Menschenkind, sein Leiden und Sterben, wie in Jesaja 53 vorausgesagt. Sie dachten nur an die Prophezeiungen seines zweiten Kommens als allmächtiger, allgewaltiger König. Sie erhofften sich einen starken Judenherrscher.

Weltherrschaft

Jesus korrigierte sie. Er erklärte, es werde sich nicht um ein regional begrenztes Reich nur für die Juden handeln, kein Menschenreich unter vielen, auf das man mit dem Finger deuten, schauen und sagen könnte: Es ist „hier”! oder: „Es ist dort.” Dennoch war er zum König dieses Reiches geboren, wie er vor Pilatus sagte (Johannes 18, 36-37). Die Begriffe „König” und „Königreich” werden in der Bibel austauschbar gebraucht (siehe Daniel 7, 17-18 u. 23). Der König des künftigen Reiches stand in diesem Augenblick in ihrer Mitte. Dies war gemeint, wie aus der verwendeten Zeitform sowie, inhaltlich, aus den berichtigten Übersetzungen neuerer Bibelausgaben hervorgeht.

In den folgenden Versen bringt Jesus die Rede auf sein zweites Kommen, wenn das Reich Gottes die Erde beherrschen wird. In Lukas 17, 24 spricht er von Blitzen (wie auch in Matthäus 24, 27) als Veranschaulichung der plötzlichen Gewalt, mit der sich seine Wiederkehr vollzieht. Vers 26 – wie es war zur Zeit Noahs, so wird es beim zweiten Kommen Christi sein. Vers 30 – der Tag, an dem er „offenbar werden wird”.

Ganz klar, Jesus meinte keinesfalls, das Reich Gottes sei in den Christus-hassenden, heuchlerischen Pharisäern, und er wollte das Reich auch nicht mit der Kirche gleichsetzen.

Noch deutlicher wird es, wenn man weitere Texte heranzieht:

Jesus sagte den Pharisäern nämlich auch, sie würden überhaupt nicht im Reich Gottes sein. „Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr [die Pharisäer] sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen. Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes” (Lukas 13, 28-29).

Das Reich Gottes ist etwas, in das der Mensch kommen kann – bei der Auferstehung der Gerechten. Doch Abraham ist noch nicht dort (siehe Hebräer 11, 13 u. 39-40).

Noch nicht erschienen

Ein weiterer Einwand, der kommen könnte: Hat Jesus nicht gesagt, das Reich Gottes sei damals schon „herbeigekommen”? Ja, das haben wir eingangs zitiert (Markus 1, 15). Dies hat zu der verständlichen, aber falschen Deutung geführt, das Reich Gottes müsse damals, zu Jesu Zeit, bereits aufgerichtet worden sein; manche setzen es daher mit der Kirche gleich.

Von „Errichtung”, also tatsächlichem Vorhandensein des Reiches Gottes, hat Jesus aber nicht gesprochen. Es wurde damals gepredigt (Lukas 16, 16), aber es existierte noch nicht. Jesus selbst ist gegen diese falsche Auffassung angegangen. Er sagte „ein Gleichnis … [weil] sie meinten, das Reich Gottes werde sogleich offenbar werden” (Lukas 19, 11). Wozu dieses Gleichnis? Weil einige schon damals (irrtümlich) glaubten, das Reich werde unmittelbar anbrechen – weil manche dachten, die Kirche werde es sein.

Das Gleichnis: „Ein Fürst zog in ein fernes Land, um ein Königtum zu erlangen und dann zurückzukommen” (Vers 12). Dieser „Fürst” ist Christus selbst. Er spricht von seiner Auffahrt zum Thron Gottvaters im Himmel. Dort soll er, wie es heißt, das Königtum erlangen. Herrschergewalt über ein Reich. Und wenn er es erlangt hat, soll er wiederkehren. Er ist aber noch nicht wiedergekehrt! Darüber sagen andere Stellen, zu denen wir noch kommen, Näheres.

Weiter in dem Gleichnis, das sich gegen die Annahme wendet, das Reich Gottes werde damals im ersten Jahrhundert „sogleich offenbar” werden: „Und es begab sich, als er wiederkam, nachdem er das Königtum erlangt hatte, da ließ er die Knechte rufen, denen er das Geld gegeben hatte, um zu erfahren, was ein jeder erhandelt hätte” (Vers 15). Wenn Christus zurückkehrt, werden wir vor seinen Richterthron gerufen – um Rechenschaft abzulegen.

Nun (Vers 17) bekommt derjenige, der zehn Pfund hinzugewonnen hat, Herrschergewalt über Städte – „… sollst du Macht haben über zehn Städte”. Zu dem, der fünf Pfund erworben hat, spricht er: „Und du sollst über fünf Städte sein” (Vers 19).

Das Gleichnis handelt vom zweiten Kommen Christi, er vergibt darin Regierungsgewalt an Heilige, die jetzt in der Christen-Ära, zwischen seinem ersten und zweiten Kommen, bekehrt worden sind.

Es soll uns mithin verdeutlichen, dass es sich beim Reich Gottes ganz konkret um Herrschaft handelt, die beim zweiten Kommen Christiund nicht eher! – errichtet wird. Die Kirche, die es ja jetzt schon gibt, kann also das Reich Gottes nicht sein. Doch die wahre Kirche Gottes wird zum Reich Gottes werden: durch eine Auferstehung und unmittelbare Verwandlung von Sterblichkeit zu Unsterblichkeit. Nach dieser Umwandlung ihrer Glieder ist sie das Reich Gottes; vorher, jetzt, ist sie es noch nicht.

Heilige, die herrschen

Nun zu dem biblischen Text, der die Ermächtigung Christi, das Reich zu regieren, unmittelbar beschreibt. Er ist der Fürst, der zum Himmel zog, um das Königtum zu erlangen und dann wiederzukehren.

Eine Schilderung Daniels, wie beim zweiten Kommen Christi das Reich Gottes errichtet wird, das alle Menschenherrschaft auf Erden ablöst, haben wir bereits gesehen (Kapitel 2). Jetzt Kapitel sieben:

„Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn [Christus] und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht” (Vers 13). In allen vier Evangelien bezeichnet sich Jesus sehr häufig als „Menschensohn”. Auf Wolken ist Jesus zum Himmel aufgefahren (Apostelgeschichte 1, 9), zum Thron Gottes im Himmel (Markus 16, 19). Und weiter:

„Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende” (Daniel 7, 14).

Das ist klare Sprache! Christus ist zum Thron Gottes im Himmel aufgefahren. Gott ist Souverän über das gesamte Universum. Die Vision zeigt, wie Gott der Allmächtige, der Vater des auferstandenen, lebendigen Christus, „Macht” an Christus überträgt. Macht, das heißt Souveränität, Herrschergewalt. Auch bekam er das „Reich” übertragen. Wo soll dieses Reich liegen? Es heißt, „dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten”. Diese Völker und Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, leben hier auf der Erde. Er erhält Macht über alle Völker – das heißt Weltherrschaft.

Wichtiges Wörtchen „bis”

Lesen Sie nun bitte Apostelgeschichte 3, 21. Dort steht, dass Christus in den Himmel aufgenommen wird, bis – das heißt nicht für immer, sondern nur für eine bestimmte Zeit. Und bis wann? „… bis zu der Zeit, in der alles wiedergebracht wird”. Eine Wiederherstellung eines früheren Zustandes. Nämlich die Wiederaufrichtung der göttlichen Gesetze, der göttlichen Herrschaft, die Wiederherstellung von Glück und allgemeinem Frieden.

Im 7. Kapitel von Daniel hat der Prophet einen Traum und eine Vision. Er sieht vier wilde Tiere. Beachten Sie Vers 16; die Auslegung beginnt in Vers 17. Das ist Gottes inspirierte Auslegung nicht meine: „Diese vier großen Tiere sind vier Königreiche, die auf Erden kommen werden. Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich empfangen und werden’s immer und ewig besitzen” (Vers 17-18).

Das heißt: Nicht allein Christus wird herrschen, sondern auch die Heiligen, sprich: bekehrte Christen, gezeugte Kinder Gottes, sollen das Reich empfangen und besitzen. Sie sollen unter und mit Christus regieren. Im Neuen Testament steht, bekehrte Heilige seien Miterben Christi.

Im selben 7. Kapitel geht Daniel auch noch auf eine andere Macht ein. Das vierte Tier seines Traumes – das vierte Reich (das Römische Imperium) – wird dargestellt als Tier mit zehn Hörnern, die hier sowie in Offenbarung 13 und 17 als zehn Wiederherstellungen oder „Neugeburten” des Römischen Reiches nach seinem Untergang 476 n. Chr. gedeutet werden. Doch zwischen ihnen – nach 476 n. Chr. wuchs ein weiteres kleines Horn, ein religiöses „Reich”, das Defacto-Macht über die letzten sieben der anderen „Hörner” oder neuerstandenen Römischen Reiche ausübte (Vers 20).

In den nächsten Versen heißt es über dieses „kleine Horn”, das religiöse Reich: „Und ich sah das Horn kämpfen gegen die Heiligen, und es behielt den Sieg über sie, bis [ein weiteres, wichtiges „bis”] der kam, der uralt war, und Recht schaffte den Heiligen des Höchsten und bis die Zeit kam, dass die Heiligen das Reich empfingen” (Vers 21-22).

Die Heiligen – dann nicht länger aus Fleisch und Blut, sondern unsterblich – sollen beim zweiten Kommen Christi das Reich empfangen.

Jesus macht das klar. Er selbst ist es, der in Offenbarung 3, 21 und 2, 26-27 spricht: „Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.” Der Thron des Vaters steht im Himmel wo Jesus jetzt ist; doch der Thron Christi, auf dem die Heiligen mit ihm sitzen sollen, ist der Thron Davids in Jerusalem (Lukas 1, 32).

Und: „Wer überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe …”

Genauer Zeitpunkt unbekannt

Nach seiner Auferstehung, auf dem Ölberg kurz vor seiner Himmelfahrt, erklärte Jesus seinen Jüngern, wie sie am Pfingsttage die Kraft Gottes, seinen Heiligen Geist, empfangen würden.

Seine Jünger wollten wissen, ob zur damaligen Zeit das Reich Gottes aufgerichtet werden würde. An jenem Pfingsttag wurde bekanntlich die Kirche gegründet. War dies die Aufrichtung des Reiches?

„Herr”, fragten sie, „wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?”

Doch Jesus verdeutlichte ihnen, dass die Kirche nicht das Reich war.

„Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und da er solches gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg” (Apostelgeschichte 1, 7-9).

Der Auftrag, den er der Kirche gegeben hatte, lautete: Predigt das Evangelium der ganzen Welt. Sie sollten den Heiligen Geist empfangen, der sie als Heilige – als Christen – zeugte und sie zu Gliedern von Gottes Kirche machte. Das sollte ihnen die Kraft geben, den kirchlichen Auftrag auszuführen. Aber es war nicht die Errichtung des Gottesreiches. Wann dies kommen sollte, wussten sie nicht und konnten sie nicht wissen.

Zweimal sagt Jesus über den genauen Zeitpunkt. „Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen …”, oben zitiert, und in Matthäus 24, 36: „Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.”

Wenn auch wir Tag und Stunde des Kommens Christi und des Anbruchs des Gottesreiches nicht kennen, so wissen wir doch aus den Prophezeiungen, dass die Zeit heute sehr nahe sein muss. In Lukas 21, 25-32 werden Zeichen angegeben, die jetzt einzutreten beginnen, eine allgemeine Zuspitzung der Problematiken auf der Welt, Krisen, Kriege, Naturkatastrophen, „… und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde …”, eine Weltkrise schließlich wie nie zuvor. „… wenn ihr seht, dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht [Generation] wird nicht vergehen, bis es alles geschieht.”

Alle Zeichen deuten darauf hin, dass wir tatsächlich in der letzten Generation dieser üblen Welt leben.

Die zwei schicksalsschweren Entscheidungen

Die große Notzeit der Welt begann 1914 mit dem Ersten Weltkrieg. Von 1918-39 gab es eine Atempause. Im Augenblick erleben wir wieder eine Atempause. Aber heute gibt es, als wesentlichen Unterschied, Kernenergie. Menge und Kraft der Wasserstoffbomben, die in den Arsenalen ruhen, reichen, um die Menschheit x-mal von der Erde zu vertilgen. Noch weitere Massenvernichtungswerkzeuge gibt es, die ebenfalls alles menschliche Leben auslöschen könnten.

Weltbekannte Wissenschaftler sagen, nur eine praktisch allmächtige Weltregierung könne den Kosmozid, den Selbstmord der Welt, noch verhindern. Doch eine solche Weltregierung zu bilden, ist der Mensch nicht fähig und wohl auch nicht willens.

Es wird Zeit, dass wir uns den harten, kalten realistischen Tatsachen stellen und den beiden einzigen Alternativen, die da sind: Entweder gibt es einen allmächtigen Gott, der bald eingreift, das Reich Gottes errichtet, mit übernatürlicher und übernationaler Gewalt die Völker regiert und Frieden schafft – oder der Selbstmord der Menschheit ist gewiss (Matthäus 24, 22).

Der dritte, nukleare Weltkrieg – in der Prophezeiung die „große Trübsal” genannt (Matthäus 24, 21-22) – macht der jetzigen „Atempause” bald und ganz explosiv ein Ende. Das globale Elend und Leid wird aber von Gott verkürzt. Er wird Jesus Christus wieder zur Erde schicken als König aller Könige, als Herr aller Herren, um die Herrschaft Gottes durch das Welt-regierende Reich Gottes wiederherzustellen!